Einleitung
Die Betriebswirtschaftslehre ist neben der Volkswirtschaftslehre die zweite Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften. Sie untersucht den Aufbau von Betrieben sowie betrieblichen Vorgängen.
„Die Beschäftigung mit einer Wissenschaft setzt die Kenntnis ihrer historischen Entwicklung voraus, da der heutige Stand der Wissenschaft das Ergebnis dieser Entwicklung ist.“
Der Begriff ist erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, die geschichtlichen Wurzeln reichen jedoch bis weit vor unserer Zeitrechnung zurück. Die Literatur diskutiert die Anfänge der heutigen Betriebswirtschaftslehre sehr kontrovers. Überwiegend wird die Gründung der ersten Handelshochschulen in Leipzig, Aachen und Wien, im Jahre 1898, als das Geburtsjahr der BWL als Wissenschaft betrachtet. Dieter Schneider, Universitätsprofessor der BWL, schreibt hingegen: „Entgegen gängigen Lehrbuchdarstellungen darf die Gründung der Handelshochschulen nicht als Wiege der heutigen akademischen Betriebswirtschaftslehre angesehen werden.“ Um die Frage nach den Anfängen korrekt beantworten zu können, muss eine Unterscheidung in die sogenannte „alte“ und „neue“ Betriebswirtschaftslehre vorangestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist die Hausarbeit in Epochen unterteilt, um die Geschichte systematisch aufzuarbeiten. Der Untersuchungszeitraum ist sehr groß gewählt, dies ist damit zu begründen, dass die BWL als Wissenschaft nicht von einem Einzigen oder einer Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen wurde. Sie musste bis zu dem heute erreichten Erkenntnisstand eine jahrhundertlange Entwicklung durchlaufen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die „alte“ Betriebswirtschaftslehre
2.1 Die Vorläufer der Entwicklung einer systematischen BWL bis 1675
2.1.1 Die Untersuchung in der Antike
2.1.2 Die patristische Wirtschaftsliteratur
2.1.3 Die scholastische Wirtschaftsliteratur
2.1.4 Die Zeit bis zur frühkapitalistischen Entwicklung
2.2 Die Zeit der systematischen Handlungswissenschaft von 1675 - 1804
2.3 Die Niedergangszeit der Handelswissenschaften im 19. Jahrhundert
3. Die „neue“ Betriebswirtschaftslehre
3.1 Die Aufbauzeit der neuen BWL von 1898 - 1909
3.2 Die Systematisierung und Ausweitung der BWL von 1910 - 1932
3.3 Die Situation in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 - 1945
4. Entwicklungstendenzen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
Zielsetzung und Themen
Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, die historische Genese der Betriebswirtschaftslehre (BWL) systematisch aufzuarbeiten, indem sie die Entwicklung von den antiken Ursprüngen bis in die moderne Zeit in verschiedene Epochen unterteilt und den Wandel des Erkenntnisobjekts nachzeichnet.
- Unterscheidung zwischen der „alten“ und „neuen“ Betriebswirtschaftslehre
- Anfänge kaufmännischen Denkens in der Antike und im Mittelalter
- Die Institutionalisierung der BWL durch die Gründung der Handelshochschulen
- Methodenstreit und verschiedene wissenschaftliche Konzeptionen im 20. Jahrhundert
- Einflüsse politischer Systeme auf die wirtschaftswissenschaftliche Ausrichtung
Auszug aus dem Buch
Die Untersuchung in der Antike
Es zeigten sich erste Ansätze kaufmännischen Denkens in Aufzeichnungen der Hochkulturen des alten Orients in der Zeit um 3000 - 2800 v. Chr., wie z.B. der älteste Buchhaltungsbeleg in Gestalt einer kleinen Tontafel mit kaufmännischen Daten.
Aus Mesopotamien, dem heutigen Irak, stammt die älteste Fabrikbuchhaltung mit monatlicher Gewinn- und Verlustrechnung und einem kontinuierlich geführten Inventar. Im Jahre 1728 v. Chr. gab es in dieser Region (Babylonien) bereits eine Buchführungspflicht für Kaufleute.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Untersuchungsfeld der BWL und begründet die historische Betrachtungsweise zur Einordnung des heutigen Wissensstandes.
2. Die „alte“ Betriebswirtschaftslehre: Dieses Kapitel behandelt die historischen Vorläufer vom antiken kaufmännischen Denken über die Scholastik bis hin zur systematischen Handlungswissenschaft des Merkantilismus.
3. Die „neue“ Betriebswirtschaftslehre: Der Fokus liegt hier auf der akademischen Etablierung ab 1898, den verschiedenen methodischen Strömungen bis 1932 sowie der ideologischen Instrumentalisierung während des Nationalsozialismus.
4. Entwicklungstendenzen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Das Kapitel beschreibt den Übergang zur sozialen Marktwirtschaft, die faktortheoretischen Ansätze Gutenbergs und die spätere Pluralisierung durch entscheidungstheoretische und verhaltensorientierte Modelle.
Schlüsselwörter
Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte, Handlungswissenschaft, Merkantilismus, Kameralistik, Handelshochschulen, Eugen Schmalenbach, Erich Gutenberg, Entscheidungstheorie, Betriebliches Rechnungswesen, Unternehmensziele, Historische Entwicklung, Kaufmännisches Denken, Wirtschaftslehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen systematischen Überblick über die historische Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre von ihren antiken Wurzeln bis zur modernen, interdisziplinären Wissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Evolution des kaufmännischen Denkens, der Entstehung der Handelshochschulen, dem Methodenstreit des 20. Jahrhunderts und dem Einfluss gesellschaftlicher Bedingungen auf die BWL.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den heutigen Erkenntnisstand der BWL historisch herzuleiten und die Notwendigkeit einer Epochenunterscheidung in eine „alte“ und „neue“ Lehre zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturgestützte, historische Analyse, die den Forschungsstand durch den Vergleich maßgeblicher Vertreter und Epochen systematisch aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der frühen kaufmännischen Techniken, der Kameralwissenschaften, der Institutionalisierung als Hochschulfach und der modernen Theorienbildung nach 1945.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte, Handelshochschulen, Merkantilismus und entscheidungstheoretische Ansätze geprägt.
Warum wird eine Unterscheidung zwischen „alter“ und „neuer“ BWL vorgenommen?
Diese Trennung ist notwendig, um die Diskontinuität in der Lehre zu erklären, da die „neue“ BWL ab 1898 teils ohne Rückgriff auf vorangegangene handelskundliche Traditionen entstand.
Wie beeinflusste der Nationalsozialismus die Betriebswirtschaftslehre?
Die NS-Zeit führte zu einer ideologischen Gleichschaltung der Lehre, bei der die einzelbetriebliche Gewinnorientierung zugunsten einer völkisch ausgerichteten Betrachtungsweise und gesamtwirtschaftlicher Interessen in den Hintergrund trat.
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- Christian Voigt (Author), Thomas Henze (Author), 2004, Die Geschichte der Betriebswirtschaftslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24671