Oh, neue Schuhe von Zalando, in rot – genau die wollte ich immer! Wie praktisch, dass die Anzeige gleich ganz oben auf Googles Suchliste erschienen ist. Aber woher wusste Google das eigentlich? Höchstwahrscheinlich hat sich das jeder schon mal gefragt und hat eine vage Vermutung: Dass das irgendwas mit Datensammeln zu tun haben muss. Viele, die diese diffuse Ahnung haben, empfinden es vielfach als „guten Tausch, für komfortable Netzangebote mit Informationen über sich selbst zu bezahlen“ (Reepesgaard, 2010: 263) Hier greift das Zitat von hr-iNFO-Redakteur Oliver Günther: "Die Währung im Internet ist nicht Geld, sondern Daten", (http://www.sr-online.de/sr3/61/1406854.html) Doch weshalb diese Datensammelwut? Ganz einfach: Google finanziert seine kostenlosen Dienste über Werbung und Werbeunternehmen, sind wiederum angewiesen auf möglichst präzise Daten ihrer potentiellen Kunden. Genau über diese Daten verfügt Google – ein lohnendes Geschäft. In meiner Hausarbeit möchte ich untersuchen, inwieweit Google die Privatsphäre des einzelnen Nutzers mit seiner Datensammelei zur Finanzierung seiner Gratis-Dienste berührt oder gar einschränkt. Dazu werde ich Beate Rösslers Theorie der Privatsphäre zur Grundlage meiner Untersuchung machen. Die in Rösslers Theorie enthaltene normative Begründung des Wertes von Privatheit, d.h. warum Privatheit wichtig ist, ist maßgebend, um „Verfalls- und Veränderungsprozesse zu interpretieren“ (Rössler, 2002: 18). Im ersten Teil werde ich Rösslers Theorie erläutern, wobei ich insbesondere auf die Dimension der informationellen Privatheit eingehen werde. Anschließend werde ich zunächst neutral die „Werbeökonomie“ von Google erläutern. Da ich bei vorheriger Recherche feststellen musste, dass die Anzeigenschaltung stark mit speziellen Diensten wie Google Mail zusammenhängt, werde ich auch diese erläutern. Darauffolgend werde ich kritisch auf den durch das Anzeigensystem und die personalisierten Dienste angesammelten Datenschatz von Google eingehen. Abschließend möchte ich im letzten Teil die Verbindung zu Rösslers Theorie herstellen. Hier steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob sich Rösslers Definition von Privatheit im Angesicht der Datenkrake Google überhaupt noch anwenden bzw. halten lässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition von Privatheit und der individuelle Wert von Privatheit
2.1 Informationelle Privatheit/ Privatheit der Informationskontrolle
2.2 Beziehungsformen, die auf den Schutz von Privatheit angewiesen sind
2.2.1 Private Beziehungen: Freunde, Familie, intime Beziehungen
2.2.2 Professionelle Beziehungen: Privatheit zwischen Personen mit beruflichen Rollen
3 Das Unternehmen: Google
3.1 Gründung
3.2 Fakten
3.3 Wie findet Google passende Seiten zum Suchbegriff?
3.3.1 Erweiterung von PageRank
3.3.2 Spracherkennung als Voraussetzung für maschinelles Lernen
3.4 Die Google-Ökonomie
3.5 Google erobert das Geschäft der Bannerwerbung
3.6 Googles Personalisierungstechnologien – Gefahr für die Privatsphäre?
3.6.1 GoogleMail
3.6.2 iGoogle
3.6.3 Google+
3.6.4 Persönliche Suche
3.6.5 Froogle & Google CheckOut
3.6.6 GalaxyNexus
3.6.7 GoogleAnalytics: Google beobachtet das ganze Web
3.7 Zwischenfazit: Google – eine Bedrohung für die Privatsphäre?
4 Anwendung von Rösslers Konzept der Privatsphäre auf Googles „Werbeökonomie“
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der personalisierten Dienste von Google auf die informationelle Privatsphäre des Nutzers. Im Zentrum steht die kritische Analyse, ob Googles datengetriebenes Geschäftsmodell mit den normativen Anforderungen an ein autonomes Leben vereinbar ist, unter Heranziehung der Theorie von Beate Rössler.
- Normative Theorie der Privatsphäre nach Beate Rössler
- Funktionsweise und Ökonomie der Google-Suchmaschine
- Personalisierungstechnologien und Datensammlung bei Google
- Konflikt zwischen individueller Autonomie und Profilbildung
- Analyse der Überwachungsaspekte von Tracking und Cookie-Nutzung
Auszug aus dem Buch
3.3 Wie findet Google passende Seiten zum Suchbegriff?
Um die Brisanz um den von Google angesammelten Fundus an personenbezogenen Daten nachvollziehen zu können, möchte ich im Folgenden ein grundlegendes technisches Verständnis für das Googles Suchsystems schaffen. Google schickt spezielle Softwareprogramme, sogenannte CRAWLER, durchs Web, die „unermüdlich eine Netzadresse nach der anderen“ ansteuern und diese kopieren. Pro Sekunde gibt es tausende dieser Anfragen. Daraufhin analysiert Google den Inhalt der Seite. Google erkennt neben Worten auch den Kontext, in dem diese stehen, egal, in welcher Sprache.
Seiten im Index von Google bereits existieren, gibt Google nicht preis (http://www.seosweet.de/blog/2012/02/28/horizontale-und-vertikale-suchmaschinen/). Schätzungen gehen davon aus, dass Google mehr als 8 Milliarden Websites indexiert (Kaufmann et al. 2007: 10, 32). Andere wiederum tippen auf bis zu 25 Milliarden Websites (Reepesgaard, 2010: 21)
Da Yahoo an der Entwicklung einer eigenen Suchmaschine scheiterte, vereinbarte Google mit Yahoo, dessen gesamten Suchverkehr im Web zu übernehmen. So erschienen auf den Ergebnisseiten von der Yahoo-Suche Meldungen an Benutzer, dass die Suchfunktion von Google kam „sogar das Google-Logo wurde auf der Seite angezeigt“ (Levy, 2012: 60). Obwohl sich Google vertraglich nur verpflichtete, seinen Index für Yahoo monatlich zu aktualisieren, strebte Google eine tägliche Aktualisierung an. den Yahoo-Nutzern fielen die verbesserten Ergebnisse im Zuge der Indexaktualisierungen auf, so dass die Anzahl der Suchfragen stieg. Infolgedessen stiegen auch die Gebühren, die Yahoo an Google zahlen musste, rapide in die Höhe. (Levy, 2012: 60ff) Neben den höheren Einnahmen profitierte Google von vielen Neu-Nutzern sowie umfassenderen Daten, die in Protokollen festgehalten wurden. Dabei protokollierte Google nicht nur die einzelnen Suchanfragen sowie die Dauer und Anzahl dieser. Google hielt auch die geografischen Standorte der Nutzer und all deren Aktionen auf den Websites sowie die Häufigkeit, mit der das erste Ergebnis angeklickt wurde, fest. Auch die Zufriedenheit wurde protokolliert: Bleibt ein User bei einem Suchergebnis oder kehrt erst spät von der Website wieder zurück („langer Klick“), gilt er als zufrieden. Ist er unzufrieden, kehrt er sofort wieder zurück und sucht weiter („kurzer Klick“).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Datensammlung durch Google ein und definiert die Forschungsfrage basierend auf Beate Rösslers Privatsphäre-Theorie.
2 Definition von Privatheit und der individuelle Wert von Privatheit: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen der Privatsphäre als Voraussetzung für ein autonomes, gelungenes Leben.
3 Das Unternehmen: Google: Das Kapitel analysiert die technische und ökonomische Funktionsweise von Google sowie dessen vielfältige Dienste und Tracking-Technologien.
4 Anwendung von Rösslers Konzept der Privatsphäre auf Googles „Werbeökonomie“: Das abschließende Kapitel führt die theoretische Perspektive mit der Analyse des Google-Modells zusammen, um die Gefährdung der Autonomie zu bewerten.
Schlüsselwörter
Privatsphäre, Google, Werbeökonomie, Informationelle Selbstbestimmung, Autonomie, Personalisierung, Datensammlung, Tracking, Cookies, Beate Rössler, Suchmaschine, Datenkrake, Online-Werbung, Algorithmen, Benutzerprofil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit der Google-Werbeökonomie mit den normativen Anforderungen an Privatsphäre und individuelle Autonomie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Es geht um die Analyse von Datensammelpraktiken bei Suchanfragen, personalisierter Werbung, Tracking-Technologien und die philosophische Begründung von Privatsphäre.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob Rösslers Definition von Privatsphäre im Angesicht des Google-Imperiums und seiner Datennutzung noch anwendbar bzw. haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse auf Basis von Beate Rösslers Privatsphäre-Konzept, um empirische Praktiken von Google kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Privatsphäre und eine detaillierte technische sowie ökonomische Untersuchung von Google-Diensten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Privatsphäre, Google, Werbeökonomie, informationelle Selbstbestimmung, Autonomie, Datensammlung und personalisierte Dienste.
Inwiefern beeinflusst Google die Autonomie der Nutzer durch personalisierte Suchergebnisse?
Durch die algorithmische Steuerung von Suchergebnissen und die Vorhersage von Nutzerpräferenzen besteht das Risiko, dass Nutzer in ihren Entscheidungen manipuliert werden und unbewusst ihre Privatsphäre zugunsten von Komfort aufgeben.
Welche Bedeutung kommt dem "Google-Datenpool" für die Profilbildung zu?
Die Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Diensten wie GoogleMail, Google+ und der Suchhistorie ermöglicht laut Arbeit extrem detaillierte Verhaltensprofile, die weit über das hinausgehen, was für eine Suchfunktion notwendig wäre.
- Arbeit zitieren
- Sarah Hölting (Autor:in), 2012, Privatsphäre im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233287