Organisationen außerhalb des politisch-administrativen Systems im Bereich der Migrations- und Integrationspolitik in Bremen


Hausarbeit, 2013
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Theoriebildung und Zielsetzung

2. Definition der Begriffe
2.1 Der Erfolg von Integration
2.2 Merkmale von Organisationen
2.3 Merkmale von Migrantenselbstorganisationen

3 Forschung
3.1 Fallauswahl
3.2 Untersuchung und Auswertung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Quellen

1. Einleitung

Bereits in den siebziger Jahren, als die ersten Migrantenvereine gegründet wurden, haben sich Politikwissenschaftler mit ihren Inhalten und Zielen auseinandergesetzt. Zunächst wurden Migrantenvereine, später Migrantenselbstorganisationen, kritisch betrachtet. Soziologen wie Hartmut Esser und Friedrich Heckmann sahen in den Migrantenselbstorganisationen die Gefahr einer Abwendung der Eingewanderten von der Gesellschaft des Aufnahmelandes. Laut Heckmann unterstützen Selbstorganisationen sowohl neu Eingewanderte als auch bereits länger Ansässige, in dem sie als Interessenvertretung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft stehen, informieren, orientieren und beraten und außerdem soziale Netzwerke für Zugewanderte bilden (vgl. Heckmann 1992: 97 ff.). Jedoch „[entbindet] das Vorhandensein ethnischer Strukturen [von der Notwendigkeit], Kontakte außerhalb der eignen Gruppe zu suchen [...].", so Heckmann weiter (vgl. 1992: 115). Die Phänomene könne man aber durch einen erfolgreichen Integrationsprozess verhindern. Wenn also ein erfolgreicher Integrationsprozess in einer Migrantenselbstorganisation stattgefunden hat, dann „unterstützen sie [...] neu Eingewanderte [...]" (Heckmann 1992: 97 ff.). Doch welche Kursangebote sind für einen erfolgreichen Integrationsprozess ausschlaggebend? Ziel dieses Forschungspapier ist es die Kursangebote von Migrantenselbstorganisationen mit den Kursangeboten von Organisationen außerhalb des politisch-administrativen Systems1 (im Folgenden: PAS) in Bremen zu vergleichen, um die Theorie nach Heckmann (vgl. 1992: 97 ff.) bestätigen oder verwerfen zu können. Dabei werden die Organisationen als unabhängige Variable herausgegriffen und der Erfolg von Integration als abhängige Variable.

Für die weitere Bearbeitung der Forschungsfrage muss zunächst definiert werden was unter einem Erfolg von Integration zu verstehen ist und welche Merkmale für Organisationen außerhalb des PAS und für Migrantenselbstorganisationen spezifisch sind (Kap. 2). Anschließend folgt der Forschungsteil. Dafür wird zunächst die Fallauswahl bestimmt. Daraufhin werden die Kursangebote der Migrantenselbstorganisationen mit denen der Organisationen außerhalb des PAS verglichen (Kap. 3). Nach der Untersuchung und Auswertung folgt zum ein Fazit das die Ergebnisse und Probleme des Forschungspapiers zusammenfassen soll (Kap. 4).

2. Definition der Begriffe

Betrachtungsgegenstand dieses Forschungspapiers ist der Beitrag zur Integration durch Organisationen außerhalb des politisch-administrativen Systems im Bereich der Migrations- und Integrationspolitik in Bremen. Zur eindeutigen Festlegung des Begriffs „Erfolg von Integration" ist es zunächst notwendig „Integration" im gesellschaftlichen und politischen Kontext zu definieren (Kap. 2.1). Im Anschluss werden die Merkmale von Organisationen herausgearbeitet (Kap. 2.2), so dass abschließend näher auf einen besonderen Organisationstyp eingegangen werden kann: Die Migrantenselbstorganisation (Kap. 2.3).

2.1 Der Erfolg von Integration

Laut Schubert und Klein sei „Integration" unter anderem eine Bezeichnung für die gesellschaftliche und politische Eingliederung von Personen, die sich beispielsweise durch ethnische Zugehörigkeit, Religion und Sprache unterscheiden (vgl. bpb). Dabei werden zwei Arten von Integration unterschieden: Die Systemintegration, die sich auf ein soziales System als Ganzes bezieht und die Sozialintegration, die sich mit den individuellen Akteuren und deren Einbezug in ein bestehendes soziales System beschäftigt (vgl. Esser 2001: 3). Die Sozialintegration besteht dabei aus vier Dimensionen, denen vier Arten der Assimilation entsprechen (vgl. Tabelle 1, S. 5). Assimilation als Sozialintegration in das Aufnahmeland bedeutet dabei „das Verschwinden der systematischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen (etwa nach Bildung, Einkommen, Branchenverteilung oder Heiratsverhalten) unter Beibehaltung aller individuellen Ungleichheiten (etwa auch nach Bildung und Einkommen, aber auch nach politischer Orientierung, religiöser Überzeugung oder kulturellem Lebensstil).", so Esser (vgl. library.fes). Dementsprechend bedeutet Assimilation lediglich die Verringerung der sozialen Unterschiede zwischen Gruppen im Aufnahmeland.

Wie in Tabelle 1 zu sehen ist meint die kulturelle Assimilation vor allem eine Verringerung des Sprachdefizites durch das Erlernen und der Verwendung der Sprache im Aufnahmeland. Weitere Indikatoren der Kulturation seien die Normkenntnis und die Situationserkennung im Aufnahmeland (vgl. library.fes). Die strukturelle Assimilation beziehe sich auf den sozialen Aufstieg im Aufnahmeland der durch Indikatoren wie Bildung, Einkommen und Wohnsituation bestimmt werden kann (vgl. ebd.) . Die soziale Assimilation werde unter anderem durch interethnische Freundschaften, durch die Nachbarschaft oder auch durch Heirat festgelegt (vgl. ebd.). Die letzte Dimension entspreche der emotionalen Assimilation, die durch das Zugehörigkeitsgefühl und der Einbürgerungsbereitschaft definiert werden kann (vgl. ebd.). Für Esser sei dabei die Sprache der Schlüssel der Sozialintegration, gefolgt von einer anschließenden strukturellen Assimilation in das Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt (vgl. ebd.).

Tabelle 1: Dimensionen und Indikatoren der Integration nach Esser

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Erfolg von Integration entspricht in diesem Forschungspapier demnach den Dimensionen nach Esser. Je geringer also der Abstand zwischen den systematischen Unterschieden von Einheimischen und Zuwanderern ist, desto größer ist der Erfolg von Integration. Als maßgebender Indikator einer erfolgreichen Integration dienen die kulturelle und die strukturelle Assimilation. Aus diesem Grund wird in diesem Forschungspapier insbesondere aufdiese beiden Dimensionen eingegangen.

2.2 Merkmale von Organisationen

Der Soziologe Talcott Parsons hat Anfang der sechziger Jahre ein Vier-Funktionen-Schema (AGIL) entwickelt, dass Organisationen in wirtschaftliche (adaptation), politische (goal- attainment), sozial-integrative (integration) und kulturelle (latent patern maintance) Typen unterteilt (vgl. Apelt/ Tacke 2012: 10). Dementsprechend kann unter den Nachfolgenden Voraussetzungen jedes Unternehmen, jeder Verein oder jede Kirche als Organisation bezeichnet werden. Nach den Politikwissenschaftlern Alfred Kieser und Peter Walgenbach sind Organisationen „soziale Gebilden, die dauerhaft ein Ziel verfolgen und eine formale Struktur aufweisen, mit deren Hilfe die Aktivitäten der Mitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden soll." (Kieser/ Walgenbach 2007: 6).

Es zeigt sich also, dass sich Organisationen insbesondere durch ihre formale Struktur, ihre Mitglieder und ihre Ziele unterscheiden lassen. Wie bereits in Kapitel 2.1 beschrieben, ist der Erfolg von Integration von der kulturellen und der strukturellen Assimilation abhängig. Insbesondere die Ziele der Organisation zeigen, in wie weit auf die kulturelle und strukturelle Assimilation eingegangen wird. In diesem Forschungspapier wird davon ausgegangen, dass die Ziele die Summe und die Inhalte der Kursangebote wiederspiegeln. Aus diesem Grund werden die Ziele im Folgenden näher betrachtet.

Laut Kieser und Walgenbach sei in einer Organisation davon auszugehen, dass die Mitglieder persönliche Ziele besitzen, die sie durch Partizipation an der Organisation für sich erreichen möchten (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 7). Auch Ziele für die Organisation seinen denkbar, wie beispielsweise der Klassenerhalt in einem Fußballverein, so die Autoren weiter (vgl. Kieser/Walgenbach 2007: 8). Damit die Ziele der Mitglieder zu Zielen der Organisation werden müsse man diese sie in einem formalen, legitimierten Prozess, festlegen (vgl. ebd.). Zu finden sind die Ziele der Organisation unter anderem in Protokollen von Vorstandssitzungen, in Presseerklärungen oder in Geschäftsberichten (vgl. ebd.). In welchem Maß die Mitglieder der Organisation auf die Ziele einwirken können, ist dabei in den Satzungen und den Verfassungen der Organisation festgelegt (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 9). Ferner hängen die Organisationsziele auch von den gesellschaftlich und innerorganisatorisch vorbestimmten Machtpositionen der Gruppen ab (Kieser/

Walgenbach 2007: 10). Bei der Zielformulierung sind außerdem die Anforderungen von Wirtschaft und System zu beachten (vgl. ebd.). Da stets mehrere Ziele gleichzeitig formuliert werden, wird außerdem von einem Zielbündel der Organisation und nicht von einem Organisationsziel gesprochen (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 9). Einige Ziele der Organisation sind vage formuliert und dienen dazu, dass sich die Mitglieder mit der Organisation identifizieren können, aber auch der Abgrenzung gegenüber anderen Organisationen. „Wenn Ziele operational gehalten sind, so sind sie fast immer als Zufriedenheitsniveaus formuliert.", so Kieser und Walgenbach weiter (vgl. ebd.). Ein weiterer Aspekt der zu ergänzen ist, sei die Anlegung der Ziele auf längere Sicht (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 11). Dabei ist zu ergänzen, dass die dauerhafte Zielverfolgung unabhängig von Personen ist, die einzelne Stellen der Organisation besetzen (vgl. ebd.). Kieser und Walgenbach schreiben dazu: „Eine wesentliche Funktion von

Organisationsstrukturen besteht gerade darin, eine dauerhafte Zielverfolgung auch bei einem Wechsel von Personen sicherzustellen." (ebd.).

Des Weiteren wird eine Organisation durch ihre formale Struktur bestimmt. Diese dient primär der Verhaltenssteuerung der Mitglieder durch Regeln (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 17). Regeln entstehen dabei beispielsweise durch einen kollektiven Lernprozess der Organisationsmitglieder, also nach routinierter Wiederholung der Handlungsmuster, (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 21). Die Gesamtheit aller Regeln zur Koordination und Arbeitsteilung werde dabei als formale Organisationsstruktur bezeichnet (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 18).

Wie im letzten Abschnitt angedeutet wird das Verhalten der Mitglieder über die Organisationsstruktur gesteuert (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 12). In Arbeitsorganisationen basiere Mitgliedschaft dabei auf berechnendem Engagement und materiellen Belohnungen (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 13). Mitgliedschaften konkretisiert sich weiter in Verträgen zwischen den Mitgliedern und der Organisation (vgl. Kieser/ Walgenbach 2007: 15). Verstößt ein Mitglied gegen die im Vertrag festgelegten Bestimmungen so droht die Kündigung der Mitgliedschaft und der Ausschluss aus der Organisation (vgl. Kieser/Walgenbach 2007:16).

[...]


1 Als Organisationen außerhalb des PAS werden in diesem Forschungspapier all diejenigen zusammengefasst, die im speziellen keine Migrantenselbstorganisation sind (Definition vgl. Kap. 2.3)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Organisationen außerhalb des politisch-administrativen Systems im Bereich der Migrations- und Integrationspolitik in Bremen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V265316
ISBN (eBook)
9783656549680
ISBN (Buch)
9783656548249
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
organisationen, systems, bereich, migrations-, integrationspolitik, bremen
Arbeit zitieren
Jessika Luca (Autor), 2013, Organisationen außerhalb des politisch-administrativen Systems im Bereich der Migrations- und Integrationspolitik in Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265316

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