Autonome Frauenbewegung in Deutschland


Hausarbeit, 2003
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

3. Einleitung

4. Geschichtlicher Abriss der Frauenbewegung: bürgerliche und proletarische Frauenbewegung

5. Die Entwicklung nach
5.1. Allgemein
5.2. Die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz

6. Die autonome Frauenbewegung
6.1. Die Entstehung der autonomen Frauenbewegung aus der ´68 - Revolte
6.2. Der Kampf gegen den § 218
6.3. Frauengruppen

7. Die weitere Entwicklung

8. Fazit

9. Literaturliste

3. Einleitung:

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frauenbewegung in Deutschland. Speziell die Ereignisse, die nach 1968 dazu geführt haben, dass sich immer mehr Frauen in der Bundesrepublik in der autonomen Frauenbewegung engagiert haben, stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Da die Frauenbewegung zu diesem Zeitpunkt auf eine über hundertjährige Geschichte verfügte, skizziert die Arbeit im ersten Teil (4) zunächst die Anfänge. Im zweiten Teil (5) soll die Situation nach 1945 beleuchtet werden, um die Vorraussetzungen zu verstehen, die zur Bildung einer neuen Frauenbewegung geführt haben. Da sich diese auf Westdeutschland beschränkte, wird die Entwicklung in der DDR nicht berücksichtigt.

Im dritten Teil (6) soll es darum gehen, zu klären, welche Bedeutung der Kampf gegen den Paragraph 218 bei der Bildung der neuen Frauenbewegung hatte und warum sich Frauen in autonomen Frauengruppen organisierten.

4. Die Frauenbewegung seit ihren Anfängen bis 1945

Den Beginn der Frauenbewegung in Deutschland markierte die Juli-Revolution von 1830 in Frankreich und die bürgerliche Revolution 1848 in Deutschland. Inspiriert durch die Ideen der Aufklärung und dem Klima des Wandels forderten Frauen die politische, rechtliche und soziale Gleichstellung mit dem Mann.

Sie forderten das Recht zur Selbstständigkeit und Mündigkeit im Staat, gleiche Bildungschancen, gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen und das Recht auf Selbstbestimmung.

In der ersten Auflage 1832 der Zeitung „La femme libre“ begann der erste Artikel mit den Worten: „In einer Zeit, da alle Völker sich im Namen der Freiheit auflehnen und der Proletarier seine Befreiung fordert sollen wir Frauen da etwa passiv bleiben angesichts der grossen sozialen Emanzipationsbewegung, die vor unseren Augen abläuft? Ist unser Schicksal so glücklich, dass wir nichts zu fordern hätten? Bis jetzt wurde die Frau ausgebeutet und tyrannisiert. Diese Tyrannei, diese Ausbeutung muss aufhören. Wir werden frei geboren wie der Mann, und die eine Hälfte des Menschengeschlechts darf nicht ungerechterweise der anderen unterworfen sein.“[1]

Mit Gewalt und mit Hilfe von Gesetzen und Konventionen wurde die Frau auf ihre häusliche Rolle und Unterordnung hin erzogen[2] nun wollte zunächst ein kleiner Kreis von Frauen einen Bruch mit traditioneller Fügsamkeit und traditioneller Frauenrolle vollziehen.

Trotz grösster Widerstände einer patriachalen Gesellschaft kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts zu immer mehr Vereinsgründungen. Das Spektrum reichte von radikalen über gemässigte bis zu konservativen Gruppen. Alle strebten zwar eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen an, unterschieden sich aber in der Art des Kampfes und der konkreten Zielsetzungen. Von Anfang an entwickelten sich zwei Hauptrichtungen.

Die bürgerliche Frauenbewegung setzte ihren Akzent auf die rechtliche Gleichstellung der Frau[3]. 1865 wurde der „allgemeine deutsche Frauenverein“ von bürgerlichen Frauen gegründet. Dies war der erste Verein überhaupt der sich für die Rechte der Frau einsetzte.

Die proletarische (später sozialistische) Frauenbewegung betrachtete die Einbeziehung der Frauen in den Prozess der gesellschaftlichen Produktion als Vorraussetzung für die Befreiung der Frau[4]. Ihren organisatorischen Background fand sie in der sozialdemokratischen Bewegung. Sie verknüpfte den Kampf für die Frau auch immer mit dem Kampf für eine sozialistische Gesellschaftsalternative, in diesem Punkt unterschied sie sich fundamental von der bürgerlichen Frauenbewegung.

Die ersten Erfolge erzielten die Frauen um die Jahrhundertwende.

Aufgrund eines neuen Vereinsgesetzes wurde Frauen erstmals 1908 gestattet, in Parteien und Gewerkschaften politisch aktiv zu werden. Bis dahin lag es im Ermessen der örtlichen Polizei, politische Vereine und Versammlungen, an denen Frauen beteiligt waren, zu verbieten.

Mit der Weimarer Verfassung (1918) wurde allen Frauen in Deutschland das Wahlrecht gewährt und damit der wichtigste Schritt zu einer formalen politischen Gleichstellung vollzogen. Frauen konnten nun erstmals selbst im Parlament für ihre Rechte kämpfen und taten dies auch vermehrt. Die Wahlbeteiligung an der ersten freien Wahl in Deutschland lag bei 90% und war bei den Frauen besonders hoch. Dabei wurden 41 weibliche Abgeordnete gewählt. Dies entsprach 9,6% der Mitglieder der Nationalversammlung, ein Wert der erst wieder in der Bundesrepublik erreicht werden sollte, 1983.[5]

Grossen Widerstand gegen eine selbstbestimmte Rolle der Frau gab es besonders bei den konservativ-nationalen Parteien. Mit der vollständigen Machtergreifung Hitlers 1933 erfolgte die Verdrängung der Frauen aus dem öffentlichen Leben und die NSDAP legte die Rolle der Frau wieder ausschliesslich auf Mutterschaft und Hausfrau fest. Dazu Joseph Goebbels: „Der Führer entwickelt ganz neue Gedanken über unsere Stellung zur Frau. [...] Der Mann ist Organisator des Lebens, die Frau seine Hilfe und sein Ausführungsorgan. [...]... dass Dinge die dem Mann gehören, dem Mann auch verbleiben müssen und dazu gehört die Politik und die Wehrhaftigkeit des Volkes.“[6]

Die politisch forcierte Selbstauflösung des Bundes deutscher Frauenvereine, der als Dachverband fungierte, bedeutete zunächst das Ende einer eigenständigen Frauenbewegung in Deutschland.[7] Frauen verloren das passive Wahlrecht, die Zulassung zur Habilitation, zum Amt als Richterin und zur Rechtsanwältin. In den NS-Frauenorganisationen ging es um Hauswirtschaft, Kinderpflege und Ernährung.[8]

Während des 2. Weltkrieges wurden Frauen vermehrt in die Produktion gedrängt. Diese Entwicklung beruhte allerdings nicht auf einem Wandel des Frauenbildes, sondern auf dem Fehlen von männlichen Arbeitskräften.

5. Die Entwicklung nach 1945

5.1. Allgemein

Bereits kurz nach der Befreiung durch die Alliierten entstanden in allen vier Besatzungszonen überparteiliche Frauenausschüsse.[9] In vielen vollständigen (wie in allen „unvollständigen“) Familien lag die Hauptlast der Erziehung, der Kleider-, Brennstoff- und Nahrungsmittelversorgung in jener Zeit bei den Frauen.[10] Mit Hilfe der Ausschüsse organisierte man jene Versorgung, errichtete Kindergärten, Nähstuben, Wärmehallen und ähnliche Hilfen für den Nachkriegsalltag.

Auch Frauenverbände lebten schon kurze Zeit nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus wieder neu auf. Zunächst regional begrenzt, handelte es sich hier zumeist um Nachfolgeorganisationen aus der Zeit vor 1933.

„Vor allem beim Wiederaufbau wurden an alle Frauen derart hohe Erwartungen und Forderungen gestellt, wie Disziplin, Aktivität, Organisationstalent, Durchhaltevermögen, Härte, psychische Kräfte, dass der Widerspruch zwischen dem, was Frauen defacto vermögen und dem ihnen zugeschriebenen Bild von „Weiblichkeit“ und vom „weiblichen Wesen“ offensichtlich wurde.“[11]

So verknüpfte sich in den Ausschüssen der Kampf mit den alltäglichen Problemen dann bald mit der Forderung nach einer allgemeinen Gleichstellung von Mann und Frau. Man wollte mindestens an die Gleichstellung in der Weimarer Verfassung anknüpfen. Wie z.B. der 1946 gegründete Frankfurter (Main) Frauenausschuss, der als Prototyp der Frauenausschüsse in den drei Westzonen gilt. Er rief nicht nur die Frauen auf, sich an einem demokratischen Wiederaufbau zu beteiligen, sondern forderte auch die Verwirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau. In fast allen grösseren Städten kam es 1945/1946 zu ähnlichen Gründungen.[12]

Am 7./8. März 1947 schlossen sich einige Frauenverbände zum Demokratischen Frauenbund Deutschland (DFD) zusammen. In dem Gründungsaufruf heisst es: „Wir dürfen niemals mehr zulassen, dass über Deutschlands Gestaltung und Geschicke ohne uns Frauen entschieden wird. Wir werden von jetzt ab Mitwissen, mitverantworten und mitbestimmen." Am 20. November desselben Jahres schlossen sich dem DFD aufgrund einer Entscheidung der sowjetischen Militäradministration sämtliche Frauenausschüsse der sowjetischen Besatzungszone an.[13]

Als Dachverband der Frauenverbände in der BRD wurde 1949 in den Westzonen der Deutsche Frauenring gegründet. Er war der Nachfolger des Bundes deutscher Frauenvereine.

Der DFD in der Westzone und die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung traten besonders für Frieden ein und organisierten Aktionen gegen die Wiederbewaffnung von Deutschland. Ihnen gelang es, bislang unpolitische und unorganisierte Frauen für Friedens- und Entspannungspolitik zu gewinnen.[14]

Nach der Installation des Parteiensystems als politische Kommunikationsplattform kamen Frauenausschüssen in der BRD (wie auch in der DDR) nach 1949 keine Bedeutung mehr zu.[15]

Vor dem Hintergrund des kalten Krieges wurde der DFD am 10. April 1957 auf Anweisung der Innenminister der Länder verboten. Dem Verbot ging weder ein Prozess voraus, noch lag eine richterliche Entscheidung vor.[16] Dem DFD wurde vorgeworfen verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen und verlängerter Arm der SED zu sein. Das Verbot beseitigte die organisatorische Alternative zur bürgerlichen Frauenbewegung in der BRD.

Die Schwierigkeiten und Nöte der Nachkriegsjahre verhinderten zunächst eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft und Ende der vierziger Jahre wurde in den Westzonen wieder das traditionelle Frauen- und Familienbild propagiert, die Massenmedien entgegen aller Lebensrealität auf Eheglück und Familienidylle orientiert.[17]

[...]


[1] zitiert in Ute Gerhard „Unerhört“ S. 26

[2] Ute Gerhard „Unerhört“ S. 57

[3] Autonome Frauen S.297

[4] Autonome Frauen S.297

[5] Ute Gerhard „Unerhört“ S.333

[6] zitiert in Rosemarie Nave- Herz, ,,Die Geschichte...", S. 52

[7] Rosemarie Nave- Herz, ,,Die Geschichte...", S. 52

[8] Www.frauennews.de/themen/bewegung.html

[9] CD-ROM Politeia \begriffe\frauensolidaritaet.html

[10] Rosemarie Nave- Herz, ,,Die Geschichte...", S. 59

[11] Rosemarie Nave- Herz, ,,Die Geschichte...", S. 59

[12] CD-ROM Politeia \archiv\pfannes\pfannes_a5.html

[13] CD-ROM Politeia \archiv\benjamin\benjamin_a7.html

[14] Florence Herve „Geschichte der Deutschen Frauenbewegung“ S.153

[15] CD-ROM Politeia \begriffe\gesellschaft.html

[16] Florence Herve „Geschichte der Deutschen Frauenbewegung“ S.150

[17] Florence Herve „Geschichte der Deutschen Frauenbewegung“ S.129

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Autonome Frauenbewegung in Deutschland
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Europäische Ethnologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V24233
ISBN (eBook)
9783638271509
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Autonome, Frauenbewegung, Deutschland, Dokumente der Frauenbewegung
Arbeit zitieren
Alexander Meyer (Autor), 2003, Autonome Frauenbewegung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24233

Kommentare

  • Alexander Meyer am 3.11.2004

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