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'Der' politische Liberalismus und 'die soziale Frage' im Deutschen Reich unter Bismarck

Titel: 'Der' politische Liberalismus und 'die soziale Frage' im Deutschen Reich unter Bismarck

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1998 , 23 Seiten , Note: 1

Autor:in: Andrea Dittert (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

[...]Dazu soll zum einen eine
Eingrenzung all dessen erfolgen, was im 19. Jahrhundert zum Liberalismus gerechnet werden kann, also die
Gemeinsamkeiten aller liberaler Gruppierungen aufgedeckt werden, zum anderen aber auch die Breite der
Differenzierung innerhalb dieses großen Spektrums Verdeutlichung finden. Besonders wichtig zum
Verständnis erscheint die Hervorhebung der-von den Liberalen prinzipiell sogar erwünschten-Heterogenität innerhalb der einzelnen Parteien.
Zweitens soll versucht werden, zu erklären, warum es aufgrund ihres allgemeinen Menschen- und
Gesellschaftsbildes für die Liberalen keine ‘soziale Frage’ geben konnte. Vorweg ist eine allgemeine
Auseinandersetzung mit der Problematik der Reduzierung aller gesellschaftlicher Problematiken auf eine
einzige Frage, und die Überlegung, weshalb diese Frage ausgerechnet die Arbeiterfrage sein soll,
angebracht. Im Hinblick auf die häufig zu findende Gleichsetzung des deutschen Liberalismus des
ausgehenden 19. Jahrhunderts mit dem Manchestertum muß auch berücksichtigt werden, welche Rolle das
Manchestertum bei der Ablehnung der sozialen Frage spielte.
Bevor man nun aus der »Leugnung der sozialen Frage«, vollständiges Desinteresse an den sozialen
Problemen der Gesellschaft ableitet, sollte man sich die aus diesen Überlegungen für den Umgang mit den
sozialen Problemen der Gesellschaft resultierenden Konsequenzen ansehen. Diese lassen sich zum einen in
den zur Verbesserung gewählten und in der Gesellschaft umzusetzen versuchten Lösungsstrategien erkennen
und zum anderen aus der Beteiligung an der parlamentarischen Auseinandersetzung mit den
sozialpolitischen Reformen ablesen.
Erst nach einer umfassenden Untersuchung all dieser Teilaspekte ist eine Beurteilung der Berechtigung des
Vorwurfes, daß sich die Liberalen des Kaiserreiches unter Bismarck nicht um die soziale Not der unteren
Schichten ihrer Zeit kümmerten, möglich.
Im Anhang findet sich eine Übersichtsgrafik, die der Orientierung innerhalb der sich fortwährend
wandelnden liberalen Parteienlandschaft der Jahre 1871-1890 dienen soll.
Bei der Auffindung der ersten Texte zu diesem Themenkomplex halfen der 1991 veröffentlichte
Forschungsbericht von Hartwig Brandt und die 1992 erschienene Literaturvorstellung Hans Fenskes. Die
vollständige Liste der zur Bearbeitung herangezogenen Literatur findet sich am Ende der Arbeit. Zusätzlich
beinhaltet das Literaturverzeichnis - in einem gesonderten Teil - auch darüberhinausgehende Anregungen
zur weiteren Lektüre.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zu ‘dem’ politischen Liberalismus im Kaiserreich

2.1 ‘Liberalismus’-Begriff und das Gemeinsame liberaler Theorien

2.2 Auswirkungen des politischen Kompromißzwanges auf die liberalen Parteien

2.3 Vorstellung der wichtigsten liberalen Parteien 1871 - 1890

2.3.1 Deutsche Fortschrittspartei

2.3.2 Nationalliberale Partei

2.3.3 Liberale Vereinigung

2.3.4 Deutsche-Freisinnige Partei

2.3.5 Deutsche Volkspartei

3 Zu ‘der sozialen Frage’

3.1 Allgemeine Betrachtungen zu ‘der’ sozialen Frage

3.2 Gesellschaftsbild des Liberalismus und die Ablehnung ‘der sozialen Frage’

3.3 Einfluß des Manchestertums auf den Umgang mit ‘der sozialen Frage’

4 Zu den Konsequenzen für den Umgang mit den sozialen Problemen

4.1 Liberale Lösungsstrategien und dabei auftretende Problematiken

4.1.1 Ausdehnung der Armenfürsorge

4.1.2 Bildungsvereine

4.1.3 Genossenschaften

4.1.4 Gewerkschaften

4.2 Stellung der liberalen Parteien zu Bismarcks Sozialpolitik

4.2.1 Problematik der sozialpolitischen Vorstellungen Bismarcks

4.2.2 Beteiligung der liberalen Parteien an der Sozialpolitik zur Zeit Bismarcks

4.2.3 Vorgeschichte der in den 80er Jahren eingeführten gesetzlichen Arbeiterversicherungen

4.2.4 Stellung der einzelnen liberalen Parteien zu den gesetzlichen Arbeiterversicherungen

5 Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Berechtigung des Vorwurfs, dass sich die liberalen Parteien im Deutschen Kaiserreich unter Bismarck nicht um die soziale Not der unteren Schichten gekümmert hätten. Dabei wird analysiert, inwiefern das liberale Menschen- und Gesellschaftsbild sowie die Auseinandersetzung mit der Sozialpolitik die liberale Praxis beeinflussten.

  • Historische Einordnung des Liberalismus und seiner verschiedenen Strömungen zwischen 1871 und 1890.
  • Analyse des liberalen Gesellschaftsbildes und die daraus resultierende Ablehnung der „sozialen Frage“.
  • Untersuchung außerparlamentarischer Lösungsansätze wie Bildungsvereine, Genossenschaften und Gewerkschaften.
  • Evaluierung der Haltung der liberalen Parteien gegenüber der Bismarckschen Sozialgesetzgebung.

Auszug aus dem Buch

2.1 ‘Liberalismus’-Begriff und das Gemeinsame liberaler Theorien

Der Ausdruck ‘Liberalismus’ wurde erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein gebräuchlich, fand jedoch schon während der Restaurationszeit (1814 - 1830) in Europa zur „ [...] Charakterisierung von Bewegungen [Verwendung], deren negatives Merkmal die Opposition gegen die Wiederherstellung der vorrevolutionären Gesellschafts- und Machtverhältnisse einerseits, gegen eine Erschütterung der bürgerlichen Eigentumsordnung durch radikal-demokratische und frühsozialistische Kräfte andererseits bildet und die sich positiv zu einem konstitutionellen System bekennen, in dem bürgerliche Freiheiten und bürgerliche Machtteilhabe wirksam gesichert sind.“ So läßt sich als erste Verwendung des Begriffes ‘liberales’ die Bezeichnung einer Verfassungsbewegung Spaniens im Jahre 1812 bestimmen, die sich gegen eine Rückkehr zum Absolutismus wendete.

Lothar Döhn erkennt das damit verbundene allgemeine Problem: „Politisch-gesellschaftliche Erscheinungen und Entwicklungen, denen ein sie bezeichnender Oberbegriff einen gemeinsamen Namen gibt, weil man sie als Einheit oder zumindest als Zusammengehöriges begreift oder zu sehen gewöhnt ist, lassen sich nichtsdestoweniger nur unter großen Schwierigkeiten und oft nur völlig unvollkommen begrifflich in der Weise bestimmen, daß sie durch eine umfassende und zugleich präzis zusammenfassende Formel beschrieben und erklärt werden.“ So gibt Dieter Langewiesche zwar eine geläufige Formel zur Umschreibung des Liberalismus wieder, wenn er den „Liberalismus als ein Geflecht aus politischen und gesellschaftlichen Leitbildern, in deren Zentrum das Ideal des selbstverantwortlichen Menschen steht, und zugleich als eine politische Bewegung der Sozialgruppe Bürgertum, die eine Gesellschaft der mündigen Staatsbürger erstrebt“ umschreibt, merkt aber sogleich an, daß generalisierende Liberalismusdeutungen und -begriffe angesichts des weiten Spektrums Probleme bereiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der angeblichen sozialen Kälte des Liberalismus im Kaiserreich auf und erläutert den methodischen Ansatz der Arbeit.

2 Zu ‘dem’ politischen Liberalismus im Kaiserreich: Dieses Kapitel definiert den Begriff Liberalismus im 19. Jahrhundert und beleuchtet die Heterogenität sowie die wichtigsten Parteistrukturen dieser Epoche.

3 Zu ‘der sozialen Frage’: Hier wird das gesellschaftstheoretische Fundament des Liberalismus analysiert, das eine Anerkennung der „sozialen Frage“ als kollektive Klassenproblematik erschwerte.

4 Zu den Konsequenzen für den Umgang mit den sozialen Problemen: Dieses Kapitel beleuchtet die praktische Umsetzung liberaler Ansätze, etwa durch Bildungsvereine und Genossenschaften, sowie die parlamentarische Haltung zu Bismarcks Sozialreformen.

5 Fazit: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass den Liberalen zwar eine Ignoranz gegenüber der „sozialen Frage“ vorgeworfen werden kann, sie sich jedoch in der Praxis durchaus mit sozialen Problemen auseinandersetzten.

Schlüsselwörter

Liberalismus, Kaiserreich, Bismarck, soziale Frage, Arbeiterversicherung, Sozialpolitik, Manchestertum, Fortschrittspartei, Nationalliberale, Bildungsvereine, Genossenschaften, Gewerkschaften, Rechtsstaat, Sozialgeschichte, Sozialstaat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis des politischen Liberalismus im Deutschen Kaiserreich zur sozialen Not der Arbeiterschaft und prüft den Vorwurf, Liberale hätten sich dieser Thematik konsequent entzogen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die ideologische Definition des Liberalismus, dessen parteipolitische Zersplitterung, die theoretische Ablehnung der „sozialen Frage“ und die praktische liberale Sozialpolitik.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach der Berechtigung des Vorwurfes, dass der Liberalismus des 19. Jahrhunderts aufgrund einer als sozial feindlich empfundenen Haltung die Sorgen der unteren sozialen Schichten ignorierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Auswertung, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert, um ideologische Grundannahmen mit der politischen parlamentarischen und außerparlamentarischen Praxis abzugleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung liberaler Positionen zur „sozialen Frage“, die Auswirkungen des Manchestertums sowie die Analyse konkreter Lösungsstrategien wie Genossenschaften und die Haltung zur Bismarckschen Sozialgesetzgebung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Liberalismus, soziale Frage, Arbeiterversicherung, Bismarck, Interventionsstaat und Sozialgesetzgebung charakterisiert.

Welche Rolle spielte das Manchestertum bei der Ablehnung der sozialen Frage?

Obwohl das Manchestertum oft als Begründung für die liberale Ablehnung staatlicher Interventionen angeführt wird, zeigt die Arbeit, dass dies eine Vereinfachung ist, da tiefer liegende liberale Grundsätze eine größere Rolle spielten.

Wie bewertet der Autor die Beteiligung der Liberalen an Bismarcks Sozialpolitik?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Liberalen zwar skeptisch gegenüber staatlichen Eingriffen waren, aber durch zahlreiche Änderungsanträge maßgeblich dazu beitrugen, die Gesetzesvorhaben stärker an liberalen Grundsätzen auszurichten.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
'Der' politische Liberalismus und 'die soziale Frage' im Deutschen Reich unter Bismarck
Hochschule
Universität Osnabrück  (Geschichte)
Note
1
Autor
Andrea Dittert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
23
Katalognummer
V23331
ISBN (eBook)
9783638264730
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liberalismus Frage Deutschen Reich Bismarck
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andrea Dittert (Autor:in), 1998, 'Der' politische Liberalismus und 'die soziale Frage' im Deutschen Reich unter Bismarck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23331
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Leseprobe aus  23  Seiten
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