Der deutsche Minnesang. Analyse eines Minneliedes


Facharbeit (Schule), 2012

17 Seiten, Note: 15 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung: Minnesang
1. Definition
2. Überlieferung
3. Phasen des Minnesangs

B. Hauptteil: Diu vil guote
1. Heinrich von Morungen
2. Diu vil guote
a. Text
b. Übersetzung
3. Aussprache des Mittelhochdeutschen
4. Formale Analyse
a. Metrik und Melodik
b. Kanzonenform
5. Interpretationsansätze
a. Lichtmetaphorik
b. Bewachung
c. Antike Mythologie

C. Schluss: Fazit

D. Anhang
1. Abbildungsverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

A. Einleitung: Minnesang

1. Definition

In unserer heutigen Zeit kennt man Minnesänger hauptsächlich aus Filmen oder historischen Romanen als Sänger sentimentaler Liebeslieder, die ein Burgfräulein in einem hohen Turm besingen. Doch was war Minnesang wirklich? Diese Frage soll anhand eines Minnelieds von Heinrich von Morungen auf den folgenden Seiten beantwortet werden.

Das Wort minne heißt in seiner Grundbedeutung „Gedenken“ (Wegera 2011, S. 169), erfährt aber bereits im Althochdeutschen eine Bedeutungserweiterung und kann auch für die karitative Liebe zwischen Gott und Mensch stehen. In der mittelhochdeutschen Epik versteht man unter minne sowohl die eheliche Liebe als auch die sexuelle Lust. Die Begriffe minne und liebe können nur je nach Kontext semantisch differenziert oder synonym verwendet werden. (Vgl. Wegera 2011, S. 169; Räkel 1986, S. 244)

Der Begriff Minnesang bezieht sich auf eine Form höfischer Liebeslyrik, die ungefähr von 1150 bis 1300 an den Höfen des Adels weit verbreitet war. Die Minnelieder wurden, bevor man sie aufschrieb, ausschließlich als solistischer Vortrag öffentlich in Mittelhochdeutsch gesungen. Sie sind Gesellschaftlieder, in denen in einer gattungsmäßig festgelegten Form über Liebe gesungen wird. Formal zeichnen sie sich durch „ausgefeilte Reim- und Verstechniken“ (Herchert 2010, S. 9) und eine „hoch entwickelte Bildersprache“ (Herchert 2010, S. 9) aus. Spezifisch für den Minnesang ist die Verbindung zum höfischen Lebensstil, der die Darstellung der Figuren, ihrer Handlungen und die Topik der Lieder deutlich beeinflusst. Das Themenfeld des Minnesangs ist Liebe in all ihren Variationen, vom heimlichen Sehnen, über erfülltes Liebesglück, bis hin zur wehmütigen Klage und schroffen Absage. Die Topik des Minnesangs wird oft irrtümlich auf die Topik der Hohen Minne reduziert, bei der es um die unerreichbare Liebe zu einer höher gestellten, verheirateten Frau geht. Da das Ziel, die „sexuelle Liebeserfüllung“ (Herchert 2010, S. 9), für den Mann unerreichbar ist, verharrt er in treuer Ergebenheit und bemüht sich weiter um sie. Durch den Verzicht auf sie, zeigt er seine höfische Gesinnung auf besondere Weise. (Vgl. Herchert 2010, S. 9 f.; Koschorreck 1974, S. 65 f.; Räkel 1986, S. 13 f.)

2. Überlieferung

Die drei berühmtesten und umfangreichsten Sammlungen zum Minnesang sind die Kleine Heidelberger Liederhandschrift (A), die Weingartner oder Stuttgarter Liederhandschrift (B) und die Große Heidelberger oder auch Mannesische Liederhandschrift (C). Alle drei Sammlungen wurden um 1300 in Auftrag gegeben und stammen aus dem „südwestlichen alemannischen Raum“ (Herchert 2010, S. 15). Sie sind als Lyriksammlungen angelegt, die neben Minnesang auch Sangsprüche, aber keine Melodien enthalten. (Vgl. Herchert 2010, S. 15 ff.; Koschorreck 1974, S. 65; Räkel 1986, S. 13 f.)

Durch die Entstehung vieler verschiedener Liederhandschriften, kam es oft zu Überlieferungsproblemen. Lieder wurden in unterschiedlichen Sammlungen verschiedenen Autoren zugeordnet oder unterschiedlich überliefert. Das hängt damit zusammen, dass die meisten Lieder erst lange nach ihrer Entstehungszeit aufgeschrieben und durch die lange mündliche Überlieferung von verschiedenen Minnesängern vorgetragen und verändert worden sind. In der frühen Minnesangforschung hat man deshalb versucht, einen Archetyp, ein Original, zu rekonstruieren. Heute ist es üblich, dass man eine Leithandschrift wählt und in einem Anmerkungsapparat Abweichungen anderer Texte vermerkt. (Vgl. Herchert 2010, S. 23 ff.; Räkel 1986, S. 13 ff.)

3. Phasen des Minnesangs

Die Einteilung des Minnesangs in Phasen ist problematisch, da es kaum Hinweise auf Datierungen gibt und die Phasen sich zeitlich überlagern. Das folgende Modell in die sechs Phasen des Minnesangs dient daher nur zur groben Einteilung.

Erste Phase: Der Donauländische Minnesang

Der Begriff „Donauländischer Minnesang“ fasst die frühen Minnelieder von 1150/60 bis 1170 zusammen. Man vermutet, dass die Dichter aus dem Donaugebiet stammen. Kennzeichnend für die erste Phase sind weitgehende Einstrophigkeit, Langzeilenstrophen und Paarreime. Das Hauptmotiv ist die gegenseitige Liebe, die verheimlicht werden muss.

Zweite Phase: Rheinischer Minnesang

Der Rheinische Minnesang gilt als die erste Hochphase des Minnesangs in der Zeit von 1170 bis 1190/1200. Man vermutet den Stauferhof als Hauptwirkungsort. In dieser Zeit gab es einem starken Einfluss der okzitanischen und französischen Dichtung, der die Übernahme des Konzepts der hohen, unerfüllbaren Minne befördert hat. Dadurch wurden die Minneklage und die Kreuzzugsthematik zu den Hauptthemen der zweiten Phase. Die Lieder sind mehrstrophig mit in der Regel reinen Reimen, die differenzierten Reimschemata gleichen. Friedrich von Hausen gilt als der bedeutendste Dichter dieser Phase.

Dritte Phase

Die dritte Phase des Minnesangs gilt als die zweite Hochphase und wird auf 1190 bis 1210/20 datiert. Die Lieder zeigen eine ausgeprägte Formkunst, sind thematisch vielfältig und haben eine Tendenz zur Reflexion über das Minnekonzept und den Minnesang. Einer der führenden Dichter dieser Phase ist Heinrich von Morungen (s. B. 1. Heinrich von Morungen).

Vierte Phase

Mit der vierten Phase in der Zeit von 1190 bis 1230 erreicht der Minnesang seinen Höhepunkt unter Walther von der Vogelweide. Er hat die Reimkunst und die Minnekonzeption vollendet. Außerdem war er zugleich der Überwinder des höfischen Minnesangs, indem er die Partner in einer Liebesbeziehung gleichstellt und der niederen Minne ein Loblied gesungen hat.

Fünfte Phase: Nachklassische Zeit

Die fünfte Phase, von 1210 bis 1240, gilt als die erste Spätphase oder nachklassische Epoche des Minnesangs. Da Walter von der Vogelweide die hohe Minne vollendet hatte, beschränkten sich die Dichter dieser Phase darauf, Vorhandenes aus der hohen Minne immer wieder neu zusammenzustellen, sie aber nicht weiterzuentwickeln. Dadurch wich das Konzept der hohen Minne langsam der Hinwendung zum Realismus und der bäuerlichen Welt. Der einzige bedeutende Dichter dieser Phase war Neidhart.

[...]

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Details

Titel
Der deutsche Minnesang. Analyse eines Minneliedes
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V264065
ISBN (eBook)
9783656532613
ISBN (Buch)
9783656537823
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
minnesang, analyse, minneliedes
Arbeit zitieren
Jasmin Lang (Autor), 2012, Der deutsche Minnesang. Analyse eines Minneliedes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264065

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