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Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau als Türöffner für den Totalitarismus

Title: Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau als Türöffner für den Totalitarismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Lucas Gerrits (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau beeinflusste die Politik der Französischen Revolution im 18. Jahrhundert grundlegend. Auch heute noch, 250 Jahre später, berufen sich viele PolitikerInnen auf seine Schriften. Mit der Idee des Gesellschaftsvertrages in seinem Werk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“ von 1762 gilt er als einer der einflussreichsten und umstrittensten Philosophen der politischen Ideengeschichte. Während die einen ihn als liberalen Aufklärer interpretieren, sehen andere in seiner Schrift die Grundlage für totalitäre Regime. In dieser Hausarbeit werde ich analysieren, ob letztere Ansicht gerechtfertigt ist oder nicht. Dafür werde ich zuerst die konstitutiven Elemente totalitärer Herrschaft bestimmen und die Staatsphilosophie Rousseaus erläutern. Anschließend werde ich die Staatskonzeption anhand der Elemente totalitärer Herrschaft analysieren, um abschließend zu einem Ergebnis zu gelangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Totalitarismus-Konzept nach Juan Linz

3. Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau

3.1. Vom Naturzustand zum Gesellschaftsvertrag

3.2. Der Gemeinwille

3.3. Die institutionelle Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages

3.3.1 Die gesetzgebende Gewalt, die Regierung und die Befugnisse des Souveräns

3.3.2 Das Tribunat, das Censoramt und die Diktatur

3.3.3 Zum Pluralismus und zur bürgerlichen Religion

4. Analyse anhand des Totalitarismus-Konzeptes von Juan Linz

4.1. Zum Machtzentrum

4.2. Zur Ideologie

4.3. Zur Mobilisierung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau auf ihre Vereinbarkeit mit totalitären Herrschaftsmerkmalen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Rousseaus Staatskonzeption – insbesondere unter Berücksichtigung von Gemeinwille, Machtkonzentration und politischer Partizipation – die Kriterien für ein totalitäres Regime nach der Definition von Juan Linz erfüllt.

  • Kritische Analyse von Jean-Jacques Rousseaus „Vom Gesellschaftsvertrag“.
  • Anwendung des Totalitarismus-Modells von Juan Linz auf die politische Theorie Rousseaus.
  • Untersuchung der Rolle des Gemeinwillens und der bürgerlichen Religion als ideologische Basis.
  • Diskussion über Machtzentrum, Repräsentationsverbot und die Mobilisierung der Massen.
  • Erörterung der Gefahr eines totalitären Potentials in der Rousseau’schen Staatsform.

Auszug aus dem Buch

4.1. Zum Machtzentrum

Die Macht bei Rousseaus Staatskonzeption liegt unverkennbar beim Volk, welches den Souverän bildet. Da dieser innerhalb der gesetzlich festgelegten Versammlungen den Gemeinwillen und über die Form, Beibehaltung oder Absetzung der Regierung bestimmt, entscheidet er über die Gestaltung der Politik. Dadurch ist die Regierung dauerhaft völlig abhängig vom Souverän. Weil für Rousseau die Souveränität unteilbar ist, sieht er in seiner Staatskonzeption keine Gewaltenteilung vor. Andere, machtbeschränkende Interessenverbände und Teilvereinigungen lehnt Rousseau ab, außer, wenn notwendig, genau so viele, dass sie sich neutralisieren und damit machtlos werden. Daraus schlussfolgert Bertrand Russel, dass ein Staat Kirchen, „politische Parteien, Gewerkschaften und alle sonstigen menschlichen Organisationen mit gleichgerichteten wirtschaftlichen Interessen verbieten“ müsste. Das Ergebnis sei „der totalitäre oder korporative Staat“, welcher einem freien Wettbewerb um politische Macht und damit einem demokratischen politischen System widerspricht. Eine Machtverschiebung von der Versammlung zu einem anderen Organ verhindert das Tribunat. Darüber hinaus bleibt nach Rousseau die Möglichkeit einer zeitlich begrenzten Diktatur, falls die staatliche Ordnung, für welche die Macht des Souveräns grundlegend ist, gefährdet sein sollte.

Meiner Ansicht nach ist damit die Versammlung das alleinige und damit das monistische Machtzentrum. Allerdings lässt sich über den Begriff „Zentrum“ streiten. Da sich alle Mitglieder des Gesellschaftsvertrages darin befinden, gibt es keine Peripherie, auch wenn die Macht in der Versammlung konzentriert ist. Die Folge ist ein allumfassendes Machtzentrum, welches ebenso als totale Demokratie ausgelegt werden kann. Russel urteilt daher, dass die Lehren Rousseaus „auf die Rechtfertigung des totalitären Staates ab[zielen], wenn sie auch scheinbar der Demokratie das Wort reden“. Indem Rousseau schreibt, dass der Gesetzgeber durch seine Gaben und durch sein Amt „in jeder Hinsicht [ein] außergewöhnlicher Mann im Staat“ sei, lässt er innerhalb dieses Machtzentrums die Tür für einen charismatischen Führer offen. Dies kann leicht als Legitimation für einen politischen Führer interpretiert werden. Da sich die Zusammensetzung der Versammlung durch den demographischen Wandel verändert, ist es kein monolithischer Block, wie ihn Juan Linz bei einem totalitären Regime beschreibt. Daher kann, mit Rücksicht auf den diskutablen Begriff des „Machtzentrums“, die Staatskonzeption Rousseaus dieses Kriterium erfüllen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Staatsphilosophie Rousseaus ein und stellt die Forschungsfrage zur Untersuchung totalitärer Züge in seinem Werk auf Basis der Kriterien von Juan Linz.

2. Das Totalitarismus-Konzept nach Juan Linz: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl des Totalitarismus-Modells von Juan Linz als analytisches Werkzeug, da es durch Merkmale wie monistisches Machtzentrum, exklusive Ideologie und Massenmobilisierung eine präzise Abgrenzung ermöglicht.

3. Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau: Der theoretische Teil analysiert den Naturzustand, den Gesellschaftsvertrag und die Rolle des Gemeinwillens sowie die institutionelle Ausgestaltung, einschließlich des Tribunats, des Censoramts und der bürgerlichen Religion.

4. Analyse anhand des Totalitarismus-Konzeptes von Juan Linz: Das Hauptkapitel wendet die zuvor definierten Kriterien auf Rousseaus Theorie an, um Machtzentrum, Ideologie und Mobilisierung im Hinblick auf ein totalitäres Potential zu bewerten.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Staatsphilosophie Rousseaus theoretisch und praktisch Ansätze aufweist, die den Weg in einen Totalitarismus ebnen können.

Schlüsselwörter

Jean-Jacques Rousseau, Staatsphilosophie, Totalitarismus, Juan Linz, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Souveränität, Machtzentrum, Ideologie, politische Mobilisierung, bürgerliche Religion, Totalitäre Regime, Volkssouveränität, Politische Theorie, Demokratie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die politische Theorie von Jean-Jacques Rousseau, insbesondere sein Konzept des Gesellschaftsvertrags, Strukturen enthält, die als Grundlage für totalitäre Herrschaftssysteme dienen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Verständnis von Volkssouveränität, die Rolle des Gemeinwillens (volonté générale), das Verbot von Teilgesellschaften sowie die Bedeutung der bürgerlichen Religion innerhalb der Rousseau'schen Staatsphilosophie.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Rousseaus Staatskonzeption mithilfe des Totalitarismus-Kriterienkatalogs von Juan Linz systematisch zu analysieren, um zu bewerten, ob sein Entwurf eines idealen Staates Tür und Tor für einen totalitären Missbrauch öffnet.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine ideengeschichtliche Textanalyse und vergleicht diese anschließend mit einem politikwissenschaftlichen Modell – dem Totalitarismus-Konzept nach Juan Linz –, um eine kritische Einordnung vorzunehmen.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Rousseaus Kernkonzepte detailliert hergeleitet. Darauf aufbauend erfolgt die eigentliche Analyse: Hier wird geprüft, wie Rousseau das Machtzentrum definiert, wie die Ideologie (einschließlich der bürgerlichen Religion) begründet wird und wie die ständige Forderung nach politischer Partizipation zur Mobilisierung der Massen führt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Namen Rousseau sind die wichtigsten Begriffe Gemeinwille, Totalitarismus, Souveränität, monistisches Machtzentrum und politische Partizipation.

Wie bewertet der Autor die Rolle des „Gesetzgebers“ bei Rousseau?

Der Autor argumentiert, dass Rousseau durch die Figur des Gesetzgebers als „außergewöhnlicher Mann“ innerhalb seines Machtzentrums einen Raum für die Legitimierung charismatischer Führungspersönlichkeiten lässt, was ein riskantes Element darstellt.

Inwiefern spielt das Censoramt eine Rolle für die totalitäre Tendenz?

Laut Analyse kann das Censoramt nicht nur als moralische Instanz, sondern auch als Instrument zur Unterdrückung von abweichenden Meinungen gesehen werden, wobei die oder der Oppositionelle im schlimmsten Fall mit dem Tode bestraft werden könnte, wenn sie oder er sich nicht dem Gemeinwillen beugt.

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Details

Title
Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau als Türöffner für den Totalitarismus
College
University of Potsdam
Course
Ideengeschichte und politische Theorie
Grade
1,3
Author
Lucas Gerrits (Author)
Publication Year
2012
Pages
13
Catalog Number
V266956
ISBN (eBook)
9783656568100
ISBN (Book)
9783656568094
Language
German
Tags
staatsphilosophie jean-jacques rousseau türöffner totalitarismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lucas Gerrits (Author), 2012, Die Staatsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau als Türöffner für den Totalitarismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266956
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