Die Zunahme von öffentlichen Gewaltdelikten, Amokläufen und nicht zuletzt Terrorakten hat die westliche Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten massiv verunsichert. Als Folge stieg die Präsenz öffentlicher Videoüberwachung weltweit rapide an. Doch wirken diese Systeme wirklich präventiv oder richten sie sich letztendlich gegen den Bürger selbst?
Dieser Band liefert Diskussionsanregungen und einen aktuellen Überblick zum Thema Videoüberwachung in Deutschland und Europa. Drei fundierte Beiträge nähern sich diesem kontroversen Thema aus kriminologisch-rechtlicher, ethischer und empirischer Sicht.
Aus dem Inhalt:
Juristische Voraussetzungen der Videoüberwachung; Theorien der Kriminalprävention; Nachweisliche Erfolge, Misserfolge und Probleme von Videoüberwachung; Kriminalität, Kriminalitätsfurcht und öffentliche Meinung; Methoden der Überwachung und soziale Akzeptanz in Großbritannien, Deutschland und Österreich
Inhaltsverzeichnis
Florian Philipp Ott (2011): Vorbeugende Überwachung. Über Voraussetzungen für, Formen von und Erfahrungen mit präventiver Videoüberwachung im kommunalen Bereich
Einleitung
Kriminologische und rechtliche Einordnung
Empirische Erfahrungen mit Videoüberwachung
Fazit: Ambivalente Bilanz der Überwachung
Stephan Ackerschott (2013): Die präventive Wirkung von Videoüberwachung im öffentlichen Raum
Einleitung
Contra - Das Spannungsverhältnis zwischen Recht auf Sicherheit und den gegebenen Grundrechten
Videoüberwachung und Kriminalitätstheorie
Grundlegendes zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum
Die präventive Wirkung der Videoüberwachung in der Praxis
Fazit
Nico Müller (2013): Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen als Instrument zur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls
Einleitung
Problemstellung und Reichweite der Untersuchung
Terminologische Grundlagen
Videoüberwachung
Bestandsaufnahme
Empirie
Methoden
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität öffentlicher Videoüberwachungssysteme in Deutschland, Österreich und Großbritannien hinsichtlich ihrer kriminalpräventiven Wirkung und ihrer Fähigkeit, das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu steigern, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob der weitverbreitete Einsatz von Kameras empirisch gerechtfertigt ist.
- Wissenschaftliche Evaluation der präventiven Wirkung von Videoüberwachung auf die Kriminalitätsrate.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Videoüberwachung und dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Bürger.
- Untersuchung der Akzeptanz von Videoüberwachung innerhalb der Bevölkerung in den gewählten Vergleichsländern.
- Kriminologische und rechtliche Einordnung staatlicher und privater Überwachungsmaßnahmen.
- Kritische Reflexion der politischen Argumentation pro Videoüberwachung gegenüber empirischen Studienergebnissen.
Auszug aus dem Buch
Die Kontrolltheorie nach Hirschi und die Erweiterung zur General Theory of Crime nach Hirschi und Gottfredson
Allen Kontrolltheorien ist gemein, dass Kriminalität eine Folge von schwachen oder nicht vorhandenen Bindungen und mangelhafter Kontrolle durch die Gesellschaft ist. Speziell bei Hirschis Kontrolltheorie kommt noch ein individueller Aspekt hinzu, bei dem die Abweichung von der gesellschaftlichen Bindung i.d.R. dann zustande kommt, wenn die innere individuelle Akzeptanz zu Normen und Regeln gering ist. Hirschi unterstellt den Menschen zudem eine asoziale, amoralische, aggressive und impulsive Natur.
Der Mensch gelangt nach Hirschi auf den rechten Weg durch Normen und Regeln, die das Bindemittel an die Gesellschaft darstellen. Insgesamt gibt es vier Bindungen: die emotionale Bindung an nahestehende Personen und Institutionen (Eltern, Schule, Verein); den gesellschaftlichen Status den eine Person bekleidet oder erreichen möchte, die Einbindung in gesellschaftliche Strukturen (Schule, Arbeit, Sport, etc.) und der Glaube etwa an Moralvorstellungen, religiöse Anschauungen etc.. Je stärker alle vier Bindungen bei einem Individuum ausgeprägt sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit kriminell zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Entwicklung der Kriminalität in Deutschland sowie die parallele Zunahme öffentlicher Videoüberwachung dar und hinterfragt deren tatsächliche präventive Wirksamkeit.
Kriminologische und rechtliche Einordnung: Hier werden die Doppelfunktion von Videoüberwachung (Prävention und Repression) sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Prinzipien in Deutschland, beispielhaft anhand Nordrhein-Westfalens, erörtert.
Empirische Erfahrungen mit Videoüberwachung: Dieser Abschnitt bietet einen historischen Überblick über den Einsatz von Videoüberwachung in Deutschland seit 1994 und vergleicht ihn mit der flächendeckenden Verbreitung in Großbritannien.
Auswirkungen auf die Kriminalität: Hier wird die schwierige wissenschaftliche Evaluation der Kriminalitätsreduktion thematisiert und nach Deliktformen (Rauschgift, Eigentum, Gewalt) differenziert untersucht.
Auswirkungen auf die Kriminalitätsfurcht: Das Kapitel analysiert das ambivalente Verhältnis zwischen Videoüberwachung und der subjektiven Angst der Bürger vor Straftaten.
Öffentliche Akzeptanz von Videoüberwachung: Dieser Teil betrachtet die Einstellungen der Bevölkerung zu Überwachungsmaßnahmen, wobei eine Diskrepanz zwischen hoher Akzeptanz und mangelnder realer Wirksamkeit aufgezeigt wird.
Fazit: Ambivalente Bilanz der Überwachung: Zusammenfassend wird festgestellt, dass die präventive Wirksamkeit gering ist und eine flächendeckende Ausweitung der Videoüberwachung aufgrund mangelnder Effektivität und Eingriffe in Grundrechte nicht gerechtfertigt ist.
Schlüsselwörter
Videoüberwachung, Kriminalitätsprävention, Kriminalitätsfurcht, öffentlicher Raum, Sicherheitsgefühl, Kriminologie, Repression, Evaluation, empirische Forschung, Situative Kriminalprävention, Datenschutz, Rational-Choice-Theorie, Sozialkontrolle, CCTV
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit öffentlicher Videoüberwachung als Instrument zur Kriminalitätsprävention und zur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bevölkerung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der kriminologischen Einordnung, der empirischen Wirksamkeitsprüfung, der Rolle der Medien und der gesellschaftlichen Akzeptanz von Videoüberwachungssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die häufige politische Forderung nach mehr Videoüberwachung durch belegbare wissenschaftliche Ergebnisse gestützt wird oder eher symbolischen Charakter hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich primär um eine Sekundäranalyse bereits existierender empirischer Studien, Evaluationsberichte und kriminologischer Theorien.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Publikation?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einordnung, eine Bestandsaufnahme der Überwachungspraktiken in Deutschland, Österreich und Großbritannien sowie eine detaillierte Auswertung empirischer Studien zur Effektivität und Akzeptanz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Kritische Kriminologie, Überwachungstechnik, Präventionswirkung, subjektive Sicherheit, empirische Evaluation und öffentliche Akzeptanz.
Gibt es einen messbaren Unterschied zwischen dem objektiven Sicherheitsgewinn und dem subjektiven Sicherheitsgefühl?
Ja, die Arbeit zeigt, dass Videoüberwachung oft das subjektive Sicherheitsgefühl nicht verbessert und teilweise sogar das Gefühl einer Bedrohung verstärken kann, während der objektive Kriminalitätsrückgang häufig nur räumlich begrenzt oder statistisch schwer nachweisbar ist.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Medien bei der Forderung nach mehr Videoüberwachung?
Die Autoren betonen, dass Medien oft eine "Einzelfallskandalisierung" betreiben, die eine furchtverstärkende Wirkung hat und den politischen Druck für eine Ausweitung der Videoüberwachung erhöht, ohne dass dies auf einer breiten Faktenbasis über die tatsächliche Effektivität geschieht.
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- Florian Philipp Ott (Author), Nico Müller (Author), Stephan Ackerschott (Author), 2013, Kameras gegen Gewalt. Wie effektiv ist die öffentliche Videoüberwachung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232682