Auf einem Feld bei einem Dorf nahe der Stadt Seldwyl verrichten zwei Bauern ihre tägliche Arbeit. Zwischen ihren Äckern befindet sich ein dritter, dessen Besitzer nicht geklärt ist. Im Laufe der Jahre pflügt jeder der beiden Bauern immer ein Stück weiter in den herrenlosen Acker, so dass irgendwann nur noch ein schmaler Streifen bleibt. Bei der Versteigerung dieses Streifens beginnt ein Streit, denn Marti beschuldigt Manz einen schrägen Streifen in seinen neu erworbenen Acker gepflügt zu haben...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Bauern und ihrer Familien
2.1 Darstellung der Bauern und familiäre Struktur
2.2 Der Beginn des familiären Verfalls
3. Die Rolle der Kinder im familiären Konflikt
3.1 Lebensumstände und Pflichtgefühl
3.2 Haltung gegenüber den Vätern
4. Schlussbetrachtung und gesellschaftliche Relevanz
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und Darstellung der Institution Familie in Gottfried Kellers Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe" und analysiert, wie der Starrsinn der Vätergeneration das Leben und die Liebe der nachfolgenden Generation bestimmt und schließlich zerstört.
- Die Austauschbarkeit der Bauernfiguren als bodenständige Akteure.
- Die zerstörerische Wirkung von Ehrgefühl und unreflektiertem Pflichtgefühl.
- Die einseitige Ausrichtung der Kernfamilie auf Vater-Kind-Beziehungen.
- Der Vergleich der Novelle mit dem shakespeareschen Vorbild.
- Die gesellschaftliche Übertragbarkeit von Familienzwängen auf heutige Konflikte.
Auszug aus dem Buch
Funktion und Darstellung der Institution Familie in Keller´s „Romeo und Julia auf dem Dorfe“
Familie von Manz und die Familie von Marti ähneln sich sehr. Beide Männer sind aus dem namenlosen Dorf nahe der Stadt Seldwyl und scheinbar unauffällige brave Bauern. Dass diese beiden nichts Besonderes an sich haben und auch jeder andere in deren Rolle stecken könnte, macht der Autor klar, indem er die Handlungen der Bauern als völlig synchron beschreibt „so schlug dem, welcher gegen den frischen Ostwind ging, die Zipfelkappe nach hinten über, während sie bei dem andern, der den Wind im Rücken hatte, sich nach vorne sträubte“. Die beiden stehen für den bodenständigen Bauern in der Gesellschaft, der in Seelenruhe, neben seinem Nachbarn her, seinen Acker pflügt. Gegen Mittag bringen die Kinder ihren Vätern das von der Mutter zubereitete Frühstück. Die Familie hält zusammen und jeder erfüllt seine Aufgabe. Es scheinen geregelte Familienverhältnisse zu herrschen. Die beiden Kinder spielen weitgehend freundschaftlich miteinander während die Väter arbeiten. Die einzige Auseinandersetzung haben sie wegen einer Puppe, deren Kopf schließlich mit einer lebendigen Fliege vergraben wird. Dies scheint eine Vorausdeutung auf das spätere Unheil zu sein, das die Familie noch erwartet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Kurze Hinführung zur Problematik des Bauernstreits und dem Schicksal der Liebenden in Kellers Novelle.
2. Analyse der Bauern und ihrer Familien: Untersuchung der familiären Ausgangslage und wie die Synchronität der Bauernfiguren den schleichenden Verfall der Familien einleitet.
3. Die Rolle der Kinder im familiären Konflikt: Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Liebe und Pflichtgefühl, das die Kinder in die Isolation und den Freitod treibt.
4. Schlussbetrachtung und gesellschaftliche Relevanz: Zusammenfassung der familiären Zerstörung und Transfer der Thematik auf moderne zwischenmenschliche und internationale Konflikte.
Schlüsselwörter
Gottfried Keller, Romeo und Julia auf dem Dorfe, Institution Familie, Bauernstreit, Väter-Kind-Beziehung, Pflichtgefühl, Ehrgefühl, Kernfamilie, Seldwyl, Schicksal, Tradition, Familienzwang, Verfall, Liebe, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Familie als soziale Institution in Gottfried Kellers Novelle und untersucht, wie der Konflikt zwischen zwei Bauernfamilien die Handlungsspielräume der nachfolgenden Generation einschränkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die zerstörerische Kraft von väterlichem Starrsinn, die Bedeutung von Pflichtgefühl innerhalb der Kernfamilie sowie die universelle Gültigkeit des Konfliktmusters "Romeo und Julia".
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die "Familienoberhäupter" durch ihre egoistischen Entscheidungen das Leben ihrer Kinder ruinieren und welche Rolle das unhinterfragte Pflichtgefühl dabei spielt.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes vorgenommen, wobei spezifische Textpassagen herangezogen werden, um die Handlungsweisen der Protagonisten zu belegen und zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die familiären Strukturen vor und während des Streits, die psychologische Belastung der Kinder Sali und Vreni sowie die ausbleibende Reflexionsfähigkeit der Väter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Analyse am besten?
Die Analyse wird besonders durch Begriffe wie "Familienzwang", "Pflichtgefühl", "Starrsinn" und "gesellschaftlicher Konflikt" charakterisiert.
Warum ist die Rolle der Mütter in der Novelle laut Autorin vernachlässigbar?
Die Autorin stellt fest, dass die Mütter im literarischen Gefüge der Novelle nur eine sehr begrenzte und passive Rolle spielen, da der Fokus des Autors fast ausschließlich auf den Vater-Kind-Beziehungen liegt.
Inwiefern sieht die Autorin eine Parallele zur heutigen Zeit?
Obwohl das dörfliche Szenario historisch ist, sieht die Autorin die Mechanismen des Familienstreits und der Gruppenzugehörigkeit als zeitloses Modell an, das sich bis heute in benachbarten Nationen oder Gruppenkonflikten wiederfindet.
- Arbeit zitieren
- Tamara Mödersheim (Autor:in), 2013, Keller's „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Funktion und Darstellung der Institution Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266964