Klinisches Prozessmanagement. Die ungeplante Aufnahme auf der operativen Intensivstation


Projektarbeit, 2013
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Methodisches Vorgehen

3 Station Operative Intensivmedizin

4 Der Aufnahmeprozess
4.1 Was ist eine ungeplante Aufnahme
4.2 Die Prozesse der ungeplanten Aufnahmen
4.2.1 Notfälle
4.2.2 Andere Bereiche des Krankenhauses
4.2.3 Verlegung aus anderen Kliniken
4.3 Vollendung der Aufnahme

5 Der Prozess im 6-Ebenen-Modell
5.1 Aufbau des 6-Ebenen-Modells
5.2 Die ungeplante Aufnahme im 6-Ebenen-Modell

6 Diskussion und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Arbeitswissenschaftlichen Seminars „Klinisches Prozessmanagement“ der Technischen Universität Berlin fand eine enge Kooperation mit dem Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam statt. Während des Seminars wurden insgesamt drei Stationen des Klinikums von Studierenden besucht, beobachtet und anschließend analysiert. Unsere Gruppe hat sich mit der Operativen Intensivstation beschäftigt. Ziel des Seminars war es, die Prozesse einer ungeplanten Aufnahme auf der Intensivstation zu beobachten und zu dokumentieren und sie mit Hilfe von arbeitswissenschaftlichen Methoden zu analysieren und darzustellen. Eine theoretische Einführung in das Thema, sowie eine Einblicke in die Organisatorischen Abläufe und Hintergründe einer großen Klinik erhielten wir von dem Leiter der Station und Chefarzt Herrn Dr. Dirk Pappert. Zusätzlich erhielten wir eine ausgiebige Führung durch die Operationssäle des Klinikums und konnten hierdurch einen praktischen Eindruck des täglichen Klinikalltags gewinnen, welcher zu dem Allgemeinverständnis sehr wichtig war.

Die Problemstellung des Seminars ergibt sich aus dem Klinikalltag der Operativen Intensivstation, die Klinik ist in der Vergangenheit gewachsen und wurde erweitert. Hierdurch entstanden Arbeitsabläufe und es etablierten sich Handlungsabfolgen und Prozesse, welche häufig nicht dokumentiert oder standardisiert sind. Die unstrukturierten, intransparenten und komplexen Arbeitsaufgaben und Abfolgen erschweren eine gesamtheitliche Betrachtung aller Prozesse und machen eine Dokumentation unmöglich. Unser Ziel war es, diese Prozesse möglichst genau und exakt zu erfassen und darzustellen.

Die Relevanz dieser Aufgabe ergibt sich aus den Veränderungen der letzten Jahre. Zahlreiche Reformen im Gesundheitssektor zwingen die Krankenhäuser als (wirtschafts-)Unternehmen zu agieren und Gewinne zu erwirtschaften. Betriebswirtschaftliche Ziele konkurrieren mit der Gesundheit der Patienten und fordern eine schnelle Genesung der Betroffenen. Die Maximierung von Gewinnen ermöglicht notwendige Investitionen der Klinik und erfordert somit ein Umdenken im Umgang mit Patienten. Das Ziel der optimalen Behandlung und Gesundheitsversorgung der Patienten darf hierbei nicht hinter das Streben nach mehr Gewinn rücken. Bedingt durch diese Gefahr ist eine optimierte und effiziente Gestaltung von Arbeitsabläufen und Prozessen notwendig. Die Wirtschaftlichkeit einer Abteilung gewinnt an zunehmend an Bedeutung und ermöglicht eine optimale Betreuung der Patienten. Ziel ist eine optimale Auslastung der Kapazitäten, sowie eine angemessene Belastung und Beanspruchung der Mitarbeiter.

Mit der Einführung eines Fallpauschalsystems und den damit verbundenen DRG, diagnosebezogene Fallgruppen, wurde den Kliniken ein weiterer Anreiz zur wirtschaftlichen Behandlung ihrer Patienten geschaffen. Durch die pauschale Abrechnung standardisierter Krankheitsbilder und deren Behandlungsmethoden entstehen ökonomische Anreize in der Behandlung von Patienten. Erfolgt eine Behandlung erfolgreich und der Patient kann die Klinik bereits eher als kalkuliert verlassen, entsteht ein Überschuss für das Krankenhaus. Dies sind einige Faktoren im Gesundheitswesen, welche den (wirtschaftlichen-)Druck auf die Krankenhäuser erhöhen. Hierdurch steigt die Notwendigkeit, einen optimalen Prozess zu gestalten.

2 Methodisches Vorgehen

Im folgenden Kapitel werden die verwendeten psychologischen und arbeitswissenschaftlichen Methoden beschrieben und dargestellt. Ein wichtiger erster Schritt war die theoretische Einführung in die Aufbau- und Ablauforganisation des Krankenhauses, diese bildete die Grundlage der anschließenden Beobachtungen auf der operativen Intensivstation. Die Planung und die Schritte zum weiteren Vorgehen wurden regelmäßig überprüft und durch das Feedback angepasst. Das gesamte Vorgehen ist daher als iterativer Prozess zu betrachten. Die Aufgabe bestand darin, die Prozesse einer ungeplanten Aufnahme zu erfassen und kritische Merkmale zu identifizieren.

Um diese Aufgabe zu erfüllen, erfolgten zuerst Beobachtungen auf der Station. Diese wurden in der Anfangsphase jeweils zu zweit durchgeführt und erfolgten passiv. Es erfolgten in dieser Phase noch keine Rückfragen bei dem Stationspersonal, sondern lediglich Abläufe und örtliche Gegebenheiten dokumentiert. Im Anschluss wurden diese ersten Ergebnisse in der Gruppe besprochen, analysiert und das weitere Vorgehen abgeleitet. Hierauf folgte eine zweite Phase der Beobachtung, allerdings wurde diese nun aktiv durchgeführt. In relevanten Situationen wurden die Beteiligten Personen (Pfleger, Schwestern, Ärzte) angesprochen und zu ihrem Handeln befragt. Durch die hieraus gewonnen Antworten konnten weitere Fragen abgeleitet werden. Diese wurden nach gemeinsamer Formulierung an die Personen direkt gestellt. Je nach Themenschwerpunkt wurden entweder die Intensivschwestern oder Fachärzte befragt. Im Anschluss wurden durch die Anwendung der Critical Incident Technique besonders relevante und sicherheitskritische Punkte identifiziert. Hierbei wurde gezielt nach kritischen und sensiblen Situationen gefragt, welche von den Befragten persönlich erlebt oder beobachtet wurden. Mit Hilfe der bis dato gesammelten Informationen und Erkenntnisse, wurde ein halbstrukturiertes Interview mit dem leitenden Oberarzt durchgeführt. Dieses Interview stellte die letzte Phase unserer Datenerhebung auf der Intensivstation dar, im Anschluss wurden die gewonnen Daten und Prozesse zusammengetragen und geordnet. Unter Berücksichtigung dieser Daten wurden die Prozesse visualisiert und bereits einige sicherheitskritische Punkte identifiziert.(Luczak, 2010)

Durch die Anwendung der simulationsgestützten Prozessoptimierung ist es möglich, insbesondere in Risikobereichen, Veränderungen an einem System zu simulieren, ohne dabei die Gefahr von Unfällen oder Fehlern zu erhöhen. Insbesondere in der Klinik und auf der Intensivstation kann es durch geringe Änderungen oder Eingriffe so erheblichen Schäden kommen und unabsehbare Folgen hervorrufen. Daher eignet sich der Einsatz dieser Methode auch im Medizinischen Bereich. Sie wird in der VDI-Richtlinie 3633 als ein „Verfahren zur Nachbildung eines Systems mit seinen dynamischen Prozessen in einem experimentierbaren Modell, um zu Erkenntnissen zu gelangen, die auf die Wirklichkeit übertragbar sind“ definiert. In Anlehnung an diese Vorgehensweise wurde unsere Analyse durchgeführt. Die Anwendung einer Simulationsstudie ist ebenfalls ein iterativer Prozess und rundet somit das methodische Vorgehen ab (Luczak, 2010).

Das Verfahren der Simulation wurde ebenfalls in der Präsentation unserer Ergebnisse genutzt. Es galt die Prämisse, die gewonnen Ergebnisse, möglichst praxisnah und ansprechend zu präsentieren. Die theoretischen Ablauforganisatorischen Schritte sollten möglichst verständlich und nachvollziehbar erklärt werden. Aus diesem Grund erfolgte die Gestaltung der Präsentation unserer Ergebnisse als Verknüpfung von Simulation und Rollenspiel. In unterschiedlichen Sequenzen wurden Prozesse und Abläufe aus der ungeplanten Aufnahme dargestellt. Diese wurden von sogenannten „Freeze“-Szenen unterbrochen, in dieser Zeit wurden die relevanten und kritischen Punkte des Prozesses erläutert. Abschließend fand im Plenum eine angeregte und konstruktive Diskussion der Ergebnisse statt.

3 Station Operative Intensivmedizin

Mit der operativen Intensivstation (BB2) bietet das Ernst von Bergmann Klinikum seinen Patienten eine hochmoderne Form der Intensivtherapie an. Hauptaufgabe dieser Station ist es, die schwerkranken Patienten rund um die Uhr mit lebenserhaltenden Maßnahmen zu versorgen. Dies erfordert neben einem hohen Personalbedarf an Ärzten, Pflegern und Koordinatoren einen erheblichen technisch- apparativen Aufwand. Aufgenommen werden Patienten, die in lebensbedrohlicher Verfassung sind, etwa auf Grund einer Erkrankung, einer Verletzung oder weil sie im Anschluss an eine Operation eine intensive medizinische Überwachung seitens des Klinikpersonals benötigen. Die Schwerpunkte der Station liegen dabei in der Sepsisbehandlung und der Beatmungstherapie bei akutem Lungenversagen.

Das Team, unter der Leitung von Dr. Pappert, wird in einem Wochen- und Tagesplan in eine Früh- und eine Spätschicht eingeteilt. Die Leitung des Pflegeteams - die den größten Anteil am Personal haben - hat Jana Wricke. Sie koordiniert u.a. die Einteilung der Pfleger auf die jeweiligen Betten / Zimmer. Die Entscheidungsgewalt liegt beim diensthabenden Oberarzt, er entscheidet u.a. auch darüber, ob eine ungeplante Aufnahme stattfindet oder der Patient abgewiesen werden muss - dies hängt vor allem von der Bettenbelegung ab. Die Station wird mit 16 Betten geführt, die Personaldecke ist auf diese Patientenzahl ausgelegt. Physisch sind auf der Station 18 Betten vorhanden, die jedoch nur im äußersten Notfall belegt werden, weil es die Personalstruktur nicht ermöglicht zwei zusätzliche Patienten zu versorgen.

Die Planung der Station erfolgte in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Friesdorf vom Lehrstuhl der Arbeitswissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Er entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Klinikum ein völlig neues Konzept für die Intensivstation. So ist es Ihm u.a. zu verdanken, dass die Zimmer der Patienten mit besonders viel Tageslicht versorgt werden, was den Heilungsprozess positiv beeinflusst. Eine weitere, zunächst banal erscheinende Maßnahme, betrifft die Deckengestaltung der Behandlungszimmer. Während die Patienten im Bett liegen und bei Bewusstsein sind richten sie ihren Blick die meiste Zeit auf die Decke. Um Effekte, ähnlich wie die Angewohnheit jeden dargebotenen Text zu lesen, zu vermeiden, wurde bewusst auf eine musterartige Perforation der Decken verzichtet. Die visuellen Reize, die oft monoton und über lange Zeit auf einen Patienten während seines Aufenthalts einwirken, wurden also bewusst reduziert, um den Kognitivapparat des Patienten zu entlasten.

Wie in der nachfolgenden Abbildung zu sehen, verteilen sich die 18 Betten auf 11 Zimmer (türkise Markierung) entlang zweier Flure. Ihnen gegenüberliegend ist jeweils ein „Schwestern-Pool“ (rote Markierung), an denen das Personal administrative Arbeiten erledigt. Ebenso dienen die „Pools“ als Aufenthaltsort für das Personal und bieten ihnen optimale Sicht in die Zimmer der Patienten zur augenscheinlichen Überwachung dieser.

Abbildung 3-1 Stationsplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Zentrum der Station befindet das Materiallager. Dies hat vor allem den Grund, die Laufwege so kurz wie möglich zu halten. Im Lager sind diverse Artikel vorrätig, die für den alltäglichen Stationsbetrieb benötigt werden. Um die Verbreitung von Keimen o.ä. zu verhindern, verfügt die Station über einen Entsorgungsraum. In diesem werden Verbrauchsstoffe und -artikel bis zu ihrer Abholung aufbewahrt.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Klinisches Prozessmanagement. Die ungeplante Aufnahme auf der operativen Intensivstation
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Arbeitswissenschaft und Produktergonomie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V264761
ISBN (eBook)
9783656541011
ISBN (Buch)
9783656542452
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozessmanagement, Intensivstation
Arbeit zitieren
Anna Hudalla (Autor), 2013, Klinisches Prozessmanagement. Die ungeplante Aufnahme auf der operativen Intensivstation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264761

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