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Gesellschaftsvertrag und Jihad - Die Freund-Feind-Unterscheidung im Islam

Title: Gesellschaftsvertrag und Jihad - Die Freund-Feind-Unterscheidung im Islam

Term Paper , 2003 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Paul Eschenhagen (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Every nation, in every region, now has a decision to make.
Either you are with us, or you are with the terrorists.
George W. Bush

Seit den Anschlägen in New York und Washington vom 11. September 2001 durch islamistische Terroristen rückten die Folgen der kulturellen Differenz zwischen islamisch und „westlich“ geprägten Gesellschaften für die Strukturen der internationalen Sicherheitsordnungen in den Vordergrund politiktheoretischer Überlegungen. Jedoch begann die Debatte über das scheinbar offenkundig gewordene Konfliktpotenzial nicht erst zu diesem Zeitpunkt. Aufsehen erregte beispielsweise Samuel P. Huntington schon 1993 mit seiner These vom “Clash of Civilizations“, dem „Kampf der Kulturen“. Huntington geht davon aus, dass zukünftige Konfliktlinien nicht mehr zwischen Ideologien oder Ökonomien verlaufen, sondern dass sich die globalen Konflikte der Zukunft zwischen verschiedenen Kulturen entzünden. Heute, zehn Jahre nach Huntingtons Artikel, sind die Spannungen zwischen der westlichen, in weiten Feldern „amerikanisch“ dominierten, und der islamischen Kultur unübersehbar. Wo immer ein Konflikt entsteht, ergibt sich ein Gegnerschaftsverhältnis nach einem Freund-Feind-Schema. Bei Konflikten zwischen Staaten oder Ideologien ist diese Unterscheidung selten sehr schwer gefallen: Die „Alliierten“ gegen die „Achsenmächte“, „Kapitalismus“ gegen „Kommunismus“ usw. Bei Konflikten zwi-schen Kulturen ist diese Unterscheidung ungleich schwieriger, da hier oft ein kaum überschaubares Geflecht von Faktoren eine wichtige Rolle spielt, z.B. über Generationen gewachsene und gepflegte Traditionen und Verhaltensweisen, religiöse und lebensanschauliche Werte sowie Vorurteile, die sich zu Verachtung und teilweise lange angestautem Hass verfestigt haben. Zudem ist keine Kultur so homogen, dass sie klare „Angriffsflächen“ bietet.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Islam

2.1. Der Islam im politikwissenschaftlichen Kontext

2.2. Der Jihâd

2.3. Die Freund-Feind-Unterscheidung im Islam

3. Die Theorie des Gesellschaftsvertrags

3.1. Der Gesellschaftsvertrag

3.2. Freund-Feind-Unterscheidung in der Vertragstheorie

4. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Freund-Feind-Unterscheidung im Islam und in der Theorie des Gesellschaftsvertrags, um zu verstehen, inwiefern diese Mechanismen das aktuelle Spannungsfeld zwischen der westlichen und islamischen Welt prägen.

  • Politiktheoretische Einordnung des Islam
  • Die Rolle des Jihâd-Begriffs
  • Grundlagen der klassischen Vertragstheorie nach Hobbes
  • Vergleich der Freund-Feind-Muster in beiden Systemen
  • Auswirkungen universalistischer Ansprüche auf Konfliktsituationen

Auszug aus dem Buch

3.2. Freund-Feind-Unterscheidung in der Vertragstheorie

Das Recht, welches durch den Gesellschaftsvertrag geschaffen wird, hat aber nur innerhalb des mit dem Vertrag gegründeten Staats Gültigkeit. Gegenüber allen anderen Staaten und Individuen befindet sich der Staat weiterhin im Naturzustand – und im Krieg. Jeder Mensch und Staat, mit dem kein Vertrag existiert, wird also als Feind angesehen, der zur eigenen Sicherheit bekämpft werden muss.

Diese Freund-Feind-Unterscheidung findet sich so nicht nur bei Hobbes, sondern ähnlich bei allen Vertretern der Vertragstheorie: Der durch den Vertrag geschaffene Frieden gilt nur für denjenigen, der sich der Herrschaft des Staats unterwirft. Wer sich dem Staat verweigert, kann weiterhin als Feind behandelt werden. Nach außen hin bleibt der Naturzustand also bestehen. Die einzige Möglichkeit, den Kriegszustand auf internationaler Ebene auch zu beenden wäre ein „globaler Weltvertrag“.

Die Vertragstheorie fußt also – ähnlich wie der Islam – auf der Lehre von zwei Reichen. Nach innen stiftet der Vertrag Frieden und Sicherheit (Reich des Friedens), nach außen grenzt sich der Staat aber ab und betrachtet alle, die außerhalb des Vertrags stehen als Feinde (Reich des Krieges). Es geht der Vertragstheorie, wie dem Islam, um die Begründung des Friedens und wie im Islam liegt dieser Begründung eine Freund-Feind-Unterscheidung zugrunde. Freund ist, wer sich den Gesetzen unterwirft – Feind ist, wer sich den Gesetzen verweigert. Ebenso wie der Islam hat der Gesellschaftsvertrag seiner Natur nach den Anspruch Gültigkeit für alle Menschen zu haben und muss somit expansionistisch sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das wachsende Konfliktpotenzial zwischen westlichen und islamischen Gesellschaften und führt in die zentrale Fragestellung der Freund-Feind-Unterscheidung ein.

2. Der Islam: Dieses Kapitel erläutert die politische Dimension des Islam, den zentralen Begriff des Jihâd und wie daraus eine spezifische Freund-Feind-Struktur abgeleitet wird.

3. Die Theorie des Gesellschaftsvertrags: Das Kapitel analysiert die vertragstheoretischen Grundlagen des Westens und zeigt auf, wie auch hier eine Unterscheidung zwischen internem Rechtsfrieden und externem Naturzustand konstruiert wird.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass nicht die Unterschiede, sondern gerade die gemeinsamen Züge – wie der universelle Anspruch und die Freund-Feind-Logik – die aktuellen globalen Spannungen befeuern.

Schlüsselwörter

Gesellschaftsvertrag, Jihâd, Freund-Feind-Unterscheidung, Islam, Politikwissenschaft, Naturzustand, Thomas Hobbes, Universalismus, Fundamentalismus, Politische Theorie, Konfliktmechanismus, Westliche Welt, Sicherheit, Krieg, Souveränität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Mechanismen der Freund-Feind-Unterscheidung sowohl innerhalb des islamischen Rechtsverständnisses als auch in der westlichen Vertragstheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das islamische Selbstverständnis, der Jihâd-Begriff, die politische Philosophie der Vertragstheorie sowie die Analyse von Konfliktlinien zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Denksysteme durch ihre Freund-Feind-Logik und ihren universellen Geltungsanspruch unfreiwillig zur Verschärfung internationaler Konflikte beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die komparativ vorgeht und Konzepte aus der politischen Philosophie mit religiös-politischen Begründungsmustern vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der islamischen Konzepte (Jihâd, Scharia) und eine Analyse der Vertragstheorie, wobei der Fokus jeweils auf der Konstruktion von Freund- und Feindbildern liegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen neben dem Gesellschaftsvertrag und dem Jihâd vor allem der Naturzustand, die Freund-Feind-Unterscheidung und der universelle Herrschaftsanspruch.

Gibt es Parallelen zwischen westlicher und islamischer Rhetorik?

Ja, der Autor stellt fest, dass beide Denksysteme einen universellen Anspruch erheben und in ihrer Konsequenz expansionistisch wirken, was sich in rhetorischen Ähnlichkeiten moderner politischer Akteure widerspiegeln kann.

Wie bewertet der Autor die Lösung des Konflikts?

Der Autor schlägt vor, die Unterscheidung zwischen Freund und Feind von Dogmen zu lösen und stattdessen rationale Begründungen und Erkenntnis in den Vordergrund der internationalen Politik zu stellen.

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Details

Title
Gesellschaftsvertrag und Jihad - Die Freund-Feind-Unterscheidung im Islam
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Moderne politische Theorien
Grade
2,0
Author
Paul Eschenhagen (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V23614
ISBN (eBook)
9783638267045
Language
German
Tags
Gesellschaftsvertrag Jihad Freund-Feind-Unterscheidung Islam Moderne Theorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Eschenhagen (Author), 2003, Gesellschaftsvertrag und Jihad - Die Freund-Feind-Unterscheidung im Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23614
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