Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

"Amphitryon" - Ein Lustspiel mit tragischen Momenten

Die Gattungsfrage bei Kleists "Amphitryon"

Titel: "Amphitryon" - Ein Lustspiel mit tragischen Momenten

Seminararbeit , 2004 , 23 Seiten , Note: 1,0 (sehr gut)

Autor:in: Christian Rell (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Oftmals erachteten es Autoren für notwendig einem Stück einen neuen Namen zu geben, wenn sie bei ihrer Arbeit auf ein historisches Werk zurückgriffen. Vielleicht hielt Kleist bei seiner Wiederaufnahme des Stoffs den Namen für dermaßen sinnig und treffend, dass er ihn – wie vor ihm bereits Molière – beibehielt. Denn der Name „Amphitryon“ entspringt dem Griechischen und weist – bevor das Stück überhaupt beginnt - auf das handlungserzeugende Merkmal des Stückes hin. Es scheint im Stück irgendetwas „doppelt“ vertreten zu sein. Der Präfix „Amphi-“ bedeutet soviel wie „auf beiden Seiten“ oder auch „doppelt“. Gleichzeitig weist der Name auf die Amphe, eine Droge mit halluzinogener Wirkung, hin bei welcher man glaubt „doppelt zu sehen“.

Doch nicht alles was seine Vorgänger vorlegten, wurde von Kleist übernommen. Vielmehr unterzog er den Stoff einer Anpassung an den neuen, deutschen gesellschaftlichen Kontext. Viele der von Molière geschaffenen komischen Elemente waren für die Kleistsche Fassung überarbeitungsbedürftig.

In dieser Arbeit werden die besondere Kleistsche Komik - aber auch tragische Elemente - im Lustspiel Amphitryon dargestellt, und das Stück wird gattungstechnisch eingeordnet. Nach einer Betrachtung der Weltversöhnung, über den komischen Fehler, bis hin zur Ständeklausel kommt Christian Rell zum Schluss: Kleists Amphitryon ist ein Lustspiel mit tragischen Momenten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Amphitryon – „der Doppelte“

2 Merkmale der Komödie – ein Definitionsversuch

2.1 Merkmale nach Ralf Simon

2.2 Unschädlichkeitsklausel

2.3 Die Weltversöhnung

2.4 Der lächerliche Fehler

3 Komödientypologische Einordnung des Amphitryon

3.1 Von der Schwierigkeit der Typologisierung

3.2 Komödientypologie nach Ralf Simon

4 Komische und tragische Elemente in Kleists Amphitryon

4.1 Grundsätzliches

4.2 Die Ständeklausel in Kleists Amphitryon

4.3 Tragische Elemente

4.4 Komödienelemente

4.4.1 Prügel

4.4.2 Wortwitz

4.4.3 Komik in den Verwirrungen und der Suche nach der eigenen Identität

4.4.4 „Bei Jupiter!“ - Das Verweisen auf die Götter

4.4.5 Entblößung in der Öffentlichkeit

5 Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die gattungstheoretische Einordnung von Heinrich von Kleists „Amphitryon“ unter Berücksichtigung der komplexen Mischung aus komischen und tragischen Elementen.

  • Analyse der Komödienmerkmale nach Ralf Simon in Bezug auf das Stück.
  • Untersuchung der Spannung zwischen tragischen Identitätskonflikten und komischen Dienerfiguren.
  • Reflektion der Bedeutung von Öffentlichkeit und Entblößung für das komische Genre.
  • Diskussion der gattungstechnischen Einordnung als „Lustspiel mit tragischen Momenten“.

Auszug aus dem Buch

Komische und tragische Elemente in Kleists Amphitryon

Die Wurzeln des europäischen Dramas liegen in der griechischen Antike und verlaufen parallel zur Entstehung von Tragödie und Komödie. Häufig entstanden daraus aber auch Mischformen, bei welchen dem Zuschauer eine Einordnung nicht gleich ermöglicht wird. Da im Verlauf von Kleists Amphitryon Geschehnisse aus der Vergangenheit erklärt werden, kann das Stück als analytisches Drama bezeichnet werden: Kleist beschreibt eine mögliche Variante, wie sich die Zeugung des Herakles zugetragen haben könnte.

In der Gattungshierarchie unterscheidet sich die Komödie nach oben von der Tragödie, nach unten von der Farce. Sie behandelt häufig "niedrigere Charaktere", konkrete, unheroische Menschen mit alltäglichen Problemen und Konflikten. Die Tragikkomödie ist eine Mischform aus Tragödie und Komödie, mit im wesentlichen folgenden Eigenschaften:

• glückliches Ende nach heftigen Konflikten mit tragischen Untertönen

• gemischtes Personal

• Vermischung von Tragik und Komik, auch je nach Rang und Stand der Figuren: ernste Konflikte bei den höheren Rängen, komische Elemente bei den unteren Rängen

• die Privatsphäre steht oft im Vordergrund

• Parallelhandlung.

Betrachtet man das Stück, so zeigt sich, dass Kleists Amphitryon durchaus tragische Züge aufweist und auch als Tragikkomödie gewertet werden kann. Komödien wie Amphitryon - auch als „höheres Lustspiel“ bezeichnet – sind in Deutschland kaum vertreten. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, die tragische Seite von der komischen zu trennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Amphitryon – „der Doppelte“: Diese Einleitung führt in die Etymologie des Namens ein und erläutert Kleists Anpassung des Stoffes an den deutschen Kontext.

2 Merkmale der Komödie – ein Definitionsversuch: Hier werden die Kriterien nach Ralf Simon, wie das „Spiel im Spiel“ und die „Unschädlichkeitsklausel“, auf das Stück angewandt.

3 Komödientypologische Einordnung des Amphitryon: Dieser Teil diskutiert die Schwierigkeit der Einordnung und beleuchtet Ansätze wie die „Kosmologische Komödie“.

4 Komische und tragische Elemente in Kleists Amphitryon: Das Kernkapitel untersucht detailliert die Symmetrie zwischen tragischen Hauptfiguren und komischen Dienerfiguren anhand spezifischer Motive.

5 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass das Werk trotz tragischer Züge als ein „Lustspiel mit tragischen Momenten“ zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Amphitryon, Gattungsfrage, Komödie, Tragödie, Tragikkomödie, Ralf Simon, Identität, Götter, Lustspiel, Sosias, Alkmene, Jupiter, Ständeklausel, Komik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die gattungstechnische Einordnung von Kleists „Amphitryon“ und untersucht, wie komische und tragische Elemente darin koexistieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind Identitätsverlust, die Rolle der Götter, die Ständeklausel sowie das Verhältnis zwischen tragischem Konflikt und komischer Unterhaltung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Kleists „Amphitryon“ als „Lustspiel mit tragischen Momenten“ zu verorten und die Trennung der verschiedenen komischen und tragischen Erzählstränge aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt primär gattungstheoretische Ansätze, insbesondere die Kategorien von Ralf Simon, um die Struktur des Dramas zu analysieren.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der komischen Elemente (wie Wortwitz, Prügel, Identitätsverwirrung) im Kontrast zum tragischen Schicksal der Hauptfiguren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind „Lustspiel“, „Tragikkomödie“, „Identitätsproblematik“, „Götterspiel“ und „Bivalenz“.

Inwiefern spielt die Öffentlichkeit eine Rolle für die Komik im Stück?

Die Öffentlichkeit dient bei Kleist als Bühne der Demütigung, was laut Schlegel den Reiz des Komischen verstärkt, da die Lächerlichkeit der Figuren durch das Publikum oder das Volk im Stück offengelegt wird.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Jupiter von einem herkömmlichen Komödien-Helden?

Jupiter fungiert nicht nur als Gott, sondern ist als „Regisseur“ des Spiels und durch seine gekränkte Eitelkeit der Auslöser des tragischen Konflikts, was ihn von einer rein komödiantischen Figur abhebt.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Amphitryon" - Ein Lustspiel mit tragischen Momenten
Untertitel
Die Gattungsfrage bei Kleists "Amphitryon"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Kleists Dramen
Note
1,0 (sehr gut)
Autor
Christian Rell (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V24191
ISBN (eBook)
9783638271172
ISBN (Buch)
9783638648295
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amphitryon Lustspiel Kleists Dramen Komödie Gattungsfrage Gattung Amphe Name
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Rell (Autor:in), 2004, "Amphitryon" - Ein Lustspiel mit tragischen Momenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24191
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  23  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum