Die Begegnung und Auseinandersetzung mit Geschichte ist nur über Medien möglich, d.h. über Realisationen eines historischen Bewußtseins: Darstellungen und Quellen der Geschichte. Somit ist auch jede Lehrererzählung ein Medium, wir wollen uns jedoch im Folgenden nur auf die Medien beschränken, die den Charakter von Unterrichtsmaterialien besitzen oder in ihrem Sinne verwendet werden. Unter den darstellenden Medien ist im Geschichtsunterricht kein anderes Arbeitsmittel so häufig im Gebrauch wie das Schulgeschichtsbuch. Laut Umfragen von Anwander/Timmermann/Müller benutzen 80% der Geschichtslehrer das Schulgeschichtsbuch häufig im Unterricht, rund drei Viertel ziehen es auch zur Unterrichtsvorbereitung heran. Knapp ein Drittel der 642 befragten Lehrer arbeitete im Durchschnitt zwischen 25 und 30 % der Unterrichtszeit mit dem Buch.1 Diese Aussagen erlauben es freilich nicht, die wirkliche Bedeutung des Schulbuchs konkret einzuschätzen, lassen jedoch den Schluß zu, daß das Schulgeschichtsbuch als Informationsträger für Lehrer und Schüler gleichermaßen dient und einen großen struktualistischen Anteil an dem didaktischen Aufbau der Unterrichtseinheiten hat. Hieraus leitet sich die Forderung und Notwendigkeit ab, das in den Büchern niedergelegte Schulwissen systematisch und kontinuierlich zu analysieren. Dieses soll in dieser Arbeit exemplarisch an dem Gegenstandsbereich "der Deutsche Bauernkrieg" geleistet werden. Dafür wurden zwei Schulgeschichtsbücher2 für die Sekundarstufe I ausgewählt: - Hug, Wolfgang, Danner, Wilfried und Busley, Hejo: Geschichtliche Weltkunde, Band 2. Frankfurt am Main 1977.3 - Bernlocher, Ludwig, Furth, Peter u.a.: Geschichte und Geschehen, Band.Z. Stuttgart 1987.4 Die Kriterien für die Auswahl dieser Bücher waren vor allem: Die gleiche Adressatenschaft (Sek.I), sowie ein deutlicher Unterschied im Erscheinungsjahr der beiden Werke. Das zweite Kriterium wurde in der Erwartung gewählt, Unterschiede im Bereich der didaktischen Aufbereitung feststellen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 METHODISCHE VORÜBERLEGUNGEN ZUR DIDAKTISCHEN ANALYSE VON SCHULBÜCHERN
3 ANALYSE DER SCHULBÜCHER
3.1 QUANTITATIVE INHALTSANALYSE
3.1.1 Inhalt und Ordnung
3.1.2 Statistische Materialerfassung
3.2 QUALITATIVE INHALTSANALYSE
3.2.1 Inhaltliche Einordnung der Kapitel in den Kontext
3.2.2 Dimensionen historischer Erfahrung
3.2.3 Gliederungsprinzipien der Kapitel
3.2.4 Gegenwartsbezug
4 AUSWERTUNG
5 SCHLUß
6 LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das in Schulgeschichtsbüchern vermittelte Wissen über den Deutschen Bauernkrieg systematisch zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie zwei ausgewählte Schulbücher diesen historischen Gegenstand didaktisch aufbereiten, welche Perspektiven sie einnehmen und inwieweit sie eine eigenständige Urteilsbildung der Schüler fördern.
- Didaktische Analyse und Vergleich zweier Schulgeschichtsbücher
- Quantitative und qualitative Untersuchung der Inhaltsstruktur
- Erfassung historischer Erfahrungsdimensionen
- Prüfung des Gegenwartsbezugs im Geschichtsunterricht
- Methodische Reflexion über die Bedeutung von Schulbüchern als Informationsträger
Auszug aus dem Buch
Gliederungsprinzipien der Kapitel
Betrachten wir bei Hug/Danner/Busley die Abschnittsüberschrift, so fallen zwei Dinge auf:
I. Die Überschriften sind z. T. interrogativ formuliert, nicht etwa als feststehende Aussage (z.B.: "Was hielten die Bauern für gerecht ?" und "Revolutionäre Forderungen ?").
II. Zudem erscheinen sie die perspektivische Sichtweise von Bauern zu implizieren (z.B.: "Gegen ungerechte Obrigkeit" und "Die Folgen der Niederlage").
Durch den ersten Punkt entsteht der Eindruck, der Verfasser des Buches würde eine Frage zu einer Problemstellung aufwerfen, deren Lösung der Leser sich selbsttätig erarbeiten müßte und zu dem er sich dann, ein selbständiges Urteil bilden könnte. Das Problem sieht der Verfasser offensichtlich in einer ungerechten Behandlung von Bauern durch ihre Obrigkeit und die daraus resultierenden Folgeerscheinungen. Zudem der Verfasser jedoch, wie im zweiten Punkt erwähnt, seine Wahrnehmung perspek1ivisch auf die Position der Bauern verengt wird eine neutrale Darstellung der historischen Sachlage zumindest fragwürdig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Es wird die Bedeutung von Schulgeschichtsbüchern für den Unterricht dargelegt und die Notwendigkeit ihrer systematischen Analyse am Beispiel des "Deutschen Bauernkrieges" begründet.
2 METHODISCHE VORÜBERLEGUNGEN ZUR DIDAKTISCHEN ANALYSE VON SCHULBÜCHERN: Hier werden die wissenschaftlichen Kriterien für die quantitative und qualitative Untersuchung der gewählten Schulbücher definiert.
3 ANALYSE DER SCHULBÜCHER: Dieser Hauptteil vergleicht Hug/Danner/Busley und Bernlocher/Furth hinsichtlich ihrer Inhaltsstruktur, der verwendeten Hilfsmittel und der inhaltlichen Perspektivierung.
4 AUSWERTUNG: Die Untersuchungsergebnisse werden bewertet, wobei insbesondere die didaktische Eignung der Bücher für Lehrpersonen und Schüler kritisch reflektiert wird.
5 SCHLUß: Das Fazit fasst zusammen, dass Bernlocher/Furth trotz inhaltlicher Defizite methodisch der Vorzug gegeben werden kann, betont jedoch den generellen Nachbesserungsbedarf beider Werke.
6 LITERATUR: Zusammenstellung der für die wissenschaftliche Analyse herangezogenen Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Schulbuchanalyse, Geschichtsunterricht, Deutscher Bauernkrieg, didaktische Analyse, Inhaltsanalyse, Sekundarstufe I, Geschichtsvermittlung, Urteilsbildung, historische Erfahrung, Quellenarbeit, fachspezifische Didaktik, Schulbuchkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei verschiedene Schulgeschichtsbücher das historische Thema "Deutscher Bauernkrieg" für den Unterricht der Sekundarstufe I didaktisch aufbereiten und darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die inhaltliche Struktur, die Auswahl und Präsentation der Hilfsmittel, die Darstellung historischer Erfahrungsdimensionen sowie die Frage nach dem Gegenwartsbezug des Themas.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, die didaktische Qualität der Bücher zu prüfen und herauszuarbeiten, ob diese Materialien eine kritische und eigenständige Urteilsbildung bei den Schülern unterstützen oder eher einseitig beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Verfasser nutzen eine kombinierte quantitative und qualitative Inhaltsanalyse, um sowohl statistische Aspekte der Darstellung als auch latente Sinnstrukturen und Interpretationsmuster zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Materialerfassung und eine tiefergehende qualitative Inhaltsanalyse, die einzelne Kapitel auf ihre inhaltliche Einordnung, Gliederungsprinzipien und Perspektivität hin untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Schulbuchanalyse, Geschichtsdidaktik, Quelleninterpretation und den konkreten historischen Kontext des Deutschen Bauernkrieges definieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Lehrperson beim Einsatz dieser Bücher?
Der Autor betont, dass die untersuchten Kapitel nicht unreflektiert genutzt werden sollten; Lehrkräfte müssen das Material durch eigene Impulse ergänzen und eine kritische Diskussion der einseitigen Darstellungen anleiten.
Warum ist die Analyse der Gliederungsprinzipien so entscheidend für diese Arbeit?
Die Analyse zeigt, wie durch die Art der Überschriften und die Auswahl der Quellen subtil eine bestimmte Perspektive (z.B. die der aufständischen Bauern) eingenommen wird, was direkten Einfluss auf die Objektivität der historischen Vermittlung hat.
- Quote paper
- Andre Zysk (Author), 1999, Didaktische Analyse zweier Schulgeschichtsbücher zum Gegenstand des deutschen Bauernkrieges mit einem ausführlichen Exkurs über theoretische Gesichtspunkte der Schulbuchanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25043