Die Krankheiten in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2. Der Ursprung Heinrichs Krankheit
2.1.Die widerstreitenden Thesen
2.1.2. Die Sünde- Strafe-These
2.1.3. Die Prüfung-Gottes- These

3. Die Krankheit des Mädchens
3.1. Das Mädchen als zweite Hauptperson
3.1. 1. Chiasmus der Handlungsstränge
3.2. Die Beschaffenheit der Krankheit

4. Die Heilung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Literatur des Mittelalters lassen sich immer wieder die Motive der unheilbaren und lebensbedrohlichen Krankheit finden. Das Leiden an einer solchen Krankheit wird sowohl als Nebenhandlung, aber auch als Haupthandlung in das Erzählgeschehen eingebunden und determiniert so einen grundlegenden Teil dieser Literatur.

Dies beruht sicherlich auf der weitläufigen Verbreitung dieser Krankheiten, was dazu führte, dass Menschen dieser Zeit sich stets damit auseinandersetzen mussten. Wie viele Erscheinungen, die das Leben einschränken und bedrohen, somit massive Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben, schlägt sich diese allgegenwärtige Auseinandersetzung auch in der Literatur nieder.

Interessant ist hier insbesondere die damalige Sichtweise auf den Ursprung dieser Krankheiten. Als konkretes Beispiel ist hier die Lepra zu nennen, von der angenommen wurde sie habe einen religiösen Ursprung und sei durch eine des Erkrankten begangenen Sünde hervorgerufen wurden.

In diesem Kontext ist vor allem das Werk Hartmanns von Aue „Der arme Heinrich“ ein interessantes Untersuchungsfeld. In ihm erkrankt ein hochadliger Ritter (Heinrich) am Aussatz und dies obwohl er als nahezu perfekter (mittelalterlicher) Mensch in die Erzählung eingeführt wird. Unter Einbeziehung seines bis dahin fehlerlosen Lebens entsteht hier nun die Frage nach dem Ursprung seiner Krankheit. Die Erklärung einer begangenen Sünde als Ursprung seiner Erkrankung ist (trotz der Meinung einiger Interpreten) kaum haltbar. Ein Ziel dieser Arbeit soll es also sein den Ursprung dieser Krankheit mit Hilfe anderer Interpretationsansätze zu klären. Wichtig ist hierbei, dass sich die Arbeit trotzdem im religiösen Rahmen, der das damalige Leben bestimmte verbleiben wird. Es geht also nicht darum reale medizinische Erklärungen zu finden sondern darum das Werk zu interpretieren.

Bemerkenswert ist an Hartmanns von Aue „Der arme Heinrich“ ebenso die Krankheit der zweiten Hauptfigur, eines Mädchens. Hier handelt es sich um einen Interpretationsansatz, der in der Forschungsliteratur nur knapp abgehandelt wird. Allein durch die quantitativen Proportionen der Erzählung (im Mittelteil dominiert dieses Mädchen das Gedicht) scheint es mir jedoch unmöglich nicht auch auf ihre Krankheit einzugehen. Die für den Leser entstandenen Fragen nach Art und Ursprung der Krankheit sowie Zusammenhang

mit der Gesamterzählung werde ich zu gegebener Zeit noch mal aufgreifen und beantworten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Arbeit

- auf den Ursprung Heinrichs Krankheit und
- auf die Krankheit des Mädchens sowie deren Beschaffenheit eingehen wird.

Abschließend wird sich diese Arbeit mit →der Heilung beider (Haupt)Figuren auseinandersetzen, wobei hier der Schwerpunkt auf Heinrich (warum dies so beschaffen ist ergibt sich aus dem Gedicht Hartmanns von Aue, das selbst seinen Schwerpunkt auf die Heilung Heinrichs legt) liegt.

2. Der Ursprung Heinrichs Krankheit

2.1.Die widerstreitenden Thesen

Wie in der Einleitung bereits erwähnt existieren in der Forschungsliteratur zwei widerstreitende Thesen, die beide versuchen den Ursprung Heinrichs Krankheit zu klären. Hier handelt es sich einerseits um die These einer göttlichen Strafe und andererseits um die einer göttlichen Prüfung. Schon in der Einleitung habe ich die erste These verworfen. Hier soll nun verdeutlicht werden warum dies geschah.

2.1.2. Die Sünde- Strafe-These

Die These einer göttlichen Strafe beruht hauptsächlich auf der Vorstellung der damaligen Menschen (siehe Gliederungspunkt 1.Einleitung). Dies allein macht sie jedoch nicht verständlicher und in keinem Falle richtiger. Zwar ist es zweifellos der Fall, dass die Vergiftung des Körpers als Merkmal für die Vergiftung der Seele angesehen wurde und die Lepra somit als Merkmal der Sündhaftigkeit, jedoch ist dies nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Text im speziellen Fall des „Armen Heinrichs“ kaum haltbar. Denn Heinrich führt ein Leben, dass einzig und allein von guten Taten bestimmt wird. Im Text wird dies durch einen ausschweifenden Tugendenkatalog beschrieben, der kaum positive Eigenschaften vermissen lässt (vgl. Der arme Heinrich, Vers 36-74). Ebenso wird verdeutlicht, dass sein Leben und Handeln von einer christlichen Ethik geprägt ist (vgl. Der arme Heinrich, Vers 64 und Vers 70). Es ist wohl richtig, dass Heinrich durch sein angenehmes Leben verwöhnt, seine Beziehungen zu Gott vernachlässigt hat (vgl. Tobin 1973, S.83). Doch hier handelt es sich um kein willentliches Vergehen und somit ist auch die These von Datz widerlegt (Datz 1973, S.220), in der er ausführt wird, dass bereits der Vorsatz zum Bösen Sünde sei. Heinrichs Verhalten spiegelt in keinem Falle ein geplantes Vergehen wider und sicher ist, dass er seine transzendenten Beziehungen nicht willentlich vernachlässigt hat.

So lässt der Text keine Leerstellen, die seine Sündhaftigkeit untermauern könnten. Lediglich Heinrichs Selbstanklage (vgl. Der arme Heinrich, Vers 383 ff) scheint die Sünde-Strafe- Theorie zu untermauern. Hier wird jedoch übersehen, dass es sich um eine Selbstanklage Heinrichs und nicht um eine Anklage des Erzählers oder einer anderen Figur der Erzählung handelt. Heinrich selbst ist zum Zeitpunkt dieser Anklage verzweifelt und schwelgt im Selbstmitleid über seine hoffnungslose Situation. Dass Heinrichs Gedanken zu diesem Zeitpunkt wohl kaum von Vernunft getragen werden gibt uns Hartmann von der Aue dadurch zu verstehen, dass Heinrich einerseits seine mangelnde Gottesfürchtigkeit als Ursache seiner Krankheit aufführt, aber andererseits den Tod des Mädchens in Kauf nehmen würde (und dies entspricht nicht der christlichen Auffassung, vgl Die Bibel: Römer 5,10). Heinrich versucht die Gründe seines Übels selbst zu erkennen und zu benennen anstatt sich in die Hände Gottes zu begeben und diesem auch in Hinblick auf die Zukunft zu vertrauen.. Hier liegt zwar ein Fehlverhalten Heinrichs vor, welches aber wohl kaum seine Krankheit bedingt haben kann. Hier ist wichtig zu betonen, dass dies sicher nicht der Grund für seine Krankheit sein kann, da er zum Zeitpunkt seiner Selbstanklage ja bereits erkrankt ist. Also untermauert das fehlende Vertrauen auf Gott in diesem Moment nicht die Sünde-Strafe-These.

2.1.3.Die Prüfung-Gottes-These

In keinem Fall soll die Arbeit zeigen, dass nur aufgrund des Ausschluss der Sünde-Strafe-These die Prüfung-Gottes-These automatisch die richtige ist. Vielmehr möchte ich diese nun anhand bestimmter Textstellen untermauern und unabhängig von der Falsifizierung der ihr gegenüberstehenden These als einzig richtige kennzeichnen.

Einen wichtigen Ansatzpunkt für die Richtigkeit der Prüfung-Gottes-These bilden die zahlreichen und unübersehbaren Vergleiche mit der biblischen Figur Hiob ( siehe bsplw. Der arme Heinrich, Vers 138 ). Hartmann von Aue wurde in seinem dichterischen Schaffen entscheidend durch die Erzählungen der Bibel beeinflusst. Dies wird nicht nur durch das

Hiob-Motiv deutlich sondern auch durch ein biblisches Zitat Hartmanns, das den Umbruch des Glückes darstellt (vgl. Der arme Heinrich, Vers 92-93). Ebenso bestehen keine Zweifel, dass die Krankheit Heinrichs allein durch Gottes Hand verursacht wird (vgl. Der arme Heinrich, Vers 116 und Vers 120).

Die Krankheit kann also als Prüfung Gottes interpretiert werden, hat man das Hiobmotiv im Hinterkopf. Jedoch verhält sich Heinrich in bezug auf die Annahme seines Schicksals konträr: Hiob erträgt sein Schicksal vorbildlich, da er Freude am Leben und auch sein Vertrauen in Gott behält, wohingegen Heinrich in tiefe Trauer und Selbstmitleid verfällt. Hier befinden wir uns wieder bei der Textpassage Heinrichs Selbstanklage (vgl. Der arme Heinrich, Vers 383-458). Dahlgrün ist der Auffassung, dass an dieser Reaktion deutlich wird, dass Heinrich vor Gott unvollkommen ist. Hier ist meinerseits noch mal zu betonen, dass Heinrich trotzdem vorher vollkommen war; so gehört es jedoch zu einer vollständigen Vollkommenheit gegenüber Gott nicht nur in guten Zeiten auf ihn zu vertrauen, sondern auch bzw. gerade in schlechten Zeiten. Folglich übernimmt die Krankheit die Funktion einer Art Läuterungsprozess, durch den Heinrich auf den richtigen Weg geführt werden soll (vgl. Dahlgrün 1991, S.144). Es ist wohl richtig, dass Heinrich, verwöhnt durch sein angenehmes Leben, seine Beziehung zu Gott vernachlässigt hat. Doch hat er sich keinesfalls willentlich eines Vergehens schuldig gemacht, welches eine solche Bestrafung verdienen würde (vgl. vorheriger Gliederungspunkt). Außerdem würde es kaum Sinn ergeben, wenn Gott Heinrich für seine Weltfreude bestrafen wollte und ihm anschließend noch mehr Ansehen und Reichtum schenken würde. Dieser Umstand lässt sich nur erklären legt man die Prüfung-Gottes-These zu Grunde: Heinrich erhält diesen Wohlstand als Belohnung für die bestandene Prüfung. Der Ursprung der Krankheit ist also nicht in einem sündhaften Leben sondern in einer Prüfung Gottes zu sehen.

[...]

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Details

Titel
Die Krankheiten in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich"
Hochschule
Universität Mannheim  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V26535
ISBN (eBook)
9783638288392
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krankheiten, Hartmanns, Heinrich, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Gwendolyn Schrott (Autor), 2002, Die Krankheiten in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26535

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