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Der Zusammenhang von Wissen und Macht - Foucault's Ordnung des Diskurses

Title: Der Zusammenhang von Wissen und Macht - Foucault's Ordnung des Diskurses

Essay , 2004 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Wiesnet (Author)

Sociology - Knowledge and Information
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Wissen ist Macht, wie uns der Volksmund glauben machen will. Doch ist dem wirklich so? Ist das Verhältnis zwischen Wissen und Macht derart simpel, dass es sich schon durch drei Worte beschreiben lässt? Kann die These bestehen, wenn ich ihr entgegne, dass nur angewandtes Wissen Macht bedeutet? Was also, wenn ich über Wissen verfüge, es aber nicht anwenden darf? Wer (oder was) besitzt dann die Macht, meine Worte, meine Taten zu verbieten. Wodurch kommt seine Macht – wodurch kommt Macht überhaupt zustande? Und vor allem: Was ist sie eigentlich?

Um diese Fragen klären zu können, bedarf es sicherlich weitaus mehr als nur drei Worte. Ziel der nun folgenden Ausführungen ist es, zunächst den Begriff der „Macht“, wie ihn Foucault versteht, zu klären und einen ersten Bezug zum Wissen herzustellen. In einem zweiten Schritt wird versucht, das Verhältnis von Wissen und Macht anhand Foucaults „Ordnung des Diskurses“ darzulegen. Abschließend sollen die Ansätze des französischen Philosophen kritisch bewertet werden.


Zum Begriff der Macht

Max Weber zufolge bedeutet Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“1 Dadurch gibt Weber dem Machtbegriff einen relativ umfassenden und mitunter gewalttätigen Charakter. Umfassend, weil er Einwirkungen sowohl auf das Handeln anderer, als auch auf deren Körper beinhaltet. Gewalttätig, weil die Einwirkungen auf den Körper verletzend und sogar tödlich sein können. Folter und Mord beispielsweise wären in Webers Augen also eine Form der Machtausübung.

Nicht so bei Foucault. Dieser grenzt ein solches Gewaltverhältnis eindeutig von einem Machtverhältnis ab.2 Ersteres wirkt ausschließlich auf den Körper ein und kann ihn beugen, brechen oder gar zerstören, wobei es keinerlei Freiheit für den Unterlegenen vorsieht. Ein Machtverhältnis hingegen setzt zweierlei voraus: Zum einen muss derjenige, auf den Macht ausgeübt wird, erhalten bleiben, da mit seinem Leben auch das Machtverhältnis ein Ende finden würde.

Excerpt


Inhaltsübersicht

1. Zum Begriff der Macht

2. Die Ordnung des Diskurses

2.1 Prozeduren der Ausschließung

2.2 Interne Prozeduren: Klassifikations-, Anordnungs- & Verteilungsprinzipien

2.3 Die Verknappung des sprechenden Subjekts

3. Zusammenfassung und Kritik

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen Wissen und Macht basierend auf Michel Foucaults Werk „Die Ordnung des Diskurses“. Das primäre Ziel ist es, den Machtbegriff Foucaults zu klären, seine Verbindung zum Wissen aufzuzeigen und die diskursiven Mechanismen zu analysieren, durch die Macht in gesellschaftlichen Strukturen konstituiert und reproduziert wird.

  • Vergleich der Machtkonzepte von Max Weber und Michel Foucault
  • Analyse der Mechanismen der Anatomo-Politik und Bio-Politik
  • Untersuchung des Panoptikums als Modell moderner Machtausübung
  • Darstellung der diskursiven Prozeduren der Ausschließung
  • Kritische Bewertung der Verbindung von Wissensproduktion und Macht

Auszug aus dem Buch

2. 2 Interne Prozeduren: Klassifikations-, Anordnungs- & Verteilungsprinzipien

Während die Ausschließungskriterien mit der Einschränkung der Macht des Diskurses betraut waren, obliegt es dem Kommentar, dem Autor und der Organisation der Disziplinen, das zufällige Auftreten des Diskurses zu bändigen.

Um die Funktion des Kommentars verstehen zu können, muss angemerkt werden, dass in jeder Gesellschaft ein mehr oder minder großes Gefälle zwischen Diskursen existiert: Auf der einen Seite gibt es die dauerhaften literarischen, juristischen, religiösen und wissenschaftlichen Diskurse, die grundlegenden und schöpferischen Primärcharakter besitzen. Auf der anderen Seite stehen die vergänglichen Alltagsdiskurse, welche die Texte des Primärdiskurses aufgreifen, wiederholen und kommentieren. Der Kommentar spielt in dieser Abstufung zwei komplementäre Rollen: Erstens ermöglicht er es, ständig neue Diskurse zu produzieren, weil die Primärtexte, auf die er sich bezieht, immer fortbestehen. (So existiert die Bibel seit fast 2000 Jahren und sie wird u.a. in sonntäglichen Predigten immer wieder auf ein Neues kommentiert.) Zweitens muss sich der Kommentar immer auf den Primärtext beziehen und ihn quasi vollenden, indem er das zum Ausdruck bringt, was im Primärtext implizit schon enthalten ist. Dadurch bändigt der Kommentar das zufällige Erscheinen des Diskurses, weil es ihm zwar erlaubt ist, „etwas anderes als den Text selbst zu sagen, aber unter der Voraussetzung, dass der Text selbst gesagt“ wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zum Begriff der Macht: Dieses Kapitel erläutert den Machtbegriff nach Weber und Foucault, grenzt Gewalt- von Machtverhältnissen ab und führt zentrale Konzepte wie die Anatomo-Politik und das Panoptikum ein.

2. Die Ordnung des Diskurses: Hier wird der Zusammenhang zwischen Diskursen und Macht untersucht, wobei insbesondere die Praktiken beleuchtet werden, die dem Diskurs eine ordnende Struktur verleihen.

2.1 Prozeduren der Ausschließung: Das Kapitel analysiert, wie durch Verbote, den Gegensatz von Vernunft und Wahnsinn sowie den Zwang zur Wahrheit der diskursive Zugang reguliert und kontrolliert wird.

2.2 Interne Prozeduren: Klassifikations-, Anordnungs- & Verteilungsprinzipien: Es wird dargelegt, wie Kommentar, Autorfunktion und die Organisation der Disziplinen das zufällige Auftreten des Diskurses bändigen und steuern.

2.3 Die Verknappung des sprechenden Subjekts: Das Kapitel befasst sich mit den Anforderungen an das sprechende Individuum durch Rituale, Diskursgesellschaften und Doktrinen.

3. Zusammenfassung und Kritik: Abschließend werden die Ergebnisse synthetisiert und Foucaults Ansatz einer kritischen Reflexion unterzogen, insbesondere hinsichtlich der Vernachlässigung positiver Machtformen.

Schlüsselwörter

Wissen, Macht, Foucault, Diskurs, Ordnung des Diskurses, Anatomo-Politik, Bio-Politik, Panoptikum, Ausschließung, Kommentar, Autorfunktion, Disziplin, Widerstand, Agonismus, Machttechnologien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretische Verknüpfung von Wissen und Macht im Kontext der diskursiven Praktiken, wie sie von Michel Foucault in „Die Ordnung des Diskurses“ beschrieben werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die Machtbegriffe bei Weber und Foucault, die Funktionsweise von Machttechnologien wie Disziplinierung und Überwachung sowie die internen und externen Steuerungsmechanismen von Diskursen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist die Klärung der Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Wissensproduktion, der Verteilung von Wissen und der Ausübung von Macht innerhalb diskursiver Strukturen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit Foucaults diskursanalytischem Ansatz im Vergleich zu soziologischen Machttheorien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung von Macht, die Analyse der diskursiven Ausschließungsmechanismen sowie die Untersuchung der internen Prozeduren, die den Diskurs ordnen und reglementieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Foucault, Machttechnologien, Diskurs, Panoptikum, Autorfunktion sowie das Spannungsfeld zwischen Wissen und gesellschaftlicher Kontrolle.

Inwiefern unterscheidet sich Foucaults Machtverständnis von dem Max Webers?

Während Weber Macht primär als Durchsetzung des eigenen Willens gegen Widerstand definiert, sieht Foucault Macht als komplexes, dezentrales Geflecht, das Handeln auf Handeln einwirkt und Freiheit voraussetzt.

Was kritisiert der Autor an Foucaults Theorie?

Der Autor bemängelt, dass Foucault produktive Machtformen in seiner Diskursanalyse vernachlässigt und den Zusammenhang zwischen dem Wandel gesellschaftlicher Prozesse und Machtverschiebungen nicht explizit genug darlegt.

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Details

Title
Der Zusammenhang von Wissen und Macht - Foucault's Ordnung des Diskurses
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie II)
Course
Proseminar "Das Wissen vom Wissen"
Grade
1,3
Author
Sebastian Wiesnet (Author)
Publication Year
2004
Pages
15
Catalog Number
V26378
ISBN (eBook)
9783638287319
ISBN (Book)
9783638848237
Language
German
Tags
Zusammenhang Wissen Macht Foucault Ordnung Diskurses Proseminar Wissen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Wiesnet (Author), 2004, Der Zusammenhang von Wissen und Macht - Foucault's Ordnung des Diskurses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26378
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