Die Regierungszeit Königin Viktorias, welche von 1837 bis 1901 andauerte, war von
weitreichenden sozialen Krisen und Reformen gekennzeichnet, so dass die englische
Literatur der Zeit – trotz immer noch vorhandener „romantischer” Remineszenzen – verstärkt
aktuelle Fragen wie Demokratisierung oder Industrialisierung aufgriff. Auch lieferten der
Utilitarismus von Denkern wie Jeremy Bentham, John St. Mill und David Ricardo sowie die
Evolutions- und Fortschrittsphilosophien Charles Robert Darwins und Herbert Spencers
optimistische Modelle, deren Folgen kritisch beleuchtet werden mussten. Als Medium für
Sozialkritik entwickelte sich der Roman in der Viktorianischen Epoche von der Romantik hin
zum Realismus, eine Tendenz, die Jane Austen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts
vorweggenommen hatte.
Der Weg für Massenmedien wurde frei, nachdem die Stamp Act von 1712, nach der einen
Penny Steuer auf eine Seite verhängt wurde, abgesetzt wurde, da alle Schriften dadurch
günstiger wurden. Bücherläden am Bahnhof öffneten neue Möglichkeiten für den Buchmarkt,
da sich nun sehr viel mehr Menschen, Literatur – speziell in diesem Fall Reiseliteratur, die
man nach der Reise oft wegwarf – leisten konnten.
„Lady Audley’s Secret“ war ein sofortiger Erfolg und wurde mit neun Auflagen in den ersten
drei Monaten über eine Million mal verkauft. Zunächst waren es drei Bände, die in den
sogenannten „circulating libraries“ standen und erhältlich waren. Elizabeth Braddon wurde
die Königin der Leihbibliotheken genannt1.
Zur Jahrhundertwende erschien „Lady Audley’s Secret“ als einbändiges Buch und durfte sich
ungehemmt großer Nachfrage erfreuen.
1 vgl. Mary Elizabeth Braddon, 1998, S. 534
Inhaltsverzeichnis
1. Die Geschichte Englands im 19. Jahrhundert
2. Frauen im 19. Jahrhundert
2.1 Die Stellung der Frau
2.2 Die Rolle der Frau in den verschiedenen Klassen
3. Mary Elizabeth Braddon – Eine Biographie
4. Lady Audley’s Geheimnis
4.1 Form
4.1.1 Gattung
4.1.2 Perspektive
4.1.3 Struktur und Handlungsaufbau
4.1.4 Sprache und Intention
4.2 Inhalt
5. Lucy Audley, geborene Graham – Helen Talboys, geborene Maldon
6. Quellenangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Lady Audley’s Geheimnis" von Mary Elizabeth Braddon im Kontext der viktorianischen Epoche, mit einem besonderen Fokus auf der Darstellung der weiblichen Hauptfigur und ihrer gesellschaftlichen sowie psychologischen Motivationen. Dabei wird analysiert, inwiefern gesellschaftliche Zwänge und das Bild der Frau die Handlungen der Protagonistin beeinflussen.
- Historischer Hintergrund Englands im 19. Jahrhundert
- Soziale Stellung und Rollenbilder der Frau
- Biografie und schriftstellerisches Wirken von Mary Elizabeth Braddon
- Literarische Analyse von Form, Struktur und Erzählperspektive des Romans
- Psychologische Charakterisierung von Lady Audley und die Frage nach ihrer Schuld
Auszug aus dem Buch
Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert
Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert war vom kleinen familiären Kreise bis hin zum politischen Engagement klar untertänig.
Angefangen, dass nicht die Frau, sondern der Mann einen Heiratsantrag stellt, auch nimmt dieser in der Ehe eine gewisse Vormachtstellung ein. Weder besteht seinerseits eine Unterhaltspflicht, noch verfügt die Frau über ein Erbrecht. Das hieß allerdings immerhin nicht, dass sie nicht erben durfte. Sie war gänzlich finanziell abhängig von ihrem Ehegatten. Bis 1857 hatte die Ehefrau keinerlei Eigentum zu verzeichnen. Im Falle eines Verdienstes seitens der Frau hatte sie keinen Anspruch auf diesen, da ihr Geld, so wie sie selbst auch, ihrem Ehemann gehörte. Gleichermaßen wäre eine Scheidung der Frau undenkbar gewesen. Der Divorce und Matrimonial Act von 1857 erleichterte schließlich Scheidungen und verbesserte zugleich die schlimmsten Aspekte der Stellung der Frau.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Geschichte Englands im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen und literarischen Kontext der viktorianischen Ära, in der sich der Roman entwickelte.
2. Frauen im 19. Jahrhundert: Es werden die rechtliche, soziale und ökonomische Unterordnung der Frau sowie die klassenspezifischen Unterschiede in ihrem Alltag beleuchtet.
3. Mary Elizabeth Braddon – Eine Biographie: Ein Überblick über das Leben und den beruflichen Werdegang der Autorin, die sich als erfolgreiche Romanschriftstellerin etablierte.
4. Lady Audley’s Geheimnis: In diesem Hauptteil erfolgt eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Analyse des Romans hinsichtlich Gattung, Erzählweise, Struktur, Sprache und der inhaltlichen Handlung.
5. Lucy Audley, geborene Graham – Helen Talboys, geborene Maldon: Eine Analyse der psychologischen Komplexität der Protagonistin, ihrer Wahrnehmung durch den Leser und der moralischen Ambivalenz ihres Handelns.
6. Quellenangaben: Eine detaillierte Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Mary Elizabeth Braddon, Lady Audley’s Geheimnis, Viktorianisches Zeitalter, Frauenrolle, Sensationsroman, Gesellschaftskritik, Literaturgeschichte, Geschlechterforschung, Kriminalroman, Identität, Schuld, Wahnsinn, Bigamie, Sozialgeschichte, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Sensationsroman „Lady Audley’s Geheimnis“ von Mary Elizabeth Braddon im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts mit Fokus auf Frauenbilder und psychologische Aspekte.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind die Stellung der Frau im viktorianischen England, der literarische Stil des Sensationsromans sowie die Charakteranalyse der Hauptfigur Lucy Audley.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Handlungen der Protagonistin im Kontext der eingeschränkten gesellschaftlichen Möglichkeiten und des damaligen Frauenbildes zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie die historische Kontextualisierung anhand von Primär- und Sekundärquellen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Romanform (Gattung, Perspektive, Struktur) und eine inhaltliche sowie psychologische Charakterisierung der Hauptfigur.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sensationsroman, Viktorianische Ära, Identität, Schuld, soziale Stellung der Frau und der psychologische Grenzbereich zwischen Vernunft und Wahnsinn.
Wie wird Lady Audleys Handeln durch die zeitgenössische Gesellschaft beeinflusst?
Die Autorin diskutiert, inwieweit die damalige rechtlose Stellung der Frau sie zur Bigamie und zur Begehung eines Mordes zwingen konnte, um ihre Existenz zu sichern.
Welche Bedeutung kommt dem "latenten Wahnsinn" im Roman zu?
Der Wahnsinn dient als psychologisches Instrument, um die Frage nach der tatsächlichen Schuldfähigkeit von Lady Audley für den Leser offenzulassen.
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- Nico Drimecker (Author), 2003, Mary Elizabeth Braddon's "Lady Audley's Secret", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25820