„Get them young“: Talentförderung im Fußball im internationalen Vergleich

Herausforderungen und Rahmenbedingungen europäischer Sportmärkte


Seminararbeit, 2013

47 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung: „das Talent“
2.1 Statischer Talentbegriff
2.1.1 Disposition(en)
2.1.2 Bereitschaft
2.1.3 Soziales Umfeld
2.1.4 Resultate
2.2 Dynamischer Talentbegriff
2.2.1 Aktiver Veränderungsprozess
2.2.2 Steuerung durch Training und Wettkampf
2.2.3 Pädagogische Begleitung

3 Talentförderung im deutschen Fußball
3.1 DFB-Beschlüsse vom 03.05.2002
3.1.1 Investition in die Talentförderung
3.1.2 Einführung der A-Junioren Bundesliga
3.1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.2 Ausbildungskonzeption der DFB
3.2.1 Förderung der Bambini bis F- und E-Junioren
3.2.2 Förderung der D- und C-Junioren
3.2.3 Förderung der B- und A-Junioren
3.2.4 Belastungsgerechtes Übergangstraining
3.2.5 Hochleistungstraining – Perfektionierung & Stabilisierung

4 Talentförderung im internationalen Vergleich
4.1 Niederlande
4.1.1 Die Nachwuchsarbeit im königlichen Niederländischen Fußballbund (KNVB)
4.1.2 Die Ajax-Akademie – Mutter aller Nachwuchsleistungszentren
4.2 Fußball in Spanien
4.2.1 La Masia
4.2.2 Die Talentförderung des FC Barcelona
4.3 Brasilien
4.4 Russland

5 Ökonomische Aspekte der Talentförderung
5.1 Bosman-Urteil
5.2 Marktwertanalyse

6 Fazit

7 Quellenverzeichnis

8 AnhangV

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausbildungsprozess der Junioren

Abbildung 2: Die la Masia des FC Barcelona (Alt und Neu)

Abbildung 3: Detaillierte Marktwertentwicklung ausgewählter Talente

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Für viele deutsche Fußballfans ist der Name Gerd Müller mehr als bekannt, dieser phänomenaler Fußballer schoss im Kalenderjahr 1972 genau 85 Tore. Doch genau am 09.12.2012 wurde dieser Weltrekord vom Fußballer Lionel Messi überboten.[1] Das Fußballjahr 2012 beendete Messi mit genau 91 Treffern und löste nach 40 Jahren den Gerd-Müller-Rekord ab.[2]

Der Gerd-Müller-Rekord ist eines von vielen weiteren Rekorden die Messi bis zum jetzigen Zeitpunkt knackte. Das Buch „das große Buch der Fußball Rekorde“ von Omar Gisler (Copress Sport Verlag) zeigt den Lesern, dass Lionel Messi mit 25 Lebensjahren viele Rekorde aufstellte und zu einer lebenden Legende aufblühte. Die Online Page Welt.de betitelt Messi als „kein[en] Fußballer, sondern ein[en] Außerirdischer“ und sie beschreiben einen Rekord von ihm, welchen er im Champions League Spiel gegen Bayer Leverkusen am 07.07.2012 aufstellte.[3] Ein weiterer Onlinedienst bezeichnet Ihn als „Messias“ und weist darauf hin, wie wichtig ein einzelner Fußballer für sein Heimatverein sein kann.[4] Am 08.01.2013 veröffentlichte der Onlinedienst Spiegel.de das Wahlergebnis zum „Weltfußballer des Jahres 2013“. Der junge Argentinier wurde von Spielern, Trainern und Medien zum 4. Mal in Folge zum „Weltfußballer des Jahres“ ernannt.[5]

Wahrscheinlich fragen sich viele Fans wie „El Pulga“ (der Floh) es immer wieder schafft, die Menschen von seinem Talent zu überzeugen. Doch zunächst sollte man tief in Messis Vergangenheit rumwühlen, um zu verstehen, was Ihn dazu bewegte Fußball zu spielen und welche Förderung er bekam. Lionel Andres Messi kommt, wie die meisten südamerikanischen Nachwuchsspieler, aus ärmlichen Verhältnissen. In seiner Jugend litt der Weltstars an Wachstumsstörungen und während der argentinischen Wirtschaftskrise wusste Messis Familie nicht, wie sie die notwendigen Behandlungen finanzieren sollte. Zwar hatte die Familie eine Versicherung, dass Messi eine Hormon Therapie ermöglichte, jedoch hatte die Versicherung eine Laufzeit von einem Jahr. Als 8. Jähriger spielte Messi in der Jugendmannschaft von Newell’s Old Boys und sogar die argentinische Hauptstadtmannschaft River Plate zeigte großes Interesse, aber leider war keiner dieser Mannschaften bereit die Therapiekosten zu übernehmen. Messi und seine Familie hofften auf ein Wunder.[6]

Carles Rexach, der damals als Trainer und sogar als Scout für den FC Barcelona tätig war, hörte von Messis Fähigkeiten und natürlich auch von seinem Defizit. Rexach beorderte den damals 13. Jährigen zu einem Probetraining und machte dabei eine außergewöhnliche Entdeckung. „Es genügten fünf Minuten, um zu sehen, dass dieser hier auserwählt ist. Sofort war klar, was das für ein besonderer Junge ist. Wer immer dort vorbeigekommen wäre, hätte ihn sofort mit Gold aufgewogen.“[7] Der FC Barcelona förderte Messi und seine Familie, jegliche Kosten wurde vom Verein übernommen. Das Talent von Messi, die spezielle Fußball-Ausbildung des La Masia und die medizinische Fürsorge machten sich bemerkbar. In der ersten Saison erzielte Messi 35 Tore in 30 Pflichtspielen. Im Jahr 2004 dürfte er für die erste Mannschaft spielen und ab diesen Zeitpunkt fing die Tormaschine im wahrsten Sinne des Wortes an „Tore zu ballern“.[8] Mit seinem 120 Mio. Euro Marktwert tut Messi das was er am besten kann - Rekorde brechen und dabei wird er als Jahrhunderttalent gefeiert.[9]

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen umfassenden Einblick in die weltweite Fußball Talentförderung zu gewähren. Darüber hinaus stellt sich die grundlegende Frage: Was versteht man unter dem Begriff Talent und welche Voraussetzungen muss ein Talent mit sich bringen? Dabei gehen die Autoren zunächst auf die grundlegenden Begriffserklärungen ein und erörtern das Werdegang eines Fußball Talents. Eine weitere wichtige Frage ist, wie Fußball Talente in Deutschland und International gefördert werden. Im Anschluss daran wird eine Kosten-Nutzen-Analyse veranschaulicht.

2 Begriffserklärung: „das Talent“

In der Einleitung wurde Lionel Messi als Jahrhunderttalent bezeichnet und in vielen weiteren Sportarten wird der Begriff „Talent“ strittig diskutiert. Doch was ist ein Talent und wie wird ein Talent im Fußball definiert? In der Fußball-Ausbildung werden dem Spieler Erfahrungen, Fähigkeiten und Techniken vermittelt. Eine fundierte Ausbildung hat für jeden Fußballer eine wegweisende Funktion und soll den sportlichen Erfolg des Spielers unterstützen. Da die Eltern, Trainer, Verein, Berater und Funktionäre einen Einfluss auf den Ausbildungsplan haben, muss zunächst der allgemeine Talentbegriff aus wissenschaftlicher Sicht definiert werden. Hierbei unterscheidet man zwischen dem statischen und dynamischen Klärungsansatz.[10]

2.1 Statischer Talentbegriff

Für die Charakterisierung eines Talents bedarf es vier Begriffserklärungen, die laut Joch als Voraussetzungen für die Definition eines Talents in Frage kommen können.

- „ Dispositionen, die das können betonen
- Bereitschaft, die das Wollen hervorhebt
- Soziales Umfeld, das die Möglichkeiten bestimmt und
- Resultate, die das wirklich erreichte (Leistungs-)Ergebnis dokumentieren.“[11]

Diese Komponenten werden als statisch bezeichnet, weil das wirksam werden dieser Voraussetzungen an sich bedeutungslos sind. Kinder bzw. Jugendliche haben bestimmte Neigungen und diese vier Begrifflichkeiten beschreiben eher die Zustandsebene des Talents.[12] Zum Beispiel waren die sprachlichen Leistungen von dem jungen Albert Einstein weniger gut, jedoch war er in Naturwissenschaften hervorragend. D.h. der Nobelpreisträger hatte schon in jungen Jahren eine enorme Präferenz zu Naturwissenschaften und unabhängig von der schulischen Ausbildung, war er von Anfang an ein Physiktalent.

2.1.1 Disposition(en)

Jeder Mensch ist ein Individuum und jeder Mensch besitzt unterschiedliche Erbanlagen, die bei manchen zu einer Begabung führen können. Entscheidend ist, wie das Individuum sich entfaltet, d.h. ein Fußball Talent kann mit seiner Begabung hohe Leistungen erreichen, aber sie noch nicht aufgrund der Begabung erreicht hat. Deshalb bezieht sich das Wort „Talent“ nicht auf jene Persönlichkeiten, die bereits die höchste Herausforderung verwirklicht haben, sondern die Befähigung haben eine überdurchschnittliche Leistung hervorzubringen.[13]

2.1.2 Bereitschaft

Jeder Sportler oder Sporttreibender kennt die Bezeichnung „den inneren Schweinehund überwinden“. [14] Die verfügbaren Dispositionen reichen allein nicht aus, viel mehr müssen diese durch die Willenskraft aktiviert werden. Singer definiert die Leistungsbereitschaft wie folgt: „Eine Begabungsdefinition kann sich (...) nicht nur auf die Rüstungseigenschaften, d.h. die Fähigkeiten einer Person beziehen, sondern muss auch weitere Persönlichkeitseigenschaften (Fähigkeiten sind ja auch Eigenschaften) vor allem voluntiver Art wie Willenseigenschaften, Interessen, Motive usw. einschließen. Erst aus dem Zusammenwirken der verschiedenartigsten Leistungsvoraussetzungen eines Menschen ergeben sich qualitative Leistungsvollzüge. Wenn ein qualifizierter Leistungsvollzug Definitionsmerkmal von Begabung ist, gehört die Bereitschaft, diese zu erbringen, unabdingbar zur Begabung dazu“.[15] Zum Beispiel haben viele südamerikanische Talente das Motiv, mit Fußball ein besseres Leben zu erreichen oder der Armut zu entkommen, da die Grundbedürfnisse dort kaum befriedigt werden.[16]

2.1.3 Soziales Umfeld

Das soziale Umfeld spielt für das (sportliche) Talent eine große Rolle und jede Persönlichkeit ist an seine Gesellschaft angewiesen. Die Entfaltung eines Talents kann nur durch die Akzeptanz, Bereitstellung der verfügbaren Ressourcen und würdige Förderung der Gesellschaft erfolgen. Hierbei hat Joch eine provozierende und eine weit aus klare Formulierung: „Jede Gesellschaft hat die Talente, die sie verdient, die sie sich leisten kann (oder will) und für die sie sich engagiert.“[17] Das heißt, jede Einzelperson einer Gesellschaft hat gewisse Wertevorstellungen, die einen beträchtlichen Einfluss auf das Talent haben können. Prallen diese Wertevorstellungen mit den Erwartungen einer Leistungssportkarriere, so bekommt man das Ergebnis, welches das Talentreservoir reichlich bereichert. Hinzu wird die Umwelt von räumlichen, klimatischen und sachlichen Gegebenheiten beeinflusst.[18]

2.1.4 Resultate

Dispositionen (Können), Bereitschaft (Wollen) und das soziale Umfeld (Möglichkeiten) sind unverzichtbare Bedingungen die ein Talent ausmachen. Zu dem ermöglichen diese Bedingungen eine Leistungsnachweisbarkeit. Um die Fähigkeiten eines Talents zu beschreiben bzw. zu definieren, bedarf es zu einem Nachweis. Anhand einer Dokumentation wird festgestellt, ob das Talent die überdurchschnittlichen Kriterien erfüllt.[19]

2.2 Dynamischer Talentbegriff

Beim dynamischen Talentbegriff wird das Rohtalent einen intensiven und zielgerichteten Entwicklungsprozess ausgesetzt. Es ist ein Veränderungsprozess, dass den Charakter des Talents vollkommen verändern soll. Der dynamische Talentbegriff baut auf drei zentralen Aspekten auf:

- „den aktiven Veränderungsprozess
- die Steuerung durch Training und Wettkampf und
- die pädagogische Begleitung.“[20]

2.2.1 Aktiver Veränderungsprozess

Der aktive Veränderungsprozess ist eng mit der motorischen Entwicklung eines Talents verbunden. Joch bezeichnet diesen engen Zusammenhang als aktiven Selbstausbildungsprozess. Der Inhalt des Veränderungsprozesses setzt sich aus den verschiedensten Entwicklungsschritten zusammen, hinzu kommt die Retardation (Rückstandsphase) und Stagnation (Ruhephase). Zusätzlich umfasst der Veränderungsprozess alle Persönlichkeitsbereiche. Jedoch bezieht sich dieser Prozess überwiegend mit der motorischen und die sportlichen Leistungsschöpfung des Talents. Denn das bloße wachsen eines Talents ist mit diesem Erklärungsansatz nicht vereinbar, viel mehr deutet dieser Veränderungsprozess auf einen zielgerichteten Ablauf, bei dem das Engagement der sportlichen Talents jederzeit abgerufen wird. Um das Engagement des Sportler aufrechtzuhalten, wird die Kontinuität des Trainings vorausgesetzt.[21]

2.2.2 Steuerung durch Training und Wettkampf

Die zielgerichtete Talententwicklung wird durch das Training dirigiert. Joch weist darauf hin, dass die Talentwicklung nicht durch die bloße Entfaltung von existierenden Dispositionen erfolgt, es ist viel mehr ein [...] zielorientiert auf die sportliche Leistungsprogression ausgerichteter Vorgang, der den anerkannten Prinzipien der Trainingslehre folgt: Ganzheitlichkeit, Spezialisierung, Allmählichkeit, Langfristigkeit, Systematik und angemessene Häufigkeit.“[22]

Das Talenttraining soll augenblicklich nicht Erfolge oder ein hohes Leistungsniveau sichern, sondern es soll das Talent durch das unterste Basistraining (motorische Entwicklung) über das Grundlagentraining und Aufbautraining bis zum Hochleistungstraining vorbereiten. Wettkämpfe haben dabei eine sehr wichtige Funktion, sie geben die Richtung und die Intensität des Trainings an und haben somit einen entscheidenden Einfluss auf die Trainingsmaßnahmen.[23]

2.2.3 Pädagogische Begleitung

Ein Konzept zur Talentförderung ist ein Prozess, dass durch die Pädagogik weiterentwickelt und dokumentiert wird. Mit Ideen- und Erfahrungssammlungen werden die Talente begleitet, hierbei geht der Pädagoge gezielt in die Bedürfnisse der Talente ein, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Aber nicht nur die pädagogische Profession ist wichtig, hier gehört auch das Engagement, Liebe und Freude zum Sport und der Kontakt zu den Talenten dazu. Die Talente sollen im Laufe ihres Leben eigene Erfahrungen sammeln, dabei dient das Sportwissen als Basis und soll bei ihnen den optimalen Zustand darbieten.[24]

3 Talentförderung im deutschen Fußball

Lange Zeit genoss der deutsche Fußball auf der ganzen Welt einen hervorragenden Ansehen, doch das Ausscheiden in der Vorrunde der Europameisterschaft 2000 hinterließen in der erfolgsverwöhnten Geschichte des deutschen Fußballs tiefe Schrammen. Der DFB (Deutscher Fußball-Bund) erkannte damals in der Nationalelf einen Mangel an talentvoller Stärke und im Hinblick auf die Fußball WM 2006 in Deutschland reagierte der Verband mit vielseitigen Beschlüssen.[25]

3.1 DFB-Beschlüsse vom 03.05.2002

3.1.1 Investition in die Talentförderung

Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder beschloss im DFB-Bundestag, der am 03.05.2002 in Frankfurt stattfand, das Talentförderungsprogramm mit einer jährlichen Summe von 10 Mio. Euro zu unterstützen. Mayer-Vorfelder sah mit dieser Investition in die Nachwuchsförderung eine Chance, den deutschen Fußball zu verbessern und wettbewerbsfähiger zu machen.[26]

Momentan sind 366 Stützpunkte zum intensiven Scouting (Kundschaften) und fördern von Talenten aktiv. Dazu gibt es 29 Stützpunktkoordinatoren, die Informationen zwischen dem DFB und Landesverbänden austauschen und zirka 1.000 qualifizierte Stützpunkttrainer beschäftigen sich mit der Förderung und Sichtung von Regionaltalenten. Darüber hinaus bieten die Stützpunkttrainer jede Woche ein Zusatztraining für eine bestmögliche individuelle Förderung an.[27] Im Anhang (Nr. 1.1) steht eine Deutschlandkarte mit all den Stützpunkten zur Verfügung.

3.1.2 Einführung der A-Junioren Bundesliga

Zur Fußball-Saison 2003/2004 wurde zusätzlich von der DFB die Einführung einer A-Junioren Bundesliga beschlossen. Die Idee dahinter ist, dass A-Junioren bzw. die U19-Mannschaften ihre Potenziale intensiver ausschöpfen können.[28] Da die A-Junioren die letzte Instanz der Talentförderung bilden, möchte der DFB die Spieler an die Leistungsanforderungen der Profis unproblematisch näher bringen.[29] Der Aufbau des Ausbildungsprozesses ist im folgenden Schaubild abgebildet.

Abbildung 1: Ausbildungsprozess der Junioren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an: http://talente.dfb.de/index.php?id=518767.

3.1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen

Die aus dem Jahr 2002 erfolgten DFB-Beschlüsse sollten mit den Grundwerten und der Gesetzlage der deutschen Nation konform sein. Für die Fürsorge der Kinder sind selbstverständlich die gesetzlichen Vertreter zuständig.[30] Auch die Vereine müssen den Fürsorgepflichten nachkommen und dafür sorgen, dass das Kind sowohl in der Gesundheit, als auch in deren Entwicklung keinen Schaden nimmt. Hierbei übernimmt der Staat die Wächterrolle.[31]

Jedoch kommt es zu einem Zielkonflikt zwischen den Interessen des Leistungszentrums und den Regelungen des JArbSchG (Jugendarbeitsschutzgesetz). Gem. § 2 I JArbSchG können Kinder (lt. Gesetzt unter 15 Jahren) und Jugendliche (lt. Gesetz zwischen 15 bis 18 Jahren), welche dem Vollzeitschulpflicht unterliegen, von der Fußball Ausbildung im Leistungszentrum ausgeschlossen werden.[32] Besonders die wirtschaftlichen Interessen des Vereins überwiegen die schulische Ausbildung, so dass eine Beschäftigung des Jugendlichen i.S.d. § 1 I JArbSchG zu bejahen ist.[33]

Es könnte sich aus dem § 5 III und 6 JArbSchG etwas anderes ergeben. Nach dem Wortlaut des § 5 III JArbSchG dürfen Kinder eine Beschäftigung eingehen, wenn folgenden Bedingungen erfüllt werden:

1. „die Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung der Kinder,
2. ihren Schulbesuch, ihre Beteiligung an Maßnahmen zur Berufswahlvorbereitung oder Berufsausbildung, die von der zuständigen Stelle anerkannt sind, und
3. ihre Fähigkeit, dem Unterricht mit Nutzen zu folgen,

nicht nachteilig beeinflusst. [...] nicht zwischen 18 und 8 Uhr, nicht vor dem Schulunterricht und nicht während des Schulunterrichts beschäftigt werden.“[34] Der § 6 JArbSchG sieht zwar eine Ausnahme vor, aber diese Bestimmungen betreffen nur Veranstaltungen (z.B. Theaterproben) und findet somit keine Anwendung im Bereich des Jugendfußballs.

Der DFB respektiert die Gesetzlage und hat ein Konzept ausgefeilt, dass die Bestimmungen des § 5 III JArbSchG einhält. Aus diesem Grund erstelle der Verband eine Jugendordnung mit der Konzipierung, dass eine „optimale Talentförderung“ nur durch die Kooperationen zwischen Verband, Verein und Schule möglich und erlaubt ist.[35] Im Anhang (Nr. 1.2) befindet sich ein Beispiel, dass den Tagesablauf eines Talents in einer Fußball Eliteschule veranschaulicht.

3.2 Ausbildungskonzeption der DFB

Eigentlich kann das deutsche Fußball Volk auf Erich Ribbecks[36] EM 2000 Flaute dankbar sein. Durch sein Versagen eröffneten sich neue Wege und verschaffte der DFB neue Perspektiven. Der DFB sah die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft in der aufblühenden Jugend. Dabei ging es um die Idee einen müden 39-Jährigen Lothar Matthäus[37] gegen Fußball hungrige Jugendliche wie zum Beispiel Mesut Özil, Marco Reus und Mario Götze[38] etc. auszuwechseln. Diese jungen Stars kamen einst von der Goldschmiede eines von vielen Nachwuchsnachwuchszentren bzw. Eliteschulen in Deutschland. Und das Konzept soll auch weiterhin dass deutsche Fußball prägen.[39]

In der Talentförderung des DFBs gibt es die Stufen von 1 bis 7 und je höher sich das Talent hocharbeitet, desto näher rückt der Traum zum Profifußballer. Diese Konzeption soll mit den folgenden DFB-Zielen befriedigt werden:

1. Spitzenpositionen und Erfolge im Weltfußball
2. Faszination und Freude am Fußball
3. Motivation und Begeisterung zur Bewegung.[40]

3.2.1 Förderung der Bambini bis F- und E-Junioren

Die erste Stufe (BEWEGEN-FREUDE) führen die Bambinis (U7) an. Hierbei achtet der Verein besonders auf den Spaß-Faktor der Kinder, den je mehr Spass das Kind am Fußballspielen hat, desto eher kann eine langfristige Bindung zum Fußball entstehen. Die Förderung wird durch einfache Bewegungsaufgaben und Begeisterung am Fußball vermittelt. Die Trainingszeiten betragen bei den Bambinis (U7), F-Junioren (U8/U9) und E-Junioren (U10/U11) 60 Minuten am Tag.[41] Die Inhaltsbausteine der Bambinis stehen im Anhang (Nr. 1.3).

In der zweiten Stufen (SPIELEN-INTERESSE) werden die F- und E-Junioren mit den ersten Basistechniken (Dribbling, Passspiel, Ballkontrolle) konfrontiert. Anschließend sollen die Junglinge auch taktische Grundregeln (Raumaufteilung, Tore schießen und verhindern) erlernen. Ab der E-Jugend werden auch soziale Aspekte wie Fairplay oder das Siegen und Verlieren beigebracht.[42] Siehe Anhang (Nr. 1.4) für die Inhaltsbausteine der F- und E-Junioren.

[...]


[1] Vgl. http://www.welt.de/sport/article111915249/Messi-bricht-Torrekord-von-Gerd- Mueller.html , abgerufen am 28.03.2013.

[2] Vgl. http://www.tz-online.de/sport/fußball/jahr-2012-messi-trifft-beim-barcelona-zr- 2676111.html , abgerufen am 28.03.2013.

[3] Vgl. http://www.welt.de/sport/fußball/article13910386/Messi-Kein-Fußballer-sondern-ein- Ausserirdischer.html ,abgerufen am 28.03.2013.

[4] Vgl. http://www.focus.de/sport/fußball/championsleague/messi-ist-der-messias-schock-fuer- den-fc-barcelona-kommentar_4869734.html , abgerufen am 28.03.2013.

[5] Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fußball/weltfußballer-2012-messi-vor-ronaldo-und-iniesta-a- 876361.html , abgerufen am 28.03.2013.

[6] Vgl. Belmont and Belcourt Biographies (2012), S. 2-6.

[7] Carles Rexach zitiert in: Tanzen, M. (2012), S. 104.

[8] Vgl. Tanzen, M (2012), S. 104.

[9] Vgl. http://www.transfermarkt.de/de/lionel-messi/profil/spieler_28003.html ,abgerufen am 28.03.2013.

[10] Vgl. Hyballa, P./Te Poel H.-D. (2011), S.21.

[11] Joch, W. (1992), S. 83.

[12] Vgl. Ziegler, A./Heller, K.A. (2007), S. 116.

[13] Vgl. Jacob, L./Schultz, T. (2011), S. 58-59.

[14] Vgl. Nussbaum, C. (2007), S. 202.

[15] Singer, R. zitiert in: Joch, W. (1992), S. 85.

[16] Vgl. Huba, K.-H. (2007), S. 50.

[17] Joch, W. (1992), S. 85.

[18] Vgl. Joch, W. (1992), S. 85-86.

[19] Vgl. Joch, W. (1992), S. 86.

[20] Vgl. Weineck, J. (2004), 410.

[21] Vgl. Joch, W. (1992), S. 88.

[22] Joch, W. (1992), S. 88.

[23] Vgl. Joch, W. (1992), S. 88-89.

[24] Vgl. Deinet, U./Sturzenhecker, B. (1996), S. 83-84.

[25] Vgl. Röttger, S. (2013), S.11.

[26] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/sport/dfb-bundestag-regionalliga-als-reform-verlierer- 162853.html , abgerufen am 12.04.2013.

[27] Vgl. http://talente.dfb.de/index.php?id=519125, abgerufen am 12.04.2013.

[28] Vgl. Röttger, S. (2013), S.12.

[29] Vgl. http://www.dfb.de/uploads/media/dfb_rtk_flyer_A4_quer_01.pdf ,abgerufen am 12.04.2013.

[30] Vgl. Art. 6 II 2 GG

[31] Vgl. Nesemann, T. (2012), S. 12.

[32] Vgl. JArbSchg, § 2 I.

[33] Vgl. Nesemann, T. (2012), S. 39.

[34] Vgl. JArbSchg, § 5 III.

[35] Vgl. http://www.dfb.de/uploads/media/08_Jugendordnung_02.pdf.,abgerufen am 17.04.2013.

[36] Nationaltrainer von Deutschland (1998-2000).

[37] Nationalspieler von 1980 bis 2000.

[38] Jetzige Nationalspieler und Fußball Stars von Top-Vereinen.

[39] Vgl. Nesemann, T. (2012), S. 11.

[40] Vgl. http://talente.dfb.de/fileadmin/livebook/Ausbildungskonzeption/downloads/livebook.pdf , abgerufen am 19.04.2013.

[41] Vgl. Gerards, H.-W./Bischops, K. (2007), S. 15-16.

[42] Vgl. http://talente.dfb.de/fileadmin/livebook/Ausbildungskonzeption/downloads/livebook.pdf , abgerufen am 21.04.2013).

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
„Get them young“: Talentförderung im Fußball im internationalen Vergleich
Untertitel
Herausforderungen und Rahmenbedingungen europäischer Sportmärkte
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Veranstaltung
Wirtschaftspolitisches Seminar
Note
1,0
Autoren
Jahr
2013
Seiten
47
Katalognummer
V264487
ISBN (eBook)
9783656538783
ISBN (Buch)
9783656541172
Dateigröße
3360 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
talentförderung, fußball, vergleich, herausforderungen, rahmenbedingungen, sportmärkte
Arbeit zitieren
Ugur Yanik (Autor)Metin Düzenli (Autor), 2013, „Get them young“: Talentförderung im Fußball im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264487

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