Die Nuklearkatastrophe von Fukushima

Die mediale Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft unter Luhmanns Systemtheorie


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Luhmanns Systemtheorie
2.1. Systeme und System-Umwelt-Differenz
2.2. Selbstreferenz und Fremdreferenz
2.3. Autopoiesis und strukturelle Kopplung

3. Die mediale Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft vor, während und nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima
3.1. Daten und Methodik
3.2. Verlauf der Nuklearkatastrophe - die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft von Februar bis April 2011
3.3. Analyse der Nachrichten im Hinblick auf Luhmanns Systemtheorie

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Fußnotenverzeichnis

1. Einleitung

Eine knappe Mehrheit von 58 Prozent der befragten Energieexperten ist der Meinung, die Ereignisse in Fukushima lieferten durchaus neue Erkenntnisse. “

(Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, 2011: S. 1)

Als am 11.März 2011 die Erde vor der Küste Japans bebte, ahnte noch niemand, welche Veränderung und Proteste die Ereignisse an diesem Freitag hervorrufen würden. Der durch das Erdbeben ausgelöste Tsumani erreichte schon bald die Küste Tokios, an welcher die riesige Welle auf das Kernkraftwerk Fukushima traf und dieses stark beschädigte, sodass die Angst vor einem atomaren Supergau immer größer wurde (Huenteler et al., 2012: 6).

Nachdem die größte Gefahr der Nuklearkatastrophe vorerst unter Kontrolle war, beschloss die Bundesregierung aufgrund dieser Ereignisse, mit Hilfe eines Gesetzespaketes, bis zum Jahre 2022 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie zu vollziehen. Die Laufzeiten der Kernkraftwerke wurden nicht, wie bisher immer, verlängert, sondern der endgültige Ausstieg beschlossen (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, 2011: S. 1).

Hier wird deutlich, wie sehr dieses Ereignis die nationale und auch internationale Energiepolitik beeinflusste (ebd.), da man gegen Anfang des 21. Jahrhunderts noch von der „Nuklearen Renaissance“ sprach, als die Kernenergie durch neue Technologien, welche mehr Sicherheit versprachen, einen neuen Aufschwung erfuhr (Thomas, 2012:12).

Während Steve Thomas, Professor der Energiepolitik, schon 2012 beleuchtete, was die Katastrophe von Fukushima verändern wird bzw. wie sich diese Ereignisse auf die Zukunft der Kernenergie-Industrie auswirken werden (vgl. Thomas 2012), möchte ich die Frage untersuchen, wie sich die Teilsysteme Politik und Wirtschaft vor, während und nach dieser Katastrophe verhielten. Als Beispiele möchte ich hierfür Nachrichten aus dem Zeitraum Februar bis April 2011 untersuchen, insbesondere politische, sowie Meldungen bzgl. der deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE, um so Veränderungen in der medialen Kommunikation und der Reaktionen der Politik hinsichtlich der Kernenergie ausfindig zu machen. Als theoretische Fundierung möchte ich hierfür Luhmanns Systemtheorie heranziehen.

2. Luhmanns Systemtheorie

Um die Frage nach der medialen Kommunikation bzgl. der Katastrophe von Fukushima zwischen den beiden Systemen Politik und Wirtschaft anzugehen, möchte ich Luhmanns Systemtheorie als grundlegende Theorie verwenden. Luhmann bewegt sich im Kreise der großen interdisziplinären Wissenschaftler und sah sich selbst in seinen 30 Jahren Forschung immer als Systemtheoretiker an (Berghaus, 2011: 24). Der Systembegriff wurde schon lange vor Luhmann durch konstruktivistische Denker geprägt. Luhmann strebte jedoch mit seinen Ergänzungen die Überwindung dieser traditionelle Begrifflichkeiten an (Weber, 2002: 29). Es lassen sich zudem viele Beispiele aus der Biologie zur Veranschaulichung der Theorie heranziehen, wodurch deutlich wird, das dass systemische Denken seine Wurzeln in der Technik und den Naturwissenschaften findet. Luhmann übertrug diese naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten konsequent auf die Gesellschaft und formte auf diese Weise seine Systemtheorie (Becker/Reinhardt-Becker, 2001: 26). Er beschrieb seine Theorie als universell, da sie den gesamten Bereich der Wirklichkeit abdeckt. Zudem gilt sie als selbstreferenziell, was bedeutet, dass sie auf sich selbst bezogen ist, sowie die Systeme auch selbstreferentiell sind. Die konstruierte Realität hängt immer vom Beobachter ab sowie von dessen Unterscheidungen. Luhmann spricht daher von Aussagen über die abgebildete Realität bzw. von Aussagen über die von Beobachtern konstruierte Realität (Berghaus, 2011: 26ff.). Hieraus ergibt sich auch die Verschiebung der Frage, ob konstruiert wird hin zur wichtigeren Frage, wie konstruiert wird, oder: zu beobachten, wie beobachtet wird (Berghaus, 2011:27ff.).

In Folgendem werde ich die für meine Fragestellung wichtigen Aspekte der Systemtheorie beleuchten.

2.1. Systeme und System-Umwelt-Differenz

Zu aller erst muss geklärt werden was ein System und was dessen Umwelt darstellt. Den zentralen Gegenstand in Luhmanns Systemtheorie stellen die Sozialen Systeme, samt deren Kontext, dar. Neben diesen existieren noch biologische sowie psychische Systeme (Berghaus, 2011:32). Als das umfassendste Sozialsystem überhaupt wird die Gesellschaft selbst angesehen, da diese alle möglichen Interkationen und Kommunikationen zwischen den Menschen ordnet (Burkart/Runkel, 2005: 7). Ein soziales System bezeichnet somit einen Sinnzusammenhang, welcher sich durch aufeinander bezogene Selektionen bildet und sich somit gleichzeitig von der Umwelt abgrenzt (Kiss, 1990: 30). Der Mensch selbst oder mehrere Menschen bilden jedoch kein System, wenn auch Sie für den Beobachter als Einheit erscheinen mögen (Berghaus, 2011: 33). Allgemein lässt sich also sagen, dass ein System organisierte Komplexität ist, welches durch die Selektion einer Ordnung operiert (Berghaus, 2011: 38). Hier rückt nun der Begriff der Operation in den Fokus. Systeme existieren indem sie operieren, sie bestehen daher aus Operationen. Operationen können in diesem Fall als entscheidende Aktivitäten bezeichnet werden (Berghaus, 2011: 38). Also operiert jedes System auf seine eigene Art und Weise. Zum Beispiel die Wirtschaft, die als Teilsystem aus dem Sozialen System der Gesellschaft hervorgeht, hat als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium Geld, da es mit diesem operiert (Weber, 2002: 30). Durch dieses Operieren schaffen die Systeme eine Differenz zwischen System und Umwelt. Für das Bespiel der Wirtschaft bedeutet dass, das deren Umwelt unter anderem die Politik, die Ökologie, die Massenmedien, aber auch Familien, Autos oder Gummibärchen sind, also alles, womit die Wirtschaft Geld verdienen will. Es lässt sich somit festhalten, dass die Umwelt immer systemrelativ gesehen werden muss, da sich aus der Sicht eines Systems die Umwelt für jedes System anders darstellt (Berghaus, 2011: 41f.). Jedes System bildet sich aus einer Menge von Elementen, zwischen denen Wechselbeziehungen bestehen, und alle Elemente, die sich außerhalb befinden, bilden die Umwelt (Becker/Reinhardt-Becker, 2001: 21). Diese ist also vom System selbst bestimmt. Die Welt an sich kann somit auch nur als Umwelt aus der Sicht eines Systems betrachtet werden (Berghaus, 2011: 39). Die Umwelt selbst gestaltet sich größer und ungeregelter als dessen System, zudem befinden sich in dieser wiederrum andere Systeme (ebd.: 42).

2.2 Selbstreferenz und Fremdreferenz

Systeme sind nicht nur in Form von Operationen aktiv, sondern sie Beobachten zusätzlich, was eine Unterform des Operierens darstellt. Hierbei Erkennen und Handeln sie auf aktive Art und Weise. Das Beobachten stellt sich als eine hochkomplexe Operation dar. Das System kopiert dabei sozusagen seine eigene System-Umwelt-Differenz in sich hinein, was in Fachkreisen auch als „re-entry“ bezeichnet wird, um diese Information, also die Abgrenzung von anderen Systemen, intern als Grundkategorie für das weitere Unterscheiden und Bezeichnen zu nutzen (Berghaus, 2011: 43). Hieraus folgt, dass das System selbst zunächst operieren und seine Operation fortsetzen muss, bevor es die durch die Operation erzeugte Differenz intern als Unterscheidung verwerten kann um Information letztendlich als Muster für eigene Beobachtungen nutzen zu können (Luhmann, 2004: 24). Dadurch hat ein System die Möglichkeit alle Operationen so zu gestalten, dass Reaktionen bzw. weitere Operationen auf diese folgen (ebd.: 26). Um hier wieder auf das zuvor benutzte Beispiel der Wirtschaft zurückzukommen: Das Wirtschaftssystem operiert, wie schon erwähnt, mittels Geld bzw. Eigentum. Es operiert also mit der Umwelt, sprich allem was sich außerhalb der Wirtschaft befindet. Die Wirtschaft selbst beobachtet und unterscheidet für sich nach Geld/Eigentum bzw. Zahlen/Nichtzahlen, mit Hilfe dieser Kategorien auch die Umwelt beobachtet wird. Durch diese Beobachtungen unterscheidet die Wirtschaft zwischen sich und der Umwelt, und kopiert daraufhin diese Grenze zwischen Wirtschaft und Umwelt nochmals in sich hinein. Diese Information wird von der Wirtschaft letztendlich als Hilfestellung für alle weiteren Beobachtungen und Unterscheidungen genutzt, woraus sich die Fremdreferenz ergibt, dass alles in der Welt vom Wirtschaftssystem aus nach dem Prinzip „Geld- haben/Geld-nichthaben“ beobachtet und unterschieden wird (Berghaus, 2011: 44). Diese Vorgehensweise eines Systems hat jedoch Folgen. Durch die Unterscheidung der Selbst- und Fremdreferenz wird Komplexität geschaffen, da die System-Umwelt-Differenz vom System selbst erschaffen wurde (Berghaus, 2011: 45). Als Beobachter fügt man seinem Beobachtungsgegenstand ständig Unterscheidungskategorien zu, welche je nach Beobachter unterschiedlich ausfallen. Die nicht realisierten Möglichkeiten, welche ein Beobachter verworfen hat sind jedoch immer indirekt präsent.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Nuklearkatastrophe von Fukushima
Untertitel
Die mediale Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft unter Luhmanns Systemtheorie
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Soziologie der Kommunikation und Medien)
Veranstaltung
Seminar: Soziologie der Kommunikation und Medien: Gerüchte, Gier und das große Geld – Welchen Einfluss haben Medien auf die Börse
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V232342
ISBN (eBook)
9783656488699
ISBN (Buch)
9783656490098
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nuklearkatastrophe, fukushima, kommunikation, politik, wirtschaft, luhmanns, systemtheorie
Arbeit zitieren
Amelie Tihlarik (Autor:in), 2013, Die Nuklearkatastrophe von Fukushima , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232342

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