Die heutige Zeit hält vielfältige Herausforderungen für Unternehmen bereit, die es zu bewältigen gilt, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bestand des Unternehmens langfristig zu sichern. Dabei spielt neben dem verstärkten Konkurrenzdruck durch die Globalisierung, den steigenden Kundenanforderungen und den ungewissen Auswirkungen der „Euro-Krise“ auch der demografische Wandel eine bedeutende Rolle. Die Folgen des demografischen Wandels sind aus betrieblicher Sicht sinkende Erwerbspersonenzahlen und der daraus resultierende Arbeits- und Fachkräftemangel sowie das steigende Durchschnittsalter der Belegschaften.
Ein wichtiges Instrument zur Bewältigung der Probleme, die aus dem demografischen Wandel resultieren, ist die betriebliche Arbeitszeitgestaltung. Um den alternden Belegschaften Rechnung zu tragen und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter auch bis ins hohe Alter zu sichern, müssen Unternehmen ihre Arbeitszeitsysteme immer wieder optimieren und dabei auf eine alters- und alternsgerechte Gestaltung achten. Die Flexibilität spielt bei der Arbeitszeitgestaltung eine immer wichtigere Rolle, um zum einen eine bedarfsgerechte Produktion sicherstellen und auf Schwankungen in der Auftragslage reagieren zu können und zum anderen für die Beschäftigten eine Grundlage für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu schaffen, um damit als Arbeitgeber attraktiver zu werden.
In der Verwaltung sind flexible Arbeitszeiten zum Beispiel in Form von Gleitzeit und Teilzeitarbeit bereits weit verbreitet. Die Arbeitnehmer in der Produktion arbeiten dagegen oft noch in längst veralteten, starren Schichtsystemen, die weder für das Unternehmen noch für die Mitarbeiter die erforderliche Flexibilität bieten. Dabei ist gerade die Schichtplangestaltung für das Unternehmen von besonderer Bedeutung, denn „insgesamt beeinflusst die Qualität der Schichtplanung sowohl die langfristige als auch die kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erheblich“ (Lennings, 2012, S. 5).
Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die modernen Möglichkeiten der Flexibilisierung von Schichtsystemen bieten und die dahingehende Optimierung eines Schichtmodells anhand eines praktischen Beispiels aufzeigen. Ziel ist es dabei, Alternativen für ein neues Schichtmodell zu entwickeln, die die Probleme des alten Schichtsystems beheben und dabei durch moderne Instrumente zu einer höheren Flexibilität und Alter(n)sgerechtigkeit beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen der Schichtarbeit
2.1 Definition
2.2 Begriffe und Charakteristika von Schichtarbeit
2.3 Planstrukturen
2.3.1 Klassische Gruppen
2.3.2 Übergroße Gruppen
2.3.3 Gruppenkombinationen
2.3.4 Planstrukturen für den vollkontinuierlichen Betrieb
2.4 Netto- und Bruttobesetzungssysteme
2.5 Zeiterfassung im Schichtbetrieb
2.6 Verrechnung von Abwesenheitszeiten in flexiblen Schichtmodellen
2.6.1 Ausfallprinzip
2.6.2 Durchschnittsprinzip
2.6.3 Kombination von Ausfall- und Durchschnittsprinzip
3 Flexible und alter(n)sgerechte Gestaltung vollkontinuierlicher Schichtsysteme
3.1 Begriffsklärung und Abgrenzung
3.2 Bedeutung für das Unternehmen
3.3 Instrumente
3.3.1 Differenz zwischen eingeteilter und vertraglicher Arbeitszeit
3.3.2 Zeitfenstersysteme
3.3.3 Teilzeitarbeit
3.3.4 Wahlarbeitszeit
3.3.5 Langzeitkonten
3.3.6 Schichttausch zur Reduktion des Nachtschichtanteils
3.3.7 Reduzierte Arbeitszeit für ältere Arbeitnehmer
3.3.8 Weitere Instrumente
4 Hinweise zur Gestaltung von Schichtsystemen
4.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.1.1 Gesetzliche Vorschriften
4.1.2 Tarifvertragliche Regelungen
4.2 Mitbestimmung des Betriebsrats
4.3 Arbeitswissenschaftliche Empfehlungen
5 Optimierung des Schichtsystems der H.C. Starck GmbH
5.1 Ausgangssituation
5.1.1 Das Unternehmen
5.1.2 Betriebsspezifische Regelungen
5.1.3 Beschreibung des jetzigen Schichtsystems
5.1.4 Wünsche der Interessengruppen
5.1.4.1 Betriebliche Zielsetzungen
5.1.4.2 Mitarbeiterorientierte Zielsetzungen
5.1.4.3 Zielsetzungen der Arbeitnehmervertretungen
5.1.5 Die Pilotabteilung
5.2 Optimierte Schichtpläne
5.2.1 Vorgehensweise bei der Konstruktion von Schichtplänen
5.2.2 Erweitertes Vierschichtsystem mit rollierenden freien Tagen
5.2.3 Erweitertes Vierschichtsystem mit Zeitfenstern
5.2.4 Fünfschichtsystem
5.3 Empfehlung
5.4 Einführungsstrategie
5.4.1 Analyse und Planung
5.4.2 Bewertung und Auswahl
5.4.3 Information und Schulung
5.4.4 Pilotphase
5.4.5 Verbreitung im Unternehmen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten zur Flexibilisierung und Optimierung von Schichtsystemen im vollkontinuierlichen Betrieb, um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen und die Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung von alter(n)sgerechten Arbeitszeitmodellen am Beispiel der H.C. Starck GmbH, wobei die Vereinbarkeit von betrieblichen Anforderungen und Mitarbeiterinteressen unter Beachtung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse im Vordergrund steht.
- Grundlagen und Definitionen der Schichtarbeit
- Instrumente zur flexiblen und alternsgerechten Arbeitszeitgestaltung
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Mitbestimmungsrechte
- Analyse und Optimierung des Schichtmodells der H.C. Starck GmbH
- Entwicklung und Bewertung neuer, flexibler Schichtplanvarianten
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Klassische Gruppen
Bei der Planstruktur der Klassischen Gruppen werden Schichtgruppen mit einer festen Zusammensetzung gebildet, deren Größe der erforderlichen Besetzungsstärke entspricht, d.h. eine Gruppe deckt eine Schicht ab. Der Vorteil dieser Planstruktur besteht hauptsächlich in der Einfachheit und Kürze der entstehenden Schichtpläne.
Klassische Gruppen können verwendet werden, wenn die Betriebszeit genau mit zwei, drei, vier oder fünf Schichtgruppen abgedeckt werden kann und die Besetzungsstärken einheitlich sind. Als Betriebszeiten sind damit nur ganze Vielfache der Soll-WAZ möglich, sonst entstehen Leer- oder Überstunden. Um eine Feinanpassung der Wochenarbeitszeit an die Betriebszeiten vorzunehmen, wird mit sogenannten Frei- oder Einbringschichten gearbeitet, auf die in Kapitel 3.3.1 noch näher eingegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des demografischen Wandels für Unternehmen und definiert die Zielsetzung der Arbeit, flexible und alternsgerechte Schichtmodelle zu entwickeln.
2 Grundlagen der Schichtarbeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Begrifflichkeiten, Planstrukturen und Methoden zur Zeiterfassung sowie Abrechnung in flexiblen Schichtmodellen.
3 Flexible und alter(n)sgerechte Gestaltung vollkontinuierlicher Schichtsysteme: Hier werden moderne Instrumente vorgestellt, um Schichtarbeit flexibler und alternsgerechter zu gestalten, wobei Aspekte wie Teilzeit, Langzeitkonten und Zeitfenstersysteme im Fokus stehen.
4 Hinweise zur Gestaltung von Schichtsystemen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Mitbestimmung des Betriebsrats sowie arbeitswissenschaftliche Empfehlungen für die Schichtplangestaltung.
5 Optimierung des Schichtsystems der H.C. Starck GmbH: Dieser Abschnitt analysiert die spezifische Ausgangssituation des Unternehmens und entwickelt auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse alternative, optimierte Schichtpläne sowie eine konkrete Einführungsstrategie.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen der Schichtsysteme an veränderte Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Schichtarbeit, Schichtplanung, Arbeitszeitgestaltung, Flexible Arbeitszeit, Vollkontinuierlicher Betrieb, Alter(n)sgerechte Gestaltung, H.C. Starck GmbH, Demografischer Wandel, Zeitkonten, Schichtsysteme, Arbeitszeitflexibilisierung, Arbeitswissenschaft, Betriebsvereinbarung, Personalbedarf, Schichtrotation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Optimierung von Schichtsystemen in einem vollkontinuierlichen Betrieb unter Berücksichtigung von Flexibilität und Alternsgerechtigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gestaltung von Schichtplänen, die Anwendung von Arbeitszeitinstrumenten wie Langzeitkonten und Zeitfenstern sowie die rechtlichen und arbeitswissenschaftlichen Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Entwicklung eines neuen, optimierten Schichtmodells für die H.C. Starck GmbH, das die Anforderungen an Flexibilität und Alternsgerechtigkeit erfüllt und dabei den Personalbestand beibehält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden theoretische Grundlagen der Schichtarbeit und arbeitswissenschaftliche Empfehlungen mit einer praktischen Analyse der Unternehmenssituation kombiniert, um auf dieser Basis neue Schichtpläne zu konstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Gestaltungsinstrumente, rechtliche Anforderungen sowie die spezifische Fallstudie bei H.C. Starck, inklusive der Entwicklung neuer Schichtpläne und einer Einführungsstrategie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Schichtarbeit, Schichtplanung, Arbeitszeitgestaltung, Demografischer Wandel, Flexibilität und Alternsgerechtigkeit.
Warum wurde bei H.C. Starck keine direkte Mitarbeiterbefragung durchgeführt?
Es wurde darauf verzichtet, um keine Erwartungshaltung bei den Mitarbeitern zu wecken, die das Unternehmen eventuell nicht erfüllen kann, was laut Literatur zu Unmut führen kann.
Welches Schichtsystem wird für H.C. Starck empfohlen?
Empfohlen wird ein Erweitertes Vierschichtsystem mit rollierenden freien Tagen, da es kostenneutral umsetzbar ist und die Anforderungen der verschiedenen Interessengruppen am besten erfüllt.
Wie werden Freischichten im empfohlenen System gehandhabt?
Die Freischichten werden systematisch über rollierende freie Tage im Schichtplan eingetragen, was eine bessere Planbarkeit ermöglicht als das eigenverantwortliche "Hamstern" von Tagen.
- Arbeit zitieren
- Alessa Voigt (Autor:in), 2012, Optimierte Schichtpläne im vollkontinuierlichen Betrieb der chemischen Industrie am Beispiel der H.C. Starck GmbH, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233560