Selbständigkeit / Existenzgründung als Sozialpädagoge


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „Der aktuelle Sozialmarkt“

Leitfrage: „Wirtschaftlich denken - sozial handeln

Lohnt sich der Weg in die Selbständigkeit ?“

2. Existenzgründung:
2.1 allgemeine Voraussetzungen
2.2 Idee – Konzeption - Businessplan
2.3 Rechtsformen
2.4 Marktorientierung - Felder der Selbständigkeit
2.5 Kapitaleinsatz - Finanzierung - Fördermittel
2.6 Versicherungen

3. Klient, der Kunde sozialer Dienstleistungen
3.1 Bedürfnisse – Nachfrage – Qualität der Leistung.
3.2 Marketing

4. Leistungsgerechte Entgelte, Verdienstmöglichkeiten

5. Schlußbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: „Der aktuelle Sozialmarkt“

Wie nie zuvor steht die Soziale Politik und die Soziale Arbeit heute vor erheblichen Um-brüchen und Einschränkungen. Immer drastischer werden die traditionellen Felder sozi-

aler Arbeit, wie z.B. Jugendhilfe, Sozialhilfe, Gesundheitshilfe, von Leistungseinschränk-ungen, dem Abbau von sozialen Dienstleistungen und der Flexibilisierung von Arbeitsver-hältnissen betroffen. Deutlich wird auch, dass mit dieser Entwicklung eine wachsende Nach-frage nach personenbezogenen Dienstleistungen, Individualisierung und der Formulierung von ökologischen und sozialen Leitlinien einhergeht. Wie weit und wie tiefgreifend dieser Umstrukturierungsprozesses Veränderungen herbeiführt, kann derzeit allerdings nur Ansatz-weise nachvollzogen werden, da wir erst am Anfang dieses neuen Zeitabschnittes stehen.

Für Sozialarbeiter / - innen und Sozialpädagogen / - innen, bedeutet die Entwicklung je- doch schon jetzt eine grundlegende Herausforderung, auf die sich ändernden Bedingungen innovativ zu reagieren, denn es sind gerade die Schlüsselberufe der Sozialen Arbeit, denen als Bindeglied zwischen Gesellschaft und Menschen in Problemlagen eine besondere Be- deutung zukommt. So erschließt zum Einen die wachsende Nachfrage nach personenorien- tierten und klientenzentrieten Humandienstleistungen Sozialpädagogen /- innen und Sozial-arbeiter / - innen durchaus erweiterte und neue Handlungsfelder, denn die sozialen Defizite der Gesellschaft sind zugleich auch die Handlungsgrundlagen der Sozialarbeit. Zum Anderen wachsen durch die zunehmende Arbeitslosigkeit und demographischer Entwicklungen auch die staatlichen Ausgaben für soziale und gesundheitliche Leistungen (Arbeitslosengeld / hilfe, Sozialhilfe, Rentenleistungen, Krankenkassenleistungen), obwohl der Staat bemüht ist die Allgemeinkosten zu senken, um die Konkurrenzfähigkeit im Zeichen der Globalisierung zu erhalten.

Die Folge ist: Der einzelne Mensch erhält weniger staatliche Hilfen, die Gesellschaft spaltet sich weiter auf, Armut nimmt zu, während die Soziale Arbeit immer weniger materielle Hilfen vermitteln kann und ihre Aufgaben verändert. Es entstehen einerseits neue Arbeitsfelder im personenbezogenen Dienstleistungsbereich, anderseits entwickelt sich die öffentlich finanzierte Soziale Arbeit zunehmend zum symbolischen Einsatz. Materielle Hilfen werden geringer, Ar-beitsplätze bleiben aus und die in der Sozialen Arbeit Beschäftigten sind in ihrer Rolle ähnlich betroffen wie ihr Klientel.

In diesem Kontext gibt Dr. Willi Oberlander, vom Institut für Freie Berufe an der Universität Erlangen- Nürnberg zu bedenken, dass abhängige beschäftigte Sozialarbeiter / -innen und Sozialpädagogen / -innen mit fortschreitend - wachsenden Problemen und Arbeitsdruck, bei anhaltend unangemessener Entlohnung und unsicherer Beschäftigungssituation, zu kämpfen haben. Desweiteren zeigten Arbeitsmarktdaten eine Abnahme von Stellenangeboten für Sozial- arbeiter / -innen, weshalb eine wachsende Selbständigkeit im Feld der Sozialen Arbeit zu be-obachten sei. Eine extakte Bestimmung der Zahl selbständiger professioneller Sozialarbeiter /

- innen sei derzeit jedoch nicht möglich. Auch wären geschätzte 5 Prozent an Selbständigen im Vergleich zur Gesamtheit der Berufsausübenden nicht sehr groß, trotzdem würden hohe Zu-wachsraten mit derzeit 1000 Sozialarbeiter / -innen pro Jahr auf diesem Sektor festgestellt.

> vgl. Willi Oberlander, Sozialextra, Info Nr.06/2001, IFB Nürnberg <

Interessant auch Oberlanders Veröffentlichung im Social Management Juni 1999, wonach auf dem Arbeitsmarkt für Akademiker, insbesondere in Sozial- und Erziehungswissen-schaften noch in der Mitte der 80er Jahre rund 90 Prozent der Absolventen den Weg in den öffentlichen Dienst nahmen. Bereits im Jahr 1997 konnten dagegen nur noch 12 Prozent der Berufszugänger aufgenommen werden. So sind in den letzten Jahren zu den traditionellen Tätigkeitsfeldern vor allem Gebiete der außerinstitutionellen Sozialen Arbeit, wie z. B. Mi-grationssozialarbeit, Selbsthilfegruppen, allgemeine Aufgaben der psychosozialen Versorg-ung u.a., hinzugewachsen. > vgl. Willi Oberlander, Social Management 6/99, Neue Wege gesucht, IFB Nürnberg <

Erkennbar ist, dass das ständige Drehen an der Kostenschraube des Sozialstaates durchaus einen politökonomischen Inhalt und Zweck involviert, dessen Auswirkungen letztendlich unter dem Begriff „Sozialmarkt“ subsumiert werden können. Doch was sind die Kennzeichen des Sozialmarktes ?

Eine Frage, die mit herkömmlichem Denken über einen Markt nicht beantwortet werden

kann, denn die wesentlichen Punkte die einen Markt normalerweise kennzeichnen, sind im Sozialbereich nicht gegeben. Kunden sind nicht gleichzusetzen mit Klienten, denn bei den Klienten fehlt meistens die Kaufkraft. Weshalb für Existenzgründer / - innen im Bereich der Sozialen Arbeit als Kunden, wohl hauptsächlich die herkömmlichen öffentlichen Träger in Frage kommen. Somit kann natürlich keine echte Kundenorientierung im Sinne der Einheit von Zahler und Nutzer hergestellt werden.

Trotzdem ist marktwirtschaftliches Denken notwendig, um als selbständiger Dienstleistungs- anbieter auf dem Sozialmarkt an Aufträge öffentlicher Träger zu kommen. Die Überlegungen, bin ich flexibel genug in der Übernahme von sozialen Dienstleistungen, kann ich mein Ange-bot so strukturieren, dass es durch seine Wirtschaftlichkeit überzeugt und auf dem Sozialmarkt nachgefragt wird, werden zum Gebot der Stunde.

Vor diesem Hintergrund wird immer öfter, die sich durchsetzende „Marktorientierung“ in der Sozialen Arbeit spürbar, welche die Bedeutung der Selbständigkeit für Professionelle zusehends stärkt und zu der Überlegung führt:

„Lohnt sich der Weg in die Selbständigkeit ?“

2. Existenzgründung

2.1 allgemeine Voraussetzungen

Existenzgründungen sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie wohl überlegt und sorg-fältig geplant sind. Dreh- und Angelpunkt ist die Gründerperson, mit ihr steht und fällt

das junge Unternehmen. Insofern führt der erste Gedanke automatisch zu den persön-lichen Eignungsvoraussetzungen, quasi dem Unternehmerprofil, das ein Existenzgründer mitbringen muß.

In der Starthilfe-Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sind in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe solcher Voraussetzungen genannt, an die sich, als weiteren wichtigen Aspekt, das fachliche und unternehmerische Know- how anschließt.

In Puncto persönlicher Voraussetzungen stehen Fragen zum Gesundheitszustand und dem familialen Rückhalt im Vordergrund. Nur ein psychisch und physisch belastbarer Mensch,

bei dem das Netzwerk der Familie keine konträre Position zur Existenzgründung einnimmt, hat Chancen in eine positive unternehmerische Zukunft zu blicken. Weitere wichtige Eigen-schaften setzen sich aus der Bereitschaft zur überdurchschnittlichen Arbeitsleistung (z.B. Wochenendarbeit, Urlaubsverzicht, keine freizeitorientierte Schonhaltung ), dem adäquaten Umgang mit Stressituationen, der Kritikfähigkeit, der Fähigkeit Rückschläge und Enttäusch-ungen als Herausforderung anzusehen, der Fähigkeit mit Menschen umzugehen, Ideen zu entwickeln und die persönliche Leistungsfähigkeit einschätzen zu können zusammen.

Ebenso ist auch der disziplinierte Umgang mit dem finanziellen Budget, hinsichtlich der Fähigkeit sich finanziell einzuschränken bzw. Durststrecken zu überwinden und an der Reservenbildung zu arbeiten, wichtig.

> vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 17. überarbeitete Auflage, April 2002 <

Angela Scheibe-Jaeger fasst diese Voraussetzungen unter der Bezeichnung „weiche“ Fak- toren zusammen. Ergänzt aber gleichwohl, dass neben der richtigen Einstellung, auch Ent-scheidungsfreude bzw. – fähigkeit, soziale Kompetenz, Kommunikationsfreude, Organi- sationstalent, Informationsmanagement und Kompromißfähigkeit, hinzugehört. Wobei der maßgebliche Erfolg eines Unternehmers oder Existenzgründers in der Kombination dieser persönlichen Eigenschaften besteht. Scheibe-Jaegers „harte“ und extern bedingte Faktoren implizieren Marketing, Kostenrechnung, Wahl der Rechtsform, Organisationsstruktur und Kooperationspartnerschaften. Auf diese Punkte werde ich in den nachfolgenden Kapiteln

näher eingehen. > vgl. Scheibe- Jaeger, (1999, S. 23-26) <

Dass der Gründungswillige auch fachliche Voraussetzungen erfüllen muß, liegt auf der Hand. Zu klären ist, welche Abschlüsse, Zeugnisse oder sonstige Nachweise sind für die Ausübung der geplanten Tätigkeit erforderlich. Wenn schon bei Beginn der Gründung festgestellt wird, dass Weiterbildungsbedarf besteht, sollte die Vorbereitungsphase für entsprechende Maßnahmen genutzt werden. Auch sind Branchenerfahrung, mehrjährige Führungserfahrung, sowie fundierte kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kennt-nisse Garanten für eine erfolgreiche Gründung. > vgl. Rothfischer Oberlander, (2000, S.78) <

Ergänzend zu den allgemeinen Voraussetzungen möchte ich an dieser Stelle anmerken,

dass sich ein Unternehmerprofil auch über solide Ansichten und fundamentaler Über-zeugung hinsichtlich der Geschäftskonzeption definiert. Dabei wird sehr schnell deutlich, ob die Gründungsidee gut durchdacht wurde und ob die Zielformulierungen realistisch sind. Fatal wäre es, wenn die neue Existenz auf einem Sammelsurium unreifer Gedanken stünde oder aus einer wirtschaftlichen Not heraus gegründet würde.

2.2 Idee – Konzeption – Businessplan

Ein schlüssiges, aussagefähiges Konzept ist die Basis für jedes erfolgreiche Unternehmen.

Hier wird festgelegt, wie die Idee erfolgreich in die Tat umgesetzt werden kann. Grund-

sätzlich gilt: Je durchdachter und detaillierter das Konzept, desto größer die Chance, dass das Vorhaben zum gewünschten Erfolg führt. Welche Überzeugungskraft von der Kon-zeption des Gründungswilligen ausgeht, wird spätestens dann deutlich, wenn es zur Ein-sicht und Bewertung zwecks Kreditgewährung bei der Bank oder bei der Beantragung Fördermitteln vorgelegt wird. Weiterhin ist das Unternehmenskonzept auch ein wesent-licher Bestandteil in puncto Existenzgründungsberatung und sollte sich an den nachfolgend, aufgeführten Inhalten orientieren, die für eine Bewertung des Gründungsvorhabens un-erlässlich sind. > vgl. Rothfischer Oberlander, (2000, S.81,82,89) <

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um eine einzelfallspezifische, schlüssige Konzeptentwicklung ausarbeiten zu können,

ist das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie herausgegebene Informa-tionsheft „Starthilfe – der erfolgreiche Weg in die Selbständigkeit“, sehr hilfreich. Die Unterlagen werden auf Anforderung kostenlos zur Verfügung gestellt und ermöglichen

über gezielte Fragestellungen eine umfassende Businessplanerstellung.

Der Businessplan ergänzt das auf Seite sechs dargestellte sieben Punktekonzept um die Themengruppen Marketing, Rechtsformen, Chancen, Risiken und Mitarbeiter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Selbständigkeit / Existenzgründung als Sozialpädagoge
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V23925
ISBN (eBook)
9783638269315
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Selbständigkeit, Existenzgründung, Sozialpädagoge
Arbeit zitieren
Frank Kotterer (Autor:in), 2002, Selbständigkeit / Existenzgründung als Sozialpädagoge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23925

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