Die moderne Hochleistungsmedizin hat dazu geführt, dass die Lebenserwartung im Durchschnitt stetig steigt. Das verlängerte Leben bringt aber nicht nur Freude und Glück mit sich, sondern stellt für viele Menschen –besonders Schwerstkranke – nur eine Sterbens- und Leidensveränderung am Lebensende dar. Diese Menschen wünschen sich ein Sterben in Würde, sprich ein friedvollen und schmerzlosen Tod. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum der Ruf nach ärztlicher Sterbehilfe immer lauter wird. Die Niederlande haben als das erste europäische Land auf diese Rufe geantwortet und die ärztliche Sterbehilfe am 10.04.2001 legalisiert. Damit hat die Niederlande die ohnehin bislang sehr liberale Gesetzgebung zur ärztlichen Sterbehilfe noch weiter geöffnet, „... welche es seit vielen Jahren erlaubte, aktive Sterbehilfe zu dulden, wenn bestimmte „Sorgfaltsbedingungen“ erfüllt waren.“ (Oduncu /Eisenmenger 2002, S.327) Mein persönliches Interesse an dem Thema “Sterbehilfe“ beruht auf einem Erlebnis, das ich während des Praktikums beim Ombudsmann des Universitätskrankenhauses Hamburg Eppendorf hatte. Mit der Bearbeitung dieses Themas erhoffe ich mir einen Überblick darüber zu gewinnen, wie das Sterbehilfegesetz in den Niederlanden zustande kam und unter welchen Bedingungen es angewendet werden darf. Meine Arbeit gliedert sich in drei Bereiche auf. Der erste Teil befasst sich mit den Begriffen der Euthanasie und Sterbehilfe. Im zweiten Abschnitt wird die Rechtslage der Sterbehilfe in Deutschland und anderen europäischen und angloamerikanischen Ländern aufgezeigt. Der letzte Teil beschäftigt sich dann mit dem rechtlichen Sonderweg der Niederlande zur Sterbehilfe.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der „Euthanasie – Begriff im Wandel der Zeit
3 Zur Unterteilung der Sterbehilfe
3.1 Sterbebegleitung
3.2 Passive Sterbehilfe
3.3 Indirekte Sterbehilfe
3.4 Aktive Sterbehilfe
4 Sterbehilfe aus rechtlicher Sicht historisch und gegenwärtig in Deutschland
5 Rechtsvergleich zur Sterbehilfe zwischen Deutschland und den europäischen und angloamerikanischen Ländern
6 Der rechtliche Sonderweg der Niederlande zur Sterbehilfe/Euthanasie
6.1 Hintergründe
6.2 Änderung des Gesetzes über das Bestattungswesen
6.3 Legalisierung der Sterbehilfe/Euthanasie
7 Das Sterbehilfegesetz in Belgien
8 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe, mit einem besonderen Fokus auf der Entwicklung in den Niederlanden und Belgien. Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Entscheidungsprozesse und die gesetzliche Etablierung ärztlicher Sterbehilfe vor dem Hintergrund nationaler historischer Erfahrungen und internationaler Vergleiche zu gewinnen.
- Historische Entwicklung des Euthanasie-Begriffs und dessen Missbrauch im Nationalsozialismus
- Differenzierung verschiedener Formen der Sterbehilfe (aktiv, passiv, indirekt, Begleitung)
- Rechtliche Situation und aktuelle Debatten zur Sterbehilfe in Deutschland
- Analyse des niederländischen Sonderwegs und der Gesetzgebung zur Legalisierung
- Vergleichende Betrachtung der gesetzlichen Regelungen in Belgien
Auszug aus dem Buch
6.1 Hintergründe
Bis gegen Ende der 60er Jahre war Euthanasie in den Niederlanden kein nennenswertes Thema. Nach dem niederländischen Strafgesetzbuch war die Tötung auf Verlangen und die Beihilfe zum Suizid nach Artikel 293 bzw. 294 verboten und damit strafbar. In den 70er Jahren allerdings formierte sich die Euthanasiebewegung, die gegen die Macht der modernen Medizin protestierte.
Ursprung der Debatte war das Buch “Ärztliche Macht und ärztliche Ethik“ des Nervenarztes Jan Hendrik van der Berg, das 1969 erschien. In diesem Buch attackierte er „... die Tendenz der modernen Medizin zur „sinnlosen“ Lebens und Leidensverlängerung. Er plädierte ferner für die Freigabe der „Euthanasie“ bei missgebildeten Kindern.“ (Benzenhöfer 1999, S.175) Der Prozess der Ärztin Geertruida Postma-van Boven steigerte die Euthanasiedebatte zu einer breiten öffentlichen Diskussion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation des Autors und die zunehmende Relevanz der Sterbehilfe-Diskussion angesichts der modernen Medizin.
2 Der „Euthanasie – Begriff im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel zeichnet die historische Bedeutung des Begriffs von der Antike bis zu dessen pervertierter Nutzung während der Zeit des Nationalsozialismus nach.
3 Zur Unterteilung der Sterbehilfe: Es werden die verschiedenen medizinisch-ethischen Formen der Sterbehilfe definiert und voneinander abgegrenzt.
4 Sterbehilfe aus rechtlicher Sicht historisch und gegenwärtig in Deutschland: Das Kapitel analysiert die deutsche Rechtslage, insbesondere die strafrechtliche Bewertung der Tötung auf Verlangen im Vergleich zu anderen Tötungsdelikten.
5 Rechtsvergleich zur Sterbehilfe zwischen Deutschland und den europäischen und angloamerikanischen Ländern: Ein Überblick über die heterogene Rechtslage in verschiedenen westlichen Staaten.
6 Der rechtliche Sonderweg der Niederlande zur Sterbehilfe/Euthanasie: Eine tiefgehende Analyse der Entwicklung, der empirischen Studien und der schrittweisen gesetzlichen Legalisierung in den Niederlanden.
7 Das Sterbehilfegesetz in Belgien: Darstellung der noch liberaleren gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Belgien 2002 als weltweit zweites Land etablierte.
8 Abschlussbetrachtung: Ein Resümee der Ergebnisse und eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit der niederländischen Sorgfaltskriterien.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Sterbebegleitung, aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, Niederlande, Belgien, Rechtsvergleich, Lebensende, Sorgfaltskriterien, Patientenverfügung, Strafgesetzbuch, Rechtsgeschichte, Medizinethik, Hochleistungsmedizin.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen und ethischen Entwicklung der Sterbehilfe, wobei der Fokus auf dem Prozess der gesetzlichen Legalisierung in den Niederlanden und Belgien liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Begriffsklärung der Euthanasie, die Abgrenzung verschiedener Sterbehilfeformen sowie die Analyse der nationalen Gesetzgebungen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Sterbehilfegesetzgebungen aus gesellschaftlichen und gerichtlichen Diskursen entwickeln und unter welchen Bedingungen ärztliches Handeln am Lebensende rechtssicher stattfinden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf eine Literatur- und Rechtsanalyse sowie auf die Auswertung empirischer Studien zur Sterbehilfe-Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsanalyse, den rechtlichen Vergleich zwischen verschiedenen Ländern und eine detaillierte Untersuchung der niederländischen Sonderstellung sowie der belgischen Gesetzgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Sterbehilfe, Euthanasie, Rechtsvergleich, Sorgfaltskriterien und die länderspezifische Entwicklung in den Niederlanden.
Warum ist der niederländische Weg laut Autor als „Sonderweg“ zu bezeichnen?
Der Sonderweg beschreibt die Entwicklung, in der eine jahrelange richterliche Duldung schließlich durch ein konkretes Gesetz zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe formalisiert wurde.
Welche kritische Anmerkung macht der Autor zur niederländischen Praxis?
Der Autor hinterfragt, ob die im Gesetz verankerten Sorgfaltskriterien und Überprüfungsverfahren in der Praxis tatsächlich ausreichen, um Missbrauch effektiv zu verhindern, da bereits vor der Gesetzesänderung eine weitreichende Duldung existierte.
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- Diplom Pflegewirt (FH) Sebastian Herholz (Author), 2003, Sterbehilfe. Ein Vergleich rechtlicher Grundlagen (Stand 2003), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25448