In dieser Ausarbeitung sollen die im Rahmen der “Fischerkontroverse“ zur Geltung kommenden unterschiedlichen Positionen zweier wichtiger Protagonisten, nämlich die des Fritz Fischer und des Egmont Zechlin, genauer durch folgendes Thema betrachtet werden: „Wollte das Kaiserreich einen Krieg? Ein historischer Sachverhalt aber zwei völlig unterschiedliche Resultate: Fritz Fischers Thesen zur Kriegsschuld Deutschlands und Egmont Zechlins Reaktion". Dabei sollen insbesondere die unterschiedlichen Positionen in den Hauptstreitpunkten “Julikrise“ und “Septemberdenkschrift“ des Bethmann-Hollwegs hervorgehoben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsche Historiographie über den Ersten Weltkrieg
3. Fritz Fischers Thesen zur Kriegsschuld und die Kriegsziele des Deutschen Reiches
3.1. Fritz Fischer und die “Julikrise“
3.2. Fischers Interpretation des “Septemberprogramms“ des Bethmann-Hollwegs
4. Egmont Zechlins Reaktion auf Fritz Fischers Thesen
4.1. Egmont Zechlin und die “Julikrise“
4.2. Egmont Zechlin und die “Septemberdenkschrift“
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroversen Positionen von Fritz Fischer und Egmont Zechlin im Rahmen der sogenannten „Fischerkontroverse“ zur Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkriegs. Ziel ist es, anhand der Hauptstreitpunkte „Julikrise“ und „Septemberprogramm“ (bzw. Septemberdenkschrift) aufzuzeigen, wie zwei renommierte Historiker zu völlig gegensätzlichen Schlussfolgerungen bezüglich der deutschen Verantwortung für den Kriegsausbruch gelangen konnten.
- Analyse der „Fischerkontroverse“ als Paradigmenwechsel in der deutschen Historiographie.
- Untersuchung der diplomatischen Ereignisse während der „Julikrise“ 1914 aus zwei verschiedenen Perspektiven.
- Kontrastierende Betrachtung von Fischers Kriegszielthesen und Zechlins Gegenargumenten zur deutschen Politik.
- Bewertung der Rolle des „Septemberprogramms“ als Indiz für einen imperialistischen Griff nach der Weltmacht oder als taktisches Kampfmittel.
- Reflexion über die Grenzen des historischen „Schwarzweißdenkens“ bei der Schuldfrage.
Auszug aus dem Buch
3.1. Fritz Fischer und die “Julikrise“
Fritz Fischer versuchte durch sein Werk nachzuweisen, dass die Reichsleitung einen Kontinentalkrieg mit Russland und Frankreich provoziert hätte, um eine Hegemonie in Europa und damit die Weltmachtstellung zu erreichen. Dies begründete Fischer zunächst in den diplomatischen Bestrebungen des Bethmann-Hollwegs, die englische Neutralität gegenüber dem Kaiserreich herbeizuführen und die Hauptstreitfrage beider Länder, den Flottenbau, zu klären. Denn wenn sich das Deutsche Reich tatsächlich in militärische Auseinandersetzungen verstricken sollte, wollte es sicher stellen, dass mit England ein starkes militärisches Gewicht nicht gegen Deutschland zu Felde zieht. Daher ordnete der Kaiser, in Fischers Augen in diesen Zusammenhang, an: „[…] Klarheit im Verhältnis zu England schaffen!“. Auch wenn das Kaiserreich und insbesondere der Reichskanzler Bethmann-Hollweg größte Hoffnungen in dieses Abkommen setzten, schlossen England und das Deutsche Reich keinen Neutralitätsvertrag ab. Als dann das mörderische Attentat auf das österreich-ungarische Thronfolgerpaar die Julikrise letztlich auslöste, sah Berlin nun die Möglichkeit gekommen, über direktes Einwirken auf Wien, im Sinne Deutschlands die Sache anzugehen. Fischer versuchte daher in seinen Aufzeichnungen herauszuarbeiten, dass das Deutsche Reich Österreich-Ungarn zu einer militärischen Intervention, welches als Reaktion auf das Attentat zu sehen sei, explizit dränge. Denn Wien wäre ohne die Zusage aus Berlin das Wagnis für einen militärischen Vorstoß nicht eingegangen und hätte „[…] ohne feste Hilfszusage Deutschlands den Krieg nicht…“ gewagt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der deutschen Kriegsschuldfrage ein, verortet das Thema im Kontext der „Fischerkontroverse“ und stellt die Forschungsfrage nach den gegensätzlichen Deutungen von Fritz Fischer und Egmont Zechlin.
2. Deutsche Historiographie über den Ersten Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert den Wandel in der deutschen Geschichtswissenschaft, von der Widerlegung der Kriegsschuldlüge in der Weimarer Republik bis hin zur Debatte in den 1960er Jahren.
3. Fritz Fischers Thesen zur Kriegsschuld und die Kriegsziele des Deutschen Reiches: Hier werden Fischers Argumente für eine bewusste Herbeiführung des Konflikts und seine Interpretation der deutschen Kriegszielpolitik dargelegt.
3.1. Fritz Fischer und die “Julikrise“: Untersuchung von Fischers These, dass Deutschland durch die „Blankovollmacht“ an Österreich-Ungarn den Kontinentalkrieg provozierte.
3.2. Fischers Interpretation des “Septemberprogramms“ des Bethmann-Hollwegs: Analyse von Fischers Deutung des Programms als Beweis für das imperialistische Streben nach einer deutschen Hegemonie in Europa.
4. Egmont Zechlins Reaktion auf Fritz Fischers Thesen: Vorstellung der Gegenpositionen, die Zechlin und andere Historiker gegen die Thesen Fischers einnahmen.
4.1. Egmont Zechlin und die “Julikrise“: Darstellung von Zechlins Argumentation, die das Handeln Deutschlands eher als defensives Krisenmanagement und Reaktion auf die Einkreisung deutet.
4.2. Egmont Zechlin und die “Septemberdenkschrift“: Zechlins Sicht, dass die Denkschrift keine feste Kriegszielpolitik, sondern ein in der Not geborenes Kampfmittel darstellte.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Kontroverse ein intellektuelles Unentschieden darstellt und die Ursachen des Krieges komplexer als in einem Schwarzweißschema zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Kriegsschuldfrage, Fritz Fischer, Egmont Zechlin, Fischerkontroverse, Julikrise, Septemberprogramm, Septemberdenkschrift, Bethmann-Hollweg, Deutsche Historiographie, Imperialismus, Hegemonie, Kontinentalkrieg, Kriegskalkül, Geschichtswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die „Fischerkontroverse“, einen der bedeutendsten Historikerstreite der Bundesrepublik, bei dem es um die Frage der Schuld des Deutschen Kaiserreichs am Ausbruch des Ersten Weltkriegs geht.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Rolle Deutschlands während der Julikrise von 1914 sowie die Auslegung des sogenannten „Septemberprogramms“ (bzw. der „Septemberdenkschrift“).
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie zwei Historiker, Fritz Fischer und Egmont Zechlin, aufgrund derselben historischen Sachverhalte zu diametral entgegengesetzten Schlussfolgerungen hinsichtlich der deutschen Kriegsschuld kommen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historiographische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und Primärquellen basiert, um die Argumentationsweisen der beiden Kontrahenten gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden jeweils die Positionen von Fischer und Zechlin in den beiden Unterkapiteln „Julikrise“ und „Septemberprogramm/denkschrift“ detailliert gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Fischerkontroverse, Kriegsschuldfrage, Julikrise, Septemberprogramm und das Verhältnis von deutscher Außenpolitik und Hegemonieanspruch.
Wie bewertet der Autor Fritz Fischer das Handeln des Kaiserreiches in der Julikrise?
Fischer interpretiert das deutsche Handeln als aktives und bewusstes Herbeiführen eines Konflikts, um durch eine militärische Auseinandersetzung die Weltmachtstellung zu erreichen.
Welche Gegenargumente führt Egmont Zechlin gegen die These der deutschen Kriegswilligkeit an?
Zechlin argumentiert, dass das Handeln des Kaiserreiches primär durch eine defensive Angst vor der diplomatischen Einkreisung und die Sorge um die militärische Handlungsfreiheit motiviert war, nicht durch aggressive Eroberungspläne.
Wie unterscheiden sich die Sichtweisen auf das Septemberprogramm beziehungsweise die Septemberdenkschrift?
Während Fischer das Dokument als Beleg für eine langfristig geplante imperialistische Kriegszielpolitik sieht, deutet Zechlin es als improvisiertes Kampfmittel, das erst während des Krieges unter dem Druck der militärischen Umstände entstand.
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- Marcus Schmidt (Author), 2013, Wollte das Kaiserreich einen Krieg? Fritz Fischers Thesen zur Kriegsschuld Deutschlands und Egmont Zechlins Reaktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265903