Leben in virtuellen Welten. Second life?

Computer als identitätsbildende Geschöpfe


Hausarbeit, 2013
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1 Einleitung

„Das in dieser Frage zum Ausdruck kommende Forschungsinteresse ist darin begründet, dass der Cyberspace weltweit für immer mehr Menschen zu einem lebenswichtigen Handlungs- und Kommunikationsraum wird; lebenswichtig deshalb, weil ein Teil unserer Freundschaften ausschließlich oder zweitweise nur online gepflegt werden kann, weil das Netz zu einer der wichtigsten Informationsquellen geworden ist, weil sich zunehmend neue netzbasierte Arbeitsformen entwickeln und auch, weil es für viele zu einer selbstverständlichen Bühne für Selbstdarstellung und Identitätsexperimente geworden ist.“[1]

Im Rahmen des Seminars „Mediengesellschaft?“ habe ich mich intensiv mit dem Thema der Identitätsproblematik im Internet und mit Computern als identitätsbildende Geschöpfe auseinander gesetzt. Den Anstoß hierzu gab der Text „Identität im Zeitalter des Internet“ aus „Leben im Netz. Identitäten in Zeiten des Internet“ von Sherry Turkle, in dem sie die Aktivität überwiegend junger Menschen in sogenannten „MUDs“ (Multi-User-Dungeons) analysiert. Mit Hilfe verschiedener Autoren möchte ich im Folgenden die Frage nach der Identität im Zusammenhang mit dem Internet betrachten.

Der Computer ist aus der Alltagswelt mittlerweile nicht mehr weg zu denken. Fast jeder besitzt einen Zugang zu einem Computer mit Internet – selbst Kinder. Einerseits bietet dieses elektronische Gerät als Kommunikationsmittel die Möglichkeit mit Menschen, die körperlich nicht anwesend sind, in Kontakt zu treten und Konflikte zeitnah und unkompliziert zu lösen. Andererseits sind auch die Konsequenzen und damit die Nachteile dieser virtuellen Möglichkeiten, beispielsweise der Realitätsverlust, von hoher Relevanz und damit Teil wissenschaftlicher Arbeiten. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Identitätskonstruktion im Internet und den Möglichkeiten aber auch den Folgen, die sich dadurch ergeben.

Wenn ein jeder in der Lage ist, sich im Internet einen zweiten (virtuellen) Körper zu erstellen – wie ist Identitätsbildung im Netz dann überhaupt möglich? Und insbesondere: Warum ziehen manche Menschen das Leben in virtuellen Welten der Realität vor? Welche Folgen hat das? Diese möglichen Fragestellungen sollen u.a. im Hinblick auf die Nutzung der MUDS geklärt werden.

Die Motivation, dieses Thema zu behandeln, ergibt sich aus der Aktualität und der hohen Relevanz der Mediennutzung. Heutzutage sind es nicht nur die Computer, die uns einen Identitätswechsel erlauben, sondern auch Smartphones, ohne die sich einige nicht mehr als Ganzes fühlen. Interessant sind also die Möglichkeiten der verschiedenen virtuellen Identitäten oder Charaktere, aber auch die Fragen nach der Verantwortung für virtuelles Handeln. Der Fokus dieser wissenschaftlichen Arbeit liegt jedoch eindeutig auf dem Aspekt der Auswirkungen des Computers auf die realen menschlichen Beziehungen und darauf, wie sich die Sicht auf die reale Welt durch Internetnutzung verändern kann.

2 Der Versuch einer Definition von Identität im Wandel der Zeit

Um das Thema der Identitätsbildung im Internet einzuleiten muss zunächst geklärt werden was überhaupt unter dem Begriff der Identität zu verstehen ist. Unabhängig davon, dass es unterschiedliche Zusammenhänge gibt, in denen der Begriff verwendet wird, beschränke ich mich auf die soziologische Dimension von personaler Identität. Sie beschreibt das Ergebnis verschiedener Balanceakte des Subjekts, in dem es verschiedenen Erwartungen von außen genügen will und die Beständigkeit des eigenen Selbst erhalten möchte.[2] Hermann Bausingers Definition lautet so:

„Identität ist ein analytisches Konstrukt; aber Identität ist gleichwohl direkt erfahrbar: als Gefühl der Übereinstimmung des Individuums mit sich selbst und seiner Umgebung, und vielleicht noch deutlicher in der negativen Form: im Bewußtsein oder Gefühl mangelnder Übereinstimmung. Identität bezeichnet die Fähigkeit des einzelnen, sich über alle Wechselfälle und auch Brücken hinweg der Kontinuität seines Lebens bewußt zu bleiben.“[3]

Die Identität wurde erst zum wissenschaftlichen Forschungsgegenstand als sie die Selbstverständlichkeit durch die Vielzahl gesellschaftlicher Identifikationsmöglichkeiten verloren hat. Es gibt keine klaren Antworten mehr auf die Fragen „Wer bin ich?“ und „Wohin gehöre ich?“.[4] Dieses Phänomen hat Ulrich Beck treffend beschrieben:

[...]


[1] Zit. nach Schachtner, Christina. In: Schachtner, Christina: Cultural Flows und virtuelle Öffentlichkeiten. Die Rolle digitaler Medien in transkulturalen/ transnationalen Diskursen. S. 9. Weitere Angaben unbekannt.

[2] Vgl. Bahl, Anke: Zwischen On- und Offline. Identität und Selbstdarstellung im Internet. KoPäd Verlag: München, 1997. S. 19.

[3] Zit. nach: Bausinger, Hermann: Identität. In: Bausinger, Hermann; Jeggle, Utz; Korff, Gottfried; Scharfe, Martin (Hrsg.): Grundzüge der Volkskunde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 1978. S. 204ff.

[4] Vgl. Bahl, Anke: Zwischen On- und Offline. Identität und Selbstdarstellung im Internet. KoPäd Verlag: München, 1997. S. 19.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Leben in virtuellen Welten. Second life?
Untertitel
Computer als identitätsbildende Geschöpfe
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V266791
ISBN (eBook)
9783656570974
ISBN (Buch)
9783656570943
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, welten, second, computer, geschöpfe
Arbeit zitieren
Laura Peters (Autor), 2013, Leben in virtuellen Welten. Second life?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266791

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