Alarich: Vom Beginn der Völkerwanderung bis zur Plünderung Roms


Seminararbeit, 2012

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Alarichs Weg nach Rom
1.1 Ethnogenese der Alarich - Goten
1.2 Alarich und Konstantinopel

2. Alarich im Ost – West – Konflikt

3. Alarich vor Rom
3.1 Die erste Belagerung von Rom
3.2 Die zweite Belagerung von Rom
3.3 Die Plünderung der ewigen Stadt

4. Was bleibt von Alarich und der ewigen Stadt Rom?

5. Literaturverzeichnis

6. Quellenverzeichnis

Einleitung

Alarich!?

Jeder Laie, der sich etwas mit antiker Geschichte auskennt, dürfte mit Sicherheit schon einmal etwas von Alarich I. gehört haben oder zumindest wissen, dass die ewige Stadt Rom, das Symbol römischer Machtansprüche, Anfang des 5. Jahrhunderts geplündert worden ist. Gegenstand dieser Seminararbeit ist die Geschichte des balthischen Adligen Alarich[1] und „seiner Goten“, dessen Bemühungen, im römischen Reichs Fuß zu fassen, zwar mit der Plünderung Roms vorerst scheiterten, dann aber in der Gründung des Tolosanischen Westgotenreiches 418 mündeten.

Über die Geschichte der Westgoten und ihrem großen Anführer Alarich existieren keine Darstellungen von gotischen Zeitzeugen. Alle Quellen, die uns zur Verfügung stehen, sind entweder übertrieben religiös determiniert oder durch die römische Sichtweise auf die „wilden Barbaren“ eingefärbt. Vom christlichen Befreier bis hin zum verrückt gewordenen Wilden können wir alles über die Person Alarichs lesen. [2]

Dieser Arbeit liegt neben vielfältiger Sekundärliteratur, die sich mit Alarich selbst, den Westgoten oder allgemein der Geschichte der Spätantike beschäftigt, auch zwei der wichtigsten spätantiken Quellen für dieses Thema zu Grunde. Das sind, das sechsbändige Werk des griechischen Historikers Zosimos (lat. Zosimus) „Neue Geschichte“ und die „Gotengeschichte“ des römischen Geschichtsschreibers Jordanes. Jedoch sollten wir besonders von Jordanes nicht zu viele Erkenntnisse erwarten. Seine Historiographie lässt acht Jahre, unmittelbar vor der Plünderung Roms außer Acht und sieht die Vorkommnisse eher als Manifestierung der gotischen Herrschaft. [3] Der Alarich des Zosimos hingegen ist weniger ein eigenständiger Führer, der nach großer Macht strebt, als mehr ein Instrument römischer Macht. Auch kanalisiert der Geschichtsschreiber durch seine Alarich-Figur die Meinung, dass Rom durch die Abkehr vom alten Götterglauben den Goten zum Opfer fiel. Zosimos konnte seine Historiographie aus unbekannten Gründen auch nicht fertig stellen. Somit erfahren wir letztendlich über die Plünderung Roms vom griechischen Historiker Zosimos leider auch nichts.[4] Mischa Meier und Steffen Patzold stellten schon im Titel des Prologs ihres Buches „August 410 – Ein Kampf um Rom“ fest, dass besonders die Plünderung Roms ein Ereignis mit vielen Geschichten ist.[5]

Diese Seminararbeit versucht sich in die Liste dieser Aufarbeitung der Ereignisse um den Gotenführer Alarich einzureihen. Wir werden sehen, wie die Ethnogenese der Westgoten begann und wie eng verknüpft sie mit dem Namen Alarich war. Und – wie er es schafft, eine gewichtige Rolle im kaiserlichen Machtgefüge zu spielen, ohne in diesem integriert gewesen zu sein. Ich werde den Weg Alarichs bis zur Plünderung Roms im August 410 skizzieren und seine politische Zusammenhänge erläutern.

1. Alarichs Weg nach Rom

1.1 Ethnogenese der Alarich - Goten

Damit wir die Rolle der Alarich-Goten, die auch als Westgoten bezeichnet werden und dessen Absichten verstehen können, müssen wir uns zunächst die Frage stellen:

Wer waren die Alarich-Goten und wo kamen sie her?

Einen ersten Zugang dazu ermöglicht uns die Ursache der Völkerwanderung. Der Beginn der Völkerwanderung wird mit dem Einfall der Hunnen Mitte des 4. Jahrhunderts in Europa gesetzt. Die Nomadenstämme, deren Ursprung wir in Zentralasien vermuten, überrannten die Völker des Balkans buchstäblich. Alanen, Greutungen, Terwingen, Sarmaten und viele weitere konnten diesem Sturm nichts entgegensetzten. So war es kaum verwunderlich, dass viele Teile dieser Stämme die Donau überquerten, um Schutz im römischen Reich zu suchen. [6]

Sie baten Kaiser Valens 376 um Zuflucht im Imperium Romanum und dieser gewährt es ihnen schließlich auch. Damit standen die Tore zum römischen Reich erstmals offen, sodass große Menschenmassen sich dorthin flüchten konnten. Aber selbst der fortschrittliche Verwaltungsapparat der Römer war diesem Ansturm nicht gewachsen und letztendlich trugen Korruption und Unterversorgung dazu bei, dass die aufgenommen Flüchtlinge rebellierten. Nach kleineren Zusammenstößen kam es dann am 9. August 378 zu einer der großen Schlachten der Völkerwanderung bei Adrianopel. Kaiser Valens unterschätze seine terwingischen und greutungischen Gegner und verlor die Schlacht, in der er selbst auf dem Schlachtfeld blieb. Sein Nachfolger Theodosius I. bekam die Situation jedoch wieder unter Kontrolle. Nicht zuletzt, da auch die Gegenseite um Ausgleich bemüht war. Er gab den greutungischen Verbänden im Jahre 380 Siedlungsgebiet in Pannonien. Mit den terwingischen Gruppierungen kam er 382 überein und schloss im selben Jahr einen Vertag mit allen Flüchtlingsverbänden. Dieser Vertag (foedus) machte sie zu autonomen Siedlern auf römischem Gebiet, mit Verpflichtung zur Waffenhilfe gegenüber Rom. Dies war ein Meilenstein auf dem Weg zur westgotischen Ethnogenese. Im fortlaufenden behandele ich all diese Gruppierungen unter dem Namen Westgoten.[7] Die Nachfahren dieser Westgoten wiederrum können wir als Kern der Alarich-Goten betrachten. [8] Jedoch werden wir im Laufe der weiteren Betrachtungen noch feststellen, dass dies keineswegs „die Goten“ waren, die 410 Rom plünderten. [9]

Rücken wir nun den Anführer Alarich in den Fokus der Betrachtung. Kulikowski meint: „Alarich ist eine der wichtigsten Figuren in der gesamten Geschichte des späten römischen Imperiums.“[10] Durch die autonome Eingliederung im römischen Reich gewannen die Goten einen Einblick in die Strukturen des Reiches. Da verwundert es nicht, dass viele Adlige ihr Glück auf der Karriereleiter des römischen Dienstes suchten. Viele von ihnen dürften in ihrer Heimat eine breite Machtbasis besessen haben, die sie folglich nun missen mussten. Was lag da näher, als Offizier der römischen Armee zu werden, denn wenn die Völker des Balkans eines waren, dann kampferprobt. Alarich sollte diesen „konventionellen“ Weg jedoch nicht einschlagen, sondern blieb bei seinem Gefolge und wurde ihr Anführer. Dennoch erklomm er ein Stück der Karriereleiter. Er wurde römischer General ohne römische Armee und westgotischer König ohne Königreich. [11]

Erste Aktivitäten des späteren Bezwingers Roms lassen sich im Jahre 391 festmachen. Vermutlich brachen er und seine Männer den foedus von 382 aus Unzufriedenheit und zogen plündernd nach Süden. Eine weitere Person, die uns in den folgenden Kapiteln noch einschlägiger beschäftigen wird, betritt zu diesem Zeitpunkt ebenfalls die historische Bühne: Flavius Stilicho. Er war zu diesem Zeitpunkt ein General des Kaisers Theodosius, weist Alarich in die Schranken und lässt den foedus von 382 erneuern. Um an dieser Stelle auf die Ethnogenes der Alarich-Goten zurück zu kommen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wir auch zu diesem Zeitpunkt noch von einem starken Fluss der Zu- und Abwanderung in Alarichs Gefolge sprechen müssen. Bis man von einem gefestigten Stamm unter Alarichs Führung ausgehen konnte, bedurfte es noch weiterer Ereignisse.

Das Erste war die Schlacht am Fluss Frigidus 394. Alarichs Truppen kämpften im Namen Theodosius gegen den Usurpator Eugenius an vorderster Front und erlitten große Verluste. Da es möglicherweise sogar durch Theodosius eingefädelt worden war, um die Goten zu dezimieren, waren Alarich und sein Gefolge darüber umso verärgert. Stark geschwächt zogen sie sich zurück in ihr Siedlungsgebiet nach Thrakien. Zu allem Übel gelang es den Hunnen in diesem Winter auch die Donau zu überqueren, so dass Alarichs Goten einen weiteren Rückschlag hinnehmen mussten und in Richtung Konstantinopel flüchteten. Den „Koffer“ voller Forderungen und mit einem König an ihrer Spitze zogen sie plündern durch Griechenland in Richtung der Ostmetropole Konstantinopel.

[...]


[1] Vgl. IORDANES : Jordanis Gotengeschichte, hrsg. von Alexander Heine und übers. von Wilhelm Martens, Essen 1986 (2., verb. Aufl.), XXIX. S.76 „Sein Adel war nach dem der Amaler der höchste; denn er stammte aus dem Geschlecht der Balthen[…]“.

[2] Vgl. MEIER, Mischa (Hrsg. ): Sie schufen Europa. historische Portraits von Konstantin bis Karl dem Großen, München 2007, S.45-47.

[3] Vgl. MEIER, Mischa / PATZOLD, Steffen : August 410 - ein Kampf um Rom, Stuttgart 2010, S.109.

[4] Vgl. MEIER / PATZOLD : August 410 - ein Kampf um Rom. S.92f.

[5] Vgl. Ebd. S.9ff.

[6] Vgl. MARTIN, Jochen: Spätantike und Völkerwanderung (Grundriss der Geschichte Bd. 4), München 2001 (4., unveränd. nachdr. der 3. überarb. und erw. Aufl. 1995), S.35.

[7] Vgl. MEIER (Hrsg.): Sie schufen Europa. S.45-47.

[8] Vgl. HEATHER, Peter J. / KOCHMANN, Klaus (Übers. ): Der Untergang des Römischen Weltreichs, Stuttgart 2007, S. 250 „Alarichs Goten waren die direkten Nachfahren der Terwingen und Greutungen, die mit Theodosius den Kompromißfrieden von 382 ausgehandelt hatten.“.

[9] Vgl. KULIKOWSKI, Michael : Die Goten vor Rom, Stuttgart 2009, S.159.

[10] KULIKOWSKI: Die Goten vor Rom. S.159.

[11] Vgl. Ebd. S.158.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Alarich: Vom Beginn der Völkerwanderung bis zur Plünderung Roms
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Die Goten und das Römische Reich
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V265333
ISBN (eBook)
9783656549581
ISBN (Buch)
9783656548218
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe mich entschlossen, diese Arbeit zu publizieren, da ich ein äußerst positives Feedback erhalten habe. Der Professor hätte mir gerne eine bessere Note gegeben, er konnte jedoch nicht über den formalen Fehler hinwegsehen, dass ich hinter Fußnoten und Literaturnangabe keine Punkte gesetzt habe. Die Arbeit wurde von mir überarbeitet und verbessert!
Schlagworte
alarich, beginn, völkerwanderung, plünderung, roms
Arbeit zitieren
B.Ed. Axel Sylvester (Autor), 2012, Alarich: Vom Beginn der Völkerwanderung bis zur Plünderung Roms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265333

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