Osteuropa. Reformen, Parteien und Institutionen im Umbruch


Rezension / Literaturbericht, 2012
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autoren

3. Inhaltliche Schwerpunkte

4. Zielgruppenanalyse

5. Methodische Vorgehensweise

6. Verständnismöglichkeit und Lerngewinn

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegen Ende der 1980er Jahre setzte in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes eine Erosion des Machtanspruchs der kommunistischen Führungskräfte ein. Die autoritär, beziehungsweise teilweise auch totalitär, regierten Staaten konnten in Anbetracht von nicht mehr zu bändigenden Mangelwirtschaften und der negativen Auswirkungen von Bevormundung sowie durchaus vorhandenen sozialen Missständen keine Stabilisierung oder Reform der staatsozialistischen Regime erreichen. Reformbestrebungen wie Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow waren Ansatzpunkte von gesellschaftlichen Reformen unter kommunistischem Regime, die dem Machterhalt der bestehenden Führungskräfte dienen sollten, jedoch tatsächlich auch keinen Systemwandel verhindern konnten.

Die Systemumstürze, die dominoartig in den osteuropäischen Staaten abliefen, erzeugten ein Machtvakuum, welches in der Folge durch verschiedenste Akteure ausgefüllt wurde. Nicht nur in dieser Hinsicht war eine Situation entstanden, die den damals beteiligten politischen Gruppierungen und Parteien, eine ungewohnt große Verantwortung und gleichzeitige Gestaltungsfreiheit für die Zukunft der jeweiligen Regionen gab. Die Entscheidungen, die zu Beginn des Transformationsprozesses getroffen wurden, prägten die Entwicklungen vieler osteuropäischer Staaten bis zur heutigen Zeit. Die Akteurspositionen bezüglich institutioneller Fragen und der Ausrichtung von damals dringend notwendigen Reformen stehen dabei, ebenso wie die Akteure selbst, im Fokus von wissenschaftlichen Analysen des Umbruchs in Osteuropa.

Im Rahmen dieses Literaturvergleichs wurden in dem Zusammenhang die Monografien „Parteien in Osteuropa. Kontext und Akteure.“ und „Institutional Design in Post-communist Societies“ sowie die Herausgeberschaft „Reformen und Reformer in Osteuropa“ als Vergleichsgrundlage genutzt. Zu Beginn werden die Autoren kurz vorgestellt, um spezifische Betrachtungsweisen und Prägungen der Wissenschaftler erkennen zu können, die gegebenenfalls die Art und Weise des Umgangs mit der Systemtransformation in Osteuropa beeinflussen könnten. 2

Darauffolgend werden die unterschiedlichen Schwerpunkte der Bücher näher beschrieben und die Fragestellungen der Autoren vorgestellt. Anschließend wird die von den Autoren adressierte Zielgruppe definiert und es erfolgt eine Kategorisierung der Bücher in eine bestimmte Literaturgattung.

Weiterhin wird die Methodik der Faktendarbietung der Autoren vorgestellt. Bevor letztlich ein Fazit vollzogen wird, erfolgt eine begründete Beurteilung der Bücher hinsichtlich der Verständnismöglichkeit und des Lerngewinns für Leser ohne Vorkenntnisse.

2. Autoren

Zu Beginn soll hier auf die Autoren der drei Bücher eingegangen werden. Schließlich ist es für eine Betrachtung der verschiedenen Bücher auch von Relevanz aus welcher persönlichen Perspektive oder mit welchem Erfahrungsschatz ein Wissenschaftler eine bestimmte Fragestellung bearbeitet.

Die Autoren des Buches „Parteien in Osteuropa. Kontext und Akteure.“ geben sich in dem Zusammenhang bereits im Vorwort offen als „marxistische Gesellschaftswissenschaftler“ (Segert & Machos, Parteien in Osteuropa. Kontext und Akteure, 1995, S. 10) aus.

Der in der ehemaligen DDR aufgewachsene Dieter Segert war darüber hinaus SED-Mitglied und ein „linker Hoffnungsträger“ (Der Spiegel, 1990) der Nachwendezeit, verließ die Partei jedoch schon frühzeitig (Vgl. ebd.). Seine Promotion absolvierte er an der Lomonossow-Universität in Moskau und seine Forschungsschwerpunkte beziehen sich unter anderem auf die Entwicklung des Staatssozialismus in Osteuropa und die Transformation der postkommunistischen Staaten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa (Vgl. Archiv der Online-Zeitung der Universität Wien, 2012).

Csilla Machos stammt aus Ungarn und ist Politikwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität in Berlin gewesen (Vgl. Gnauck, 1996). Sie setzt sich im Schwerpunkt mit Transformationsproblemen postkommunistischer Staaten sowie dem Parteiensystem in Ungarn auseinander (Vgl. Segert & Machos, 1995, S. 345).

Darüber hinaus verfassten die Koautoren Lubomir Brokl, Holger Burmeister, Wladislaw Hedeler, Györgyi Hunics und Zdenka Mansfeldova Beiträge für die in dem Buch vorgestellte Länderstudien. Segert und Machos bemühten sich dabei um Koautoren, „die einen ähnlichen persönlichen Hintergrund“ (Segert & Machos, 1995, S. 10) aufwiesen und bei der Betrachtung von Parteibildungsprozessen in Osteuropa nicht „unbewusst spezifische Wertpräferenzen“ (ebd.) westlicher Natur zugrunde legten.

Der Herausgeber des Buches „Reformen und Reformer in Osteuropa“, Edgar Hösch, war Lehrstuhlinhaber für die Geschichte Osteuropas und Südosteuropas an der Universität München und Leiter des Südost-Instituts in München (Vgl. Hösch, 2012). Er ist Herausgeber einiger Zeitschriften und Schriftenreihen, die im Schwerpunkt die Geschichte Ost- und Südosteuropas betreffen (Vgl. ebd.).

Franz-Lothar Altmann ist Volkswirt und war stellvertretender Leiter des Südost-Instituts in München (Vgl. Altmann & Hösch (Hrsg.), 1994, S. 267). Er ist Mitglied des Präsidiums der Südosteuropa-Gesellschaft und befasste sich in neun Büchern und über 250 Aufsätzen in Zeitschriften oder Sammelbänden mit der Systemtransformation postkommunistischer Länder in Osteuropa (Vgl. Altmann, 2012).

In den neun Beiträgen des Sammelbandes werden Transformationsländer beziehungsweise Transformationsregionen Osteuropas unter Mitwirkung der Autoren Boris Beresiuk, Anneli Ute Gabanyi, Uwe Halbach, Detlef Henning, Wolfgang Höpken, Hans-Joachim Hoppe, Wolfgang Quaisser, Alexander Rahr, Kathrin Sitzler und Klaus Ziemer vorgestellt (Vgl. Altmann & Hösch (Hrsg.), 1994, S. 8).

Das englischsprachige dritte Buch, „Institutional Design in Post-communist Societies“, wurde maßgeblich von Jon Elster, Claus Offe und Ulrich K. Preuss verfasst.

Jon Elster ist ein norwegischer Soziologe, Philosoph, Historiker und war zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung Professor für Politikwissenschaften an der Columbia Universität. Er setzt sich im Schwerpunkt mit Rational-Choice Fragen auseinander (Vgl. Elster, 2004). Er war von 1992 bis 1994 Direktor des Forschungsprojekts „Constitutional politics and Economic transformation in post-communist societies“ der Volkswagenstiftung (Vgl. ebd.). Im Rahmen dieses Projekts wurde das Buch zusammen mit Offe und Preuss sowie den mitwirkenden Autoren Frank Boeker, Ulrike Goetting und Friedbert W. Rueb erarbeitet.

Claus Offe studierte Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Philosophie (Vgl. Heinrich-Böll-Stiftung, 2012). Er lehrte unter anderem Politische Soziologie und Sozialpolitik an der Humboldt-Universität in Berlin (Vgl. ebd.). Ulrich K. Preuss ist Rechts- und Politikwissenschaftler, der sich im Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Verfassungsrecht und der politischen Theorie auseinandersetzt (Vgl. Heinrich-Böll-Stiftung, 2012). Preuss ist unter anderem in Fragen des Verfassungsrechts als Berater für die postkommunistischen Transformationsstaaten tägig gewesen (Vgl. ebd.).

3. Inhaltliche Schwerpunkte

Grundsätzlich besitzen alle drei Bücher, zumindest grob betrachtet, den identischen Betrachtungsgegenstand. Demzufolge beschäftigen sie sich mit dem Wandel, der dem Systemumsturz in Osteuropa folgte und der sich in gesamtgesellschaftlicher Sphäre vollzog.

Nach Jahrzehnten der Vorherrschaft kommunistischer Ideologien in den osteuropäischen Staaten steht der politische, wirtschaftliche, soziale und rechtliche Wandel im Fokus der Betrachtungen.

Doch diese Gemeinsamkeit ist auch nahezu die einzige im Vergleich der drei Bücher. Denn jedes Buch verfolgt eine eigene Fragestellung und richtet den Bearbeitungsfokus folglich auf bestimmte Details der Transformationsentwicklung im postkommunistischen Osteuropa.

Während in dem Buch von Segert die Parteien und deren Umgang mit gesellschaftlichen Problemen im Mittelpunkt stehen (Vgl. Segert & Machos, 1995, S. 10) widmet sich Hösch einer „vorläufigen Bilanzierung“ (Altmann & Hösch (Hrsg.), 1994, S. 8) des bisherigen Transformationsprozesses unter Einbeziehung der länderspezifischen historischen Einflussfaktoren. Das schließt jedoch auch die Reformen des ökonomischen und politischen Systems der postkommunistischen Zeit mit ein.

In dem, durch die unterschiedlichen Autoren, heterogen verfassten Buch werden dabei in den einzelnen Länderbeiträgen die Schwerpunkte unterschiedlich zwischen den Aspekten Parteientwicklung, Institutionenentwicklung und der Einbeziehung historischer Fakten zu dem jeweils betrachteten Land gewichtet.

So wird zum Beispiel bei den Ausführungen zur Sezession der Slowakei von der Tschechoslowakei der Fokus insbesondere auf die wirtschaftlichen und politischen Probleme gerichtet, die durch die nun realisierte Selbstständigkeit der Tschechischen Republik und der Slowakei entstanden sind (Vgl. Altmann & Hösch (Hrsg.), 1994, S. 42 ff.). Dagegen wird zum Bespiel im Bericht über die Entwicklung in Albanien unter anderem auch die Geschichte des Landes, welches als „rückständiges Balkanland“ (Altmann & Hösch (Hrsg.), 1994, S. 99) angesehen wird, besonders in den Vordergrund gestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Osteuropa. Reformen, Parteien und Institutionen im Umbruch
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Politikwissenschaft, insbes. Auswärtige und Internationale Politik osteuropäischer Staaten)
Veranstaltung
Sommermodul I: Studiengebiet Textanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V265390
ISBN (eBook)
9783656549284
ISBN (Buch)
9783656549093
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
osteuropa, reformen, parteien, institutionen, umbruch
Arbeit zitieren
Sebastian Liebram (Autor), 2012, Osteuropa. Reformen, Parteien und Institutionen im Umbruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265390

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