Der Sinn in Wörtern und Zeichen

Was ist für Frege der Sinn in Wörtern und Zeichen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

14 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einführung

2. Hauptteil
2.1 Definitionen von Sinn und Bedeutung
2.2 Freges gerade und ungerade Rede
2.3 Der Sinn in Eigennamen ohne Referent
2.4 Der Sinn in Wörtern unterschiedlicher Sprachen
2.5 Der Sinn in Zeichen
2.6 Der Sinn vs. bildliche Vorstellung
2.7 Der Sinn in einem Behauptungssatz

3. Schlussteil
3.1 Schlussfolgerung

4. Literaturverzeichnis

1.Einführung

Im Verlauf dieser Arbeit werden wir die sprachphilosophische Theorie von Frege über den Sinn in Wörtern und Zeichen sehen, die er in seinem Aufsatz, ü ber Sinn und Bedeutung, verfasst. Wir werden folgend eine Erläuterung der Begriffe „Sinn“ und „Bedeutung“ sehen und dann versuchen wir sie durch unterschiedliche Aspekte zu untersuchen und die dadurch führenden Probleme aufzuzeigen.

Wer war Frege? Frege (1848-1952) war ein deutscher Mathematiker, Logiker und Philosoph. Er ist der Vater der Sprachphilosophie: „ Frege führte einige Unterscheidungen und Ideen ein, die absolut kruzial für das Verstehen der Sprachphilosophie sind1. Frege lebte in der gleichen Zeit wie Bertrand Russel und Ludwig von Wittgenstein und war(en) mit ihnen in Kontakt. In dieser Zeit wurde seine Philosophie im deutschen Raum, geringgeschätzt oder ganz ignoriert. Jedoch durch das Darstellen der Beziehung zwischen Gedanken, Sprache und Welt gelingt Frege erstmals seit Aristoteles (384 v.Chr.- 322 v.Chr.) ein Durchbruch in der Logik und in der Semantik. Dadurch auch sein Spitzname: Aristoteles von Mecklenburg- Vorpommern2

Was bedeutet der Ausdruck: Sinn? Dieser Ausdruck kommt aus dem Latein (sensus) was so viel bedeutet wie die Wahrnehmung, der Sinn und die Besinnung aber auch Verstand und Ansicht.3 Aus diesen Übersetzungen können wir schließen, dass der Sinn etwas mit Sinnlichkeit, mit dem Erleben oder Auffassen von Etwas, zum Beispiel: ein beliebiger Gegenstand, zu tun hat.

Wir werden uns zunächst den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung ansehen und werden auf die Frage antworten ob es Wörter ohne Referenten geben kann und wenn dies stimmt, haben sie dann auch (dann auch) für uns einen Sinn. Dann werden wir den Sinn von Wörtern in anderen Sprachen erläutern und den Unterschied eines Sinnes gegenüber einer bildlichen Vorstellung sehen.

2. Hauptteil

2.1 Definition von Sinn und Bedeutung bei Eigennamen und ihre Unterscheidung

Was ist die Bedeutung eines Eigennamens? Laut Frege ist die Bedeutung eines Eigenamens das, worauf das Wort Bezug nimmt, also der Gegenstand (Bezug darauf) des Wortes. Es ist die Bedeutung die den Wahrheitswert eines Satzes in „wahr“ oder „falsch“ auszeichnet. Jedes Wort und jedes Zeichen verfügen laut Frege über eine Bedeutung. In Fachkreisen wird auch von Referenten oder von Denotation eines Wortes gesprochen. Der Referent bezieht sich auf den Gegenstand, der durch das Wort benannt werden soll. Zum Beispiel bezieht sich der Referent des Wortes „Stuhl“ auf den Gegenstand, denn der Referent bezeichnet einen Stuhl. „ Eigenname (Wort, Zeichen, Zeichenverbindung, Ausdruck) … bedeutet oder bezeichnet seine Bedeutung4 die der zu bezeichnende Gegenstand ist. Der Referent (Der Referent) ist nicht das einzige was jedes Zeichen und Wort besitzt, sondern auch noch einen Sinn. Der Sinn eines Eigennamens ist, wie Frege sagt: „ die Art des Gegeben seins des Gegenstandes5, also für das, was ein einzelner Mensch unter diesem versteht. Der Sinn eines Wortes oder Zeichens hat die Beschreiber Funktion, die das Aussehen und die Aufgabe des bezeichnenden Gegenstandes darstellt. Zum Beispiel: das Wort „Stuhl“ besitzt einen Referenten (einen bestimmten Stuhl) und einem Sinn, ein Gegenstand worauf man sich setzt. Den Unterschied von Sinn und Bedeutung erläutert Frege im Beispiel: der astronomischen Gleichung => der Morgenstern ist der Abendstern.

Die Worte „Morgenstern“ und „Abendstern“ haben nicht den gleichen Sinn, da mit diesen Worten einmal die Sichtbarkeit des Sterns am Morgen und einmal die Sichtbarkeit am Abend genannt wird. Die beiden Wörter sind verschieden, jedoch bezeichnen beide den Planeten Venus. Was will uns Frege mit diesem Beispiel sagen? Frege will uns verdeutlichen, dass eine Aussage wie „a=a“ einen anderen Erkenntniswert besitzt als eine Aussage „a=b“ da bei „a=a“ nur eine Identitätsaussage getroffen wird und bei „a=b“ wird zum Ausdruck gebracht, dass ein auf eine bestimmte Art gegebener Gegenstand mit einem Gegenstand von anderer Art gleich ist. So ist die Aussage, dass der Morgenstern der Morgenstern ist der Abendstern, eine informative Erkenntnis für die Astronomen war. Somit kann der Referent von zwei Wörtern (oder Zeichen) identisch sein, jedoch können beide Wörter (oder Zeichen) einen unterschiedlichen Sinn haben und so kann dies zu einer Erkenntniserweiterung resultieren wie wir es an dem Beispiel gesehen haben. Auch wenn die Bedeutung „a=a“ und „a=b“ dieselbe ist, liegt nach Frege ein anderer Gedanke vor und auch kann der Sinn von „a“ verschieden gegenüber „b“ sein und dadurch kann der Gedanke in der Aussage „a=b“ ein Anderer sein als in der Aussage „a=a“. Diese beiden Aussagen weisen so einen unterschiedlichen Erkenntniswert auf. Diese Erkenntnis dass „a=a“ ist, können wir a priori treffen. Jedoch braucht der Mensch eine Erkenntnis oder Erfahrung um auf „a=b“ zu kommen. Die Voraussetzung die erfüllt werden muss ist dass er „a“ und auch „b“ kennt. Ein Problem was hier auftritt ist, dass nicht alle Menschen, erstens die Sprache beherrschen und zweitens nicht wissen, bzw. die Erfahrung nicht haben, dass der Morgenstern und der Abendstern, die Venus sind. Eine Lösung zu diesem Problem aus Freges Sicht ist: „ Der Sinn eines Eigennamens wird vor jedem erfasst, der die Sprache oder das Ganze von Bezeichnungen hinreichend kennt, der er angehört [ … ]. Zu einer allseitigen Erkenntnis der Bedeutung würde gehören, dass wir von jedem gegebenen Sinn sogleich angeben könnten, ob er zu ihr gehöre. Dahin gelangen wir nie.6 Die Eigennamen können aus Zeichen, Zeichenverbindungen, Namen, Kennzeichnungen oder Worten bestehen. Sie können, wie wir bei unserem oberen Beispiel gesehen haben, dieselbe Bedeutung und aber auch einen völlig anderen Sinn haben. Außerdem können Eigennamen einen Sinn ohne eine Bedeutung haben, dies wird in dieser Arbeit im Kapitel Der Sinn in Wörtern ohne Referent zur Schau gebracht.

2.2 Freges gerade und ungerade Rede

Freges Definition der geraden Rede ist folgende: „ Es kann aber auch vorkommen, dass man von den Worten selbst oder von, dass man den Worten selbst oder von ihrem Sinn reden will. Jenes geschieht z.B.: wenn man die Worte eines anderen in gerade Rede anführt. Die eigenen Worte bedeuten dann zunächst die Worten des anderen, und erst diese haben die gewöhnliche Bedeutung.7 Also ein Satz in gerader Rede wird nur verwendet, wenn man diesen Satz erwähnt und nicht gebraucht. Die Anführungszeichen („“) sollen uns dabei helfen. Beispiel: Der Satz „Der Morgenstern ist die Venus“. In den Anführungszeichen steht die Bedeutung des erwähnten Satzes. Um den Wahrheitswert des Satzes zu ermitteln, müssen wir den ganzen Satz betrachten. In diesem Fall wird nur die Anzahl der Buchstaben des Satzes „Der Morgenstern ist die Venus“ festgestellt, um den Wahrheitswert als „wahr“ zu begründen. Um die Bedeutung des erwähnten Satzes zu bekommen muss man die Anführungszeichen auflösen. Auch wenn wir dies tun ist der Satz noch immer „wahr“. Wie wird ein Satz in ungerader Rede verwendet? Wir verwenden einen Satz in ungerader Rede, wenn ein Teil des Satzes, zum Beispiel, die Form „ A sagt, hört, meint, weiß, dass …8 hat.

Beispiel eines dass- Satzes „ Kopernikus glaubte, dass die Bahnen der Planeten Kreise seien. “ „ Kopernikus glaubte, dass der Schein der Sonnenbewegung durch die wirkliche Bewegung der Erde hervorgebracht werde.“9 Die Bedeutung eines dass -Satzes liegt in dem von ihm ausgedrückten Gedanken, da der Wahrheitswert des ganzen Satzes erhalten bleibt, wenn man den dass -Satz besitzt. Dies geschieht, weil man die Worte einer dritten Person wieder gibt und nicht seine eigenen Worte. Wir schließen daraus, dass die Bedeutung eines Satzes in ungerader Rede, der Sinn dieses Ausdrucks in gewöhnlicher Rede ist.10

2.3 Der Sinn in Eigennamen ohne Referent

Kann es Eigennamen geben die keinen Träger besitzen? Nehmen wir zum Beispiel das „Einhorn“. Dieses Wort hat keinen Referenten, weil so ein Lebewesen auf unserem Planeten bis jetzt noch nicht existiert hat. Ein solches Lebewesen finden wir nur in der Fiktion, wie Mythen oder Märchen. Ein Einhorn ist entstanden durch die Einbildungskraft der Menschen und die Verbindung von zwei bekannten Gegenstände: Pferd + Horn = Einhorn11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch wenn ein Einhorn ein nicht-existierendes und nie existierendes Wesen ist, hat das Wort „Einhorn“ dennoch in Freges Theorie einen Sinn. Denn nach Frege ist der Sinn eine Art beschreibende Information, die man in unserem Beispiel als ein Einhorn mit „einem Pferd ähnlichen, horntragendem Tier“ definieren kann. Frege gibt uns in seinem Werk : Funktion, Begriff, Bedeutung, selbst ein Beispiel12 von Wörtern ohne Referenten. Dabei handelt es sich um den Ausdruck „ die am wenigsten konvergente Reihe “. Diese Aussage gibt uns eine Beschreibung, über einen Sinn „ [ … ] aber man beweist, dass er keine feste Bedeutung hat, da man zu jeder konvergenten Reihe eine weniger konvergente, aber immer noch konvergente Reihe finden kann.13 Die Aussage „die am wenigsten konvergente Reihe“ selbst hat keinen Referenten aber gibt uns den Sinn, dass eine Reihe existieren muss, die weniger konvergent ist als die vorige Reihe und so weiter.

Jetzt kommt die Frage auf ob der Sinn sich ändert bei verschiedenen Wörtern, die aber ein und denselben Gegenstand definieren und auch denselben Referenten haben. Zur Beantwortung dieser Frage benutze ich die Pluralität der Sprachen auf dieser Welt, um so heraus zu finden ob sich der Sinn eines Wortes ändert wenn er auf eine andere Sprache übersetzt wird.

2.4 Der Sinn in Wörtern unterschiedlicher Sprachen

Wir, das Lebewesen Mensch, können einen spezifischen Gegenstand durch verschiedene Wörter bezeichnen. Dies liegt darin, dass eine Unzahl von Sprachen und Dialekten auf dieser Welt vertreten sind. Als Beispiel nehmen wir das deutsche Wort „das Herz“, die davon serbische Übersetzung „срце“14 und die englische Übersetzung „the heart“. Bei unserem Beispiel sieht man, dass obwohl verschiedener Zeichen, der Referent und der Sinn dennoch der Gleiche bleiben. „ Die verschiedenen Ausdrücke entsprechen verschiedenen Auffassungen und Seiten, aber doch immer derselben Sache15.

Das Herz = Srce = the heart

Die drei Wörter bezeichnen ein Herz und bei allen Beispielen repräsentiert das Wort denselben Sinn und zwar ein muskuläres Hohlorgan. Schlussfolgern können wir, dass der Sinn eines Wortes nicht durch das Übersetzen in anderen Sprachen verändert wird. Ändern

[...]


1 FREGE, Gottlob: Schriften zur Logik und Sprachphilosophie, siehe Einleitung.

2 BÖTTCHER, Dirk: Der Aristoteles von Mecklenburg-Vorpommern. Frankfurter Rundschau, 06.11.2002. Überschrift.

3 Vgl.: WITTGENSTEIN, Ludwig: „Philosophische Untersuchungen“, S.14

4 FREGE, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung, Fünf logische Studien. S.28.

5 Idem. S.24.

6 FREGE, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung, Fünf logische Studien. S.27.

7 FREGE, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung, Fünf logische Studien. S.28.

8 Idem. S.37.

9 Idem. S.37.

10 Vgl.: Idem.S.28.

11 http://www.schulbilder.org/malvorlage-einhorn-i9877.html.

12 FREGE, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung, Fünf logische Studien. S.25.

13 Idem. S.25.

14 Beispiel im kyrillischen Alphabet => Lateinische Alphabet „srce“

15 FREGE, Gottlob: Funktion, Begriff, Bedeutung, Fünf logische Studien.S.4.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Sinn in Wörtern und Zeichen
Untertitel
Was ist für Frege der Sinn in Wörtern und Zeichen?
Hochschule
Université du Luxembourg  (Flshase)
Note
1.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V262737
ISBN (eBook)
9783656512745
ISBN (Buch)
9783656512677
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Was ist für Frege der Sinn in Wörtern und Zeichen?, frege, gottlob, wittgenstein, sprachphilosophie
Arbeit zitieren
Dino Agovic (Autor:in), 2012, Der Sinn in Wörtern und Zeichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262737

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