Die Entwicklung des Volkswagen-Werkes 1937-1945

Unter besonderer Berücksichtigung der Zwangsarbeit


Hausarbeit, 2002

13 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die ersten Jahre der Volkswagen-Werke (1937-1940)

3. Die Einsätze von Zwangsarbeitern (1941-1943)

4. Die Untertageverlegung (1943-1944)

5. Das KZ-Kommando Laagberg und deren Lebensbedingungen (1944-1945)

6. Die Lebensbedingungen anderer Zwangsarbeiter (1944-1945)

7. Das Massensterben neugeborener Kinder von Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion (1942-1945)

8. Das Ende der Rüstungsproduktion (1945)

9. Die Entwicklung der Belegschaft im VW-Werk 1939-1944

10. Fazit

11.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während des 2. Weltkrieges wandte sich das Volkswagen-Werk von der zivilen Automobilproduktion ab. Stattdessen wurde das Unternehmen in die Rüstungsproduktion eingegliedert. Im folgenden wird die Entwicklung der Volkswagen-Werke von 1937 bis 1945 dargestellt. Darin inbegriffen ist die Problematik des Einsatzes von Zwangsarbeitern, die für die Volkswagen-Werke arbeiteten. Während des 2. Weltkrieges wurden insgesamt ca. zehn Millionen Zwangsarbeiter aus 26 Ländern deportiert und in Deutschland beschäftigt.[1] Eines von 12.000 Unternehmen zu deren Belegschaft Zwangsarbeiter zählten, waren die Volkswagen-Werke. Das Unternehmen gehörte zu den Firmen mit einem sehr hohem Anteil an Zwangsarbeitern. Im Laufe des 2. Weltkrieges brauchten die Volkswagen-Werke immer mehr Arbeitskräfte, um die Rüstungsproduktion ausweiten zu können. Da es an deutschen Arbeitskräften mangelte, wurden stattdessen Zwangsarbeiter beschäftigt. Der Höhepunkt wurde im Jahr 1944 erreicht. Zu dieser Zeit waren insgesamt 11334 Zwangsarbeiter in den Volkswagen-Werken beschäftigt. Das entsprach rund zwei Drittel der gesamten Belegschaft (siehe auch 9.). Aufgrund der dünnen Quellenlage und des geringen Umfangs können in dieser Arbeit einige Aspekte, wenn überhaupt, nur oberflächlich dargestellt werden.

2. Die ersten Jahre der Volkswagen-Werke (1937-1940)

Die Nazis waren vom amerikanischen Gedanken der Massenmotorisierung begeistert. Hitler schwebte vor, einen Wagen bauen zu lassen, der günstig und damit für das Volk erschwinglich ist. Den Auftrag zum Bau der Volkswagen Werke am Mittellandkanal konnte 1937 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) an sich ziehen. Mit dem Bau wurde offiziell am 26. Mai 1938 begonnen.

Das Unternehmen Volkswagen-Werk wurde gegründet. Der Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzende hieß Ferdinand Porsche. Er war Auto-Konstrukteur und kooperierte in den Folgejahren eng mit Hitler um den Volkswagen zu bauen - das Auto, das nach Hitlers Vorstellungen für alle Deutschen bezahlbar sein sollte. Deswegen wurde die Spar-Aktion „Kraft durch Freude“ (KdF) ins Leben gerufen. Am 1. Juli 1938 wurde die „Stadt des KdF-Wagens“ gegründet, das heutige Wolfsburg. Diese Stadt sollte nach Plänen von Peter Koller und Albert Speer den Leitgedanken der DAF verwirklichen:

Eine mustergültige Stadtsiedlung gegenüber dem Volkswagen Werk zu bauen, in der nur die Arbeiter und Angestellten der Volkswagen Werke leben und kurze Wege zur Arbeit haben. Den Vorstellungen der DAF zu Folge sollte durch das Bauprojekt die größte Automobilfabrik der Welt entstehen. Zudem war das Volkswagenwerk als sozialpolitischer Vorzeigebetrieb gedacht.

Bereits der Baubeginn brachte eine Menge Probleme mit sich und steht sinnbildlich für die damalige Zeit: Idee und Wirklichkeit klafften weit auseinander. Die Nazis bereiteten bereits den Krieg vor, so dass der DAF nicht genügend deutsche Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Deshalb wurden 3000 italienische Bauarbeiter angeworben. Als die ersten Produktionsstätten fertiggestellt waren, gab es ebenfalls zu wenig Produktionsarbeiter, so dass wieder Ausländer – diesmal vornehmlich Niederländer, Belgier, Dänen und auch Italiener - beschäftigt wurden. Im Gegensatz zu den darauffolgenden Jahren wurde aber sowohl die Bauarbeiter als auch die Produktionsarbeiter genauso behandelt, versorgt und bezahlt wie die deutschen Arbeiter.

Zu Kriegsbeginn im September 1939 waren zwar schon Teile des Volkswagen Werkes fertiggestellt, der Bau der „Stadt des KdF-Wagens“ war aber bisher nur schleppend vorangekommen und kam nun fast vollständig zum Erliegen. Die VW-Unternehmensleitung sah nun das Bauprojekt, das ursprünglich als integrales Werks- und Stadtkonzept geplant worden war, in Gefahr. Zudem besaß das VW-Werk noch keine Stammbelegschaft. Nach Vorstellungen der VW-Unternehmensleitung (Ferdinand Porsche, Otto Dyckhoff und Bodo Lafferentz) sollte das Volkswagen-Werk sofort nach Kriegsende bestens im Markt positioniert sein und die fabrikationsstärkste Automobilfabrik Europas werden. Dazu war eine gute Infrastruktur sowie vorbildliche Sozialeinrichtungen und Wohnungen die Voraussetzung. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten die besser qualifizierten deutschen Arbeitskräfte höhere Positionen im Unternehmen bekleiden. Deren freiwerdende Arbeitsplätze sollten mit Zwangsarbeitern, vorwiegend aus dem Osten und Süden, besetzen werden. Vor diesem Hintergrund wurden die Vorbehalte gegenüber einer Zwangsbeschäftigung von Ausländern verdrängt[2]. Ebenfalls verdrängt wurden die möglichen Auswirkungen auf das Ansehen des VW-Projektes in der Bevölkerung.

3. Die Einsätze von Zwangsarbeitern (1941-1943)

Im März 1941 kam es zu ersten Beratungen über ein Konzentrationslager in der „Stadt des KdF-Wagens“, damit der dringende Arbeiterbedarf gedeckt werden konnte. Zusätzlich waren noch bis zu 3000 jüdische Zwangsarbeiter eingeplant worden. Obwohl die obersten Naziführer diesen Einsätzen von Zwangsarbeitern noch nicht zugestimmt hatten, begannen bereits die Vorarbeiten zum Bau der Lager. Porsche war der Meinung, dass vorrangig die „Stadt des KdF-Wagens“ fertiggestellt werden müsse, um überhaupt nach Kriegsende Arbeitskräfte für die VW-Werke anlocken zu können. Zudem ist es wahrscheinlich, dass Porsche sein Lebenswerk in Gefahr sah und somit mit allen Mitteln die Errichtung von Stadt und Werk erreichen wollte, auch unter Ausbeutung durch Schwerstarbeit von KZ-Häftlingen und Juden.[3]

Nur einem Monat später, im April 1941, verbot Hitler polnische Juden als Arbeiter einzusetzen. Somit wurden die Arbeiten am Judenlager eingestellt, ebenso die Arbeiten am KZ. Vorerst waren die Pläne, Zwangsarbeiter zu beschäftigen, gescheitert. Allerdings waren alle Vorbehalte der VW-Führungsriege gegenüber dem zwanghaften Einsatz von Ausländern bereits verdrängt, so dass es nur eine Frage der Zeit war, wann die ersten Zwangsarbeiter bei VW arbeiten würden. Somit war das Volkswagen-Werk eines der ersten Unternehmen, die den Einsatz von Zwangsarbeitern befürworteten.[4]

Hingegen den ursprünglichen Plänen, hatte das Volkswagen Werk bereits 1940 an zivilem Charakter eingebüßt. Bis dato war noch nicht ein einziger Volkswagen vom Fließband gerollt. Stattdessen versuchte die Leitung von VW durch Rüstungsfertigungen und Reparaturaufträge die Existenz des Werkes aufrechtzuerhalten. Der Volkswagen wurde für den Kriegseinsatz abgewandelt. Es entstand der Kübelwagen, der fortan tausendfach für die deutschen Truppen produziert wurde. Zudem wurden Tragflächen für Flugzeuge hergestellt und repariert sowie Flugbomben und Minen gebaut. Somit begann die Umwandlung in einen Rüstungsbetrieb. Bis zum Sommer 1941 war es aber nach wie vor das Ziel der Unternehmensführung, schnellstmöglich nach Kriegsende die Produktion des Volkswagens aufnehmen zu können.

[...]


[1] Vgl. Kunstreich

[2] Vgl. Budraß, S. 96 ff.

[3] Vgl. Budraß, S. 98

[4] Vgl. Budraß, S. 99

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Volkswagen-Werkes 1937-1945
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung der Zwangsarbeit
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Epochen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Note
1.7
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V23859
ISBN (eBook)
9783638268851
ISBN (Buch)
9783638801874
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Volkswagen-Werkes, Epochen, Wirtschafts-, Sozialgeschichte
Arbeit zitieren
Sebastian Gemüngt (Autor), 2002, Die Entwicklung des Volkswagen-Werkes 1937-1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23859

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