Die Rolle des Chores in "De onda"

Ein Vergleich zwischen antikem Vorbild und modernem Chor


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Untersuchungsgegenstand und Methode

2. Allgemeine Funktionen des Chores
2.1 Chorbesetzung
2.2 Vergleich formaler Merkmale und ihre Funktion
2.3 Inhaltliche Merkmale und ihre Funktion

3. Spezielle Merkmale und ihre Funktion
3.1 Strukturierung
3.2 Perspektivierung
3.3 Nähe und Distanz
3.3.1 Chor, Figur und Publikum.
3.3.2 Zeit und Raum.
3.4 Handeln oder Schicksa

4. Der Chor- ein Vorbild oder Schreckbild ?

5. Literatur
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Untersuchungsgegenstand und Methode

Der Chor vertritt im Drama die moralischen Werte einer Gesellschaft und wird auf diese Weise zu ihrem Repräsentanten [1]. Wenn Niklas Rådström in „De Onda“ das Publikum mit einem grausamen Verbrechen mithilfe eines Chores konfrontiert, so konfrontiert er es mit sich selbst und das im doppelten Sinne. Denn einerseits wendet sich der Chor mit seinen Fragen, Ideen und Vorwürfen direkt an das Publikum, andererseits veranschaulicht er, wie sich eine Gesellschaft selbst oder Teile von ihr hinterfragen kann.

Diese Funktion wird bereits im antiken Drama dem Chor zugeschrieben. Ziel meiner Arbeit ist es, zu erforschen, inwiefern Niklas Rådström den Chor im Drama an das antike Vorbild annähert und worin sich antiker Chor und der Chor aus „De Onda“ unterscheiden. Letztlich will ich am Beispiel des Chores herausfinden, ob die Wahl für die besondere dramatische Form durch das Thema und den Inhalt begründet ist oder durch ihren Auftrag an den Zuschauer.

Niklas Rådström ist zwar in Schweden ein vielausgezeichneter Gegenwartsautor aller Genres, dennoch ist die Auswahl an Forschungsliteratur zu seinem Œuvre sehr klein. Deshalb konnten weder Forschungsbeiträge zu „De Onda“ ausfindig gemacht werden noch eine Überblicksdarstellung über seine Verfasserschaft, die mehr bietet als die Auflistung seiner Werke.

Über die Rolle des Chores im antiken Drama ist vor allem in englischsprachigen Publikationen viel geschrieben worden. Im deutschsprachigen Raum sind die Ergebnisse der Tagung „Der Chor im antiken und modernen Drama“ von 1997 in Potsdam und die entsprechenden Publikationen der Tagungsteilnehmer von hoher Relevanz für diese Arbeit.

Als Grundlage für den Vergleich der Chorfunktionen werden zum einen die Chorszenen oder Anteile des Chores in einer Szene inhaltlich und formal analysiert. Im Anschluss wird ihre Funktion für die einzelne Szene oder das gesamte Werk benannt. Zum anderen wird die Funktionen des Chores im antiken Drama anhand wissenschaftlicher Aufsätze und Fachbücher zusammengestellt.

In „De Onda“ theatralisiert Niklas Rådström den Mord am zweijährigen James Bulger von 1993. Im Stück wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, wie es zu dieser Tat kommen konnte und welchen Anteil jeder einzelne in diesem Fall daran hatte. Aus dem Drama geht hervor, dass die Schuldfrage nicht nur den zehnjährigen Tätern allein zu stellen ist, sondern viele Umstände zu einem solchen Vergehen führen und viele Menschen, ja viele Täter involviert sind. Am Schluss bleibt unklar, ob ein Akt so großer Brutalität durch das verantwortungsvolle Handeln jedes Einzelnen zu verhindern oder es Teil des Schicksals ist und als solches unabwendbar.

2. Allgemeine Funktionen des Chores

Um einen Vergleich möglichen zu machen, muss erwähnt werden, dass es nicht den antiken Chor im Drama gibt. Die Gestaltung und Funktionen des Chores variierten von Autor zu Autor, von Komödie zu Tragödie. Sich aufgrund der Dramenthematik für einen Vergleich zwischen dem Chor in „ De Onda“ und dem Tragödienchor anstelle des Komödienchores zu entscheiden, ist anlässlich des Themas leicht nachvollziehbar. Als Grundlage für den Vergleich dienen daher einige wesentliche Merkmale des Tragödienchores, die über die gesamte Antike hinweg Gültigkeit besaßen.

2.1 Chorbesetzung

Anhand der Chorbesetzung ist bereits der erste Unterschied zwischen den Chören auszumachen. Während der antike Tragödienchor immer aus 12-15 Choreuten bestand, kann die Chorbesetzung bei RÅDSTRÖM variieren[2]. Er geht sogar soweit, dass nur ein Schauspieler den Chor spielen könnte. Lediglich die Funktionsteilung in Chorleiter und Chor ist festgelegt.

Die Rolle des Chorführers ist im antiken Drama und in „ De Onda“ identisch. Dem Chorführer obliegt es, stellvertretend für den ganzen Chor zu sprechen (etwa in Szene 11[3]), in Dialog mit dem Chor zu treten, hierbei kann er eine der Chormeinung gegenläufige Position formulieren wie in Szene 12[4], und gemeinsam mit dem Chor sprechen. Bei RÅDSTRÖM ist es im Gegensatz zum Chorführer in der antiken Tragödie keine konstante Person, sondern er kann jederzeit wechseln.

2.2 Vergleich formaler Merkmale und ihre Funktion

Schaut man auf die äußere Form, so fällt auf, dass der Chor im antiken Drama eine eigene Kunstsprache anwendet. In Strophen sind die Redebeiträge kunstvoll in Versmaße geformt und werden in dorischem Dialekt als „Gattungssprache“[5] präsentiert. Häufig drückt sich der Chor in sehr bildhaftem und umständlichem Stil aus. Die Sprache des Chores in „De Onda“ wirkt auf einen Zuhörer bzw. Leser des Dramas sicherlich ebenso artifiziell, denn der Chor nutzt oftmals Stilfiguren wie Wiederholungen und Anaphern (bspw. „Jag vet inte [6] .“), Akkumulation und rhetorischen Fragen ( „Vill du oroa dig med en upplevelse som är- skrämmande? upprörande? gripande? […]“[7] Ellipsen ( „Tio år gamla.“ [8] ), Hyperbeln ( „nu, nyss, snart“ [9] ) und vielen weiteren. Von einer Gattungssprache kann beim gewöhnlichen Gegenwartsschwedisch nicht die Rede sein. Eine Gliederung in Strophen fasst wie beim antiken Chor Sinneinheiten zusammen. Durch all diese formellen Mittel wird die Handlung dem alltäglichen Geschehen enthoben.

[...]


[1] Vgl. dazu SILK: Style, Voice and Authority in the Choruses of Greek Drama, S.1.

[2] Vgl. dazu RÅDSTRÖM: De Onda, S.3.

[3] Vgl. dazu RÅDSTRÖM, S.34.

[4] Vgl. dazu RÅDSTRÖM, S.36.

[5] Vgl. dazu KÄPPEL: Die Rolle des Chores in der Orestie des Aischylos, S.62.

[6] RÅDSTRÖM , S.5.

[7] RÅDSTRÖM , S.6.

[8] RÅDSTRÖM , S.8.

[9] RÅDSTRÖM , S.12.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Chores in "De onda"
Untertitel
Ein Vergleich zwischen antikem Vorbild und modernem Chor
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Skandinavistik und Fennistik)
Veranstaltung
Theater und Tanz in Skandinavien
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V262689
ISBN (eBook)
9783656511915
ISBN (Buch)
9783656511878
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, chores, vergleich, vorbild, chor
Arbeit zitieren
Antje Sigrid Kropf (Autor), 2011, Die Rolle des Chores in "De onda", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262689

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