Der Kosovokrieg - Ursachen und Hintergründe


Hausarbeit, 2000

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkung

II. Geschichte bis 1980

III. Wichtige Ereignisse im Vorfeld des NATO- Angriffes

IV. Der Kosovokrieg

V. Schlussbemerkung

VI. Literaturverzeichnis

I. Vorbemerkung

In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, den Kosovokonflikt so umfassend wie möglich darzustellen, sowie mögliche Ursachen und Hintergründe, die zum NATO- Bombardement geführt haben, zu analysieren.

II. Geschichte bis 1980

Um die Hintergründe des heutigen Kosovo- Konflikts verstehen zu können, ist ein Blick in die Vergangenheit unumgänglich. Insbesondere deshalb, da die Frage wem das Kosovo nun gehöre, Serben oder Albanern, bzw. der Streit, wer nun zuerst auf diesem Gebiet ansässig war, die Gemüter bis heute noch erhitzt.

Die Serben beanspruchen das Kosovo für sich mit der Begründung, daß dort die „Wiege das Serbentums“ (Kultur/ Kirche) liege und das es das politische Zentrum des Reiches im Mittelalter war. In der Tat erlebte das serbische Volk mit dem Kosovo als Zentrum des Königreiches der Nemanjiden- Dynastie von 12. –14. Jahrhundert eine wirtschaftliche und politische Hochblüte. Ebenso entstanden zu dieser Zeit, wie beispielsweise in Gracanica und in Pec, bedeutende Klöster der serbischen Orthodoxie, wodurch das Kosovo für die serbische Kirche von zentraler Bedeutung ist.1

Die Albaner wiederum – auch das wird von den meisten Historikern bejaht- sehen sich als direkte Nachfahren der Illyrer an, die lange Zeit vor der slawischen Landnahmen, also vor den Serben, auf dem Balkan und damit auch dem Kosovo ansässig waren.2

Kann aber das Wissen über die „Erstankunft“ eins Volkes vor tausenden von Jahren die Lösung für den heutigen Konflikt auf diesem Gebiet sein? Wohl kaum.

Die Schlacht auf dem Amselfeld im Kosovo am Veitstag 1389 bedeutete das Ende des unabhängigen Serbischen Reiches. Diese entscheidene Schlacht zwischen Serben (an deren Seite u.a. auch Albaner kämpften) und Osmanen leutete eine 500jährige Herrschaft des Osmanischen Reiches ein. Obwohl diese Schlacht eine eindeutige Niederlage für das serbische Volk darstellte, wird sie dennoch bis heute als Sieg, sogar als Nationalfeiertag, betrachtet. Erklärung hierfür ist die starke Mythologisierung dieser Schlacht. Laut serbischer Legende stellte der Prophet Elias in Gestalt eines Falken aus Jerusalem den serbische Fürsten Lazar vor die Wahl zwischen einem irdischen und einem himmlischen Reich. Wähle er das irdische Reich, so ist ihm ein Sieg über die Osmanen sicher. Wähle er jedoch für sich das himmlische Reich, so wird er eine Niederlage erleben. Der serbische Herr entschied sich für das letztere und seitdem spricht man auch von dem „himmlischen Volk der Serben“, welches sich freiwillig für Europa (Christentum gegen Islam) geopfert hat.3

In diesem Zusammenhang ist es interessant einen Blick auf die serbischen Quellen bezüglich dieser Schlacht zu werfen. Der osmanische Sieg wird nämlich angezweifelt. Gleichwohl spricht man einerseits von einem serbischen Sieg- wobei für diesen diverse historische Briefe, wie die des bosnischen Königs Tvrtko, der einen Sieg gegen die Türken schrieb, als verläßliche Quelle gelten. Anderseits schreibt man (in der selben Quelle!), dass weder von einer katastrophalen Niederlage für die Serben noch von einem wirklichen Sieg gesprochen werden kann. Auch betont man, daß der Ausgang dieser Schlacht – wer also gewonnen oder verloren hat, unbedeutend im Vergleich zu dem Schicksal, welches Serbien nach dieser Schlacht ereilt hat. Das serbische Volk kam nämlich unter türkischer Herrschaft.4

Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch zahlreiche Aufstände und Kriege gegen das Osmanische Reich, wie beispielsweise der Große Türkenkrieg 1683 bis 1699. Während diesem Krieg, im Jahre 1960, kam es zu einer serbischen Massenauswanderung aus dem Kosovo, was zu einer ethnodemographischen Veränderung in diesem Gebiet führte, da die Türken anstelle der geflüchteten Serben zum Islam bekehrte Albaner ansiedelten.5

1876 erklärten Serbien und Montenegro mit russischer und rumänischer Unterstützung, den Osmanen den Krieg. Es gelang ihnen die osmanischen Truppen zurückzudrängen und so kam es 1877 zum Friedensvertrag von San Stefano, wodurch u.a. Serbien wieder ein unabhängiger Staat wurde. Aufgrund von Unstimmigkeiten bezüglich der territorialen Verteilung wurde 1878 der Berliner Kongreß von den damaligen Großmächten einberufen. Dabei profitierte Serbien durch eine Gebietszuwachs. Währenddessen formierte sich jedoch ein albanischer Widerstand („Liga von Prizren“), um gegen die Abtretung albanischer Siedlungsgebiete an Serbien, Montenegro und Griechenland zu kämpfen. In einem Memorandum, welches Juni 1878 nach Berlin geschickt wurde, bekundeten sie ihren Widerwillen. Allerdings nahmen die Großmächte davon keine Notiz.6

Auch nach den Balkankriegen von 1912 (Ende des Osmanischen Reiches) und 1913 traf die Albaner ein schweres Los. Auf der Botschafterkonferenz der Europäischen Großmächte am 29. Juni 1913 wurden die Grenzen Albaniens so gezogen, daß ca. die Hälfte der albanische Bevölkerung außerhalb ihres Mutterlandes verblieb. Relevant für die Grenzziehung waren also die Interessen der Großmächte und nicht ethnische Gesichtspunkte.7 Eine Entscheidung, die bis in unseren heutigen Zeit ein hohes Konfliktpotential birgt.

Im Zuge des 1. Weltkrieges befand sich das Kosovo im habsburgerischen und bulgarischen Händen. Die Eroberer setzten Kosovo eine Lokalregierung ein und eröffneten albanischsprachige Schulen. Doch 1918 mit der Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, das 1929 in Jugoslawien umbenannt wurde, fällt das Kosovo an die Serben zurück. Aufgrund von Konflikten in den darauffolgenden Jahren wird der Gebrauch der albanischen Sprache im Schulunterricht verboten. Folge waren unzählige Kämpfe zwischen Cetniks (serbische Nationalisten) und Kacaks (albanische Nationalisten), die tausende Menschenopfer forderten. Während albanische Guerillatruppen für eine Autonomie kämpften, trieb die Regierung ein Programm voran die albanische Mehrheit im Kosovo zu einer Minderheit zu machen, indem sie vermehrt Serben im Kosovo ansiedelten und Albaner enteigneten.8

Die Zerschlagung Jugoslawiens im 2 Weltkrieg führte durch die Vereinigung Kosovos und Westmakedonien mit Albanien zu einem „Großalbanien“. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß starke Repressionen von den Kosovo- Albanern auf die Kosovo- Serben ausgeführt wurden.9

Nach dem Ende des „Weltkrieges wurde ein neues, föderatives Jugoslawien unter kommunistischer Führung gegründet. Unter seiner Parole „Brüderlichkeit und Einigkeit“ versuchte der Partisane Tito die verschiedenen Nationen in einem Staat zu vereinigen.10

Das Problem der großalbanischen Nostalgie, die sich durch erheblicher Guerillatätigkeit gegen das neue Regime äußerte, gedachte die jugoslawische Führung durch einen Anschluß Albaniens an den jugoslawischen Vielvölkerstaat zu lösen.11 Doch es kam nie zu einer Realisierung dieses Vorhabens, da Jugoslawien nach dem Bruch mit der Sowjetunion im Jahre 1948 aus der Kominform, der Nachfolgeorganisation der Kommunistischen Internationale, ausgeschlossen wurde, während Albanien den Sowjets noch treu blieb.12

[...]


1 Vgl. Reuter, 1999 (S. 3f)

2 Vg.. Lange, 1999 ( S.8)

3 Vgl. Schmid, 1999 ( S. 30)

4 Vgl. Mala Encikolpedia Prosveta, 1986 (S. 373)

5 Vgl. Mala Encikolpedia Prosveta, 1986 (S. 373)

6 Vgl. Schmidt, 1999 ( S.86f)

7 Vgl. Lange, 1999 (S.10)

8 Vgl. Schmidt, 1999 (S. 92)

9 Vgl. Lange, 1999 (S. 11)

10 Vgl. Geiss, 1993 ( S.48f)

11 Vgl. Lange, 1999 (S. 13)

12 Vgl. Schmidt, 1999 ( S.97)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Kosovokrieg - Ursachen und Hintergründe
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophische Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V25076
ISBN (eBook)
9783638278058
ISBN (Buch)
9783638789028
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kosovokrieg, Ursachen, Hintergründe
Arbeit zitieren
Tatjana Butorac (Autor), 2000, Der Kosovokrieg - Ursachen und Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25076

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