Die Gestalt des Medardus im Werk "Die Elixiere des Teufels"

Abbild eines Wahnsinnigen im Zeichen der Schwarzen Romantik


Bachelorarbeit, 2008

42 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Zusammenfassung

1. Die Einleitung

2. Der Wendepunkt von der Vernunft zum Wahnsinn
2.1. Geschichtlicher Wendepunkt von der Aufklärung zur Romantik
2.1.1. Schwarze Romantik
2.2. Der Wendepunkt bei Medardus
2.2.1. Rede bei Anwesenheit des Malers
2.2.2. Der Genuss des Teufelselixiers

3. Hoffmanns Darstellung des Wahnsinns

4. Stilistische Merkmale des Romans „Die Elixiere des Teufels“
4.1. Gattungsbezeichnung
4.2. Form 13
4.3. Handlungsablauf
4.4. Bildersprache
4.5. Ironie und Komik

5. Anzeichen des Wahnsinns bei Medardus
5.1. Innerer Zwiespalt 15
5.2. Mordgedanken 17
5.3. Verfolgungsangst 19
5.4. Wahnvorstellungen 20
5.5. Träume 21
5.5.1. Medardus’ Traum von der Hölle als Abbild von Hieronymus Boschs Werken
5.6. Obsession

6. Gestalten und Bilder, die bei Medardus den Wahnsinn entfachen
6.2. Aurelie
6.3. Das Bild der heiligen Rosalia
6.4. Der Doppelgänger
6.4.1. Sigmund Freuds Deutung des Doppelgängers

7. Gemeinsamkeiten zwischen Medardus und den anderen Wahnsinnigen

8. Das Messer als Mordwaffe der vom Wahnsinn Befallenen

9. Die Erbsünde als Erklärung für Medardus’ Wahnsinn

10. Die Schlussfolgerung

11. Die Quellenangaben

12. Der Anhang

Die Zusammenfassung

In dieser Abschlussarbeit wird man den Themenkreis, die Motive und die Ideologien zweier Strömungen, Aufklärung und Romantik, vergleichen und sich mit der schwarzen Romantik, der Unterströmung der Romantik, die sich mit dem Dämonischen und Kranken beschäftigt, Hoffmanns Darstellung des Wahnsinns, den stilistischen Merkmalen von Hoffmanns Roman „Die Elixiere des Teufels“ und der Darstellung des Wahnsinns bei Medardus befassen. Nachdem der Vergleich der beiden Strömungen und der damit zusammenhängende Übergang von der Vernunft zum Dämonischen, Kranken und Wahnsinnigen geklärt ist, folgt die Erklärung des Begriffs „schwarze Romantik“, Hoffmanns Darstellung des Wahnsinns und die Darstellung des Wahnsinns bei Medardus. In der Darstellung des Wahnsinns bei Medardus wird von dem Zeitpunkt des Ausbruchs des Wahnsinns bei Medardus, Medardus’ Anzeichen des Wahnsinns, die von Träumen bis zu Wahnvorstellungen und innerem Zwiespalt reichen, den Auslösern seiner Wahnsinnsanfälle, den Gemeinsamkeiten zwischen den Wahnsinnigen, der gemeinsamen Tatwaffe der Wahnsinnigen und der Erbsünde, die als Fluch Medardus’ Geschlecht zerstört, die Rede sein.

Schlüsselbegriffe: Vernunft, Wahnsinn, Versuchung, höhere Macht, Teufelselixier, innerer Zwiespalt, Mord, Obsession, Sünde, Buße, Entsühnung, Doppelgängertum bzw. Doppelgänger, Erbsünde

1. Die Einleitung

In dieser Abschlussarbeit, zu der man durch Heinrich Heines Äußerung, dass durch Hoffmanns Roman „Die Elixiere des Teufels“ ein Student in Göttingen „toll“ geworden ist, angeregt worden ist, will man sich der Darstellung des Wahnsinns widmen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, ob das Werk den Wahnsinn wirklich so naturgetreu wiedergibt, dass es als Ursache für den Ausbruch des Wahnsinns beim Studenten angesehen werden kann oder ob das Werk nur das Produkt reiner Phantasie mit über die Wirklichkeit hinausgehenden Anzeichen des Wahnsinns ist.

Im ersten Kapitel unter dem Namen „Der Wendepunkt von der Vernunft zum Wahnsinn“ wird man die vernunftsorientierte Aufklärung und der Mythologie, dem Phantastischen, Dämonischen und Wahnsinnigen zugewendete Romantik vergleichen, den Themenkreis und den trivialen Charakter der Werke der schwarzen Romantik vorstellen und Medardus’ Verwandlung vom vernünftigen Menschen zur verwirrten und innerlich gespaltenen Persönlichkeit begründen.

Von Hoffmanns Gestalten und Symbolen, die eine Atmosphäre des Unheimlichen schaffen sollen und seinen Studien über psychisch Kranke wird im zweiten Kapitel „Hoffmanns Darstellung des Wahnsinns“ und von der Misch- unf Ichform, dem durch Rückblenden unterbrochenen Handlungsablauf, der bildreichen Sprache und der Komik des Romans „Die Elixiere des Teufels“ im dritten Kapitel „Stilistische Merkmale des Romans ‚Die Elixiere des Teufels’“ die Rede sein.

Im folgenden Kapitel unter dem Namen „Anzeichen des Wahnsinns bei Medardus“ wird man auf Medardus’ durch den Wahnsinn hervorgerufene Handlungs- und Denkweise näher eingehen, wobei die Anzeichen des Wahnsinns (innerer Zwiespalt, Mordgedanken, Wahnvorstellungen, Verfolgungsangst, Träume und die Obsession) durch Beispiele bekräftigt werden.

Im Kapitel „Gestalten und Bilder, die bei Medardus den Wahnsinn entfachen“ wird man klären, welche Rolle die Gestalten: Aurelie, der Maler, der Doppelgänger und das Bild der heiligen Rosalia in Medardus’ Entwicklungsprozess vom vernünftigen zum verstörten Menschen haben. U. a. wird in diesem Kapitel auch von Sigmund Freuds Auffassung des Doppelgängers die Rede sein.

Im darauffolgenden Kapitel unter dem Namen „Gemeinsamkeiten zwischen Medardus und den anderen Wahnsinnigen“ wird man Medardus und die anderen Wahnsinnigen (Belcampo, den Doppelgänger und Medardus’ Ahnen) miteinander vergleichen, um Gemeinsamkeiten in ihrem psychisch gestörten Verhalten herauszukristallisieren .

Während man im Kapitel „Das Messer als Mordwaffe der vom Wahnsinn Befallenen“ auf die Funktion des Messer als Tatwaffe der Wahnsinnigen, die immer in den für die Wahnsinnigen entscheidenden Momenten auftaucht, eingehen wird, wird man im letzten Kapitel „Die Erbsünde als Erklärung für Medardus’ Wahnsinn“ die Vermutung, dass die Erbsünde als Ursache für Medardus’ Verwandlung anzusehen ist, bekräftigen.

2. Der Wendepunkt von der Vernunft zum Wahnsinn

In diesem Abschnitt wird man sich Medardus' und dem geschichtlichen Wendepunkt von der Vernunft zum Wahnsinn widmen, indem man die Situation vor und nach dem Wendepunkt darstellen wird.

2.1. Geschichtlicher Wendepunkt von der Aufklärung zur Romantik

Da die Menschen immer wieder nach Inovationen streben, weil das schon Bekannte langweilig geworden ist, suchen auch die Romantiker neue Themen, die vom Themenkreis der Vertreter der Aufklärung, des Sturm und Drang und der Weimarer Klassik abweichen. Darin bestärkt sie die Erkenntnis, dass es keine künstlerischen Normen gibt, die überall und für alle Zeiten gelten. Somit steht die Romantik mit ihrem Themen im völligen Gegensatz zu den vorherigen Strömungen. Nach der vernunftsorientierten Aufklärung schenkt man dem Hässlichen, dem Dämonischen, dem Dunklen und Kranken im Menschen erst in der Romantik Beachtung.

Während sich die Aufklärung nach Descartes Satz „Ich denke, also bin ich“ richtet, an die Fähigkeit des Verstandes, die Wahrheit zu erkennen und alle Probleme zu lösen, glaubt, später vom Empirismus und der Empfindsamkeit gekennzeichnet ist und gegen jegliche Metaphysik ist, ist die deutsche Romantik eine weitaus komplexere Strömung. Romantik ist nämlich „die komplexeste und widersetzt sich entscheidend einer einfachen Begriffsbestimmung“[1]. Die Romantik ist komplex, weil in ihr verschiedene Tendenzen in ihrer Gegensätzlichkeit aufeinanderstoßen, deren einzigste Gemeinsamkeit die Vieldeutigkeit ist. Sie versucht alle Strömungen aufzunehmen, die im 18. Jahrhundert im Widerspruch zum Rationalismus der Aufklärung und dem französischen Klassizismus stehen, wobei sie den Subjektivismus und den Irrationalismus betont.

Sagen- und Mythenwelt, ein Leben im Rausch, das Dämonische, das Unbewusste, Todeserlebnis und -sehnsucht, Doppelgängermotiv, der Wahnsinn, die Reise, das Unterwegssein, Sehnsucht, Heim- und Fernweh gelten als romantische Motive. Während sich die Frühromantiker mit ihrem Geist, ihrer Phantasie, dem Genie, der Natur und Freiheit, der Gotik und der Metaphysik beschäftigten, widmeten sich die Spätromantiker vor allem dem Nationalismus, der Geschichte und der Mythologie. Somit kommt es nach der Aufklärung, in der Naturwissenschaften, Philosophie und Pädagogik dominieren, in der Romantik zum Aufschwung von Philologie, Geschichtsforschung, Mythologie und Psychologie (Sigmund Freud).

Mit der Psychologie, dem Unbewussten und den Träumen befasst man sich vor allem in der schwarzen Romantik. Sie wird als die Phase der Romantik angesehen, die Ängste, Träume, Gespenstisches, den Wahnsinn und andere psychische Störungen thematisiert.

2.1.1. Schwarze Romantik

Die schwarze Romantik, die als Unterströmung der Romantik gegen 1973 auftaucht und sich dem Dämonischen, Satanischen, Grotesken und Wahnsinnigen zuwendet, thematisiert verborgene Ängste, Träume, Wahnvorstellungen, die meist durch das Doppelgängermotiv begleitet werden, wie in Hoffmanns Roman „Die Elixiere des Teufels“, melancholische Stimmungen und krankhafte Neigungen als Opposition zu der Weimarer Klassik, in der man versuchte die Menschen durch Literatur zur Humanität zu erziehen. Die Werke der schwarzen Romantik sollen auch im Gegensatz zu den Werken der Weimarer Klassik das Publikum schockieren. Die düsteren Themen sollen die Menschen zum Kauf anlocken, aber vor allem unterhalten und somit haben die Werke der schwarzen Romantik als Unterhaltungsliteratur auch trivialen Charakter.

Neben dem hohen Unterhaltungswert der Werke zählen zu ihren weiteren trivialen Merkmalen u. a. die Darstellung der „dunklen Seite“ der menschlichen Existenz wie der gefallenen Unschuld, Schauplätze wie Burgen, Klöster, Verliese, dunkle Wälder und Schluchten und Gestalten wie dämonische Priester, Vampire, Peiniger, Gequälte, Gestalten, die Opfer des Konflikts zwischen Liebe und Verbrechen, Inzest, Nekrophilie, Satanismus, Sadismus, Vergewaltigung, Mord, Familienfluch, Vatermord oder Doppelgängertum werden und bei denen dieser Konflikt nach und nach zum Wahnsinn führt, so dass ihnen als einziges Ziel der Verfall gegenübersteht. Die daraus zu erschließenden häufigsten Motive der schwarzen Romantik sind demnach: Wahnsinn, Sehnsucht, Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, Doppelgängertum, Fluch, Sünde und Mord.

2.2. Der Wendepunkt bei Medardus

Als Medardus’ Wendepunkt von der Vernunft zum Wahnsinn kann entweder sein Wahnsinnsanfall in der Kirche während seiner Rede oder das Trinken des verbotenen Teufelselixiers gesehen werden. Zwar verlässt Medardus seine Vernunft zum ersten Mal beim Anblick des Malers in der Kirche, als er seine Rede über die Legende vom heiligen Antonius hält, aber erst nachdem er in den Genuss des Teufelselixiers gekommen ist, leiten ihn statt der Vernunft nur noch seine Triebe, seine Bessesenheit oder wie er selbst sagt „eine höhere Macht“, der er sich oft ganz hingibt.

2.2.1. Rede bei Anwesenheit des Malers

Als Medardus sein Rednertalent entdeckt und seine Reden hält, verändert sich sein Inneres. Er beginnt gegenüber den Geistlichen, vor allem Leonardus, Hassgefühle zu entwickeln, die er nicht verbergen kann und verfällt immer mehr in einen Größenwahn. Da die Veränderung seines Gemüts so sehr auffällt, warnt ihn Leonardus vor seinem Schicksal:

Du trägst in diesem Augenblick die Schuld unseres sündigen Ursprungs, die jedem mächtigen Emporstreben unserer geistigen Kraft die Schranken des Verderbnisses öffnet, wohin wir uns in unbedachtem Fluge nur zu leicht verirren! [...] Gehe in dich Medardus! – entsage dem Wahn, der dich betört – [...] Laß dich warnen, weiche aus dem Feinde, der dir nachstellt.[2]

Während seiner Rede, die er der Legende vom heiligen Antonius widmet, erblickt er einen Mann im dunkelvioletten Mantel, der sich später als der Maler herausstellt, der ihm auf seinem späteren Weg immer wieder in die Quere kommt. Dessen Anblick, der Medardus in Todesangst versetzt, führt bei Medardus zum Ausbruch des Wahnsinns. Medardus’ Rede wird immer verwirrter bis er sich letztlich als der heilige Antonius ausgibt und den Maler in Verzweiflung wegscheucht. An diese ersten Anzeichen des Wahnsinns erinnert sich Medardus auch auf seiner Reise, auf der ihm immer wieder der Maler über den Weg läuft und es scheint als ob der Maler in Medardus den Wahnsinn entfacht hat, der nach dem Genuss des Teufelselixiers immer mehr zum Vorschein kommt.

2.2.2. Der Genuss des Teufelselixiers

Medardus hört zum ersten Mal vom Teufelselixier von Cyrillus, der ihm die Legende vom heiligen Antonius erzählt, während sie die Reliquienkammer besichtigen. Der Legende nach hat der heilige Antonius die Getränke, die ihm sein Widersacher anbot und ihm im Rasen zurückgelassen hat, damit er sie findet, in einer Höhle versteckt, um nicht in Versuchung zu kommen. Eine solche Flasche steht auch in der Reliquienkammer des Klosters und gerade Medardus bekommt die Aufgabe, diese Flasche, die „Verderben und heillosen Untergang jedem bereiten könnte“[3] zu überwachen.

Am Anfang von Cyrillus’ Warnung abgeschreckt, das Kistchen mit dem Teufelselixier niemals zu öffnen, versteckt Medardus die Schlüssel, die aber nach der Besichtigung der Reliquienkammer mit einem Grafen und seinem Hofmeister wie von Geisterhand im Schlüsselbund auftauchen. Trotz Cyrillus Warnung überschätzt sich Medardus selbst, glaubt, dass nur der Genuss des Elixiers seinen Geist, der nach seinem Wahnsinnsanfall in der Kirche erschöpft ist, stärken kann und beschließt deshalb den Wein zu trinken, der ihn mit seinem angenehmen Duft betört hat. „Medardus schildert sich im Verlauf der Aufzeichnungen gleichsam als Verführten: [...] Im Detail betrachtet, vollführt der Mönch das Sakrileg mehr aus quälender Neugier als aus schuldvoller Absicht.“[4]

Dank des Elixiers erwacht in Medardus seine Heiterkeit und Lebendigkeit wieder, aber auch sein Größenwahn und die sexuelle Lust. Medardus sieht aber nur die Vorteile, die ihm der Genuss des Elixiers verschafft, und nicht die Nachteile, die all die anderen, u. a. die Äbtissin und auch Leonardus, sehen. Leonardus missfällt Medardus’ Verhalten, weil es das „ruhige Beisammensein“[5] der Mönche zerreißt und deshalb beschließt er ihn nach Rom zu schicken, damit er dort Heilung findet.

Nicht die Vernunft leitet ihn auf seinem Weg, sondern der Wahn, der ihn von einem Verbrechen zum nächsten führt, sein Inneres spaltet und ihm ermöglicht seine sexuelle Lust auszuleben. Er denkt über seine Handlungen wie auch deren Konsequenzen nie lange nach, sondern lässt sich vom Schicksal leiten. Die Schwäche von Medardus’ Vernunft, die seinem Wahnsinn unterliegt, und den Sieg der Narrheit über die Vernunft verdeutlicht Belcampo in seiner Predigt im Krankenhaus:

[...] ich selbst bin die Narrheit, die ist überall hinter dir her, um deiner Vernunft beizustehen, und du magst es nun einsehen oder nicht, in der Narrheit findest du nur dein Heil, denn deine Vernunf ist ein höchst miserables Ding, und kann sich nicht aufrecht erhalten […] und muß mit der Narrheit in Kompagnie treten, die hilft ihr auf. [...] Die Narrheit erscheint auf Erden, wie die wahre Geisterkönigin. Die Vernunft ist nur ein träger Statthalter, der sich nie darum kümmert, was außer den Grenzen des Reichs vorgeht, der nur aus Langerweile auf dem Paradeplatz die Soldaten exerzieren läßt, die können nachher keinen ordentlichen Schuß tun, wenn der Feind eindringt von außen.[6]

Erst nachdem Medardus’ Doppelgänger Aurelie erstochen hat, kommt Medardus zur Vernunft und sieht ein, dass seine Verbrechen „wie eine physische Krankheit von jenem Gift erzeugt“[7] großes Unheil angerichtet haben.

3. Hoffmanns Darstellung des Wahnsinns

Hoffmann, der immer danach strebte, bestehende Konventionen zu brechen und seine Zeitgenossen für seine Werke zu begeistern, indem er sie schockierte, bietet seinen Lesern in seinen Werken, u. a. „Der Sandmann“ und „Die Elixiere des Teufels“, eine mysteriöse Handlung mit schaurigen Gestalten wie der Gestalt des Sandmanns oder des Doppelgängers. Dabei sind seine Werke nur Spiel seiner eigenen Phantasie; er verwendet Symbole, die sich auf seine eigenen Probleme, Visionen, Träume und Ängste beziehen und er nennt sie wie Novalis „Sankritta der Natur“, den für ihn wie auch für Novalis umfasst die Natur einfach alles: den Himmel und die Hölle, den Traum und den Wahnsinn.

Hoffmann lässt nicht nur seine Figuren, sondern auch den Wahnsinn „selbst”, der bei den Figuren zeitweilig ausbricht, sprechen, indem er ihn als eine fremde Stimme im menschlichen Innern zu Wort kommen lässt. Der Wahsinn mischt sich mit den anderen dunklen Mächten in Hoffmanns Werken in den bürgerlichen Alltag ein, der meist satirisch dargestellt wird.

Gerade sein Werk „Die Elixiere des Teufels“ repräsentiert die schauerliche Atmosphäre mit Bildern des Dämonischen, des Wahnsinns und der Bedrohung des Doppelgängers, des Widersachers, woran man Hoffmann wiedererkennt. Eine genaue Darstellung des Wahnsinns verdankt Hoffmann u. a. seinen Studien über die verschiedensten Formen des Wahnsinns, dem Kontakt mit einigen Patienten von Dr. Marcus und Dr. Speyer in Bamberg und den Werken von Phillipe Pinel, Cox (Praktische Bemerkungen über Geisteszerrüttungen), Schubert, Kluge und Johann Christian Reil (Rhapsodien über die Anwendung der psychischen Kurmethode auf Geisteszerrüttungen). Somit schuf Hoffmann in seinem Werk, in dem, nach Heine, das Furchtbarste und Entsetzlichste, das der Geist sich erdenken könne, liegt, krankhafte Züge aufweisende Gestalten der Wirklichkeit.

[...]


[1] Viktor Žmegač, Zdenko Škreb, Ljerka Sekulić: Kleine Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Marixverlag. Wiesbaden 2004. S. 138.

[2] E.T.A. Hoffmann: Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus, eines Kapuziners. Wilhelm Goldmann Verlag. München. o.J. S. 31.

[3] Elixiere. S. 26.

[4] Brigitte Feldges und Ulrich Stadler: E.T.A. Hoffmann. Epoche - Werk – Wirkung. Verlag C. H. Beck. München 1986. S. 202.

[5] Elixiere. S. 41.

[6] Elixiere. S. 205.

[7] Ibd. S. 274.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Gestalt des Medardus im Werk "Die Elixiere des Teufels"
Untertitel
Abbild eines Wahnsinnigen im Zeichen der Schwarzen Romantik
Veranstaltung
Philosophische Fakultät
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
42
Katalognummer
V266599
ISBN (eBook)
9783656578482
ISBN (Buch)
9783656578475
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Motiv des Wahnsinns in Hoffmanns Werk "Die Elixiere des Teufels" in Bezug auf die Merkmale der Romantik bzw. der Schwarzen Romantik - der Unterströmung der Romantik. Diese Sekundärliteratur kann als Lektürehilfe, Lesebuch oder Orientierungshilfe für das Schreiben eigener Arbeiten zum Thema (schwarze) Romantik dienen.
Schlagworte
Wahnsinn, Schwarze Romantik, Hoffmann, Die Elixiere des Teufels, Mord, innerer Zwiespalt, Doppelgängertum
Arbeit zitieren
Marta Hajsok (Autor), 2008, Die Gestalt des Medardus im Werk "Die Elixiere des Teufels", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266599

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