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Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina

Titel: Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina

Bachelorarbeit , 2013 , 126 Seiten , Note: 1,6

Autor:in: Alice Greschkow (Autor:in)

Politik - Region: Südosteuropa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ein Staat scheint auf dem europäischen Kontinent noch immer ein Pulverfass zu sein – Bosnien und Herzegowina, der seit der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens im Jahr 1995, bis heute in zwei Verwaltungsabschnitte gegliedert ist: Der Republik Srpska und der Föderation Bosnien und Herzegowina. Zwar soll der Staat der EU beitreten, doch die Situation ist noch immer zu labil und unbeständig. Nationalistische Strömungen, religiöser Separatismus, ethnische Konflikte und die politisch-administrative Dreiteilung scheinen die Gesellschaft zum auseinanderdriften zu bringen. In keinem anderen europäischen Land war die komplexe Verflechtung von Ethnizität, Religion und Nationalidentität so intensiv und folgenschwer wie in diesem Beispiel.
In der vorliegenden Bachelorarbeit zum Thema „Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina“ wird daher untersucht, wie die Einstellung der Nachkriegsgeneration zu ihren Mitmenschen ist, denn diese wird über die Zukunft, die politische Stabilität und damit einhergehend den Beitritt zur EU entscheiden. Die Fragestellung, ob es eine Aussicht auf dauerhaften Frieden gibt, soll abschließend diskutiert werden. Wichtig ist es dabei, tatsächlich die Jugendlichen zu befragen, die den Krieg nicht bewusst miterlebt haben und folglich kein Kriegstrauma aufweisen, um einerseits abzuleiten, wie das gesellschaftliche Klima ist, das die Jugendlichen umgibt und geprägt hat, andererseits wie ihr Wertesystem aus politischer Sicht aufgebaut ist. Bisher gibt es in der Forschung nur wenige Quellen, die sich auf jugendliche Perspektiven fokussieren, welche allerdings in Zukunft maßgeblich an der Gestaltung Bosnien-Herzegowinas beteiligt sein werden, daher knüpft diese Arbeit an diesem bisher wenig untersuchten Feld an.
Feindbilder spielen dafür eine bedeutende Rolle – bei Bestand können demokratische Kooperationen und nationale Einheit scheitern, die dringend erforderlich sind, um die Lasten des Krieges zu Überwinden und das Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Die unterbewussten Motive sind prägend für Gesellschaft, Politik, Bildung und Verwaltung. Bei der Untersuchung sollen die Perspektiven der bosnisch-serbischen, sowie der bosniakischen Bevölkerungsgruppen im Vordergrund stehen, da dort besonderes Konfliktpotenzial auf Grund religiöser Spannungen und territorialer Machtansprüche besteht und für eine dauerhafte Friedenskonsolidierung beide Parteien betrachtet werden müssen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in den Forschungsstand

3. Einschneidende Ereignisse und die Entwicklung Bosnien und Herzegowinas seit Beginn des Jugoslawienkrieges

3.1. Prägende Kriegsereignisse in den 1990-er Jahren

3.2. Politische Entwicklungen und Konflikte in der Nachkriegszeit der Republik

4. Feindbilder in ethno-nationalistischen Konflikten

4.1. Feindbilder – Überblick über die komplexe Vielfalt theoretischer Erklärungsmuster

4.1.1. Feindbilder – Eine große Bandbreite an Definitionen bedarf interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeitens

4.1.2. „Der Ursprung des Bösen“? Psychologische Perspektiven auf Feindbilder

4.1.3. Prägende, äußere Einflüsse auf die Einstellung von Menschen – die soziologische Perspektive auf Feindbilder

4.1.4. Feindbild Islam – Alte Ängste neu entflammt

4.2. Feindbilder bosnisch-serbischer Jugendlicher – eine diskursive Betrachtung

5. Feindbilder bosniakischer Jugendlicher – eine qualitative Untersuchung

5.1. Qualitative Forschung – Allgemeine Grundlagen und Ziele

5.2. Begründung und Art der Methode

5.2.1. Die Stichprobe

5.2.2. Die Entwicklung des Leitfadens

5.3. Der Untersuchungsverlauf

5.3.1. Die Interviewdurchführung

5.3.2. Die Datenaufbereitung

5.3.3. Die Datenauswertung

5.4. Ergebnisdiskussion

6. Fazit und Reflexion

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie die Einstellung der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina gegenüber ihren Mitmenschen geprägt ist und wie diese auf die zukünftige politische Stabilität sowie den angestrebten EU-Beitritt des Landes wirken könnte. Zentral ist dabei die Frage, ob politische Stabilität zukünftig durch den Abbau von Feindbildern bei jungen Menschen erreicht werden kann.

  • Analyse theoretischer Erklärungsmuster zur Entstehung von Feindbildern
  • Untersuchung des Einflusses von Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule, Peer-Group und Medien
  • Qualitative Erhebung bei bosniakischen Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren
  • Beleuchtung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit dem Dayton-Abkommen
  • Reflexion über die Rolle der jungen Generation für eine dauerhafte Friedenskonsolidierung

Auszug aus dem Buch

4.1.4. Feindbild Islam – Alte Ängste neu entflammt

Es gibt auch nahezu eine „Tradition“ zu einem Feindbildmuster – dem Feindbild Islam. Dieses Feindbild hält sich zäh, hat einen lang zurückliegenden Ursprung und ist immer wieder – genauso wie nahezu alle Feindbilder – neu erweckt worden. Dieser Aspekt ist wesentlich für die Betrachtung, da Feindbilder auf bosnisch-serbischer Seite sich anhand der im Folgenden Beschrieben Muster entwickeln haben können.

In dem berühmten, aber umstrittenen Aufsatz „The clash of civilizations“ erklärte der Politikwissenschaftler Samuel Huntington bereits 1993 erhöhtes Konfliktpotenzial entlang religiöser Trennungslinien, bzw. an Orten an denen unterschiedliche Kulturkreise aufeinandertreffen. Dabei zieht er auch das Beispiel des Bosnienkrieges heran, bei dem der slawisch-orthodoxe auf den islamischen Kulturkreis trifft. (Vgl. Huntington 1993: 33).

Obwohl die Differenzierung und die Thesen von Huntington rassistische Züge aufweisen und von eurozentrisch geprägt sind, findet die Perspektive wiederholt Beachtung, besonders wenn es um die Legitimation politischer Prozesse geht, aber auch bei der Diskussion von Konflikten zwischen Kulturen.

Es gibt auch weitere hintergründige Überlegungen zu der Entstehung und des Feindbildes Islam. Die historischen Ursprünge dieses Feindbildes sind vielfältig: Angst vor Machtverlust christlicher Werte, verfeindete Weltansichten, Provokationen und gewaltsame Auseinandersetzung prägten immer wieder die Erfahrungen von Generationen seit einem halben Jahrtausend (vgl. Steinbach 2008: 56f.).

Auch wirtschaftliche Konkurrenzereignisse, wie die Ölkrise 1973 und wiederholte Kriege und Konflikte im Nahen Osten, die in Verbindung mit extremistischen Parteien standen brannten sich in das gesellschaftliche Gedächtnis ein. Nachdem die Berliner Mauer fiel und die politische Systemfrage irrelevant wurde, gewannen religiöse Auseinandersetzungen wiederholt an Bedeutung, damit einhergehend wurden progressive und moderne Entwicklungen ignoriert. (Vgl. Steinbach 2008: 62ff.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die komplexe politische Lage in Bosnien und Herzegowina nach dem Krieg und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Stabilität durch den Abbau von Feindbildern bei der jungen Generation.

2. Einordnung in den Forschungsstand: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende Literatur zu Feindbildern, dem Jugoslawienkrieg und den Folgen des Dayton-Abkommens, wobei eine Forschungslücke bezüglich der jungen Generation identifiziert wird.

3. Einschneidende Ereignisse und die Entwicklung Bosnien und Herzegowinas seit Beginn des Jugoslawienkrieges: Hier werden die wesentlichen kriegerischen Ereignisse der 1990er Jahre und die darauf folgenden, bis heute schwierigen politischen Entwicklungen des Landes zusammengefasst.

4. Feindbilder in ethno-nationalistischen Konflikten: Dieses Kapitel erläutert theoretische Hintergründe zur Entstehung von Feindbildern, unterteilt in anthropologische, psychologische und soziologische Perspektiven, und wendet diese auf den bosnisch-serbischen Kontext an.

5. Feindbilder bosniakischer Jugendlicher – eine qualitative Untersuchung: Der empirische Teil beschreibt die qualitative Methodik und führt die Ergebnisse der Interviews mit bosniakischen Jugendlichen in Sarajevo, Zenica und Visoko auf.

6. Fazit und Reflexion: Dieses Kapitel resümiert die Erkenntnisse aus Theorie und qualitativer Untersuchung und gibt Empfehlungen für die Politikwissenschaft sowie die internationale Politik zur weiteren Friedenskonsolidierung.

7. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen und Publikationen aufgelistet.

Schlüsselwörter

Bosnien und Herzegowina, Nachkriegsgeneration, Feindbilder, ethnische Konflikte, Friedenskonsolidierung, qualitative Forschung, Sozialisation, Dayton-Abkommen, politische Stabilität, Identitätsbildung, Religion, Vorurteile, Nationalismus, Medien, Jugend.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Feindbildern innerhalb der sogenannten Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina und untersucht, wie diese Einstellungen die Zukunftsfähigkeit und politische Stabilität des Landes beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Feindbildern, die Auswirkungen des Jugoslawienkrieges auf die heutige Gesellschaft, die Rolle von Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule, Medien) und die politische Lage nach dem Dayton-Abkommen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu diskutieren, ob politische Stabilität in Bosnien und Herzegowina langfristig durch den Abbau von Feindbildern bei der jungen Generation erreicht werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer qualitativen empirischen Untersuchung, bei der problemzentrierte Interviews mit bosniakischen Jugendlichen geführt und nach Meyring analysiert wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung des Feindbildbegriffs aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und einen empirischen Teil, der durch die Auswertung von Interviews Einsichten in die Lebenswelt bosniakischer Jugendlicher gewährt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Bosnien und Herzegowina, Nachkriegsgeneration, ethnische Konflikte, Feindbilder, Sozialisation, Identitätsbildung und Friedenskonsolidierung.

Warum wurde der Fokus speziell auf bosniakische Jugendliche gelegt?

Ziel war es, eine spezifische ethnische Perspektive induktiv zu untersuchen, um nach der theoretischen Betrachtung eine qualitative Erhebung als Gegenstück zu bilden und Einblicke in Einstellungen zu erhalten, die nicht mehr durch eigene Kriegstraumata geprägt sind.

Welche Rolle spielen "Zwei Schulen unter einem Dach" in den Ergebnissen?

Dieses Schulmodell wird als kritisch bewertet, da es die ethnische Trennung institutionalisiert, den Kontakt zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Ethnien verhindert und somit negative Stereotype und Vorurteile im Alltag verfestigen kann.

Wie bewerten die Jugendlichen den Einfluss der Medien?

Die interviewten Jugendlichen nehmen Medien, insbesondere Fernsehen und Internet, als häufig nationalistisch und einseitig wahr, äußern jedoch gleichzeitig die Befürchtung, dass diese gezielt instrumentalisiert werden, um die Meinung der Bevölkerung zu beeinflussen.

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina
Hochschule
Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,6
Autor
Alice Greschkow (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
126
Katalognummer
V266968
ISBN (eBook)
9783656571902
ISBN (Buch)
9783656571872
Sprache
Deutsch
Schlagworte
feindbilder nachkriegsgeneration bosnien herzegowina
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alice Greschkow (Autor:in), 2013, Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266968
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