Meritokratie in Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an Universitäten

Unter Bezugnahme auf Max Weber


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zentrale Begrifflichkeiten

3. Ansätze und Theorien zur Hochschulpolitik

4. Berufungsverfahren in der Gegenwart

5. Schlussfolgerungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wie gestaltet sich die Lage eines absolvierten Studenten, der entschlossen ist, [sich] der Wissenschaft innerhalb des akademischen Lebens […] berufsmäßig hinzugeben“ (Max Weber 2002, S.474)? Diese Frage stellte Weber bei seinem Vortrag „Wissenschaft als Beruf“ am 7. November 1917 seinem Publikum. Er beschreibt das berufliche Schicksal der Individuen, die den Tätigkeitsbereich eines Professors wählen (vgl. Weiß 1989, S. 382). Er beschäftige sich bereits in jungen Jahren mit hochschulpolitischen Fragen, Martin Riesebrodt (1981) zählte in der Bibliographie zur Max Weber Gesamtausgabe ungefähr 25 publizistische Äußerungen Webers zur Hochschulpolitik alleine in den Jahren von 1908 – 1911.

Auch in der heutigen Zeit ist der Gegenstand von Chancen und Möglichkeiten von Akademikern/ Akademikerinnen, welche sich für eine akademische Laufbahn entscheiden, von höchster Relevanz. Durch die Tertiarisierung des Arbeitsmarktes und vermehrte gymnasiale Abschlüsse durch die Einbeziehung von arbeitsmarktlich ausgegrenzten Randgruppen wie Frauen oder Migranten, sind die akademischen Abschlüsse gestiegen, infolge dessen ist die Konkurrenz um Professuren gestiegen. Eine weitere Relevanz spielt in diesem Zusammenhang die geringe Anzahl vakanter Arbeitsplätze im akademischen Bereich (vgl. Jungbauer-Gans & Gross 2012, S.255). Einen zunehmenden ökonomischen Wandel der Universitäten durch internationalen Wettbewerb und konstanten finanziellen Mitteln bei steigenden Studierendenzahlen haben die Folge, dass Ressourcen auf der Basis von Kennzahlen beispielsweise Absolventenzahlen, Promotionszahlen oder Ausländeranteilen vergeben werden. Eine Beurteilung nach meritokratischen Prinzipen im Bewerbungsprozess ist nun besonders erforderlich (vgl. Jungbauer-Gans & Gross 2012, S.245). Andere Kriterien wie politische Orientierung, Rasse, Sprache oder weitere äußere Merkmale der Individuen, welche in früheren Zeiten für die Berufungschancen entscheidend waren, sind nicht zeitgemäß und diskriminierend. Für Weber sind die Beschäftigungsformen, welche der akademische Nachwuchs angeboten bekommt, vom Hasard bestimmt. Seine Aussagen stehen im totalen Widerspruch zum Selbstbild der Universitäten in Bezug auf ihre rationalen Auswahlprozesse in der heutigen Zeit. Die gegenwärtige Forschung beschäftigt sich hauptsächlich mit geschlechtsspezifischen Benachteiligungen in Berufungsverfahren. In dieser Arbeit werden alle äußeren Merkmale einer Person, welche sich negativ als Selektionskriterien auf ein Berufungsverfahren auswirken eingeschlossen. Aus dieser Thematik ist der Entschluss zur Untersuchung der „Meritokratie in Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an Universitäten unter Bezugnahme auf Max Weber“ entstanden.

Im ersten Teil dieser wissenschaftlichen Arbeit wird auf die wichtigsten Definitionen eingegangen, diesem folgen Webers Ansätze und Theorien zur Hochschulpolitik und deren Hintergründe. Beim Lesen der Texte Webers ist darauf zu achten, dass sich diese auf die Problematiken der damalig vorherrschenden Zeit beziehen. Hier werden Webers Inhalte abgeleitet und in Bezug auf die Universität wiedergegeben. Darauf aufbauend folgen aktuelle Forschungen und deren Ergebnisse aus der Gegenwart, welche im Nachgang mit Webers Theorien verknüpft werden. Im letzten Teil dieser Arbeit wird die Ergebniszusammenfassung vorgestellt.

2. Zentrale Begrifflichkeiten

„Das Berufungsverfahren stellt eines der zentralen hochschulinternen Steuerungsinstrumente für die Qualitätssicherung in Forschung und Lehre sowie für die Hochschulentwicklung dar“ (Wissenschaftsrat 2005, S.3). Im Folgenden wird auf die grundlegenden Abläufe eines Berufungsverfahrens eingegangen. Den Ablauf eines Berufungsverfahrens beschreibt Weber in seinem Vortrag „Wissenschaft als Beruf“. Die Habilitation eines Professors erfolgt zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Zustimmung des Fachvertreters, hierzu muss ein Buch oder das Examen des Bewerbers der Fakultät der Universität vorlegt werden. Die Anstellung als Dozent erfolgt ohne Besoldung, der Dozent erhält lediglich das Kolleggeld der Studenten. Der Vorlesungsgegenstand ist je nach Erlaubnis selbst wählbar (vgl. Weber 2002, S.474). Beamte werden von übergeordneter Instanz ernannt, ihre Vorgesetzten entscheiden über den Karriereverlauf (vgl. Weber 2005, S.163).

Die heutigen Berufungsverfahren sind vielschichtiger. Zunächst werden die Auswahlkriterien festgelegt und es erfolgt eine Ausschreibung über die vakante Stelle. Die Berufungskommission wählt die einzuladenden Personen aus dem Pool der Bewerbungseingänge aus und lädt sie zu einer persönlichen Anhörung ein. Im nächsten Schritt wird der Kreis der auswärtigen Bewerber/Bewerberinnen festgelegt und Gutachten über sie eingeholt. Aufgrund der Gutachten und eigener Erkenntnisse über den Bewerber/die Bewerberin in den Anhörungen erstellt die Kommission eine Reihung, welche sie in einem Kommissionsgutachten begründet. Der Fachbereich und die Hochschule nehmen den Vorschlag an – oder lehnen ihn ab - und das Ministerium oder die Universitätsleitung erteilt den Ruf. Das Berufungsverfahren ist beendet, wenn die Berufungsverhandlung stattgefunden hat und der Bewerber/die Bewerberin den Ruf annimmt (Färber & Spangenberg 2008, S.16f.). Zu beachten ist, dass sich die Berufungsverfahren von Universität zu Universität unterscheiden.

Meritokratie ist als weiterer grundlegender Begriff dieser Ausarbeitung zu nennen. Unter diesem Begriff ist eine „Herrschaftsordnung nach Maßgabe von Begabung und Leistungsfähigkeit des Einzelnen“ oder auch die „Herrschaft der Verdienten“ zu verstehen (Becker & Hadjar 2011, S. 39 & Hillmann 2007, S.559). In dieser Gesellschaft werden soziale Ungleichheiten nur als gerecht angesehen, wenn sie auf individuellen nichterbrachten Leistungen beruhen (Hillmert 2007). Alle Menschen haben dieselben Möglichkeiten durch eigene Leistungen an der Gesellschaft teilzuhaben und Chancengleichheit durch eigene Leistung zu erzielen. Die Meritokratie ist ein System, welches Aufstiegschancen nach Maßgabe der Begabung und Leistungsfähigkeit der Individuen vergibt. In Vergleich zu einer Gesellschaftsordnung, in der die Herrschaft über die Statushierarchie entscheidet, ist die Meritokratie die rationalste Form der modernen sozialen Demokratie (Hillmann 2007, S.559). Die Meritokratie als Leistungsprinzip ist die Voraussetzung für Produktivität in Industriegesellschaften (vgl. Hillmann 2007, S.493). Die Zielsetzung einer nach meritokratischen Aspekten handelnden Berufungskommission wäre somit das Nicht-beachten von äußeren Faktoren wie sozialem Status, Herkunft, Geschlecht und das reine Analysieren der bisher erbrachten Leistungen.

Die Begrifflichkeit des Berufs sind für Weber Leistungen einer Person, die „für sie Grundlage einer kontinuierlichen Versorgungs- oder Erwerbschance [bedeuten] … Zum Gegenstand selbstständiger und stabiler Berufe werden nur Leistungen, welche ein Mindestmaß von Schulung voraussetzen und für welche kontinuierliche Erwerbschancen bestehen“ (Weber 1972, S.80). Die Berufskultur hat für Weber ihren Ursprung im asketischen Protestantismus (vgl. Weiß 1989, S.371). Der Begriff des Berufs entwickelte sich in der christlichen Frühzeit aus kirchlichen Ordnungsvorstellungen heraus und war zunächst ein Tätigkeitsbereich, welcher die Grundlage der christlichen Lebensführung darstellte. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert während der Entwicklung des Städtewesens und Reformationsbewegungen wird die soziale Stellung eines Menschen aus einem göttlich gegebenen Schicksal abgeleitet. Aus der Berufung entstand ein innerer Ethos des Individuums, der von Gott zugewiesenen Aufgabe nachzugehen. Max Weber sah die moralische Aufwertung des Berufslebens als eine der „folgenschwersten Leistungen der Reformation“ in Bezug auf die Entwicklung des modernen Kapitalismus (vgl. Schäfers 2001, S.32f.). Gegenwärtig gibt es viele Definitionen zum Berufsbegriff. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass der Beruf eine Bandbreite von Wissen, Fähigkeiten oder Tätigkeiten ist, welche von einem Individuum erlernt und ausgeübt werden. Durch diese Fertigkeiten hat der Mensch die Möglichkeit, Leistungen in einem Arbeitsverhältnis zu erbringen (Schäfers 2001, S. 31). In der heutigen Leistungsgesellschaft entscheidet die Ausübung eines Berufs über die soziale Schichtzugehörigkeit eines Individuums und über seine Lebenschancen (vgl. Hillmann 2007, S.85f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Meritokratie in Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an Universitäten
Untertitel
Unter Bezugnahme auf Max Weber
Hochschule
Universität Hamburg  (Sozialökonomie)
Veranstaltung
Sozial- und Gesellschaftstheorien
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V265290
ISBN (eBook)
9783656614326
ISBN (Buch)
9783656614319
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
meritokratie, berufungsverfahren, professorinnen, professoren, universitäten, unter, bezugnahme, weber
Arbeit zitieren
Carina Gante (Autor), 2013, Meritokratie in Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an Universitäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265290

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Meritokratie in Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an Universitäten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden