Saekularisierungstendenzen in Bayern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die geistige Basis: Bayern und die Aufklärung
1. Wichtige Strömungen bis Mitte des Jahrhunderts
2. Die Akademiebewegung und Ickstatt
3. Die Illuminaten

III. Die Rolle der Religion
1. Erhalt der Katholizität Bayerns
2. Kritik an den Klöstern

IV. Politische Maßnahmen
1. Osterwalds Wirken
2. Neuordnung des Geistlichen Rates und Amortisationsgesetze
3. Die Regelung des Schulwesens nach dem Wegfall der Jesuiten
4. Fortbestand und Ausbau der Maßnahmen unter Karl Theodor
5. Vorsäkularisationen in den Klöstern Osterhofen und Indersdorf

V. Die Reaktion der Kirche: Der Salzburger Kongress 1770-1777

VI. Das 15-Millionen-Projekt: Ein Vorbote der Säkularisierung von 1802/03

VII. Schluss

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Säkularisation von 1802/03 war ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte Bayerns. Durch sie und die Mediatisierung wurde Bayern zu dem Flächenstaat, wie wir ihn heute kennen. Aus dem Ancien Regime wurde ein zentralistisch ausgerichteter und moderner Staat. Jede historische Entwicklung hat jedoch eine gewisse Vorlaufszeit. So auch die Säkularisierung. Doch wie konnte es, in einem Staat, in dem die Religion in der Bevölkerung eine so überaus wichtige Rolle spielte wie in Bayern im 18. Jahrhundert, zu einer so einschneidenden Veränderung kommen? Und welche Entwicklungsstränge führten zu den Ereignissen Anfang des 19. Jahrhunderts? In der vorliegenden Arbeit will ich zunächst auf die geistige Basis dieser Säkularisierungstendenzen eingehen. Danach werde ich den Wandel der Rolle der Religion im 18. Jahrhundert kurz darlegen. In meinem dritten Punkt werde ich die konkreten politischen Maßnahmen ansprechen, die der Staat auf Kosten der Kirche vornahm. Dass die Kirche dies natürlich nicht schweigend hinnahm, ist offensichtlich. Deswegen komme ich in meinem vierten Abschnitt auf den Salzburger Kongress zu sprechen, in dem die Bischöfe berieten, was nun zu tun sei. Als Abschluss werde ich noch kurz auf einen unmittelbaren Vorboten der Säkularisierung 1802/03 eingehen: Das 15-Millionen-Projekt – eine Art kleine Säkularisierung am Ende des 18. Jahrhunderts. Gezeigt werden soll unter anderem, wie zielstrebig die Politik im 18. Jahrhundert auf dem Endpunkt der Säkularisierung 1802/03 zulief. Außerdem will ich auf die Motive der Handelnden (Politiker, Wissenschaftler, Geistliche) eingehen, welche durch die Umstände der damaligen Zeit – Aufklärung, schwierige außenpolitische Lage und vor allem Geldmangel – stark geprägt waren.

II. Die geistige Basis: Bayern und die Aufklärung

Die Aufklärungsbewegung erfasste bis zum 18. Jahrhundert fast ganz Europa. Auch Bayern blieb nicht isoliert. Wie sollte es auch? Um es herum lagen Staaten wie Österreich, Frankreich oder auch die mittel- und norddeutschen Staaten, in denen eine zum Teil radikale Politik gegen die Kirche betrieben wurde. Diese Strömungen hielten auch im erzkatholischen Bayern Einzug. Die Aufklärung in Bayern war aber nicht generell anti-kirchlich. Sie wollte eher gegen die Ausuferungen des Kirchenlebens vorgehen, wobei die prekäre finanzielle Lage natürlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte.

1. Wichtige Strömungen bis Mitte des Jahrhunderts

Zunächst einmal will ich auf die sich in Bayern entwickelnden Formen der Frühaufklärung eingehen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts spielten die kirchlichen Einrichtungen noch eine dominante Rolle sowohl im Alltag der Einwohner, als auch in den Regierungsgeschäften des Landesherrn. In der „Aufklärungsgeschicht von Bayern“ aus dem Jahr 1781 wird die Situation vor dem Einsetzen der neuen Geisteshaltung wie folgt beschrieben: „Der Zustand Baierns war damal, ehe noch der beste Fürst durch seine Edlen Licht in die Wüste hineintragen ließ, ein Zustand der dikestesten Finsterniß, Wahn, Vorurtheile, Dummheit, throneten in dem Herzen des Landes, Unsinn in den Schulen, Barabarei in den Gerichtshöfen, auf den Kanzeln, in den Pallästen der Großen, wie in den Häusern der Bürger, und in den Hütten der Bauern. Man dacht nichts, las nichts, empfand nichts.“[1] Ganz so schlimm, wie der Autor es hier darstellt, wird es wohl nicht gewesen sein. Dennoch steht fest: Die Frühaufklärung im katholischen Bayern entwickelte sich, im Vergleich zu den protestantischen Ländern, relativ spät. Nicht zuletzt durch die Entwicklungen in den Nachbarländern machten sich Anfang des 18. Jahrhunderts nun auch in Bayern aufklärerische Tendenzen bemerkbar. Vor allem in der Wissenschaft ist unter anderem die Anwendung einer neuen, kritisch-empirischen, Methode zu beobachten. Zu erwähnen ist hier unter anderem die „Isargesellschaft“, die in den Jahren 1702 bis 1705 mehrere Discurse veröffentlichte[2]. Wenig später hielt, um nur eine zu nennen, unter anderem die Wolffsche Philosophie Einzug in Bayern, die ihren Namen nach dem Protestanten Christian Wolff (1679 – 1754) hat. Er forderte Toleranz und Versöhnung zwischen den Religionen[3]. Allmählich schloss Bayern also zu seinen Nachbarn auf. Nun wurden auch erste Rufe nach einer Akademie laut. Mit dieser Bewegung waren die Bayern zwar auch relativ spät dran, doch sollte sie fähige Männer hervorbringen, die für die künftige Geschichte noch eine bedeutende Rolle spielen sollten. Auf die Akademiebewegung und einen ihrer wichtigsten Vertreter will ich in meinem nächsten Punkt eingehen.

2. Die Akademiebewegung und Ickstatt

Die Akademiebewegung im 18. Jahrhundert ist ein gesamteuropäisches Phänomen. Sie bildet eine der wichtigsten Keimzellen der europäischen Aufklärungsbewegung. Als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Akademiebewegung ist in Bayern Adam Ickstatt (1702-1776) zu nennen. Seit 1731 hatte er die neu errichtete Professur für Natur- und Völkerrecht in Würzburg inne. Ickstatt fungierte als Lehrer des späteren Kurfüsten Max III. Joseph und wurde 1746 Direktor der Hochschule Ingolstadt. Zusammen mit seinem Schüler Johann Georg Lori, ebenfalls eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte Bayerns, legte er seinen juristischen Vorlesungen Lehrbücher protestantischer Autoren zugrunde. Etwas, das es vorher nicht gegeben hatte.[4] Diese Vorgehensweise stieß deswegen auf heftigen Widerstand. Schließlich musste sogar der Kurfürst nachgeben und einen scharfen Erlass an die juristische Fakultät senden. Ickstatt war aber der Ansicht, dass die Wissenschaft die Religion nicht in Gefahr bringe, sondern sie eher schütze. Die größte Gefahr für die Religion sei Aberglauben und Unwissenheit.[5] Auf die Denkschrift, in der Ickstatt mitunter dieses Argument anführte hin, schwankte der Kurfürst wieder um. Ickstatts Schüler Lori sollte in der Folgzeit noch eine wichtige Rolle bekommen. Er wurde 1758 der Gründer der bayerischen Akademie der Wissenschaften, der „für Wissenschaft und Gesellschaft bedeutendste[n] Institutionalisierung der gemäßigt bayerischen Aufklärung“[6]. Lori hatte auf seinen Reisen durch andere europäische Länder ähnliche Einrichtungen kennengelernt. Das Protektorat für die Akadamie übernahm der Kurfürst höchstpersönlich[7]. Die Akademie war frei von konfessionellen und regionalen Eingrenzungen und umfasste alle Wissenschaften. So wurden die Mitglieder lediglich nach Stand, Ansehen und Gelehrtheit ausgewählt, nicht aber nach Nation und Religion. Schon bald war die Akademie eine bedeutende Stütze staatskirchenrechtlicher Bestrebungen. Der Anspruch des Landesherren über der Kirche zu stehen konnte nun auf eine historisch untermauerte Basis gestellt und die kirchliche Geschichtsschreibung widerlegt werden. Der Präsident der Akademie, Graf Savioli, fasste beim Regierungsantritt Karl Theodors 1777 die Errungenschaften zusammen[8]. „Die scholastische Philosophie hielt den Verstand in Ketten und streute Finsternis wo das Licht herrschen konnte“, schreibt er. Diese Zeiten seien aber vorbei. Nun fühle man „Licht, wo Finsternis war“. Die Vorurteile würden wanken und man fühle den Wert der Wissenschaft.

3. Die Illuminaten

Eine der radikaleren Gruppierungen der Aufklärung in Bayern waren sicherlich die Illuminaten, auf die ich allerdings nur kurz eingehen will. Die Illuminaten-Bewegung war ein europäisches, kein rein bayerisches, Phänomen. Gründer des Ordens war Adam Weishaupt, der bereits im Alter von 25 Jahren zum Professor für kanonisches Recht und Moralphilosophie an die Universität Ingolstadt bestellt wurde. Gründungsdatum war der 1. Mai 1776. Der Orden hieß zunächst „Perfektibilisten“ und bald „Orden der Illuminaten“.[9] Weishaupt hatte seine Ziele hochgesteckt: Er wollte „die Niederlegung der territorialen wie der nationalen Schranken, das Weltbürgertum und zugleich die Beseitigung des Christentums wie des Fürstentums“[10]. Der Orden strebte die sittliche und geistige Vervollkommnung des Menschen an. Die gläubigen Katholiken und geistlichen Laien, die sich dem Orden anschlossen gehörten meist dem zum radikalen Flügel der katholischen Aufklärung. Die „Illuminaten“ dehnten sich bald auch auf West-, Nord- und Mitteldeutschland aus, unterhielten unter anderem engen Kontakt zu Kaiser Joseph II. und hatten Positionen auch am Hofe Karl Theodors inne. Diesem wurde der Einfluss des Ordens schnell zu groß. Am 22. Juni 1784 verbot er deshalb alle geheimen Gesellschaften. Die Illuminaten erwähnte er allerdings nicht explizit.[11] Das spezifische Verbot erfolgte erst am 2. März 1785. Der Einfluss des Ordens in die bayerische Regierung war daraufhin so gut wie erloschen. Die Rolle der Illuminaten ist aber auch nicht zu überschätzen. Betrachtet man Schriften oder Reden, so scheinen sie zwar durchaus radikal. Doch in der Praxis sah dies anders aus. Besonders wenn man bedenkt, dass auch Montgelas zu deren Kreis zählte, ist bei der Beurteilung Vorsicht geboten, da sich das Radikale vor allem auf verbale und programmatische Punkte beschränkte.

[...]


[1] J. Milbiller/I. Schmid (Hg.): Annalen der baierischen Literatur, Nürnberg, 1781, S. 8, zitiert nach Graf: Aufklärung in der Provinz, S. 44.

[2] Vgl. dazu Graf: Aufklärung in der Provinz, S. 49-54.

[3] Spindler: Bayerische Geschichte, Bd. 2, S. 988.

[4] Doeberl, Entwicklungsgeschichte, Bd. 2, S. 319.

[5] ebd., S. 320.

[6] Spindler, Bayerische Geschichte, Bd. 2, S. 989.

[7] Doeberl, Entwicklungsgeschichte, Bd. 2, S. 321

[8] Die folgenden Passagen sind zitiert nach ebd. , S. 323.

[9] Doeberl, Entwicklungsgeschichte, Bd. 2, S. 368.

[10] ebd. , S. 369.

[11] Spindler, Bayerische Geschichte, Bd. 2., S. 1031.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Saekularisierungstendenzen in Bayern
Hochschule
Universität Regensburg  (Geschichte)
Veranstaltung
HS Säkularisation und Mediatisierung in Bayern
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V25087
ISBN (eBook)
9783638278157
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saekularisierungstendenzen, Bayern, Säkularisation, Mediatisierung, Bayern
Arbeit zitieren
Manuel März (Autor), 2004, Saekularisierungstendenzen in Bayern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25087

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