Die Prospect Theory: Ein Modell der Behavioral Economics zur Erklärung des Underpricing


Seminararbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung und Ziel der Arbeit
1.1 Begrifflichkeit des Underpricing
1.2 Gang der Untersuchung und Ziel der Arbeit

2. Die Prospect Theory
2.1 Grundgedanken der Prospect Theory
2.2 Die Editing - Phase
2.3 Die Evaluation - Phase
2.3.1 Die Wertfunktion
2.3.2 Die Gewichtungsfunktion
2.3.3 Die Gesamtwertfunktion

3. Die Prospect Theory und das Underpricing
3.1 Der „certainty effect“
3.2 Der Einfluss der Segregation

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eine hypothetische Wertfunktion

Abbildung 2: Eine hypothetische Gewichtungsfunktion

Abbildung 3: Investorenpräferenzfunktion

Abbildung 4: Bewertung von Verlusten und Gewinnen

Abbildung 5: Kombination aus Gewinn und Verlust

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Ziel der Arbeit

Risiken bestimmen menschliches Handeln in vielen Situationen. Abgesehen von der generellen Ungewissheit über die Zukunft gibt es viele Situationen, in denen mögliche zukünftige Entwicklungen angenommen beziehungsweise modelliert werden können. Eine solche Abbildung möglicher Entwicklungen ist insbesondere für Wirtschaftssubjekte bedeutend, die Risiken und Chancen ökonomischen Handelns gegeneinander aufwiegen müssen, um Verluste zu vermeiden und Gewinne zu erzielen. Ein Beispiel ist das erstmalige Anbieten von Unternehmensanteilen am organisierten Kapitalmarkt (initial public offering1 ), bei der Risiken und Chancen für Investoren gegeneinander aufgewogen werden müssen. Ein wissenschaftlicher Ansatz solche Risiken zu beurteilen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten ist die Entscheidungstheorie, die sich primär in präskriptive sowie deskriptive Teilgebiete unterscheiden lässt. Die präskriptive Entscheidungstheorie basiert auf streng rationalem Verhalten und postuliert somit ein widerspruchsfreies Zielsystem. Diesem Zielsystem konform verhält sich der Entscheider2. Welches konkrete Ziel der Handelnde hierbei verfolgt, ist individuell für jedes Zielsystem festgelegt3.

Die deskriptive Entscheidungstheorie hingegen, welcher auch die Prospect Theory4 angehört, ermöglicht ein Zielsystem, welches nicht frei von Widersprüchen ist. Sie stellt dar, wie Menschen sich in Risikosituationen verhalten und hinterfragt, warum sie sich so verhalten5. Vor diesem Hintergrund stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit das rational6 schwer nachvollziehbare Phänomen des Underpricings von IPO´s dar. Dieses wird anhand der PT erklärt.

1.1 Begrifflichkeit des Underpricing

Das Underpricing ist ein Phänomen, welches häufig beim erstmaligen Börsengang von Unternehmen zu beobachten ist. Es beschreibt den prozentualen Unterschied von Ausgabepreis und Schlusskurs des ersten regulären Handelstages am Sekundärmarkt7. In gut entwickelten Kapitalmärkten8 ist dabei ein durchschnittlicher Aufschlag von zehn bis zwanzig Prozent nachweisbar9. Das Underpricing offenbart somit für die Investoren einen zusätzlichen Gewinn. Im Gegensatz dazu hat die Unternehmung Opportunitätskosten in gleicher Höhe zu beklagen, weil sie einen höheren Geldbetrag durch einen höheren Ausgabepreis10 hätte erlösen können. Eine empirische Untersuchung, die dieses Phänomen beweist, wurde erstmalig 1969 von Reilly und Hatfield veröffentlicht11.

1.2 Gang der Untersuchung und Ziel der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist zunächst aufzuzeigen, wie die PT die Realität beobachtet und die so erkannten Entscheidungsverhalten beschreibt. Weiter soll aufgezeigt werden, wie die PT Entscheidungsanomalien sowie Inkonsistenzen im Zielsystem der Probanden erklärt. Aufbauend auf diesem Erklärungsansatz wird die PT auf das empirisch belegbare Underpricing von IPO projiziert, um herauszukristallisieren, welche Aspekte des menschlichen Verhaltens dazu führen, dass Unternehmensanteile unterhalb ihres „wahren“ Wertes12 in den organisierten Kapitalmarkt gelangen13.

2. Die Prospect Theory

Die Prospect Theory14 wurde im Jahre 1975 erstmals auf der Conference on Public Economics in Jerusalem unter dem Namen „Value Theory“ vorgestellt, bevor sie 1979 unter ihrem heutigen Namen publiziert wurde15. Die PT ist durch ihre Begründer Amos Tversky und Daniel Kahneman als Kritik an der Erwartungsnutzentheorie16 veröffentlicht worden. Der Hauptkritikpunkt an der EUT ist, dass sie lediglich beschreibt, wie sich ein Individuum bei Entscheidungen unter Risiko verhalten soll, nicht jedoch thematisiert, wie es sich tatsächlich verhält. Diesen Missstand zwischen Theorie und Empirie griffen Kahneman und Tversky auf und entwickelten ein alternatives Model für Entscheidungen unter Risiko.

2.1 Grundgedanken der Prospect Theory

Kahneman und Tversky zeigten, dass Entscheidungen von Individuen nicht immer rational getroffen werden und somit empirische Verletzungen der EUT bestehen17. Diese Erkenntnisse wurden in drei Hauptursachen für Entscheidungsanomalien - genannt „effects“ - unterteilt, die im Folgenden näher erläutert werden.

Es konnte festgestellt werde, dass Entscheider dazu neigen, sichere Ergebnisse überzubewerten und unsichere Ergebnisse unterzubewerten. Diesen Effekt nannten sie den „certainty effect“18.

Um dies empirisch zu belegen wurden Probanden19 gebeten, ihre Präferenzen zwischen zwei Handlungsalternativen der Form

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]anonym anzugeben 20. Wobei[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]mit der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wahrscheinlichkeit p

eintritt. Eine typische Entscheidungssituation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

soll hier kurz illustriert werden21:

Welche der beiden Alternativen wählen Sie? A: 4000 € mit 80 % Wahrscheinlichkeit oder

B: 3000 € mit Sicherheit

In dieser Entscheidungssituation wählten von 95 Teilnehmern lediglich

20 % die Alternative A, obwohl diese mit 3200 € einen um 200 € höheren Erwartungswert hat als die Alternative B.

Die Untersuchungen von Kahneman und Tversky ergaben, dass Probanden nicht zwingend die Alternative wählten, welche auch den höchsten Erwartungswert der Auszahlung aufwies und somit unter Rationalitätsaspekten vorzuziehen wäre. Entgegengesetzt zu dem was die EUT impliziert, wurde in vielen Fällen von den Probanden die dominierte, aber dafür sichere Variante gewählt.

Bei negativen Erwartungswerten konnten die beiden Wissenschaftler hingegen genau die gegenteiligen Verhaltensweisen beobachten. Diesen Effekt nannten sie den „reflection effect“ und schlossen daraus, dass sich Individuen im Gewinnbereich risikoavers und im Verlustbereich risikofreudig verhalten22.

Ebenso konnten sie aus dem Verhalten der Probanden ableiten, dass bei der Beurteilung von Wahlmöglichkeiten Gemeinsamkeiten außer acht gelassen wurden und somit primär die Unterschiede im Focus lagen. Dies konnte gezeigt werde, indem identische Optionen unterschiedlich präsentiert und erneut die Präferenzen der Probanden abgefragt wurden. Dieser so beobachtete „isolation effect“ führt dazu, dass die Präferenzen der Probanden Inkonsistenzen aufwiesen23. Die vorher präferierte Alternative wurde bei erneuter identischer, jedoch anders dargstellter Wahlmöglichkeit, dominiert24.

Diese Verhaltensweise ist auch als Allais - Paradoxon bekannt und

wurde erstmals 1953 durch Maurice Allais als Verstoß gegen das Unabhängigkeitsaxiom25 beschrieben26. Der Verstoß, auch als „common ratio effect“ bekannt, ermöglicht Präferenzverschiebungen der folgenden Art27:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei 0<[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und λ klein ist. Kahneman und Tversky haben in ihrer Untersuchung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verwendet. Obwohl die Wahlmöglichkeiten identisch (im Verhältnis) geblieben sind, haben sich die Präferenzen der Probanden von[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verändert. Dies kann aber aufgrund von Konsistenzgründen des Unabhängigkeitsaxioms nicht gleichzeitig gelten. Als Erklärung dieser drei Effekte ziehen Kahneman und Tversky ein zwei Phasen Modell - die Editing sowie die Evaluation Phase - heran, welches die Abweichungen zur EUT näher beleuchten und erklären soll.

2.2 Die Editing - Phase

Die Editing - Phase ist die erste Phase. Sie besteht aus verschiedenen Transformationen der Wahlmöglichkeiten, die Entscheider vor der zweiten Phase, der Evaluation - Phase, vornehmen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der kognitiven Grenzen realer Entscheider, zur Vereinfachung der Wahlmöglichkeiten28. Primär wird hier durch Kahneman und Tversky in folgende sechs Transformationen unterschieden29:

[...]


1 Im Folgenden IPO genannt.

2 Vgl. Bamberg/Coenenberg (2006), S. 3.

3 Die Nutzenmaximierung wird hier häufig als Oberbegriff genannt. Der Nutzen kann beispielweise Geld, Macht, Freizeit, moralisch oder ethisch richtiges Verhalten sein. Bekanntestes Beispiel ist die Entscheidungsnutzentheorie die von John von Neumann

und Oskar Morgenstern 1944 begründet wurde und auf dem Bernoulli-Prinzip basiert. Vgl. Neumann/Morgenstern (1944).

4 Im Folgenden PT genannt.

5 Vgl. Bamberg/Coenenberg (2006), S. 4.

6 Beispielsweise anhand der Entscheidungsnutzentheorie.

7 Vgl. Ljungqvist (2007), S. 6.

8 Gut entwickelte Kapitalmärkte sind in diesem Kontext solche, die ohne Restriktion größere Kursentwicklungen zulassen und somit eine transparente Bewertung der Unternehmensanteile mit dem ersten Handelstag ermöglichen.

9 Ebenda, S.7.

10 Im Idealfall hätte der Ausgabepreis dem Schlusskurs des ersten Handelstages und somit dem wahren Wert entsprechen sollen.

11 Vgl. Reilly/Hatfield (1969).

12 Der „wahre“ Wert ist hier der Wert, welcher am Sekundärmarkt ermittelt wird.

13 Für die Projektion auf Versicherungsentscheidungen: vgl. Theil (2002), für die Projektion auf Human Resource Management: vgl. Soufis (2008).

14 Im Folgenden PT genannt.

15 Vgl. Theil (2002), S.119.

16 Im Folgenden EUT genannt.

17 Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 263.

18 Ebenda, S. 263.

19 Studenten und Lehrkräfte der Universität von Jerusalem, Stockholm und Michigan.

20 Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 264.

21 Modifiziert entnommen aus: Kahneman/Tversky (1979), S. 266.

22 Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 268.

23 Ebenda, S. 271.

24 Vgl. Tversky/Kahneman (1981), S. 453.

25 Das Unabhängigkeitsaxiom besagt, dass die Hinzu- oder Wegnahme identischer Konsequenzen die Präferenzen nicht verändern darf.

26 Vgl. Allais (1953), S. 527f.

27 Beispiel modifiziert entnommen aus: Dyckerhoff (1994), S. 17.

28 Vgl. Hartmann (2004), S. 25.

29 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kahneman/Tversky (1979), S. 274.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Prospect Theory: Ein Modell der Behavioral Economics zur Erklärung des Underpricing
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Investitionstheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V264484
ISBN (eBook)
9783656538899
ISBN (Buch)
9783656541479
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prospect, theory, modell, behavioral, economics, erklärung, underpricing
Arbeit zitieren
Diplom Volkswirt Ingmar Dransfeld (Autor), 2011, Die Prospect Theory: Ein Modell der Behavioral Economics zur Erklärung des Underpricing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264484

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