Einsatz und Förderung von E-Learning an berufsbildenden Schulen


Bachelorarbeit, 2011
50 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 E-Learning – eine Einführung
2.1 Begriffsbeschreibung
2.2 Formen des E-Learning

3 Entwicklung und Förderung der Grundvoraussetzungen von E-Learning
3.1 Geschichte des E-Learning
3.2 Institutionelle Förderung von E-Learning
3.2.1 Europäische Förderung
3.2.2 Förderung in Deutschland
3.2.3 Fazit der Förderung

4 Gründe und Ziele von E-Learning an berufsbildenden Schulen
4.1 Besonderheiten der berufsbildenden Schule
4.2 Potentiale von E-Learning
4.2.1 Fördern von Kompetenzen
4.2.2 Zeit- und ortsunabhängiges Lernen
4.2.3 Kommunikation
4.2.4 Elektronische Lernmaterialien
4.2.5 Lernerfolgskontrolle
4.2.6 Unterstützung von kooperativen Lernen
4.3 Förderung des selbstgesteuerten Lernens
4.4 Motivation und E-Learning
4.5 Kritische Betrachtungsweise von E-Learning

5 Die Erstellung von E-Learning-Programmen
5.1 Schaffung der Rahmenbedingungen für erfolgreiches E-Learning
5.1.1 Technische Infrastruktur
5.1.2 Die Aufbereitung von Inhalten
5.1.3 Lernende /Lehrende
5.2 Gestaltung von E-Learning-Programmen
5.3 Betreuung von E-Learning-Programmen

6 E-Learning an Berufsbildenden Schulen
6.1 Einsatzmöglichkeiten von E-Learning in der Schule
6.2 Die Lernplattform Moodle
6.3 E-Learning-Programme an der BBS1 in Leer

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Demoseite von Moodle

Abbildung 2: Beispiel von Lernmodule.net

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Neue Formen der Lehrunterstützung (Czerwionka & de Witt 2007, S. 101)

Tabelle 2: Anforderungen an einen guten Betreuer (vgl. Weidmann 2007, S. 2)

Tabelle 3: Stufen des E-Learning (vgl. Petko 2010, S. 14)

1 Einleitung

In der heutzutage immer stärker globalisierten Welt ist Bildung ein zentraler Punkt, um sich positiv von anderen Ländern abzuheben. Bildung ist ein probates Mittel, um sich der wachsenden Konkurrenz aus dem Ausland im globalen Wettbewerb entgegenzustellen und Wissen wird zu einer wichtigen Ressource für Staaten wie Deutschland. Spätestens seit den PISA-Studien ist bekannt, dass Deutschland in Sachen Bildung und Wissen lediglich einen Platz im Mittelfeld in den untersuchten Ländern einnimmt. Es wird somit ständig nach neuen Instrumenten zur Vermittlung von Wissen gesucht. Die zunehmende Entwicklung der Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft mit dem Internet und dem PC als zentrale Medien führt zu neuen Möglichkeiten in der Bildungsvermittlung, aber auch zu neuen Herausforderungen und Problemen. Ein großes Problem kann die Unterteilung der unbegrenzten Informationen aus dem Internet in relevante und irrelevante, bzw. richtige und falsche, Informationen sein. Andererseits bieten die neuen Techniken der Mediennutzung große Chancen für neue Konzepte des Lehrens und Lernens.

Über kaum ein anderes Konzept oder Lernmedium wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten mehr debattiert als über das E-Learning. Die ersten Lernprogramme, die im weitesten Sinne etwas mit dem heutigen Begriff E-Learning zu tun hatten, entstanden Mitte der achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. In den neunziger Jahren wurden erste multimediale Lernprogramme mittels PC eingeführt. Spätestens die Einführung eines Strategiekonzeptes des Bundesministeriums für Bildung zur Implementierung der neuen Medien in das Schulsystem im Jahr 2000 machte jedem deutlich, dass E-Learning ein Konzept der Zukunft ist (vgl. Moriz 2008, S.9).

E-Learning kann sowohl in der schulischen Aus- und Weiterbildung als auch in Unternehmen und bei anderen Wissensvermittlern angewendet werden. In der vorliegenden Arbeit steht das E-Learning vor allem an berufsbildenden Schulen im Vordergrund und nicht die berufliche Weiterbildung im und durch Unternehmen. In Schulen ist die Arbeit mit dem PC und dem Internet zu einem unverzichtbaren Teil des alltäglichen Unterrichts geworden. Doch gibt es gerade in diesem Bereich auch eine ganze Reihe von Skeptikern. Allein der Einsatz des Internets und des PCs macht sicherlich noch keinen guten Unterricht aus. Inwieweit E-Learning in der Schule angewendet und wie diese Anwendung gefördert wird, ist Hauptbestandteil dieser Arbeit. Fragen, wie zum Beispiel

- Wie sieht E-Learning im täglichen Unterricht aus?
- Welche Initiativen zur Förderung und Verbesserung des E-Learning gibt es?
- Wie kann E-Learning den herkömmlichen Unterricht verbessern?
- Wie sollten E-Learning-Programme konzipiert sein?
- Welche Voraussetzungen müssen die Schulen und die Lehrer[1] erfüllen, um E-Learning erfolgreich einzusetzen?

stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Es sollen in dieser Arbeit keine didaktischen Konzepte erstellt oder analysiert, sondern die Grundprinzipien und Möglichkeiten beim Einsatz von E-Learning-Programmen aufgezeigt, werden. Es geht in dieser Arbeit also nicht um didaktische Feinheiten von E-Learning, sondern um die Potentiale zur Verbesserung des täglichen Unterrichts in der berufsbildenden Schule.

Kapitel zwei soll anfangs grundlegende Begriffe und Formen des E-Learning klären, damit mit diesen Begriffen im weiteren Verlauf der Arbeit umgegangen werden kann. Im dritten Kapitel geht es vor allem um die Förderung des E-Learning im letzten Jahrzehnt. Die Grundvoraussetzungen, bzw. die Bereitstellung von PC und Internet in den Schulen, stehen hier im Vordergrund. Im vierten Kapitel geht es insbesondere um E-Learning im engeren Sinne. Nicht nur das unterstützende Lernen mit dem Internet und dem PC als Hilfsmittel, sondern auch das Lehren und Lernen mit komplexen E-Learning-Programmen und auf E-Learning-Plattformen wird hier untersucht. Die Möglichkeiten dieser Programme, den herkömmlichen Unterricht zu verbessern, werden in diesem Kapitel aufgezeigt. Ein weiterer Hauptpunkt umfasst die Förderung des selbstgesteuerten Lernens. In Kapitel fünf wird gezeigt, welche Rahmenbedingungen beachtet werden müssen und wie ein E-Learning-Programm aussieht. Zudem wird die Gestaltung und Betreuung von E-Learning-Modulen beschrieben. Kapitel sechs widmet sich den Einsatzmöglichkeiten von E-Learning in der berufsbildenden Schule und zeigt dies am Beispiel der Lernplattform Moodle. Zum Schluss dieser Arbeit folgt ein Fazit des Einsatzes und der Förderung von E-Learning und es soll ein möglicher Ausblick gegeben werden.

2 E-Learning – eine Einführung

Für das E-Learning gibt es nicht die spezifische, wissenschaftliche Definition. Grob gesagt beschreibt E-Learning das Lernen mittels elektronischer Medien. Im Folgenden soll der Begriff des E-Learning näher beschrieben werden. Desweiteren werden die zentralen Begriffe und gängigsten Arten des E-Learning, speziell das, was man auch in der Schule anwenden kann, beschrieben und dargestellt.

2.1 Begriffsbeschreibung

E-Learning hat eine sehr breite Definitionsspanne. Wörtlich übersetzt bedeutet es „elektronisches Lernen“. Neben verschiedenen Begriffsbeschreibungen gibt es keine einheitliche Schreibweise des Wortes. Hettinger (2008, S. 10 ff.) beschreibt E-Learning sinngemäß anhand von vier Merkmalen:

- Verfahren und Inhalte, die hauptsächlich die Internettechnologie als Übertragungs- und Kommunikationsmedium nutzen
- nicht bloße Bereitstellung von Materialien, sondern elektronische Kommunikation zwischen Lernende und Lehrende stehen im Vordergrund
- die Verwaltung des Unterrichts erfolgt meistens elektronisch bzw. online
- Medien spielen eine wesentliche Rolle

Er sieht E-Learning aber insgesamt nicht als Oberbegriff für alle Formen des Lernens und Lehrens anhand von digitalen Medien. So ist seiner Meinung nach eine Nutzung eines schulischen Intranets zur Bereitstellung von Lerninhalten noch kein E-Learning. Auch eine Gleichsetzung mit jeglicher computerunterstützten Form des Unterrichts lehnt er ab. Im Gegensatz dazu umfasst die Beschreibung von Moriz (2008, S. 15) „alle Lehr- und Lernformen, die auf dem Arbeiten am und mit dem PC basieren.“ Er betrachtet E-Learning als eine vielfältige Unterrichtsform, die den traditionellen Unterricht unterstützt, oder zu neuen Unterrichtsformen (z.B. Einsatz von Lernprogrammen) führen kann. Die Grundlage liefert der PC in Kombination mit dem Internet (vgl. Moriz 2008, S. 17). Schrack (2006, S. 12 ff.) beschreibt E-Learning im Umfeld Schule. Er versteht unter dem Begriff computerbegleitete Lernprozesse unter Verwendung von Online-Diensten, Internet oder Lernplattformen. Er bezeichnet jede Form dieser Aktivitäten als E-Learning und unterscheidet lediglich die Ausprägung im Unterricht von begleitend zu ersetzend. In den meisten Fällen unterstützen E-Learning-Programme in der Schule den herkömmlichen Unterricht. Ersetzende Formen, in denen ausschließlich Online gelehrt wird, kommen eher in der Hochschule in Form eines Fernstudiums oder Ähnlichem vor.

Während im dritten Kapitel jegliches Lernen mit Hilfe des PCs als E-Learning gesehen werden kann, geht es ab dem vierten Kapitel um E-Learning-Programme und Plattformen. Sie versuchen den Unterricht neu zu gestalten und zu verändern, indem sie kommunikative Instrumente nutzen und zeit- und ortsunabhängig genutzt werden (vgl. Issing & Kaltenbaek 2006, S. 49). Genauere Beschreibungen der Potentiale von E-Learning folgen in Kapitel 4.

Auch der Deutsche Bundestag (2008, S. 5 f.) hat sich mit dem Thema in einem Ausschuss beschäftigt. E-Learning ist demnach „das elektronische Lernen mithilfe von Computern und Internet“. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien stehen somit eindeutig im Vordergrund und alle Lehr- und Lernformen, die diese Technologien nutzen oder unterstützen, werden dem Begriff zugeordnet. Die Lerninhalte, die auch herkömmlicher Art, wie z. B. Texte, Arbeitsblätter oder Grafiken, sein können, werden digitalisiert und durch netzbasierte Kommunikation, wie Chat oder E-Mail, ergänzt. Jedoch weist der Ausschuss darauf hin, dass E-Learning den herkömmlichen Unterricht nicht ersetzt, sondern in den meisten Fällen lediglich eine sinnvolle und notwendige Ergänzung der herkömmlichen Lernarten ist. Dieses „Blended Learning“ ist die Form, die in der Schule angewendet und unter anderem im nächsten Unterpunkt „Formen des E-Learning“ näher beschrieben wird.

2.2 Formen des E-Learning

Es gibt verschiedene Ausprägungen des E-Learning. In der Schule kommt es, wie schon erwähnt, hauptsächlich in Form einer Kombination von Präsenzphasen mit virtuellen Phasen im Rahmen des Blended Learning vor. Herkömmliche Unterrichtsverfahren werden in den meisten Fällen da, wo es sinnvoll erscheint, mit E-Learning-Inhalten unterstützt und ergänzt. Da es kaum verbindliche Richtlinien (mehr in Kapitel sechs) dazu gibt, ist E-Learning sehr stark individualisiert und der Einsatz hängt von der subjektiven Einstellung der Lehrkraft ab (vgl. Mayr, Resinger & Schratz 2009, S. 18f. und S. 107). Blended Learning, auch gemischtes Lernen genannt, kann in puncto Anzahl und Länge der Präsenzphasen stark variieren. Vom zweimaligen Treffen am Anfang und zum Ende einer Unterrichtssequenz, bis zur bloßen Unterstützung eines Lernthemas mittels Internet, sind viele Variationen möglich. Auch in der Art der Informationsbereitstellung oder -beschaffung kann Blended Learning, bzw. E-Learning sehr unterschiedlich sein (vgl. Schrack 2006, S. 13 f.).

Bei der Vielfalt des E-Learning beschreibt Moriz (2008, S. 17 ff.) neben dem Blended Learning insgesamt folgende sieben verschiedene Ausprägungen, die jeweils den Präsenzunterricht ergänzen können. Er unterscheidet hauptsächlich nach der jeweiligen Technik, auf der die Programme basieren:

- Computer Based Training (CBT)
- Web Based Training (WBT)
- Expertensysteme
- Autorensysteme
- Lernplattformen
- Videokonferenzen
- Rapid E-Learning

Beim CBT übernimmt der PC durch ein Lernprogramm teilweise die Funktion des Lehrers. Mittels CD oder DVD werden den Schülern Lernprogramme zur Verfügung gestellt. Der PC und das Programm können neben der Vermittlung von Fachwissen auch Übungen und deren Auswertung zur Verfügung stellen. Die Lernenden können eigenverantwortlich mit individuellen Lerntempo Aufgaben bearbeiten, während der Lehrende sich auf Kontrollfragen bezüglich des Verständnisses des Unterrichtsinhalts beschränken kann. Beim WBT, das dem CBT recht ähnlich ist, erfolgt die Darstellung des Inhalts per Internet. Neue Erkenntnisse oder Inhalte können hier den Lernenden durch eine Veränderung des Programms oder einer Mitteilung online unverzüglich zur Verfügung gestellt werden. Dies geschieht häufig anhand von Homepages, die ständig angepasst werden und mit weiteren hilfreichen Internetseiten verlinkt sein können.

Eine weitere Unterscheidung trifft Moriz (2008, S. 18) zwischen Experten- und Autorensysteme. Während Expertensysteme fertige und sofort anwendbare E-Learning-Programme sind, müssen Autorensysteme erst noch mit Inhalt gefüllt werden, was kostspielig und zeitaufwendig sein kann. Expertensysteme stellen ein komplettes, funktionierendes Programm zur Verfügung, passen aber nicht ohne weiteres zum Unterrichtsthema. Autorensysteme stellen nur eine bestimmte Programmierumgebung zur Verfügung und können nur durch Experten mit Inhalten gefüllt werden.

Lernplattformen stellen eine Weiterentwicklung der WBT´s dar. Die Plattformen stellen zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten in den internetbasierten Programmen zur Verfügung. Dies können Kommunikationsmittel wie E-Mail, Foren, Chat-Räume oder News sein. Lernende können somit online Fragen stellen und die Lehrenden die Lernplattformen und die Schüler individuell betreuen. Es entsteht somit neben dem klassischen Klassenzimmer ein virtuelles Klassenzimmer. Eine weitere Verfeinerung dieser Plattformen kann mittels Rapid E-Learning erfolgen. Damit kann der Lehrende Inhalte von Standardprogrammen, z.B. von Microsoft Office, sofort formatiert auf der Plattform im Internet mittels einer Software den Lehrenden zur Verfügung stellen, ohne alle Informationen einzeln zu übertragen. Die Inhalte werden automatisch wie gewünscht formatiert. Dies kann die Bereitstellung von Materialien erheblich erleichtern (vgl. Moriz 2008, S. 20 f.).

Eine weitere Form der digitalen Wissensvermittlung ist laut Moriz (2008, S. 21) die Verwendung von Videokonferenzen. Der Unterricht oder das Seminar läuft in diesem Fall virtuell in einem Raum mit Kamera ab und wird den Teilnehmern per Webcam im Internet ortsunabhängig zur Verfügung gestellt.

Eine zusätzliche Möglichkeit im Rahmen des E-Learning ist die Anwendung von Planspielen mittels Simulationen. Simulationen sind interaktive Lernprogramme, die komplexe Systeme und Prozesse vereinfachen und mit bestimmten Fragestellungen abbilden. Im Bereich des E-Learning werden sie durch PC-Programme so aufbereitet, dass die Lernenden durch das Spiel Wissen erlangen. Dies kann zum Beispiel im Rahmen des Volkswirtschaftsunterrichts durch die Abbildung einzelner Wirtschaftszweige oder auch durch Simulation einer komplexen Volkswirtschaft geschehen. Jedes Handeln des Lernenden hat dann ganz bestimmte Auswirkungen, ähnlich wie in der Realität. Ein Beispiel ist hier das Simulations- und Strategiespiel Ecopolicy von Frederic Vester[2]. Auch die Simulation von Experimenten ist für das E-Learning sehr interessant und kann beliebig oft zum Erlernen wiederholt werden, was ein großer Vorteil beim Lernen mit dem PC sein kann (vgl. Arnold et al. 2004, S. 100 ff.).

Die beschriebenen Formen geben nur die gängigsten Arten und Unterscheidungsmöglichkeiten der Vielfalt des E-Learning wieder. Wie ein E-Learning-Programm in der Schule aussieht, wird in Kapitel fünf und sechs noch genauer beschrieben und dargestellt.

Desweiteren ist es wichtig zu wissen, dass Begriffe wie E-Teaching oder E-Education häufig in der Literatur als Synonyme für E-Learning verwendet werden. E-Teaching stellt dabei das Lehren und somit den Unterricht aus Sicht der Lehrkraft in den Vordergrund, während E-Education die Bildung sowohl aus Sicht der Lernenden als auch aus Sicht der Lehrenden betrachtet (vgl. Baumgartner, Häfele & Maier-Häfele 2004, S. 12 ff). In dieser Arbeit wird lediglich der Begriff E-Learning verwendet.

3 Entwicklung und Förderung der Grundvoraussetzungen von E-Learning

In diesem Kapitel geht es um die Etablierung von E-Learning im deutschen Schulsystem. E-Learning wird hier als das Lernen mithilfe von PC und Internet verstanden. Komplexe Lernplattformen werden hier nicht vorrangig angesprochen. Nach einer kurzen Entstehungsgeschichte soll vor allem auf die technischen Grundvoraussetzungen und deren Förderung durch die EU und durch Deutschland eingegangen werden. Für die spätere Anwendung von E-Learning-Programmen und Plattformen sind diese Grundvoraussetzungen überaus wichtig.

3.1 Geschichte des E-Learning

Die Betrachtung der Geschichte geht von dem Begriff im weitesten Sinne aus, was bei den Anfängen des computergestützten Lernens auch sinnvoll erscheint. Der Ursprung begann in den frühen 60er Jahren, in denen man versuchte, Lernprozesse anhand von primitiven Rechenmaschinen zu beschleunigen. Erste Lehrmaschinen wurden in den 70er Jahren in Schulen eingesetzt. Der Lernende bekam Fragen mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten und wurde entsprechend der Antwort weitergeleitet. Von einer flächendeckenden Versorgung der Schulen konnte man sicherlich nicht sprechen (vgl. Karl 2009, S.20).

Durch die Verbreitung der Computer-Hardware in den 80er Jahren waren bessere Möglichkeiten gegeben. Erste Programme konnten komplexe Fragestellungen und entsprechende Rückmeldungen realisieren. Diese ersten CBT-Lernprogramme konnten variabel gestaltet werden, waren für die damalige Zeit sehr flexibel und wurden vor allem in der betrieblichen Weiterbildung eingesetzt. Die Lernwege orientierten sich am Wissensstand des Lerners und es gab zum ersten Mal „intelligente“ Lehrsysteme, ohne dass ein Lehrender dauerhaft anwesend sein musste. Die Anwendung in der Schule war aber noch eine absolute Ausnahme und steigerte sich nur sehr langsam. Es konnten aber erstmals den Unterricht unterstützende Medien, wie Videorekorder, Bildplattenspieler oder Diaprojektoren, eingesetzt werden. Ende der 90er Jahre begann dann durch die rasche Verbreitung der Internettechnologie auch die zunehmende Verbreitung von E-Learning-Sequenzen in Schulen. Lernen war jetzt zu jeder Zeit an jedem Ort möglich und auch Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrendem konnte durch Chat oder Forum online erfolgen. Die ersten WBT-Programme wurden eingesetzt und es wurden virtuelle Lernplattformen geschaffen (vgl. Karl 2009, S.21 f.).

Schulen hatten die Möglichkeit, den herkömmlichen Unterricht mit E-Learning-Programmen zu unterstützen und ggfs. zu verbessern. Sowohl die CBT- als auch die WBT-Programme setzen allerdings hohe Investitionen in die Schulen in Form von Computerausstattung und Internetanschluss voraus. Sie werden deshalb erst in den letzten Jahren mehr und mehr eingesetzt.

3.2 Institutionelle Förderung von E-Learning

E-Learning kann sich nur entwickeln, wenn die Schulen auch dementsprechend ausgestattet sind. Zugang zum PC und zum Internet sind die Voraussetzungen für das Arbeiten mit den neuen Medien. Eine qualitative und quantitative Grundausstattung mit Hardware und Software ist Grundvoraussetzung für die Anwendung von E-Learning. Hierzu werden seitens der Schulen anfangs vor allem finanzielle Mittel benötigt. Die Grundsteine hierfür wurden seit Ende der 90er sowohl von der Bundesregierung und privaten Initiativen als auch von der EU gesetzt. Im Folgenden sollen einige Initiativen, Programme oder Förderungen von den verschiedenen Institutionen beispielhaft vorgestellt werden.

3.2.1 Europäische Förderung

Die ersten Initiativen hatten das Ziel, die Voraussetzungen für den Einsatz multimedialer Lerninhalte zu schaffen. Die Schulen sollten zielgerichtet auf neue Informations- und Kommunikationstechnologien vorbereitet werden. So hatte der Aktionsplan „Lernen in der Informationsgesellschaft“, der bereits im Jahr 1996 aufgelegt wurde, folgende vier Ziele:

- Europäische Vernetzung von Schulen
- Einbeziehung von Lerninhalten mit europäischer Thematik
- Förderung der Lehrkräfte bei Aus- und Weiterbildung in Bezug auf den Einsatz multimedialer Lerninhalte
- Bereitstellung von Informationen über pädagogische Möglichkeiten mit neuen Medien (vgl. Deutscher Bundestag 2008, S. 20)

Seit dem Jahr 2000 hatte die Europäische Gemeinschaft das Ziel, die wettbewerbsstärkste und dynamischste Wirtschaft der Welt zu werden. Durch den Aktionsplan „eEurope 2002 – Eine Informationsgesellschaft für alle“ sollten sowohl private als auch öffentliche Internetanschlüsse gefördert werden. Jede Schule sollte bis Ende 2001 und jedes Klassenzimmer bis Ende 2002 Zugang zum Internet und zu medialen Ressourcen haben. Ziel bis 2004 war es, dass 15 Schülern mindestens ein PC mit Internetanschluss zur Verfügung steht. Desweiteren sollten Unterrichtsinhalte an die neuen multimedialen Unterrichtsformen angepasst werden (vgl. Deutscher Bundestag 2008, S. 21).

Für diese und andere Projekte und Programme wurden viele finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. So stellte die EU zum Beispiel im Zeitraum von 2002 bis 2006 insgesamt 17,5 Mrd. Euro für Projekte rund ums Lehren und Lernen mit Computern zur Verfügung. Für das spezielle Programm „E-Learning in der EU“, welches die wirksame Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa zum Ziel hatte, stellte die EU von 2004 bis 2006 44 Mio. Euro zur Verfügung. Im Vordergrund stand hier die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte (vgl. Schult 2006).

3.2.2 Förderung in Deutschland

Die Förderung in Deutschland erfolgt auf verschiedenen politischen Ebenen. Da die Länder zum größten Teil für die Schulpolitik verantwortlich sind und jedes Bundesland unterschiedliche Strategien und Förderungsansätze verwendet, ist die Vielfalt der Initiativen groß. Bundesweite Förderprogramme sind schwer abzustimmen. Wie bereits angesprochen starteten erste Initiativen in Bezug auf E-Learning Ende der 90er Jahre. Von 2000 bis 2004 gab es einen regelrechten Boom und es wurden bundesweit öffentliche Mittel im Wert von 1,1 Mrd. Euro in diverse E-Learning-Projekte investiert. Auch hier ging es aber hauptsächlich um die technischen Voraussetzungen und Grundausstattungen zur Anwendung von E-Learning und nicht um die Implementierung von E-Learning-Programmen in den Unterricht. Der Ausschuss des Bundestages (2008, S.36 ff.) hat die folgenden 12 wichtigsten bundesweiten und länderübergreifenden Initiativen zur Entwicklung von E-Learning untersucht:

- Schulen ans Netz e.V.
- Bildung in der Informationsgesellschaft (BIG)
- Notebook-Klassen
- Studie „Lernen im Internet“
- Initiative D21 e.V.
- Förderprogramm Neue Medien in der Bildung
- Lehren für die Zukunft
- Microsoft – Partner für Schulen
- Bildungscent e.V.
- Schule interaktiv
- Bildungsoffensive 2006
- Digitale Oberstufe

Die meisten dieser Initiativen laufen bereits mehrere Jahre und werden nach einer anfänglichen Förderung durch öffentliche Mittel nun durch regionale oder überregionale Wirtschaftsunternehmen unterstützt. Diese Unternehmen kommen häufig aus der Telekommunikations-, Hard- oder Softwarebranche. Beispiele sind allen voran die Deutsche Telekom, Microsoft oder Hewlett Packard (vgl. Bundestag 2008, S. 36).

Die Förderziele dieser Initiativen sind vornehmlich im Auf- oder Ausbau der technischen Grundausstattung zu sehen. Zunehmend werden aber auch inhaltliche E-Learning-Programme gefördert und im Schulunterricht eingegliedert. Beispielhaft soll hier das Projekt „Schulen ans Netz e.V.“ kurz vorgestellt werden:

„Schulen ans Netz e.V.“ ist ein Projekt zur Förderung der Medienkompetenz, das hauptsächlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Zusätzlich beteiligen sich auch noch private Geldgeber und die Deutsche Telekom AG an dieser Initiative. Das Projekt hat es geschafft, dass seit 2001 jede deutsche Schule einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung hat. Zudem stellt das Projekt virtuelle Arbeits- und Kommunikationsräume, digitale Lehr- und Lernmaterialien und Fortbildungen für Lehrer zur Verfügung (vgl. Deutscher Bundestag 2008, S. 85).

Auch auf Länderebene sind sehr viele Projekte entstanden. Obwohl es viele bundesweite Initiativen gibt, fallen die grundlegenden Entscheidungen in Bezug auf das schulische E-Learning in den Verantwortungsbereich der Länder. Es gibt in jedem Bundesland verschiedene Projekte, was eine bundesweite Zusammenarbeit, mit dem Ziel die beste Strategie zur Etablierung von E-Learning in der Schule zu finden, erheblich erschwert (vgl. Deutscher Bundestag 2008, S. 34 ff.).

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird hier und im folgenden Text auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Geschlechtsbezogene Begriffe werden in ihrer männlichen Form verwendet, die selbstverständlich die weibliche Form impliziert.

[2] Weitere Informationen zu Ecopolicy im Internet: http://www.frederic-vester.de/deu/ecopolicy/

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Einsatz und Förderung von E-Learning an berufsbildenden Schulen
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Wirtschaftspädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
50
Katalognummer
V232211
ISBN (eBook)
9783656481720
ISBN (Buch)
9783656531593
Dateigröße
1313 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, förderung, e-learning, schulen
Arbeit zitieren
Daniel Rüschmeister (Autor), 2011, Einsatz und Förderung von E-Learning an berufsbildenden Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232211

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