Die vorliegende Arbeit wird sich mit dem Atheismus beim französischen Philosophen und Religionskritiker Paul Thiery d´Holbach beschäftigen. Sie wird sich dabei auf dessen Hauptwerk, das System der Natur konzentrieren und auch dort nur die wesentlichen Inhalte und Thesen beschreiben können. Weiterführendes, z.B. die durchaus spannende Entstehungsgeschichte des Werkes können hier nicht behandelt werden, genauso wie auch auf die Einbeziehung weitere Werke d´Holbachs verzichtet werden muss.
Um d´Holbachs Atheismus nachvollziehen zu können, muss zuallererst geklärt werden, was unter dem Begriff Atheismus zu verstehen sei. Im System der Natur gibt d´Holbach selbst eine knappe Erklärung: „Was ist in der Tat ein Atheist? Er ist ein Mensch, der die dem Menschengeschlecht schädlichen Hirngespinste zerstört, um die Menschen zur Natur, zur Erfahrung, zur Vernunft zurückzuführen.“3 Im Klartext heißt dies: Ein Atheist ist jemand, der einerseits die Religion und den Gottesglauben kritisiert (destruktives Element), andererseits eine vernünftige, natürliche – in d´Holbachs Fall materialistische – Weltordnung ohne Gott konstruiert (konstruktives Element). Bei d´Holbach spielen beide Elemente eine wesentliche Rolle, daher sollen beide hier Platz finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. d´Holbachs Materialismus
2.1. Materialistisches Weltbild
2.2. Materialistisches Menschenbild
2.3. Materialistische Moral
3. d´Holbachs Religionskritik
3.1. Genealogie der Religion
3.2. Die unvernünftige Idee Gottes
3.3. Religion als Gefahr für die Moral
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Atheismus des französischen Philosophen Paul Thiery d´Holbach anhand seines Hauptwerkes "System der Natur". Das Ziel der Arbeit ist es, d´Holbachs materialistisches Welt- und Menschenbild darzulegen und auf dieser Grundlage seine umfassende Religionskritik zu analysieren, um aufzuzeigen, wie seine Philosophie zur Emanzipation des Menschen beitragen kann.
- Materialistisches Weltbild und die Kausalität der Natur
- Die Konzeption des Menschen als determinierte "Maschine"
- Die Herleitung der Moral aus dem Streben nach Glück
- Die Entstehung und soziale Funktion der Religion
- Die Kritik an der Gottesidee und die Theodizee-Frage
Auszug aus dem Buch
3.2. Die unvernünftige Idee Gottes
Im Zuge der Genese der Religionen und deren Entfremdung von der sichtbaren Welt wurde die Idee Gottes mit immer mehr Eigenschaften und Attributen angereichert. Diese sind – obwohl sie unbegreiflich sind – trotzdem immer aus der Natur entlehnt, weil die Natur das einzig Wahrnehmbare ist und auch die leersten Begriffe noch mit einer Idee verknüpft sein müssen. Letztlich werden daher „die Theologen trotz aller gegenteiligen Bemühungen immer Anthropomorphisten sein“, die Gott „zu einem riesenhaft übersteigerten Menschen machen“.
Weil die Theologen aber einen Unterschied machen mussten zwischen Mensch und Gott, legten sie ihm unbegreifliche Eigenschaften wie Unendlichkeit oder Ewigkeit bei – also die reine Negation menschlicher Eigenschaften. Dies sollte die Würde Gottes vergrößern, wenn „sich kein Mensch eine Idee davon machen konnte“ und man damit „den Sterblichen glaubhaft machte, daß sie nicht geschaffen sein, die Sache, die für sie am wichtigsten ist, zu verstehen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Paul Thiery d´Holbach ein und erläutert die methodische Entscheidung, zuerst das materialistische Weltbild und danach die Religionskritik zu behandeln.
2. d´Holbachs Materialismus: Dieses Kapitel erörtert das mechanistische Weltbild, das determinierte Menschenbild sowie die davon abgeleitete, auf das Glück ausgerichtete Moral d´Holbachs.
3. d´Holbachs Religionskritik: Dieser Teil analysiert die Entstehung der Religion, die Unhaltbarkeit der Gottesidee sowie die moralische Gefahr, die d´Holbach in religiösen Systemen sieht.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Hauptthesen und ordnet d´Holbach als bedeutenden Vordenker der radikalen Aufklärung ein.
Schlüsselwörter
Atheismus, Materialismus, d´Holbach, System der Natur, Religionskritik, Determinismus, Aufklärung, Moral, Gottesbeweis, Theodizee, Mechanismus, Menschenbild, Philosophie, Naturgesetz, Anthropomorphismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der atheistischen Philosophie von Paul Thiery d´Holbach, insbesondere mit der Darstellung seines Werkes "System der Natur".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind das materialistische Welt- und Menschenbild sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Kritik an Religion und Gottesvorstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, d´Holbachs atheistisches System zu rekonstruieren und zu verdeutlichen, wie die Ablehnung der Religion logisch aus seinem Materialismus folgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine philosophische Textanalyse und Interpretation des Hauptwerkes, ergänzt durch Einbeziehung von Sekundärliteratur zur historischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine materialistische Grundlegung (Welt, Mensch, Moral) und eine darauf aufbauende Religionskritik (Genealogie, Gottesbegriff, moralische Auswirkungen).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Materialismus, Atheismus, Determinismus, Religionskritik und Aufklärung sind die prägenden Begriffe.
Wie begründet d´Holbach die Entstehung der Religion?
Nach d´Holbach entspringt Religion der Unwissenheit und Furcht des Menschen vor den unbekannten Ursachen natürlicher Phänomene.
Warum hält d´Holbach Religion für moralisch schädlich?
Er argumentiert, dass Religion den Menschen von seinem Streben nach natürlichem Glück ablenkt und zudem als Legitimationsgrundlage für Gewalt und Tyrannei dient.
- Citation du texte
- Peter Gruber (Auteur), 2013, Der Atheismus des Paul Thiery d´Holbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265839