Das Amphitheater in Pompeji


Seminararbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Bau
2.1. Historischer Hintergrund
2.2. Architektur
2.3. Die Spender

3. Die Funktion
3.1. Prestigesymbol
3.2. Vergnügungsstätte

4. Geschichte bis zum Untergang Pompejis 79 n. Chr
4.1. Die Schlägerei 59 n. Chr
4.2. Das Erdbeben 62/63 n. Chr

Schluss

1. Einleitung

Das Kolosseum in Rom ist bis heute ein Markenzeichen der Stadt und findet sich sogar auf der italienischen 5-Cent-Münze wieder. Die Spiele, die im römischen Reich statt fanden, beschränkten sich aber nicht nur auf Rom. Auch in anderen Städten finden sich solche Bauten. Wie auch in Pompeji, der Stadt die durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. verschüttet wurde. In meiner Proseminararbeit will ich verdeutlichen, welche Rolle das Amphitheater für die Stadt Pompeji spielte. Quellen hierfür sind neben der Sekundärliteratur die Inschriften und Graffitis, die in der Stadt beziehungsweise direkt am Amphitheater gefunden wurden. Außerdem werde ich historische Texte der Historiker Tacitus, Cicero und Seneca heranziehen, um Aufschlüsse über die Geschichte des Amphitheaters im Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt Pompeji zu gewinnen. Zunächst werde ich auf die Bauzeit und den eigentlichen historischen Hintergrund des Gebäudes eingehen. Danach will ich kurz die Architektur beschreiben und herausstellen, welche typischen baulichen Aspekte der damaligen Zeit das Amphitheater in Pompeji besitzt. In einem zweiten Punkt gehe ich auf den eigentlichen Titel meiner Arbeit ein: Prestigesymbol und Vergnügungsstätte. Wie sah ein Spieltag aus? Wie ist das Abhalten von Spielen mit Rom zu verknüpfen? Wie beliebt war das zum Teil grausame Spektakel? Das sind Fragen die ich zu beantworten versuche. Als letzten Punkt greife ich noch zwei historische Wegmarken für das Amphitheater heraus. Die Schlägerei 59 n. Chr. und das Erdbeben 62/63 n. Chr. waren Ereignisse, die die Einrichtung im wahrsten Sinne des Wortes erschütterten. In der Forschung hat es in den vergangenen Jahren keine Monographie zum Thema „Amphitheater in Pompeji“ gegeben. Die ersten wissenschaftlichen Grabungen in Pompeji begannen im Jahr 1860 unter der Leitung von Fiorelli[1]. Seitdem ist eine Vielzahl von Berichten und Werken über die Stadt erschienen. Heinrich Nissen (1877) und August Mau (1899) verfassten schon bald darauf ihre Standardwerke, die auch in dieser Arbeit Gebrauch finden. Bis heute sind rund drei Fünftel der antiken Stadt ausgegraben und erforscht.

2. Der Bau

Eine in zwei Exemplaren erhaltene Inschrift[2] gibt Kunde über den Bau des Amphitheaters in Pompeji, der etwa auf die Jahre 80-65 v. Chr.[3] datiert wird. Sie besagt:

C. Quinctius C. f. Valgus, M. Porcius M. f. duo vir(i) quinq(uennales) coloniai honoris caussa spectacula de sua peq(unia) fac(iunda) coer. et coloneis locum in perpetuom deder(unt)[4]

Vieles ist aus dieser Inschrift, die jeweils am Fuße des westlichen und östlichen Tores gefunden wurde, zu entnehmen. Von einer Kolonie ist die Rede. Außerdem von zwei Männern: C. Quinctius Valgus und M. Porcius. Was es damit auf sich hat, soll in den folgenden Unterpunkten erläutert werden.

2.1. Historischer Hintergrund

Der historische Hintergrund[5], der zum Bau des Amphitheaters führte, ist ohne Zweifel die Koloniegründung. Sulla hatte die Stadt, die sich im Bundesgenossenkrieg in den Jahren 91-89 v. Chr. gegen Rom gewandt hatte belagert und sie schließlich erobert. Aus der Stadt Pompeji wurde die „Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum“. Damit änderte sich in der kampanischen Stadt vieles: Eine „neue Epoche“[6] brach für die Stadt an. Nicht nur musste Pompeji „zur Vergeltung für seine Teilnahme am Bundesgenossenkrieg 4000 bis 5000 Veteranen aufnehmen“[7] (Die Zahl der Kolonisten in der Forschungsliteratur schwankt), was anfänglich vermutlich zu Streitigkeiten zwischen Kolonisten und Pompejanern führte[8]. Auch in der Stadtverwaltung änderte sich so einiges: Als eine Art Bürgermeister fungierten die Duoviri, die in der obigen Inschrift ebenfalls Erwähnung finden. Wie in allen römischen Kolonien waren die oberste Behörde die Dekurionen, vergleichbar mit einem Stadtrat. Außerdem löste die Venus Pompeianorum, die Lieblingsgöttin des neuen Stadtherrn Sulla, den alten Schutzgott der Stadt Apollo ab.

In den ersten Jahren der Kolonie kam es außerdem zu vielen Neubauten. Nicht aber etwa, weil es unbedingt Bedarf für bestimmte Gebäudegattungen gegeben hätte. Die Veteranen unter der Leitung von P. Sulla, ein Neffe des Diktators, fanden im Gegenteil bei ihrer Ankunft eine schöne und gut ausgebaute Stadt vor. Die vielen neuen Gebäude, wie zum Beispiel das Theatrum Tectum, die Thermen, der Venustempel und auch das Amphitheater waren daher mehr eine Anpassung an den Status einer römischen Kolonie[9]. Durch diese Art von Selbstdarstellung entwickelte sich in Pompeji, das durch die Eingliederung ins römische Reich auch wirtschaftlich aufblühte, mit der Zeit ein neues Selbstbewusstsein einer römischen Kolonie. Besonders auf das riesige Amphitheater, das eines der ersten in der Umgebung gewesen sein dürfte[10], waren die Pompejaner stolz.

2.2. Architektur

Zunächst einmal ist die Platzwahl für das 105 x 140 Meter große Amphitheater oder, wie es damals noch genannt wurde, Spectacula[11] interessant. Es befindet sich am südöstlichen Rand der Stadt, direkt an den Stadtmauern, die an der Süd- und Ostseite zwei Wände für das Bauwerk bilden[12]. Es wird vermutet, dass sich das Amphitheater deshalb so nah am Stadtrand befand, weil man Besucher von außerhalb erwartete. Belege dafür sind zum Einen, dass das Gebäude etwa 20 000 Sitzplätze hatte[13], zum anderen durch den Bericht des Historikers Tacitus von der Schlägerei im Jahre 59 n.Chr.[14], in dem von Gästen aus Nuceria die Rede ist. Der große Rest des Mauerwerks besteht aus Lava.

Auffallend am Amphitheater ist die einfache Bauweise, die ebenfalls auf das hohe Alter schließen lässt. Nissen stellt in seinen Studien fest: „Das Ganze ist augenscheinlich langsam , mit Vorsicht, Vieles wie versuchsweise gebaut; nicht selten ist nachträglich, aber noch während der Bau im Großen im Gange war, nachgeholfen“[15]. Richtig fertig wurde das Gebäude nämlich im Grunde genommen nie. Immer wieder wurde nachgebessert. Pfeiler wurden verstärkt, das Gebäude mit Stuck verkleidet und verputzt, Sitzreihen wurden restauriert oder neu gebaut[16]. Eine große Rekonstruktion gab es um das Jahr 0, als das Theater Kaiser Augustus gewidmet wurde[17]. Das Amphitheater in Pompeji hatte außerdem zwei fünf Meter weite Eingänge, durch die die Gladiatoren die, von einer zwei Meter hohen Mauer umrundete, Arena betreten konnten. „Ein dritter Gang, eng und dunkel, führt in die Mitte der Westseite ins Freie; es ist die Porta Libitinensis, das Totentor, durch das die Gefallenen entfernt wurden“[18]. Die Arena selber lag unter dem natürlichen Niveau, Nissen schätzt die Tiefe auf etwa 3-4 Meter. Dies ist typisch für die einfache Bauweise von Amphitheatern früherer Zeit. In Pompeji wurde diese Tiefe durch Abgrabungen künstlich geschaffen[19].

[...]


[1] G. Radke, Pompeii, KlP 4, 1972, Sp. 1021.

[2] A. Mau: Pompeji in Leben und Kunst, Leipzig, 21908, S. 216.

[3] M. Grant: Pompeji, Herculanaeum. Untergang und Auferstehung der Städte am Vesuv, Bergisch Gladbach, 1978, S. 69.

[4] CIL X 852

[5] Für eine genauere Betrachtung der Geschichte Pompejis vgl. H. Eschebach/L. Eschebach: Pompeji vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis 79 n. Chr., Köln, 1995.

[6] H. Nissen: Pompeianische Studien zur Städtekunde des Altertums, Leipzig, 1877, S. 111.

[7] M. Munzinger / W. Rathjen (Hg.), Pompeji. Natur, Wissenschaft und Technik in einer römischen Stadt, München, 2000, S. 15

[8] Vgl. hierzu: Cic. Sull. 60-62.

[9] Vgl. dazu P. Zanker: Pompeji. Stadtbild und Wohngeschmack (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 61), Mainz, 1995, S. 71f.

[10] Zanker, S.79

[11] Der Name Amphitheater taucht das erste Mal erst bei den augusteischen Schriftstellern auf. Vgl dazu Nissen, S. 105.

[12] L. Richardson: Pompeii. An Architectural History, Baltimore/London, 1988, S. 134.

[13] Nissen, S. 116.

[14] Tac. Ann. 14.17 1-2

[15] Nissen, S. 99

[16] Vgl. dazu Nissen, S. 104 –107.

[17] R. Laurence: Roman Pompeii. Space and Society, London/New York, 1994, S. 34.

[18] Mau, S. 218.

[19] Nissen, S. 122

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Amphitheater in Pompeji
Hochschule
Universität Regensburg  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
PS: Der 24.08.79 n.Chr.: Ein besonderer Tag im Imperium
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V25085
ISBN (eBook)
9783638278133
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amphitheater, Pompeji, Imperium
Arbeit zitieren
Manuel März (Autor), 2003, Das Amphitheater in Pompeji, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25085

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