Leistungsbeurteilung im kompetenzorientierten Religionsunterricht an Beruflichen Schulen


Seminararbeit, 2011

33 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gang der Arbeit

3 "Was ist Leistung im Religionsunterricht?"
3.1 Leistung in protestantischer Perspektive
3.2 Leistung in pädagogischer Perspektive
3.3 Leistung in religionspädagogischer Perspektive
3.4 Was leistet der Berufsschulreligionsunterricht?
3.5 Kompetenzen im Lehrplan Berufsschulreligions-unterricht des Landes Baden-Württemberg

4 Leistungsbeurteilung
4.1 Funktionen der Leistungsbewertung
4.2 Anforderung an die Leistungsbewertung
4.3 Bezugsnormen der Leistungsbewertung
4.4 Bewertung von Kompetenzen

5 Zusammenfassung und Ausblick

6 Literaturangaben

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Es ist Anfang des Schuljahres 2011/12. Ein Religionslehrer an einer Beruflichen Schule in BW geht in eine Klasse des Berufskollegs, um in der ersten Stunde mit den SuS über den Jahresplan zu reden.[1] Der Lehrer macht deutlich, dass der RU für die Schüler da ist. Er lässt sie selbst Themen auswählen, die in dem Jahr behandelt werden sollen. In der darauffolgenden Woche haben sich alle SuS vom RU abgemeldet.

Was waren die Gründe für die Abmeldung? Der Lehrer begibt sich auf Spurensuche. Formal sind es ‚Glaubens und Gewissensgründe‘, doch eine wesentliche Rolle spielt wohl, dass es aus Kapazitätsgründen keinen Ethikunterricht gibt und die SuS deshalb in der entsprechenden Zeit frei haben. Ein anderer Grund ist wohl das Gerücht, dass der Lehrer im RU einen gewissen Leistungsanspruch hat und nicht nur die Note ‚Sehr gut‘ verteilt. Ein Problem, das an Schulen immer wieder auftaucht.[2] In BW haben die SuS zu jedem Halbjahr die Möglichkeit sich vom RU abzumelden. Wie kann in einer solchen Situation von den SuS ernsthaft Leistung und angemessene Leistungskontrolle verlangt werden? Was bedeutet eigentlich Leistung? Was sollte der BRU leisten? Wie passt die Forderung nach Leistung, mit dem christlichen Menschenbild zusammen? Sollte der BRU sich an der Vergabe von Noten und Zeugnissen beteiligen? Welche Funktionen hat die Leistungsbewertung? Gibt es auch andere Methoden der Leistungsbewertung?

2 Gang der Arbeit

Die Arbeit ist in die Bereiche ‚Leistung‘ und ‚Leistungsbeurteilung‘ aufgeteilt.

Im Bereich ‚Leistung‘ wird zunächst untersucht, wie Leistung mit dem Verlangen nach Anerkennung und mit der Problematik von Angst zusammenhängt. Es ergibt sich die Notwendigkeit, den Begriff Leistung sowohl aus protestantischer, als auch aus pädagogischer Perspektive zu betrachten. Wird Leistung aus der Sicht der Rechtfertigungslehre und unter dem Aspekt des christlichen Menschenbildes betrachtet lautet die Prämisse, dass der Mensch ‚gerecht‘ ist ohne Leistung zu erbringen. Die Forderung nach Leistung im BRU könnte daher austheologischerSicht abgelehnt werden. Geht man aber vom pädagogischen Verständnis von Leistung und dem faktisch bestehenden aktuellen Leistungssystem der Schule aus finden sich jedoch gewichtige Argumente, die für die Forderung nach Leistung im BRU sprechen. Der Religionspädagoge ist in einem dritten Schritt gefordert, die beiden Sichtweisen zu vereinen. Nach sorgfältigem Abwägen der divergierenden Argumente ergibt sich eine leichte Tendenz, beim Leistungsprinzip der Schule zu bleiben - Allerdings unter der Bedingung, die Leistungsbewertung auf dem Hintergrund der Rechtfertigung zu betreiben und weiterzuentwick-eln. Vor allem muss dann geklärt werden,welcheLeistung überhaupt vermittelt werden soll?

Aus den ständig sich weiterentwickelnden Anforderungen der Wirtschaft an die Absolventen ergibt sich die Forderung nach Vermittlung notwendiger Kompetenzen, die den SuS allerdings auch grundsätzlich und unabhängig ihres späteren Wertegangs dienlich sind. In dieser Arbeit wird speziell auf die Kompetenzen des „Lehrplan für alle beruflichen Schularten mit Ausnahme des Beruflichen Gymnasiums, […]“[3] eingegangen.

Im zweiten Teil werden die Funktionen, die Anforderungen und die Bezugsnormen der Leistungsbewertung untersucht. Im letzten Punkt wird die Möglichkeit aufgezeigt, Kompetenzen mithilfe der Portfoliomethode zu bewerten.

3 "Was ist Leistung im Religionsunterricht?"

Diese Frage stellt Helmut Anselm (1976) in seinem Buch ‚Leistungsbewertung im Religionsunterricht der Kollegstufe-Studienstufe‘[4] und betont, dass die Frage „keinesfalls rhetorisch gemeint“[5] sei. Was als ‚Leistung‘ anzusehen ist, sei häufig (bewusst oder unbewusst) abhängig von der selektiven Erwartung des Lehrers, der Schule oder der Kirche.[6] Je nach Standpunkt ergibt sich dabei ein anderer Blickwinkel auf den Begriff ‚Leistung‘. Die Frage hat daher ihre Berechtigung und verdient erörtert zu werden.

‚Leistung‘ meint eine Handlung oder ein Handlungsergebnis welches von anderen als Verdienst anerkannt wird. Eine Handlung wird erst dann zu einer Leistung, wenn sie gewürdigt wird.[7] Leistung und Leistungsbewertung gehören daher untrennbar zusammen. Eine Person die etwas leistet tut dies, bewusst oder unbewusst mit der Absicht, dafür beachtet zu werden. Hinter jeder Leistung die eine Person erbringt steht die anthropologische Sehnsucht nach Anerkennung.[8] Anerkennung gegenüber sich selbst oder Anerkennung von Anderen. Die Sehnsucht nach Anerkennung ist zweifelsfrei mit Gefühlen verbunden. So ist auch das Erbringen einer Leistung mit Emotionen verbunden. Auch wenn die Behauptung von Lehrern aufgestellt wird, zwischen Person und die zu bewertenden Leistung trennen zu können bezieht ein Schüler eine Leistungsbewertung doch immer auf sich.[9] Eine ‚gute Note‘ kann einen Lernenden beflügeln und ihm Sicherheit geben. „Leistung kann Freude machen“[10], es kann Motivieren, Anreiz sein sich weiterzuentwickeln und hat daher zu Recht seinen festen Platz in der Schule.[11] Eine ‚schlechte Zensur‘ kann hingegen einen Lernenden deprimieren und Angst machen. Dabei muss sowohl der Angst eines ‚schlechten Schülers‘ vor den Auswirkungen seiner ‚schlechten Leistung‘, als auch der Angst eines ‚guten Schülers‘ vor der Möglichkeit abzustürzen Beachtung geschenkt werden.[12] Eine Schule in der Leistungsbewertung stattfindet kann damit keine angstfreie Schule sein.[13] Mit dieser Erkenntnis müssen Religionspädagogen umgehen, sollte Theologie doch dazu beitragen, Verlustangst und Versagensangst zu bewältigen und nicht durch Leistungsdruck Angst aufbauen.[14] Die (evangelische) Religionspädagogik hat somit zwei Aspekte im Blick auf den Begriff der Leistung zu berücksichtigen: Zum einen die ‚Leistung in protestantischer Perspektive‘ und zum anderen die ‚Leistung in pädagogischer Perspektive‘.

3.1 Leistung in protestantischer Perspektive

Zum christlichen Menschenbild gehört der Grundsatz der Gottesebenbildlichkeit eines jeden Menschen.[15] Gott hat jedem das „bedingungslose Erwünschtsein zugesprochen“[16]. Allein draus ergeben sich Wert und Würde eines Menschen und nicht aus seiner erbrachten Leistung.[17] Jede Person verdient, unabhängig von ihren Handlungen oder Handlungsergebnissen: Achtung, Anerkennung, Solidarität und Mitmenschlichkeit.[18]

Jeder Mensch hat unterschiedliche Begabungen und Fähigkeiten, dabei ist niemand vollkommen. In christlicher Sprache ausgedrückt: Alle Mensch sind „in Schuld, in Sünde; durch das Wirken, Sterben und Auferwecktwerden Jesu Christi werden Menschen aus Gottes Gnade durch den Glauben an Gott und sein Heil gerechtfertigt“[19]. Dieses „Heilshandel Gottes an dem Menschen“[20], nennen Christen ‚Rechtfertigung‘. Rechtfertigung ist „allein Zuspruch Gottes“[21], es bedarf keinerlei Leistung des Menschen.

Bizer (2002) weist zu Recht darauf hin, dass die Rechtfertigungslehre „kein brennendes Thema“[22] der Gegenwart mehr ist. Solange „es kein Sündenbewusstsein gibt, bedeutet auch Gnade nichts“[23]. Von einem Religionspädagogen und Theologen kann jedoch erwartet werden, dass die „Forderung Gottes“[24] noch eine Bedeutung hat. Für ihn hat demnach der Grundsatz zu gelten: „Der Mensch ist gerecht – ohne Leistung zu erbringen“[25]. Damit ist der fundamentale Blick auf die SuS aus protestantischer Sicht formuliert. Wie verhält sich nun dieses christliche Bild vom Menschen zur Pädagogik?

[...]


[1] Der Name der Schule und des Lehrers werden zum Schutz der Persönlichkeit hier nicht genannt.

[2] Vgl. Bergau, Wilfried, Denecke, Rainer, Feske, Fritz, Pabst, Jochen (Hrsg.), Arbeitshilfe für den evangelischen Religionsunterricht an Gymnasien, Hannover 1985, S. 89.

[3] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg, Bildungsplan für alle beruflichen Schulen mit Ausnahme des beruflichen Gymnasiums [etc.]. Evangelische Religionslehre / Katholische Religionslehre. Baden Württemberg., Villingen-Schwenningen 2003, S. 11f.

[4] Anselm, Helmut, Leistungsbewertung im Religionsunterricht der Kollegstufe-Studienstufe, Stuttgart, München 1976, S. 11.

[5] Anselm, Helmut, 1976, S. 11.

[6] Vgl. Anselm, Helmut, 1976, S. 11f.

[7] Vgl. Sacher, Werner, Leistungen entwickeln, überprüfen und beurteilen. Bewährte und neue Wege für die Primar- und Sekundarstufe, Bad Heilbrunn52009, S. 13.

[8] Vgl. Anselm, Helmut, 1976, S. 13.

[9] Vgl. Eisinger, Walter, Leistungsmessung. Theologische Erwägungen zu einem komplizierten Problem, entwurf, Religionspädagogische Mitteilung, 1975/2, S. 5. zit. nach Anselm, Helmut, 1976, S. 12.

[10] Anselm, Helmut, 1976, S. 12.

[11] Vgl. Eisinger, Walter, /2, S. 4f.

[12] Vgl. Gesell, Karl-Heinz, Rechtfertigung und Leistung. Theologische Perspektiven, forum religion /711975, S. 31.

[13] Vgl. Anselm, Helmut, 1976, S. 14.

[14] Vgl. Anselm, Helmut, 1976, S. 14.

[15] Vgl. Gen 1,27.

[16] Hilger, Georg, Welche Wirkung hat der Religionsunterricht?, in: Stephan Leimgruber, Hans-Georg Ziebertz, Georg Hilger (Hrsg.), Religionsdidaktik, Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf, München 2001, S. 265.

[17] Vgl. Hilger, Georg, 2001, S. 265.

[18] Vgl. Hilger, Georg, 2001, S. 265.

[19] Bizer, Christoph, Leistung - Gnade - Rechtfertigung, in: Gottfried Bitter, Rudolf Englert, Gabriele Miller, Karl Ernst Nipkow (Hrsg.), Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe, München 2002, S. 124.

[20] Bizer, Christoph, 2002, S. 124.

[21] Rainer Lemaire, Leistung und Leistungsbewertung im Religionsunterricht, 29.05.2006, http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/832/Leistung/Leistung%20im%20RU.pdf, 18.09.2011, S. 2.

[22] Bizer, Christoph, 2002, S. 125.

[23] Bizer, Christoph, 2002, S. 125.

[24] Bizer, Christoph, 2002, S. 125.

[25] Bizer, Christoph, 2002, S. 126f.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Leistungsbeurteilung im kompetenzorientierten Religionsunterricht an Beruflichen Schulen
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Wirtschaftspädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
33
Katalognummer
V264607
ISBN (eBook)
9783656539599
ISBN (Buch)
9783656539759
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistung, Leistungsbeurteilung, Rechtfertigungslehre, BRU, Kompetenzen, Portfoliomethode
Arbeit zitieren
B. Sc. Christian Kißling (Autor), 2011, Leistungsbeurteilung im kompetenzorientierten Religionsunterricht an Beruflichen Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264607

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