„Wie erfährt man, dass es Gott gibt? Wie erfährt man, dass es Gott gibt? Dann sagt man mir, er wird sich dir Offenbaren“. Seven Kuntze steht in der Bäckerei der ‚Fazenda der Hoffnung‘, in Spanien. Der pensionierte ARD-Korrespondent und Moderator war ein dreiviertel Jahr auf der Suche nach seinem verlorengegangen Glauben und hat dabei die Reportage ‚Gläubig auf Probe‘ produziert. Auf seiner Reise begegnen ihm viele Menschen von denen Kuntze behauptet, die haben „mehr als ich“ . So besucht er unter anderem eine muslimische Familie, ein katholisches Kloster, eine buddhistische Gemeinde und ein Anwesen in Spanien, „wo Kriminelle und Drogenabhängige Kraft des Glaubens ihre allerletzte Chance bekommen sollen“. Auf einem Ausflug in seine alte Heimat gesteht er in einem Gespräch mit Ministranten, dass er irgendwann seinen Glauben verloren hat, „so wie man einen alten Regenschirm manchmal im Zug stehen lässt, weil draußen schönes Wetter ist“. Und nun steht er, mit 69 Jahren, in Spanien auf einem Anwesen und ruft verärgert: „Wie erfährt man, dass es Gott gibt? Wie erfährt man, dass es Gott gibt? Dann sagt man mir, er wird sich dir Offenbaren“.
Damit ist Kuntze auf das Kernproblem von Glaube und Religion gestoßen. Offenbarung ist Ausgangspunkt und Fundament von Offenbarungsreligion. Doch was heißt Offenbarung? Und wie erlangt der Mensch Gewissheit?
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
2 DER BEGRIFF OFFENBARUNG
3 KRITERIEN AN EIN KONZEPT DER OFFENBARUNG
4 KONZEPTION VON OFFENBARUNG BEI EILERT HERMS
4.1 Die Alltagsoffenbarung
4.2 Die echte Offenbarung
4.3 Die religiöse Offenbarung
4.4 Die christliche Offenbarung
4.4.1 Der spezifische Inhalt der christlichen Offenbarung
4.4.2 Der situative Anlass der christlichen Offenbarung
4.4.3 Die Wirkung der christlichen Offenbarung
4.5 Zusammenfassung der Konzeption
5 KRITIK AN DER KONZEPTION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert und bewertet kritisch die Offenbarungskonzeption des protestantischen Theologen Eilert Herms. Ziel ist es, das Konzept in den systematisch-theologischen Diskurs einzuordnen und zu prüfen, ob es eine nachvollziehbare Antwort auf die fundamentale Frage nach dem Glauben und der Gewissheit von Gottes Offenbarung in einer globalisierten Welt bietet.
- Verständnis von Offenbarung als alltäglicher Erschließungsvorgang
- Differenzierung zwischen Alltagsoffenbarung, echter und religiöser Offenbarung
- Besonderheiten christlicher Offenbarung hinsichtlich Inhalt, Anlass und Wirkung
- Die Rolle des Heiligen Geistes und des äußeren Wortes
- Kritische Reflexion des Glaubensbegriffs und der persönlichen Gottesbeziehung
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Alltagsoffenbarung
Der Begriff Offenbarung wird durchaus auch im Alltag verwendet. Gemeint ist damit ein Ereignis bei dem einem Menschen etwas erschlossen wird, was ihm zuvor unbekannt war und nun die Lebenswirklichkeit des Menschen verändert. An diesen, grundsätzlich vielen Menschen bekannten, Vorgängen knüpft Herms an und unterscheidet sechs Aspekte, die bei jedem „Erschließungsgeschehen“ auftreten.
Jedes Ereignis benötigt…
a.) eine „leibhafte, innerweltlich situierte Person[en]“ welche das Ereignis als solches erkennt und als Empfänger fungiert.
b.) einen Urheber, welcher das Geschehen begründet. Dies kann eine andere Person sein, aber auch der „Zufall“.
c.) „einen spezifischen Inhalt“ welcher zuvor außerhalb der Vorstellungskraft des Empfängers lag.
d.) eine für den Empfänger individuelle, „sozio-physische Situation“ welcher zu einem einzigartigen situativen Anlass wird.
e.) eine „leibhafte[r] Eigenaktivität“ des Empfängers.
f.) eine Wirkung, welche die Wahrnehmung des Empfängers und damit ihn selbst verändert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Die Einleitung beleuchtet das existenzielle Kernproblem von Glaube und Religion anhand einer Fallstudie über die Suche eines Journalisten nach Gewissheit.
2 DER BEGRIFF OFFENBARUNG: Dieses Kapitel definiert Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes und beschreibt deren fundamentale Bedeutung für die systematische Theologie.
3 KRITERIEN AN EIN KONZEPT DER OFFENBARUNG: Hier werden vier normative Kriterien aufgestellt, anhand derer ein christliches Offenbarungskonzept beurteilt werden muss.
4 KONZEPTION VON OFFENBARUNG BEI EILERT HERMS: Dieses zentrale Kapitel analysiert Herms' systematisches Modell, welches von alltäglichen Erschließungsvorgängen bis hin zur spezifisch christlichen Offenbarung reicht.
5 KRITIK AN DER KONZEPTION: Der Schlussteil unterzieht Herms' Modell einer kritischen Prüfung anhand der zuvor definierten Kriterien und identifiziert Stärken sowie Schwächen.
Schlüsselwörter
Eilert Herms, Offenbarung, Christliche Offenbarung, Gewissheit, Systematische Theologie, Erschließungsvorgang, Glaube, Heiliger Geist, Dogmatik, Ethos, Religiöse Offenbarung, Alltagsoffenbarung, Gotteserkenntnis, Rechtfertigung, Christliche Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Offenbarungstheologie des protestantischen Theologen Eilert Herms und versucht, dessen Konzeption verständlich darzulegen und wissenschaftlich kritisch zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von Offenbarung, die Ableitung spezifischer Kriterien für ein christliches Offenbarungskonzept sowie die Analyse des Verhältnisses von menschlicher Erfahrung und göttlicher Selbstmitteilung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine kritische Rekonstruktion des herms'schen Offenbarungsmodells, um dessen Leistungsfähigkeit bei der Beantwortung der Frage nach der christlichen Gewissheit zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der systematischen Rekonstruktion, bei der das Konzept anhand von vorab definierten Kriterien auf Schlüssigkeit, biblische Bindung und Transparenz hin analysiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des stufenweisen Konzepts von Eilert Herms – von der Alltagsoffenbarung bis zur christlichen Offenbarung – und eine anschließende kritische Diskussion dieser Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Offenbarung, Gewissheit, Glaube, Eilert Herms, Systematische Theologie und Erschließungsvorgang.
Wie unterscheidet Herms zwischen Alltagsoffenbarung und religiöser Offenbarung?
Formal unterscheiden sie sich nicht; beide basieren auf sechs Kriterien. Bei der religiösen Offenbarung sind jedoch der Urheber und der Inhalt die weltschöpferische Ursprungsmacht selbst.
Welche Kritik äußert der Autor am Offenbarungskonzept von Herms?
Der Autor kritisiert insbesondere den formalen Gottesbegriff, der unpersönlich bleibe, und hinterfragt die Möglichkeit der freiwilligen Ablehnung einer als Wahrheit offenbarten Gewissheit.
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- B. Sc. Christian Kißling (Author), 2012, Offenbarung und Gewissheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264606