Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich Kindsein erheblich gewandelt.
Kinder wachsen heutzutage in anderen gesellschaftlichen Kontexten auf, welche das
Wesen der Kindheit erheblich modifiziert und verändert haben.
Erzählen die Großeltern uns von ihrer Kindheit, und unter welchen Bedingungen sie
damals aufgewachsen und sozialisiert worden sind, so lassen sich erhebliche
Unterschiede feststellen zu unserer eigenen Kindheit.
Möchte man die veränderten Lebensbedingungen und Handlungsweisen von Kindern
heute verstehen, so muss man sich zunächst mit den gesellschaftlichen
Wandlungsprozessen in den letzten Jahrzehnten näher auseinandersetzen.
Den gesellschaftlichen Strukturwandel werde ich im ersten Teil meiner Arbeit
überblicksartig darzustellen versuchen.
Aber inwieweit haben diese gesellschaftlichen Veränderungsprozesse das Wesen von
Kindheit verändert? Wie sieht Kindsein heute im gesellschaftlichen Kontext aus?
Diesen Fragen möchte ich im zweiten Teil meiner vorliegenden Arbeit auf den Grund
gehen und anhand ausgewählter Modernisierungstendenzen von Kindheit aufzeigen,
dass durch die verschiedensten äußeren Einflüsse ein Kind von heute anders
aufwächst als dies bei unseren Großeltern noch der Fall war.
Inhaltsverzeichnis
1. Gesellschaftlicher Strukturwandel ( Individualisierung, Pluralisierung)
1.1. Veränderte Grundstrukturen der kindlichen Lebensbedingungen
1.1.1. Wandel sozioökonomischer Rahmenbedingungen
1.1.2. Wandel familialer Strukturen
2. Modernisierungstendenzen der Kindheit
2.1. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt (Manuela du Bois-Reymond)
2.1.1. Merkmale des Verhandlungshaushaltes
2.2. Verhäuslichung der Kindheit (Jürgen Zinnecker)
2.2.1. allgemeine Veränderungen in der Großstadt (Zeiher)
2.2.2. veränderte Wohn- und Straßensituation
2.3. Verinselung der Kindheit (Helga & Hartmut Zeiher)
2.3.1. Zeit in heutiger Kindheit
2.3.2. verändertes Raumerleben von Kindern
2.3.3. Modell der Verinselung des individuellen Lebensraumes
2.4. Mediatisierung der Kindheit (u.a. Neil Postman)
2.4.1. dominantes Medium: Fernsehen
2.4.2. „Verschwinden der Kindheit“ durch Medien (Neil Postman)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Kindseins in den letzten Jahrzehnten unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Strukturwandels und spezifischer Modernisierungstendenzen. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich durch veränderte äußere Einflüsse die Lebensbedingungen und Handlungsweisen von Kindern gewandelt haben.
- Gesellschaftlicher Strukturwandel durch Individualisierung und Pluralisierung.
- Die Transformation vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt.
- Prozesse der Verhäuslichung und Verinselung kindlicher Lebensräume.
- Die Mediatisierung der Kindheit und deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
1. Gesellschaftlicher Strukturwandel
Die Veränderung von Kindsein ist ein Aspekt des sozialen Wandels, d.h. der Veränderung von Gesellschaft überhaupt. Daher können die Veränderungsprozesse von Kindheit nur im Zusammenhang mit der Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes gesehen werden.
Eine zentrale gesellschaftliche Entwicklungstendenz in den letzten Jahrzehnten ist der Trend zur Individualisierung. Ulrich Beck formulierte in seiner Individualisierungsthese von 1986 drei grundlegende Veränderungsprozesse der Gesellschaft. (vgl. Melzer u.a.; S.19ff.)
Als erste Dimension nennt er die Freisetzungsdimension, die besagt, dass Menschen aus ihren historisch vorgegebenen Sozialformen und –bindungen herausgelöst, bzw. freigesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gesellschaftlicher Strukturwandel ( Individualisierung, Pluralisierung): Dieses Kapitel beleuchtet den allgemeinen sozialen Wandel und erläutert anhand der Thesen von Ulrich Beck, wie Freisetzungs-, Entzauberungs- sowie Kontroll- und Reintegrationsprozesse die Lebensbiografien beeinflussen.
1.1. Veränderte Grundstrukturen der kindlichen Lebensbedingungen: Hier werden sozioökonomische Faktoren wie Urbanisierung, Mobilität und Technokratisierung sowie der Wandel familialer Strukturen als Ursachen für veränderte Kindheitsbedingungen analysiert.
2. Modernisierungstendenzen der Kindheit: Das Kapitel widmet sich spezifischen theoretischen Konzepten, die den Wandel der Kindheit in der modernen Gesellschaft beschreiben.
2.1. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt (Manuela du Bois-Reymond): Es wird die Verschiebung der Machtverhältnisse in der Familie hin zu partnerschaftlichen Aushandlungsprozessen und einer höheren Wertschätzung des Kindes thematisiert.
2.2. Verhäuslichung der Kindheit (Jürgen Zinnecker): Dieses Kapitel beschreibt die Verlagerung kindlicher Spielräume von der Straße in private Innenräume aufgrund städtischer Veränderungen und gestiegener Kontrollbedürfnisse.
2.3. Verinselung der Kindheit (Helga & Hartmut Zeiher): Die Analyse fokussiert sich auf das veränderte Zeit- und Raumerleben von Kindern sowie das Modell des verinselten Lebensraums, das den Erfahrungsverlust in einer funktional getrennten Umwelt aufzeigt.
2.4. Mediatisierung der Kindheit (u.a. Neil Postman): Abschließend wird der Einfluss von Medien, insbesondere des Fernsehens, untersucht, wobei sowohl Chancen als auch Risiken sowie die These vom Verschwinden der Kindheit diskutiert werden.
Schlüsselwörter
Kindheit, Modernisierung, Individualisierung, Verhandlungshaushalt, Verhäuslichung, Verinselung, Mediatisierung, Fernsehen, Sozialisation, Strukturwandel, Lebensbedingungen, Großstadtkinder, Kindesentwicklung, Familienstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die signifikanten Veränderungen des Kindseins in der heutigen Gesellschaft im Vergleich zu früheren Generationen unter dem Einfluss gesellschaftlicher Modernisierungstendenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den allgemeinen Strukturwandel, die Veränderung familiärer Erziehungsmuster, die Einschränkung räumlicher und zeitlicher Freiräume sowie den zunehmenden Einfluss medialer Welten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Lebensbedingungen von Kindern durch äußere Einflüsse und gesellschaftliche Veränderungsprozesse nachhaltig gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit kindheitssoziologischen Ansätzen und Modellen bekannter Autoren wie Beck, du Bois-Reymond, Zinnecker, Zeiher und Postman.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des gesellschaftlichen Strukturwandels und die detaillierte Darstellung der Modernisierungstendenzen: Verhandlungshaushalt, Verhäuslichung, Verinselung und Mediatisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Individualisierung, Verinselung, Verhäuslichung, Mediatisierung, Kindheitsforschung und der Wandel sozioökonomischer Rahmenbedingungen.
Was versteht man unter dem Begriff "Verhandlungshaushalt"?
Es bezeichnet einen Erziehungsstil, in dem nicht mehr autoritäre Befehle, sondern partnerschaftliches Verhandeln und Begründen zwischen Eltern und Kindern dominieren.
Was meint Neil Postman mit dem "Verschwinden der Kindheit"?
Postman postuliert, dass durch die mediale Präsenz der Erwachsenenwelt in den Medien die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein verschwimmt, da Kindern Informationen nicht mehr vorenthalten werden.
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- Anke Lehmann (Author), 2004, Kindsein heute - Modernisierungstendenzen der Kindheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24478