Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina


Bachelorarbeit, 2013
126 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in den Forschungsstand

3. Einschneidende Ereignisse und die Entwicklung Bosnien und Herzegowinas seit Beginn des Jugoslawienkrieges
3.1. Prägende Kriegsereignisse in den 1990-er Jahren
3.2. Politische Entwicklungen und Konflikte in der Nachkriegszeit der Republik

4. Feindbilder in ethno-nationalistischen Konflikten
4.1. Feindbilder - Überblick über die komplexe Vielfalt theoretischer Erklärungsmuster
4.1.1. Feindbilder - Eine große Bandbreite an Definitionen bedarf interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeitens
4.1.2. „Der Ursprung des Bösen“? Psychologische Perspektiven auf Feindbilder
4.1.3. Prägende, äußere Einflüsse auf die Einstellung von Menschen - die soziologische Perspektive auf Feindbilder
4.1.4. Feindbild Islam - Alte Ängste neu entflammt
4.2. Feindbilder bosnisch-serbischer Jugendlicher - eine diskursive Betrachtung

5. Feindbilder bosniakischer Jugendlicher - eine qualitative Untersuchung
5.1. Qualitative Forschung - Allgemeine Grundlagen und Ziele
5.2. Begründung und Art der Methode
5.2.1. Die Stichprobe
5.2.2. Die Entwicklung des Leitfadens
5.3. Der Untersuchungsverlauf
5.3.1. Die Interviewdurchführung
5.3.2. Die Datenaufbereitung
5.3.3. Die Datenauswertung
5.4. Ergebnisdiskussion

6. Fazit und Reflexion

7. Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang A: Abbildung 1 : Eigene tabellarische Darstellung von „Die I wissenschaftliche Diskussion über Fremdenfeindlichkeit“

Anhang B: Interviewleitfaden III

Anhang C: Verschwiegenheitserklärung IV

Anhang D: Transkription und Legende V

Anhang E: Abbildung 2: Tabellarische Analyse der Transkription - Reduktionsverfahren

Anhang F: Abbildung 3: Auswertungscluster

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis (alle im Anhang)

Abbildung 1: Eigene tabellarische Darstellung von „Die wissenschaftliche Diskussion über Fremdenfeindlichkeit“ (Saalmann 2005: XVIff.)

Abbildung 2: Tabellarische Analyse der Transkription - Reduktionsverfahren Abbildung 3: Auswertungscluster

1. Einleitung

Im Herbst 2012 wurde bekannt, dass die Europäische Union (EU) den Friedensno­belpreis erhält - eine bedeutende symbolische Geste, die vor allem die herausragende Rolle in Bezug auf die Friedensleistung hervorheben soll. Vor weniger als 20 Jahren tobte jedoch auf dem Balkan ein zerstörerischer Krieg, der Tausende Todes- und Missbrauchsopfer, sowie nachhaltige politische, gesellschaftliche und religiöse Kon­flikte hinterließ. Die EU handelte zögerlich zu dem Zeitpunkt, doch nach Kriegsende schien es, als würden die Staaten des ehemaligen Jugoslawien Stabilität und Fort­schritt erreichen. Slowenien trat 2004 der EU bei, Kroatiens Beitritt ist für den Som­mer 2013 vorgesehen.

Ein Staat scheint jedoch noch immer ein Pulverfass zu sein - die Bundesrepublik Bosnien und Herzegowina, die im Grunde ein internationales Protektorat ist und seit der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens im Jahr 1995 bis heute in zwei Verwal­tungsabschnitte gegliedert ist: Der Republik Srpska und der Föderation Bosnien und Herzegowina. Zwar soll die Bundesrepublik ebenfalls der EU beitreten, doch die Situation ist noch immer zu labil und unbeständig. Nationalistische Strömungen, religiöser Separatismus, ethnische Konflikte und die politisch-administrative Dreitei­lung scheinen die Gesellschaft zum auseinanderdriften zu bringen. In kaum einem anderen europäischen Land ist die komplexe Verflechtung von Ethnizität, Religion und Nationalidentität so intensiv und folgenschwer wie in diesem Beispiel.

In der vorliegenden Bachelorarbeit zum Thema „Feindbilder der Nachkriegsgenera­tion in Bosnien und Herzegowina“ wird daher untersucht, wie die Einstellung der Nachkriegsgeneration zu ihren Mitmenschen ist, denn diese wird über die Zukunft, die politische Stabilität und damit einhergehend den Beitritt in die EU entscheiden. Die Fragestellung „Kann politische Stabilität zukünftig durch Abbau von Feindbil­dern der jungen Generation erreicht werden?“ soll abschließend diskutiert werden. Wichtig ist es dabei, tatsächlich die Jugendlichen zu befragen, die den Krieg nicht bewusst miterlebt haben und folglich kein Kriegstrauma aufweisen, um einerseits abzuleiten, wie das gesellschaftliche Klima ist, das die Jugendlichen umgibt und ge­prägt hat, andererseits wie ihr Wertesystem in Bezug auf politische Aspekte aufge­baut ist. Bisher gibt es in der Forschung nur wenige Quellen, die sich auf jugendliche Perspektiven fokussieren, welche allerdings in Zukunft maßgeblich an der Gestal­tung Bosnien-Herzegowinas beteiligt sein werden, daher knüpft diese Arbeit an die­sem bisher wenig untersuchten Feld an.

Feindbilder spielen dafür eine bedeutende Rolle - bei Bestand können demokratische Kooperationen und nationale Einheit scheitern, die dringend erforderlich sind, um die Lasten des Krieges zu überwinden und das Land wirtschaftlich weiterzuentwi­ckeln. Die unterbewussten Motive sind prägend für Gesellschaft, Politik, Bildung und Verwaltung. Bei der Untersuchung sollen die Perspektiven der bosnisch­serbischen, sowie der bosniakischen Bevölkerungsgruppen im Vordergrund stehen, da sie die größten Bevölkerungsanteile ausmachen und dort besonderes Konfliktpo­tenzial auf Grund religiöser Spannungen und territorialer Machtansprüche besteht. Deshalb müssen für eine dauerhafte Friedenskonsolidierung beide Parteien betrachtet werden. Auch wenn es nationalistische Strömungen auf Seiten der bosnisch­kroatischen Bevölkerungsgruppe gibt und diese mit dem Katholizismus eine weitere religiöse Komponente hinzufügen, wird dieser Teil der Bevölkerung bewusst ausge­lassen, um den zum Teil extremen Gegensatz zwischen Bosniakinnen und Bosnia- ken, sowie bosnischen Serbinnen und Serben darzustellen, die erwartungsgemäß auf Grund der Kriegsereignisse eine intensivere gegenseitige Prägung haben müssten, was im Laufe der Arbeit genauer ausgeführt wird.

Zunächst wird die Thematik in den Forschungsstand eingeordnet und der Mehrwert, den diese Arbeit im Diskurs bieten soll, wird aufgezeigt (2.). Um einen Gesamtüber­blick zu verleihen, werden zunächst in Abschnitt 3.1. die wesentlichen Kriegsereig­nisse kurz skizziert, die das Land bis heute prägen, woraufhin in Abschnitt 3.2. poli­tische Entwicklungen und Konflikte seit dem Friedensabkommen von Dayton bis zur Gegenwart zusammengefasst dargestellt werden.

Daraufhin wird aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven erklärt, was Feindbilder sind und wie sie entstehen (4.1.), woran eine theoretische Schlussfolge­rung über Feindbilder aus serbischer Perspektive anknüpft, wobei der Fokus auf der jungen Generation liegt, um eine theoretischen Vergleich zu der Erhebung im fol­genden Abschnitt ziehen zu können (4.2.).

In einem empirischen Teil werden daraufhin die Feindbilder aus bosniakischer Per­spektive untersucht, für die qualitative Interviews in Sarajevo durchgeführt wurden. Nach der Beleuchtung des Forschungsgegenstandes (5.1.), wird das Untersuchungs­design begründet und erklärt (5.2.). Daran anknüpfend werden der Untersuchungs­verlauf (5.3.), als auch die Ergebnisdiskussion (5.4.) präsentiert. In einem zusam­menfassenden Fazit (6.) wird versucht, ein Resümee über Erkenntnisse aus der Theo­rie sowie aus der qualitativen Forschung zu gewinnen und die Frage zu beantworten, wie die Perspektive auf politische Stabilität in Abhängigkeit zu Feindbildern aus­sieht.

Von Vornherein ist es klar, dass keine vollständige und tiefgreifende Analyse in dem Umfang einer Bachelorarbeit möglich ist. Ziel ist es, lediglich einen Überblick über Einflussfaktoren und die Komplexität zu verschaffen und wenn möglich, sogar die Basis für weiterführende Forschung zu bilden, da Bosnien und Herzegowina in der Politikwissenschaft sowie in der internationalen Politikgemeinschaft mittlerweile sehr wenig Beachtung findet.

2. Einordnung in den Forschungsstand

Es gibt eine Vielzahl von Literatur, die sich mit der Entstehung von Feindbildern, Sozialisation, der Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens, dem Kriegsverlauf, ge­schlechterspezifischen und ethno-nationalistischen Perspektiven, dem Eingreifen der internationalen Gemeinschaft sowie dem Dayton-Abkommen und dessen Konse­quenzen untersucht. Merklich ist dabei, dass die Anzahl der Publikationen gerade nach Kriegsende sehr hoch war, seitdem allerdings stetig gefallen sind.

David Chandler, Professor an der University of Westminster, zeigte in seinem Werk „Faking democracy after Dayton“ (2000) eine kritische Reflexion über den Frieden in Bosnien-Herzegowina auf und auch Professor Sumantra Bose, der an der London School of Economics and Political Science doziert, hat Konflikthintergründe und den Kriegsverlauf untersucht. In der deutschsprachigen Wissenschaftsliteratur sind es oft Werke und Beiträge von Dunja Melcic, wie das Handbuch „Der Jugoslawienkrieg“ (2007), die den Diskurs weiterentwickeln.

Auch aktuelle politische Prozesse werden reflektiert, Thorsten Gromes Werk von 2012 „Ohne Staat und Nation ist keine Demokratie zu machen“ bietet dabei eine sehr gute Zusammenfassung über die jüngste Vergangenheit in Bosnien und Herzegowi­na. Allerdings gibt es bisher nur wenig Forschung zu der Frage, inwiefern die junge Generation des Landes geprägt ist und wie sie die Zukunft des Landes beeinflussen könnte.

Bei der Literaturrecherche wurden zudem sehr wenige wissenschaftliche Publikatio­nen gefunden, die das Verhältnis von bosnischen Serbinnen und Serben zu Bosnia- kinnen und Bosniaken als Gegenstand haben. In einem Rahmen theoretischer Kon­zepte ist daher der Anspruch dieser Arbeit, eine mögliche zukünftige Perspektive der Nachkriegsgeneration zu erarbeiten, da diese zwar in Frieden, aber mit den Altlasten des Krieges und den Herausforderungen des Dayton-Abkommens lebt und daher die Annahme nahe liegt, dass die Kombination dieser Einflüsse entscheidend für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft von Bosnien und Herzegowina wird. Erschreckenderweise ist die Wissenschaft nicht von rassistischen Zuschreibungen und impliziten Beschuldigungen frei. Argumentativ teilweise schwache Publikatio­nen, die die Bewohner des ehemaligen Jugoslawiens als Barbaren beschreiben oder gravierende menschliche Differenzen zwischen den ethnischen Gruppen herausstel­len, sind keine Ausnahmen.

Wichtig ist, dass die Zuschreibung von „Opfer“ und „Täter“ bei der Betrachtung möglicher Jugendlicher Gedankenmuster nicht vorkommt, denn in der Literatur wer­den oft (bosnisch-)serbische Menschen als Täter angeführt, wohingegen Bosniakin- nen und Bosniaken als Opfer dargestellt werden, was mit den Kriegsereignissen, wie dem Massaker von Srebrenica oder systematischer Vergewaltigung zusammenhängt, bei denen die Aggression primär von serbischer Seite aufkam und sich gegen die bosniakische Bevölkerungsgruppe richtete. Diese Zuschreibungen nachhaltig auf­recht zu halten, ist allerdings nicht förderlich für die Entwicklung eines friedensori­entierten Diskurses.

Obwohl die Kriegsereignisse erschreckende Fakten der Vergangenheit sind und nicht vergessen werden dürfen, soll der Forschungsanspruch sein, die ethnischen Gruppen auf Augenhöhe zu betrachten.

3. Einschneidende Ereignisse und die Entwicklung Bosnien und Herzegowinas seit Beginn des Jugoslawienkrieges

Um die Komplexität des Krieges und der Feindschaften zwischen den in Bosnien und Herzegowina lebenden Volksgruppen zu illustrieren, werden im folgenden Ab­schnitt zusammenfassend die wesentlichen politischen und gesellschaftlichen Ereig­nisse seit den 1990-er Jahren dargelegt.

3.1. Prägende Kriegsereignisse in den 1990-er Jahren

Um die Ereignisse während des Krieges im heutigen Bosnien und Herzegowina zu verstehen, muss zunächst vorangestellt werden, dass ein wesentliches Charakteristi­kum der heutigen Bundesrepublik die Koexistenz von verschiedenen Bevölkerungs­gruppen war und ist. Die Regionen waren bereits Schauplatz diverser Konflikte, was unter anderem auf zwei Charakteristika zurückzuführen ist, die auch wesentlich für das Verständnis des Bosnien-Kriegs in den 1990ern ist:

„sie werden entweder von Menschen mit einem oftmals unklaren und schwan­kenden ethnischen und nationalem Bewußtsein [sic] und mit nicht allgemein anerkannter ethnischer und nationaler Zugehörigkeit bewohnt oder sie wurden früher von einer anderen Ethnie besiedelt, die auf diese Gegend einen staatli­chen Herrschafts- und manchmal sogar einen ethnischen Wiederbesiedlungsan­spruch erhebt, der dann implizit meist auch einen ethnischen Vertreibungs­wunsch erhält, der manchmal sogar explizit artikuliert wird. Ein Siedlungskon­flikt ist in aller Regel weit gewalttätiger als ein bloßer Herrschaftskonflikt“

(Jahn 2008: 65).

Bosnische Kroaten und Kroatinnen (römisch-katholischen Glaubens), bosnische Ser­ben und Serbinnen (christlich-orthodoxen Glaubens), sowie Bosniaken und Bosnia- kinnen (moslemischen Glaubens) lebten in der heterogenen Region miteinander und machen die Hauptkonfliktgruppen während des Kriegsverlaufs aus (vgl. Burg/ Shoup 2000: 16f.), wobei erwähnt werden muss, dass auch andere Volksgruppen das Gebiet besiedeln. Durch Missionierung war bereits im neunten Jahrhundert das Christentum in der Region verbreitet, bis im 15. Jahrhundert viele Menschen den moslemischen Glauben während der Besatzung durch das Osmanische Reich annahmen - ein Groß­teil der Moslems gehörte allerdings zu derselben Bevölkerungsgruppe wie die christ­lichen Gruppen (vgl. Shenk 1998: 100). An dieser Stelle ist herauszuheben, dass die Religionszugehörigkeit als wesentliches Merkmal zu betrachten ist, mit dem sich die Menschen zu identifizieren begannen (vgl. Rogel 1998: 29), was bis heute das Hauptmerkmal in der Trennung der Bevölkerung darstellt und tiefergehendes Kon­fliktpotenzial birgt. Bosniakinnen und Bosniaken hatten ethnologisch gesehen den­selben Ursprung, waren jedoch lediglich zum Islam konvertiert (vgl. Cohen 1998: 45).

In der prägenden Ära des Sozialismus unter Staatschefs Tito von 1945-1980 war die Koexistenz der Religionen im Sinne der Staatsideologie, welche Brüderlichkeit und Einheit proklamierte und konträre Positionen nicht tolerierte, vereinfacht und not­wendig, wenngleich negative Konnotationen gegenüber Gruppen bestanden, die nicht als Südslawen anerkannt wurden (vgl. Riegler 2008: 77ff).

Es darf auch nicht vergessen werden, dass im Zuge der Umsetzung eines sozialisti­schen Systems die Bedeutung von Religion in der Gesellschaft vermindert wird, was dazu führte, dass bis zu der Hälfte der Bevölkerung sich als atheistisch bezeichnete. Allerdings wurde die Religiosität nach dem Systemzusammenbruch wiederbelebt und gewann zunehmend an Bedeutung (vgl. Cohen 1998: 48ff.).

Der Zusammenbruch des realsozialistischen Systems in Jugoslawien und Titos Tod führten zu ökonomischen und sozialen Ungleichheiten, die das Konfliktpotenzial zwischen den Bevölkerungsgruppen anheizten und ethno-nationalistische Anfein­dungen wieder aufleben ließen (vgl. Burg/Shoup 2002: 4f.).

Wiederholt wird in der Literatur darauf verwiesen, dass der Konflikt besonders von Seiten (bosnisch-)serbischer Gruppen angestachelt wurde, was mit dem Verlust der politischen Vorherrschaft und von Territorien zusammenhing, da die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien nicht mehr bestehen konnte und ihr Auseinander­brechen mit Machtverlusten verbunden war (vgl. Jahn 2008: 66).

Darüber hinaus belastete die ökonomische Ungleichverteilung zwischen den Bevöl­kerungsgruppen den sozialen Frieden, bspw. machten auf dem bosnisch- herzegowinischen Territorium Anfang der 1990er die serbische Bevölkerung einen Anteil von 30% aus, besaß allerdings über 50% des Grundbesitzes, obwohl in dieser Region knapp 50% Bosniaken und Bosniakinnen sowie 20% bosnische Kroaten und Kroatinnen wohnhaft waren (vgl. Shenk 1998: 102), davon ausgehend kann auf sozi­ale und ökonomische Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsgruppen schlossen werden.

Diese Ungleichheiten sowie nationalistisches Gedankengut innerhalb der Bevölke­rung spiegelten sich in den Wahlen von 1990 wieder, bei denen die drei ethno- nationalistischen Parteien die meisten Stimmen gewannen: die bosnisch-kroatische Bevölkerung war durch die Hrvatska demokratska zajednica (HDZ, deut.: Kroatische demokratische Union) vertreten, wohingegen der bosnisch-serbische Anteil die Srpska Demokratska Stranka (SDS, deut.: Serbische Demokratische Partei) wählte und die bosniakischen Bürger und Bürgerinnen sich für den Kandidaten Alija Izetbegovic der kurz zuvor gegründeten „Stranka demokratske akcije“ (SDA, deut.: Partei der demokratischen Aktion) entschieden, welcher daraufhin Präsident von Bosnien und Herzegowina wude (vgl. Rogel 1998: 30).

In kurzer Zeit überschlugen sich die Ereginisse im ehemaligen Jugoslawien: zunächst fand die Sezession Sloweniens und Kroatiens von der jugoslawischen Föderation statt (1991/92) und mit einem Ergebnis von über 99% bei einer Wahlbeteiligung von 63% stimmte die bosnische Bevölkerung für ihre eigene Unabhängigkeit. Das Machtverhältnis verschob sich zu Ungunsten der serbischen Gruppe, was dazu führte, dass der Krieg besonders von bosnisch-serbischer Seite durch Radovan Karadžic (SDS), damaliger Präsident der Republika Srpska (RS), einer Entität innerhalb Bosnien und Herzegowinas, und dem Militärführer Ratko Mladic, sowie der Unterstützung des damaligen Präsidenten Serbiens Slobodan Milosevic forciert wurde, um keine Territorien und Macht zu verlieren. (Vgl. Rogel 1998: 31f.)

Milosevic hatte sich genauso wie Franjo Tudjman, damaliger Präsident Kroatiens, religiös positioniert und hatte die Unterstützung kirchlicher Vertreter, während die bosniakische Bevölkerungruppe sich zu dem Zeitpunkt zu einem großen Teil noch als jugoslawisch identifizierte (vgl. Cohen 1998: 54ff.). Nachvollziehares Ziel war es, im Schutz der sozialistischen Ideologie, die dieser Identifikation zugrunde lag, feindliche Positionen abzuwenden.

Während des Konfliktes war ein hauptsächlicher Streitpunkt, ob die international anerkannten Grenzen von Bosnien-Herzegowina bestehen könnten. Trotz der Grenzanerkennung durch die internationale Gemeinschaft gab es keine Sicherheiten für Bosnien und Herzegowina und auch der Einsatz der UN-Truppen in Form des Peacekeeping-Einsatzes der UNPROFOR (United Nations Protection Force), konnte zwar humanitäre Hilfe in den besetzten Städten wie Sarajevo und Mostar leisten, aber die Gewalt nicht eindämmen (vgl. Bendiek 2004: 59f.). Trauriger Kriegshöhepunkt stellt dabei das Massaker von Srebrenica dar, bei dem ca. 8.000 Bosniaken in kurzer Zeit trotz Anwesenheit der UN-Truppen grausam ermordet wurden. (Vgl. Gromes 2012: 64f.)

Darüber hinaus sind Vertreibung und auch strategische Massenvergewaltigung von serbischer Seite gegen Bosniakinnen großflächig umgesetzt worden: nach

Schätzungen diverser Organisationen variiert die Zahl der Opfer zwischen 20.000 und 100.000, wobei es bis zu 30.000 ungewollten Schwangerschaften gekommen sein soll. Dieses grausame Vorgehen wurde nicht nur als physisches und psychisches Gewaltmittel angewandt, sondern war auch in einem kulturellen Gedankenkonstrukt eingebettet, das Bestandteil des Genozids war (vgl. Burkhardt 2005: 64). Die kulturelle Identität, bzw. die ethnische Zugehörigkeit wird - so das damalige Denkmuster - über den Mann tradiert, was die erzwungenen Austragungen erklärt: dieser Annahme nach, brachten bosniakische Frauen serbische Kinder zur Welt, was die zukünftige Dominanz des serbischen Volkes gewährleisten sollte (vgl. Hromadžic 2004: 122ff.). Daraus wird deutlich, dass der Krieg in einem Ausmaß stattfand, bei dem es nicht nur um diplomatische und politische Motive ging, sondern auch in Form des Genozids gegen Bosniaken eine ethnisch wichtige Komponente beinhaltete, die den Konfliktverlauf prägte.

In folge des internationalen Drucks unterzeichneten die Konflikatparteien Ende 1995 das Dayton-Abkommen, das den Krieg beendete. Alija Izetbegovic (bosniakischer Vertreter), Slobodan Milosevic (serbischer Vertreter) und Franjo Tudjman (kroatischer Vertreter) unterzeichneten im Dezember 1995 den Vertrag, der die Anerkennung der Grenzen von Bosnien-Herzegowina gewährleistete und darüber hinaus zur Folge hatte, dass das Amt des Hohen Repräsentaten für Bosnien und Herzegowina eingeführt wurde. (Vgl. Gromes 2012: 65)

Der Hohe Repräsentant hat bis heute die Aufgabe, die Einhaltung der zivilen Punkte des Abkommens von Dayton zu überwachen. Allerdings hat er ebenfalls die Befugnis, „Gesetze zu erlassen, zu ändern oder zu annullieren, sowie die Möglichkeit Amtsträgerinnen bis hin zum Präsidenten abzusetzen“ (Jenichen 2010: 144), was bis heute zu Komplikationen führt (siehe Abschnitt 2.2.).

Wesentlich war auch die im Dayton-Abkommen festgeschriebene Teilung der Re­publik in zwei Entitäten: Die Republika Srpska (RS) macht innerhalb des Staates 49% der Fläche aus, die bosnisch-kroatische und bosniakische Föderation Bosnien und Herzegowina hingegen 51%, was die administrative Dezentralisierung und mul­ti-ethnisches Regieren zur Folge haben sollte (vgl. Chandler 2000: 67).

Die Regelungen des Dayton-Abkommens bestimmen bis heute den politischen, ad­ministrativen und gesellschaftlichen Alltag und beeinflussen die Entwicklungen im Zuge der europäischen Integration und der Friedenskonsolidierung, wie im folgenden Abschnitt dargelegt wird.

3.2. Politische Entwicklungen und Konflikte in der Nachkriegszeit der Republik

Fast 18 Jahre sind seit der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens vergangen, viele Maßnahmen zur Stabilisierung des Staates wurden umgesetzt, jedoch gibt es nach wie vor tiefgreifende Konflikte ethno-nationalistischer Natur, welche die Gesell­schaft spalten, besonders in Zusammenspielmit der schwachen wirtschaftlichen La­ge. Der britische Politikwissenschaftler David Chandler merkt in seinem Diskurs an, dass Bosnien-Herzegowina demokratische Strukturen (noch) nicht umsetzen kann, da die zeitliche Nähe zu den Kriegsereignissen zu groß ist und westliche Länder selbst 50 Jahre für die weitgehende Umsetzung demokratischer Strukturen gebraucht ha­ben, was in der internationalen Arbeit eine Diskrepanz zu den Maßnahmen bildet, die einen schnellen Effekt haben sollen (vgl. Chandler 2000: 27ff.).

Um die demokratisierenden Entwicklungen zu begünstigen, wurden mit Nachdruck des Hohen Repräsentanten die gemeinsame Flagge, die Nationalhymne, das Staats­wappen sowie eine gemeinsame Währung eingeführt - Symbole, die zur Entwick­lung einer kollektiven Identität beitragen sollten (vgl. Gromes 2012: 82f.). Damit eine größere Freizügigkeit der Bevölkerung erreicht wird, wurden die Autokennzei­chen vereinheitlicht und um die Wahlen zu unterstützen, wurde eine Wahlkommissi­on von der OSZE eingerichtet (vgl. Gromes: 71f.).

Nach dem Krieg fanden die Parlamentswahlen im Zwei-Jahres-Takt statt. Erstmals wurden im Jahr 2002 die Wahlen für eine vierjährige Legislaturperiode nach einem landesweit einheitlichen Wahlgesetz durchführt, jedoch war das Ergebnis auszweier­lei Gründen ernüchternd: Die Wahlbeteiligung war mit 55% sehr niedrig und die Parteien mit den meisten Stimmen waren die ethno-nationalistischen (vgl. Melčic 2007: 445). Die Tatsache, dass internationale Akteure (Hoher Repräsentant, UN, NATO, EU) an der politischen Gestaltung Bosniens beteiligt sind und der Staat Bos­nien-Herzegowina diesen Akteuren Rechenschaft schuldig ist (vgl. Chandler 2000: 50), wird in Folge der Erkenntnis nachträglicher nationalistischer Dominanz in ein schlechtes Licht gerückt und die Frage, inwiefern die angewandten Methoden zur Demokratisierung sinnvoll sind, stellt man sich an dieser Stelle offensichtlich zu­recht.

Es ist allerdings anzumerken, dass im Rahmen der Umsetzung des Dayton- Abkommens ein Rotationsverfahren für die Präsidentschaft eingeführt wurde, damit durch das wechselnde Mandat der gewählten Vertreter der drei großen Bevölke­rungsgruppen eine Ausgeglichenheit bei den politischen Interessen besteht (vgl. Chandler 2000: 68). Was als positive Regelung zur Güte gedacht war, hat allerdings einen Makel: andere Gruppen wie Sinti, Roma und Mitglieder der jüdischen Ge­meinde werden außer Acht gelassen.

Obwohl an demokratischen Verfahren, wie der Einrichtung einer Drei-Prozent-Hürde für die Parlamentswahlen, gearbeitet wurde und bis 2002 etwa die Hälfte der 2,2 Mil­lionen Flüchtlinge nach Bosnien-Herzegowina zurückkehrte, gab es sowohl im poli­tischen, als auch im gesellschaftlichen Kontext Schwierigkeiten: Die Philosophin und Publizistin Dunja Melčic kritisiert das Ausmaß der Einflussnahme des Hohen Repräsentanten, das sogar zu einer Verzerrung der Wahlen geführt haben soll. Dies sollte stark ausgeprägten nationalistischen Strömungen im Land eindämmen, was jedoch erfolglos blieb. Darüber hinaus stellt sie die nachwirkende Dominanz bos­nisch-serbischer Interessen in Politik und Administration heraus sowie die Tatsache, dass über 60% der jungen Bevölkerung gerne das Land verlassen möchten. (Vgl. Melčic 2007: 446ff.)

Die Spannungen zwischen den Gemeinschaften haben sich lange gehalten, selbst 10 Jahre nach dem Krieg, waren die Bevölkerungsgruppen zerstritten, wenn es um ihre nationalen Symbole und Benennungen von öffentlichen Einrichtungen und Straßen ging - zu groß sei der Einfluss der Republika Srpska für eine gemeinsame Entwick­lung (vgl. Gromes 2012: 80). Die Forderungen nach Sezession der Republika Srpska hielten sich über Jahre standhaft, verstummten allerdings langsam, nachdem 2005 der Präsident der RS, Dragan Cavie, sich konstruktiv zum Fortbestehen der Entität als Bestandteil Bosnien-Herzegowinas äußerte, was nicht zuletzt mit den internatio­nalen Erwartungen an den Staat zusammenhängt, vor allem in Bezug auf einen mög­lichen EU-Beitritt (vgl. Gromes 2012: 81f.).

Gromes zeigt die stetige Meinungsentwicklung der Bevölkerungsgruppen auf: wäh­rend im Jahr unmittelbar nach dem Krieg bis zu 99% der Bosniakinnen und Bosnia- ken für einen gemeinsamen Staat waren, fiel die Zustimmung der kroatischen Bevöl­kerungsgruppe auf 31%, wohingegen lediglich nur bis zu sieben Prozent der Serbin­nen und Serben einen gemeinsamen Staat wünschten (vgl. Gromes 2012: 68). Von kroatischer Seite bestand der Wunsch, eine dritte Entität zu entwickeln, was aller­dings verfassungswidrig und somit nicht möglich war (vgl. Gromes 2012: 76).

Die Zustimmung eines gemeinsamen Staates auf serbischer Seite stieg allerdings bis 2005, zu diesem Zeitpunkt akzeptierte etwa die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger Bosnien-Herzegowina als Heimat und war gegen eine Sezession (vgl. Gromes 2012: 83), jedoch war auf politischer Ebene das Eingreifen des Hohen Repräsentanten wie­derholt von Nöten (vgl. Gromes 2012: 76).

Der für 2007 geplante Abzug des Hohen Repräsentanten scheiterte, nachdem im Jahr 2006 zwischen den politischen Interessensgruppen erneut ethno-nationalistische Konflikte entstanden, die auch mit der Forderung von bosniakischer Seite nach der Abschaffung der Republika Srpska zusammenhingen, die wegen der Vorbelastung des Genozids nicht fortbestehen sollte (vgl. Gromes 2012: 85).

Jedoch sind nicht nur die politischen Positionen der Vertreter der ethno- nationalistischen Parteien problematisch, sondern auch die Gräben, die in den Jahren nach dem Krieg zwischen den Bevölkerungsgruppen institutionalisiert wurden und sich verfestigt haben: Administration, Bildung und Sprache waren im jugoslawischen Staat verbindende Elemente, allerdings besteht gegenwärtig eine organisierte Dreitei­lung. Während die serbo-kroatische Sprache vor den Jugoslawienkriegen akzeptiert war, wurde nach dem Krieg die Teilung in Bosnisch, Kroatisch und Serbisch vollzo­gen. Die Sprachen unterscheiden sich lediglich in spezifischen Begrifflichkeiten und der Tatsache, dass die serbische Sprache mit kyrillischen Schriftzeichen geschrieben wird, wohingegen im Bosnischen und Kroatischen lateinische Buchstaben benutzt werden. Mit der Dreiteilung gehen allerdings Begleiterscheinungen einher - nicht nur, dass alle amtlichen Dokumente stets in den drei Sprachen verfasst werden müs­sen zeigt die festgeschriebene Trennung auf, vielmehr zeigt sich, dass nach der regi­onalen Bevölkerungsverteilung oft jeweils nur eine Sprache der Bevölkerung ent­sprechend an Schulen unterrichtet wird. (Vgl. Gromes 2012: 95)

Besonders die Prägung zukünftiger Generationen könnte damit maßgeblich in die Richtung hingehend gefestigt werden, dass es wenige Gemeinsamkeiten zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt und sich keine gemeinsame Identität entwickeln kann, da Sprache sowohl Symbol, als auch Mittel der ethno-nationalen Identitätsbil­dung ist (vgl. Andjelic 2012: 120).

Zu Kriegszeiten spielten ethno-nationalistische Medien eine verstärkte Rolle bei der Prägung des gesellschaftlichen Klimas: die zu einem großen Teil privat organisierte und finanzierte Medienlandschaft zeigte in Hass- und Propagandamaterial die Feind­schaft der Bevölkerungsgruppen. Nach dem Dayton-Abkommen unterstützte die in­ternationale Gemeinschaft die Verbesserung unabhängiger, demokratischer Bericht­erstattung, da die Fernsehverbreitung bei 97% liegt, allerdings gibt es bisweilen noch immer nationalistische Prägungen in den Sendern des Landes. (Vgl. Liesem/ Stegherr 2010: 120ff.)

Betrachtet man diese unterschiedlichen Aspekte, wird deutlich, dass die Entstehung einer gemeinsamen, verbindenden nationalen Identität und Kultur in Frage steht, denn ,,(...) Religionsgemeinschaften, polarisierende Medien, das vom Ethno- Nationalismus vergiftete Bildungswesen sowie die vielerorts bestehende ethnische Homogenität setzt enorme zentrifugale Kräfte frei“ (Gromes 2012: 93). Das bedeu­tet, dass die Existenz Bosnien-Herzegowinas in der gegenwärtigen Form in Zukunft bedroht sein könnte, wenn es nicht gelingt, den sozialen Frieden im Zuge dauerhafter Friedenskonsolidierung zu stabilisieren. Die junge Generation wächst in diesem komplexen Wertegeflecht auf und muss dennoch Offenheit, Toleranz und Verständ­nis für die politischen und gesellschaftlichen Prozesse entwickeln, um Konflikte zu verhindern.

Auf Grund der vielen Schwierigkeiten bei der Friedenskonsolidierung und dem Staatsbildungsprozess, sowie der Schwerfälligkeiten politischer Strukturen wird das Modell Bosnien und Herzegowina als Produkt internationaler Kooperation unter Be­obachtern und Diplomaten als nicht sehr positiv gewertet (vgl. Lemke 2008: 95).

Es scheint, als würde Bosnien-Herzegowina in einem Teufelskreis stecken, der die Weiterentwicklung des Landes verhindert: Um die Möglichkeit zu haben, der EU beizutreten, ist es wichtig, dass das Land stabil ist und ohne Hilfe der internationalen

Gemeinschaft sowie Druck des Hohen Repräsentanten mit Politik, Verwaltung, De­mokratie, gesellschaftliche und religiöse Themen angemessen umzugehen weiß. Al­lerdings ist es schwierig diese Unabhängigkeit zu entwickeln, wenn die dauerhafte Präsenz und das Eingreifen des Hohen Repräsentanten diesen Prozess in gewissem Maß unterbinden, da bei Schwierigkeiten eingegriffen wird, anstatt die Bürgerinnen und Bürger „Demokratie lernen“ zu lassen.

4. Feindbilder in ethno-nationalistischen Konflikten

Bewusste und unbewusste Feindbilder in einer Gesellschaft oder einer bestimmten Gruppe können wesentlich für Konflikte und ein negatives gesellschaftliches Klima sein. Die Hintergründe und Erklärungsmuster haben dabei eine große Bandbreite und müssen für jeden Fall einzeln betrachtet werden.

Daher wird in dem Abschnitt 4.1. zunächst ein Überblick über die theoretischen Hin­tergründe von Feindbildern geboten, woraufhin anschließend (4.2.) die Erkenntnisse auf die (bosnisch-)serbische Perspektive in Bezug auf den Kriegskonflikt angewandt werden.

4.1. Feindbilder - Überblick über die komplexe Vielfalt theoreti­scher Erklärungsmuster

Der Begriff „Feindbild“ ist bei der Untersuchung von ethno-nationalistischen Kon­flikten von besonderer Wichtigkeit, da soziale Werte und kognitive Prozesse ent­scheidend für den Konfliktverlauf sein können. Allerdings besteht die besondere Herausforderung darin, den Begriff, der in unterschiedlichen Disziplinen verschieden betrachtet und untersucht wurde, so genau zu fassen, sodass er operationalisiert wer­den kann. Daher wird im Folgenden ein Überblick über verschiedene wissenschaftli­che Perspektiven und Erklärungen geliefert, was zu einem späteren Zeitpunkt für die wissenschaftliche Untersuchung in dieser Arbeit essenziell ist.

4.1.1. Feindbilder - Eine große Bandbreite an Definitionen bedarf interdiszipli­nären wissenschaftlichen Arbeitens

Obwohl man Feindbilder auch auf individueller Ebene betrachten kann, stehen in dem Zusammenhang der vorliegenden Arbeit kollektive Feindbilder im Fokus. Diese haben zwar ihren Ursprung bei einzelnen Individuen, aber werden dadurch definiert, dass Vorurteile und Stereotype gegenüber einer Gruppe zugrundeliegen, die als „an­ders“, sogar bedrohlich bzw. feindlich gegenüber der „eigenen“ betrachtet wird, wel­che allerdings im selben Umfeld besteht (vgl. Riegler 2008: 75).

Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Erklärungsmustern und wissenschaftlichen Perspektiven, die auf die Hintergründe der Entstehung und Aufrechterhaltung von Fremdenfeindlichkeit, bzw. zugrunde liegenden Feindbildern, eingehen, wie die Ta­belle nach Gernot Saalmann zeigt (siehe Anhang A): Man erkennt, dass nach drei Erklärungsmuster differenziert werden kann: dem anthropologischen, dem psycholo­gischen sowie dem soziologischen. Demnach gibt es „natürliche“ menschliche, also anthropologische Motive, die die Entstehung von Feindbildern begünstigen, wozu auch Schutz- und Abwehrmechanismen gehören. In der psychologischen Perspektive gibt es eine Reihe komplexer Annahmen, die zwar primär Individuen betreffen, aber auch auf das Kollektiv angewandt werden können, da eine bestimmte gesellschaftli­che Atmosphäre, der ideale Nährboden für die Entstehung und Verfestigung von Feindbildern sein kann. Da es neben kognitiven und individualpsychologischen The­orien zu Feindbildern auch eine sozialisationspsychologische Perspektive gibt, lässt sich ableiten, dass eine Gruppe, die von ähnlichen Sozialisationsinstanzen und Wer­ten umgeben ist, eine verstärkende Gruppendynamik in eben diesen Annahmen ent­wickeln kann. Die soziologischen Erklärungsmuster, die gesellschaftliche Motive betrachten und somit auch wesentlicher Bestandteil politischer Prozesse sind, erklä­ren, dass Medien, gesellschaftliche Konflikttheorien, aber auch Zusammenhänge mit Entwicklungen in der modernen (Industrie-) Gesellschaft und die diskursive Prägung durch in der Gesellschaft vorherrschender Bilder zu der Entwicklung von Feindbilder maßgeblich beitragen können. (Vgl. Saalmann 2005: XVIff.)

4,1,2, „Der Ursprung des Bösen“? Psychologische Perspektiven auf Feindbilder

Da es sich bei der Kreation von Feindbildern um einen individuellen Prozess handelt, muss der psychologische Forschungsstand aufgearbeitet werden: Feindbilder sind als irrationale Abwehrmechanismen zu verstehen, die oft unterbewusst auf Angst basie­ren und die globale Solidarität, die für Friedenskonsolidierung essenziell ist, aufhal­ten. Gründe dafür gibt es genug. Ein Aspekt ist der Mangel an der Bereitschaft, auf wirtschaftliche Vorteile, welche in Korrelation zu materieller Lebensqualität stehen, zu verzichten. Ein weiterer Punkt, der Feindbilder hervorruft, ist die Kompensation narzisstischer Unsicherheiten, die durch wirtschaftliche oder gesellschaftliche Schwäche hervorgerufen werden können. Der eigene Mangel soll allerdings verbor- gen werden und somit rückt der Fokus auf andere, an denen Feindbilder konstruiert werden. (Vgl. Berghold 2007: 88ff.)

Der Ursprung für die begünstigte Entstehung von Feindbildern kann bei kindlichen Traumata liegen, die vor allem mit Ablehnung von mindestens einem Elternteil ver­bunden sein können (vgl. Berghold 2012: 98), was in wirtschaftlich oder politisch schwierigen Zeiten durch unabsichtliche Aggression oder Unaufmerksamkeit einfa­cher vorkommen kann.

Der Wunsch nach der eigenen Aufwertung indem andere Personengruppen abgewer­tet werden, ist ebenfalls ein psychischer Abwehrmechanismus, der zu der Entstehung von Feindbildern beiträgt (vgl. Berghold 2007: 96). Dies lässt darauf schließen, dass Menschen oder Gruppen in prekären Situationen tendenziell leichter in negative ste­reotypische Denkmuster verfallen, als Personen bzw. Gruppen, die sich in einer si­cheren Umwelt bewegen.

Auf die Personengruppe, die das Subjekt des Feindbildes ist, treffen mehrere Aspekte zu: zum einen wird die Möglichkeit einer konstruktiven Diskussionsbasis der Gruppe abgesprochen, zum anderen wird emotional den Menschen die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungsmuster aberkannt. Darüber hinaus ist das Feindbild eine feste Kon­struktion, aus der die Personengruppen nicht ausbrechen kann und der im Folge­schritt das Recht an der gesellschaftlichen Teilhabe nicht zugestanden wird, da man ihre Menschlichkeit nicht anerkennt. Wie bereits erwähnt, entstehen diese Prozesse unbewusst aus emotionaler Not heraus und es besteht kein Bewusstsein darüber. In­teressanterweise richten sich Feindbilder gegen Personengruppen, die fremd sind, bzw. mit denen kein offener Dialog stattfindet. (Vgl. Berghold 2007: 160f.) Feindbilder, oft synonym mit dem Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ benutzt, dienen der Konstruktion von Identitäten und einem „Wir-Gefuhl“, der Differenzierung zwi­schen der eigenen und fremden Gruppe und werden daher bei Interessenskonflikten oft politisch instrumentalisiert, da sie besonders leicht dort entstehen, wo gesell­schaftlichen Systemen schwache Identitätsstrukturen zugrunde liegen und in denen das Bewusstsein über historische negative Ereignisse präsent ist (vgl. Pelinka 2008: 1 ff.). Die Funktion von Feindbildern ist somit im sozialen und politischen Zusam­menhang, die Stärkung der eigenen Gruppe zu erreichen, aber auch Mobilisierung für die Durchsetzung von Zielen in Konfliktsituationen zu begünstigen und damit ein­hergehend das Handeln der eigenen Gruppe und die eigene Position rechtfertigen zu können (vgl. Riegler 2008: 75).

Der direkte Kontakt mit dem Fremden, über das ein Feindbild konstruiert wird, muss dabei nicht stattgefunden haben, denn weder negative, noch positive Ereignisse prä­gen das Konstrukt des Feindbildes nachhaltig (vgl. Berghold 2007: 160).

In Anlehnung an die von Saalmann vorgestellte psychologische Perspektive muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass negative Annahmen durch Gruppendynamik ver­stärkt werden. Je größer eine Bedrohung oder Furcht empfunden wird, umso mehr tritt der Gegner und seine Zerstörung in den Mittelpunkt des Gruppeninteresses und in schwachen Gesellschaften, bzw. Gruppen sind solche Tendenzen viel leichter zu erwecken (vgl. Mentzos 2002: 208). Die Faktoren, die Jugoslawien schwächten, wa­ren Aspekte, die eine existenzielle Bedrohung für Individuum und Kollektiv darstell­ten, das Leben erschwerten und folglich den Fokus auf etwas Feindliches lenkten. Wesentlich ist tatsächlich die individuelle psychologische Basis: Selbst ohne klassi­sche Gründe, die zu Feindbildern führen, wie bspw. die Koexistenz identitätsbilden­der Faktoren, mangelnder Dialog oder wirtschaftlicher Druck, entwickeln Menschen oft eine natürliche Abwehrhaltung, die zu Konflikten führt. In einer labilen Gesell­schaft wird diese Einstellung reichlich genährt, da zum einen der Konformitätsdruck auf das Individuum einwirkt und das Risiko zu groß ist, selbst zum Außenseiter zu werden. Zum anderen wegen der ähnlichen Sozialisationsfaktoren innerhalb einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich durch diese soziale Ähnlichkeit aufschaukeln und folglich Feindbilder bis zum zerstörerischen Ausmaß verfestigen. (Vgl. Berghold 2012: 94ff.)

4.1.3. Prägende, äußere Einflüsse auf die Einstellung von Menschen - die sozio­logische Perspektive auf Feindbilder

Es wird deutlich, dass es viele Gründe für die Entstehung von Feindbildern gibt, die auch komplex miteinander verbunden und nur schwer zu differenzieren sind. Um die fachliche Nähe und den angemessenen Umfang dieser Arbeit zu wahren, werden im Folgenden die soziologischen Erklärungsansätze vorgestellt. Allerdings müssen im Fall Bosnien und Herzegowina noch weitere Aspekte betrachtet werden: die negative Prägung von Feindbildern kann durch historische Übermittlung, Sozialisation durch das Umfeld, wie der Familie, Peer-Group und Schule und infolge wirtschaftlich ne­gativer Veränderungen entstehen. Dazu muss in diesem Zusammenhang auch der Wert von Religion besonders hervorgehoben, da diese das wesentliche Merkmal zur Differenzierung der Gruppen in Bosnien-Herzegowina ist.

Im Zuge der Sozialisation sind Elemente wie Sprache und die Religionsgemeinschaft prägend (vgl. Schlee 2006: 36), wobei große Volksgruppen mit gleichen Wertesys­temen unter dem Begriff „Nation“ zusammengefasst werden, da sie in sprachlicher und kultureller Hinsicht verbindende Elemente inne haben. Diese Elemente, die in der historischen kollektiven Geschichte ihren Ursprung haben, sind wesentlich für die Prägung einer gesellschaftlichen oder ethnischen Identität (vgl. Lemke 2008: 93f).

Auffällig ist darüber hinaus, dass zu friedlichen Zeiten bei den Personen, die sich selbst als Jugoslawin bzw. Jugoslawe bezeichneten, in über 70% der Fälle keine reli­giöse Zugehörigkeit empfunden wurde, sondern eine atheistische Lebensweise vor­dergründig war (vgl. Cohen 1998: 53). Damit einhergehend ist davon auszugehen, dass die Religion, die von anderen Personen gelehrt wird, tatsächlich ein entschei­dender Faktor für die Identitätsbildung, bzw. der Entstehung von Feindbildern ist, da sie als trennendes Element betrachtet werden kann.

Dass Feindbilder ihre Basis auch in geschichtlichen Überlieferungen haben können, hängt damit zusammen, dass für die Prägung einer Gesellschaft Gedenken an histori­sche Ereignisse wichtig sind, welche allerdings aus subjektiven Perspektiven tradiert werden und der Erinnerung eine bestimmte Bedeutung beigemessen wird. Auch Ge­schichte wird somit als Mittel für die Identitätsbildung und Abgrenzung zwischen dem Fremden und dem Eigenen benutzt und trägt damit zur Entstehung von Feind­bildern bei. (Vgl. Fürst 2012: 11)

Feindbilder nehmen in extremen Weltanschauungen, wie dem Nationalismus, eine bedeutende Rolle ein und können von äußeren Umständen beeinflusst, bzw. verstärkt werden. Im Fall Jugoslawiens sind vier Faktoren wesentlich für die Entwicklung des Sachverhalts: 1. die schwere Wirtschaftskrise traf das Land besonders, 2. es mangelte nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges an Legitimati­onsmöglichkeiten für den Fortbestand des sozialistischen Gesellschafts- und Wirt­schaftssystems, 3. die vereinigende Figur Tito existierte nicht mehr und 4. die nicht nachvollziehbare Machtposition Serbiens und ihre Territorialansprüche war unge­klärt. (Vgl. Polónyi 2005: 122)

Gegenwärtig spielt es eine bedeutende Rolle, dass sich durch die Teilung in Entitäten zwei Gesellschaften mit verschiedenen Milieus gebildet haben, in denen Werte, poli­tische Sachverhalte in Bildungseinrichtungen, Familien und der Gesellschaft mit unterschiedlicher Wertung diskutiert und tradiert werden. Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Konnotationen in Schulen und Medien, die wesentlich für die soziologische Prägung sind (vgl. Gromes 2012: 95).

Besonders für Jugendliche ist es wichtig, über die historischen Hintergründe der Kriege im eigenen Land sachlich und ohne plakative Schuldzuweisung unterrichtet zu werden sowie dass sie in einem offenen Umfeld aufwachsen, ohne dass in Peer­Groups durch Medien und Schulunterricht negatives Gedankengut wachsen kann.

4.1.4. Feindbild Islam - Alte Ängste neu entflammt

Es gibt auch nahezu eine „Tradition“ zu einem Feindbildmuster - dem Feindbild Islam. Dieses Feindbild hält sich zäh, hat einen lang zurückliegenden Ursprung und ist immer wieder - genauso wie nahezu alle Feindbilder - neu erweckt worden. Die­ser Aspekt ist wesentlich für die Betrachtung, da Feindbilder auf bosnisch-serbischer Seite sich anhand der im Folgenden Beschrieben Muster entwickeln haben können.

In dem berühmten, aber umstrittenen Aufsatz „The clash of civilizations“ erklärte der Politikwissenschaftler Samuel Huntington bereits 1993 erhöhtes Konfliktpotenzial entlang religiöser Trennungslinien, bzw. an Orten an denen unterschiedliche Kultur­kreise aufeinandertreffen. Dabei zieht er auch das Beispiel des Bosnienkrieges heran, bei dem der slawisch-orthodoxe auf den islamischen Kulturkreis trifft. (Vgl. Hun­tington 1993: 33).

Obwohl die Differenzierung und die Thesen von Huntington rassistische Züge auf­weisen und von eurozentrisch geprägt sind, findet die Perspektive wiederholt Beach­tung, besonders wenn es um die Legitimation politischer Prozesse geht, aber auch bei der Diskussion von Konflikten zwischen Kulturen.

Es gibt auch weitere hintergründige Überlegungen zu der Entstehung und des Feind­bildes Islam. Die historischen Ursprünge dieses Feindbildes sind vielfältig: Angst vor Machtverlust christlicher Werte, verfeindete Weltansichten, Provokationen und ge­waltsame Auseinandersetzung prägten immer wieder die Erfahrungen von Generati­onen seit einem halben Jahrtausend (vgl. Steinbach 2008: 56f.).

Auch wirtschaftliche Konkurrenzereignisse, wie die Ölkrise 1973 und wiederholte Kriege und Konflikte im Nahen Osten, die in Verbindung mit extremistischen Partei­en standen brannten sich in das gesellschaftliche Gedächtnis ein. Nachdem die Berli­ner Mauer fiel und die politische Systemfrage irrelevant wurde, gewannen religiöse Auseinandersetzungen wiederholt an Bedeutung, damit einhergehend wurden pro­gressive und moderne Entwicklungen ignoriert. (Vgl. Steinbach 2008: 62ff.)

Bis heute ist das Bild des Islam in christlichen und westlich-geprägten Regionen ne­gativ konnotiert, was auch an der medialen und politischen Verarbeitung der An­schläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001, sowie an öffentlichen Aussagen, die nahezu denunzierend wirkten, wie missverständliche Reden von Papst Benedikt XVI im Jahr 2006, in welcher der Islam in direkter Relation zu Gewalt prä­sentiert wurde (vgl. Steinbach 2008: 65).

Auch wenn es kein Äquivalent in der islamischen Welt gibt, bestehen dennoch Mus­ter, die auf ein „Feindbild Westen“ hindeuten: Die politische und ökonomische Do­minanz des Westens sowie dessen Einmischung in kriegerische Konflikte, sorgten für negative Konnotationen, die allerdings nicht so intensiv ausgeprägt sind (vgl. Steinbach 2008: 68f.).

Zudem gab es in der Vergangenheit mediale Debatten, welche die Fronten zwischen den Standpunkten und Wertegemeinschaften verhärteten. Dazu zählt der Streit um die Mohammed-Karikaturen, der zu Massenprotesten in vielen islamischen Ländern führte. Nach taktlosen Aussagen von westlichen Politikern und klerikalen Oberhäup­tern, schien es, als würde man die Argumente Meinungsfreiheit gegen den Schutz religiöser Gefühle gegeneinander ausspielen, ohne in einen direkten Dialog zu treten (Vgl. Jahn 2008: 100f. ).

Viele Facetten, die dicht miteinander verflochten sind und sich gegenseitig bedingen, spielen bei der Konstruktion und der Betrachtung der Funktionen von Feindbildern eine wichtige Rolle. Um ein differenziertes Gesamtbild zu erfassen, bedarf es aller­dings eine interdisziplinäre Analyse und den Bezug zu den verschiedenen Aspekten, die das Gesamtbild prägen.

4.2. Feindbilder bosnisch-serbischer Jugendlicher - eine diskursive Betrachtung

Die vorangegangene Beschreibung verschiedener Faktoren, die zur Bildung von Feindbildern beitragen, ist die Basis für die Untersuchung möglicher Feindbilder bei bosnisch-serbischen Jugendlichen. Das theoretische Konstrukt soll hierbei auf den Sachverhalt in Bosnien und Herzegowina angewandt werden.

Dass nur bosnische Serbinnen und Serben betrachtet werden und nicht auch bosni­sche Kroatinnen und Kroaten, die ebenfalls einen signifikanten Teil der Bevölkerung ausmachen, liegt zum einen daran, dass es diverse Dopplungen bei der Analyse gibt, besonders was den Konflikt zwischen Christentum und Islam betrifft, wobei die bos­nisch-kroatische Position moderater gegenüber Bosniakinnen und Bosniaken war, aber auch weil in Kriegszeiten die Aggression von serbischer Seite gezielt gegen Bosniakinnen und Bosniaken intensiv wahrgenommen wurden und zu erwarten ist, dass sozialisationsbedingt eine tiefere Prägung stattgefunden hat als zwischen der serbisch-kroatischen und der bosniakischen Bevölkerungsgruppe. Darüber hinaus gab es noch separate Konflikte zwischen bosnisch-kroatischen und bosnisch­serbischen Gruppen, die den betrachteten Gegenstand zu sehr ausweiten würden. Jugendliche werden bei ihren Entscheidungen in Bezug auf ihre Umwelt, Freunde, Ausbildung, persönliche Beziehungen und Lebensziele von äußeren Umständen wie Technologie, Religion, Wirtschaftssituation und Kultur beeinflusst (vgl. Petrovic 2011: 145), wobei davon auszugehen ist, dass die kulturelle und religiöse Identität durch das persönliche und familiäre Umfeld tradiert wird.

Betrachtet man die Stimmung der serbischen Bevölkerungsgruppe, gibt es einige interessante Fakten, die mit in die Diskussion einfließen sollten: 1999 wurde in quali­tativen Interviews bosnische Serbinnen und Serben befragt, warum viele von ihnen die multiethnische Hauptstadt Sarajevo verließen und in Gebiete der Republika Srpska zogen, worauf es Tendenzen bei den Antworten gab, dass das soziale Klima nicht mehr angenehm war, aber auch, dass Angst vor Aggressionen von moslemi­scher Seite vorherrschte sowie Unbehagen über die gestiegene Popularität islami­scher Einflüsse und Bräuche (vgl. Armakolas 2008: 86f.). Dieses passt mit der Tatsa­che zusammen, dass 1998 lediglich 18% der serbischen Bürgerinnen und Bürger Bosnien und Herzegowina als Heimat akzeptierten (vgl. Gromes 2012: 74).

2002 wurde die Befragung von Serbinnen und Serben wiederholt und es zeigte sich, dass sich die Einstellung zum Positiven verändert hatte nachdem viele Befrage aus wirtschaftlichen Gründen nach Sarajevo zurückgekehrt waren und zudem auch Kon­takt mit Menschen aus den anderen Bevölkerungsgruppen pflegten (vgl. Armakolas 2008: 95f.).

Diese positive Erkenntnis wird von der Erhebung gestützt, dass trotz ethno- nationalistischer Krisen die Akzeptanz des gemeinsamen Staats unter nahezu der Hälfte Serbinnen und Serben vorhanden war (vgl. Gromes 2012: 86).

Allerdings kann nicht abgestritten werden, dass ein wesentlicher Teil der bosnischen Serbinnen und Serben sich mit der Nachbarrepublik Serbien identifiziert und Bosni­en und Herzegowina nicht als Heimat betrachten (vgl. Andjelic 2012: 123).

Bei der Untersuchung von Armakolas zeigte sich zwar, dass nach der Begegnung in der Großstadt Vorurteile und Klischees leichter abgebaut werden, aber bei der Unter­suchung von Feindbildern der jungen Generation ist das in zweierlei Hinsicht tü­ckisch: zum einen wird die Tatsache, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung in ländlichen ethnisch getrennten Gebieten wohnt, nur wenig berücksichtigt, zum ande­ren ist bei der Prägung von Feindbildern der Nachkriegsgenration auch die Einstel­lung wichtig, die im Elternhaus vertreten wird, damit ist auch die (anfängliche) Skepsis aus Armakolas‘ Erhebung wichtig für die Kreation negativer Konnotation. Die Tatsache, dass Erfahrungen von Jugendlichen aus ländlichen Gebieten mit ein­bezogen werden müssen, zeigt sich anhand der Überlegung, dass in manchen ländli­chen Gebieten, die wirtschaftlich und strukturell schlecht entwickelt sind, Kinder und Jugendliche auf Grund finanziellen Drucks daheim arbeiten müssen, anstatt sich auf ihre Ausbildung zu konzentrieren und mit wirtschaftlicher Armut konfrontiert sind, was zu einer gesellschaftlichen Benachteiligung und einer negativen Prägung des Wertesystems führt (vgl. Petrovic 2011: 146).

Vor allem die psychologische Perspektive bietet bei der Überlegung Aufschluss und erklärt warum erwartungsgemäß mit Feindbildern, auch bei der jungen Generation, zu rechnen ist: Berghold erklärte in seinen Publikationen, dass Fremd- bzw. Feind­bilder ihren Ursprung auf persönlicher individueller Ebene haben, allerdings in der Gesellschaft auf Grund von Konformitätsdruck und dem gemeinsamen Erleben und Austauschen von Gedanken, von einer größeren Gruppe aufgenommen werden und verstärkt werden (vgl. Berghold 2012: 94). Es ist zu erwarten, dass die heutige junge Generation, die den Krieg nicht miterlebt hat, dennoch negative Prägung in Folge kindlicher Traumata hat, da sie ihre Eltern vom Krieg gebeutelt erlebt haben, was dazu führt, dass eine gewisse unabsichtliche Ablehnung von elterliche Seite vorhan­den gewesen sein kann, oder evtl. sogar einer oder gar beide Elternteile im Krieg ums Leben gekommen sind, sodass die emotionale Nähe bei der Erziehung gefehlt haben kann und ein Grund im ethno-nationalistischen Konflikt für den Verlust der Eltern gegeben worden ist.

Da nach wie vor die wirtschaftliche und politische Lage in Bosnien und Herzegowi­na nicht stabil ist und viel Aufholbedarf besteht, kann man davon ausgehen, dass besonders in Gebieten, wo kein Kontakt mit anderen Bevölkerungsgruppen besteht, eine verstärktes Bedürfnis nach einem kollektiven Zusammenhalt aufzufinden ist, aber damit einhergehend auch eine intensivere Abgrenzung von anderen, auf die so­wohl die Angst vor materiellem Verlust, als auch die Beschuldigung des Machtver­lustes (Abtreten territorialer serbischer Gebiete) der eigenen Gruppe projiziert wird (vgl. Berghold 2007: 96ff.).

Fügt man den Aspekt der Glaubenszugehörigkeit hinzu, wirkt es naheliegend, dass für christlich-orthodoxe bosnische Serbinnen und Serben nach wie vor die andersar­tigen Traditionen und Bräuche des Islams ein Vorwand für den Bestand von Feind­bildern sind, die sich folglich gegen moslemische Bosniakinnen und Bosniaken rich­ten. Diese Ansichten können durch die Weitergabe eines historischen Bewusstseins bestärkt werden, das sich darauf bezieht, dass die vergangene osmanische Herrschaft, die dazu führte, dass viele Menschen zum Islam konvertierten, ausschließlich mit Feindschaft, Unterdrückung und kulturelle Ablehnung in Verbindung gebracht wird und Menschen mit demselben Glauben wie die einstigen Unterdrücker noch immer als Bedrohung betrachtet werden (vgl. Steinbach 2008: 56f.).

Da es keine signifikanten ethnologischen Unterschiede zwischen den Bevölkerungs­gruppen in Bosnien und Herzegowina gibt, eignete sich die Glaubenszugehörigkeit besonders gut als Vorwand für Feindschaften. Dabei ging es aus psychologischer Perspektive bei den Konfliktbewegungen um die Kompensation von Komplexen und Ängsten infolge des labilen politischen Systems und des niedrigen wirtschaftlichen Niveaus. Diese schwierigen Zustände herrschen bis dato in einem merklichen Aus­maß im Gebiet Bosnien-Herzegowinas vor und betreffen natürlich auch bosnische Serbinnen und Serben.

Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die Prägung durch die Familie und die Gesellschaft wesentliche Sozialisationsaspekte sind. Populistische Politiker, eindeu­tige Positionen in ethno-nationalistischen Medien, sowie die Erzählungen über den Krieg von Seiten der Familie können die Ansichten Jugendlicher insofern beeinflus­sen, dass Bosniakinnen und Bosniaken als Feinde betrachtet werden, vor allem wenn es keinen Kanal für einen offenen Diskurs, Austausch und Information gibt. Gegenwärtig liegt das Land auf Platz 68 der Rangliste der Pressefreiheit, hat zum Vorjahr zehn Plätze eingebüßt und liegt somit u.a. hinter Burkina Faso, El Salvador und Serbien (vgl. Reporter ohne Grenzen 2013). Dies lässt vermuten, in welch einer schlechten Lage sich die Transparenz der Medien befindet und wie objektiv sie Nachrichten behandeln.

Erst Anfang des Jahres zeigten serbische Medien eine Vorhersage ungenannter russi­scher Experten: Bosnien und Herzegowina sei bis 2035 nicht mehr existent, sondern zwischen Kroatien und Serbien aufgeteilt (vgl. Jukic 2013). Diese Information haben mit Sicherheit auch bosnische Serbinnen und Serben erhalten, was ein Beispiel für das Anstacheln der Konfliktsituation ist.

Wichtig ist bei der Betrachtung, dass die Entstehung von Feindbildern nicht vorsätz­lich passiert, bosnische Serbinnen und Serben leben zu einem signifikanten Teil in einer schwierigen Umwelt, die solche Entwicklungen begünstigt.

Die Ereignisse des Krieges und die Aggression von serbischer Seite dürfen nicht vergessen und abgemildert werden, allerdings muss man anerkennen, dass es faktisch falsch ist von einer kollektiven bewussten Täterschaft auf bosnisch-serbischer Seite auszugehen.

5. Feindbilder bosniakischer Jugendlicher - eine qualitative Unter­suchung

Da im Rahmen dieser Arbeit versucht wird, Schlüsse über Feindbilder und deren Konsequenzen in der Gesellschaft Bosnien-Herzegowinas zu ziehen, wird nach der theoretischen Betrachtung bosnisch serbischer Perspektiven versucht, in einer quali­tativen Erhebung die „Gegenseite“ zu betrachten: Prägungen und Einstellungen bo s- niakischer Jugendlicher. Um die Forschungsschritte auch für wissenschaftsferne Per­sonen nachvollziehbar zu gestalten, werden zunächst Grundlagen der Methode und Erklärungen des Vorgehens beschrieben.

5.1. Qualitative Forschung - Allgemeine Grundlagen und Ziele

Während bei quantitativen Untersuchungsformen Messungen mit Hilfe standardisier­ter Erhebungsinstrumente mit metrischen Daten im Fokus stehen, ist bei qualitativen Erhebungen das Verstehen vordergründig, wobei Menschen und deren Einstellungen von Bedeutung sind. Wesentlich ist dabei ebenfalls, dass durch die Untersuchung der subjektiv individuell empfundenen Lebens welten und konstruierten Gedankenkon­zepte, Rückschlüsse über beeinflussende Faktoren des Umfelds möglich werden. (Vgl. Helfferich 2011: 21f.).

In der qualitativen Sozialforschung wird mit allgemein zugänglichen, verständlichen Daten gearbeitet, was also im Gegensatz zu bspw. statistischen Daten keiner weiteren Erklärung oder Interpretationshilfe bedarf, sondern über einen Gemeinsinn des All­tagsverständnisses begreiflich ist (vgl. Heinze 2001: 13). Dennoch sind Forschende vor kommunikative Herausforderungen gestellt: da sie nicht mit metrischen, sondern nominalen Daten arbeiten, müssen sie Offenheit und ein Verständnis für den Inter­pretationsspielraum entwickeln, aber, im Falle von qualitativen Interviews, müssen auch die befragten Personen die Bereitschaft mitbringen, sich dem Forschenden zu öffnen, um möglichst klare Aussagen zu formulieren (vgl. Helfferich 2011: 24). Qualitative Forschung eignet sich besonders, wenn induktiv vorgegangen wird, Überlegungen also nicht in einem abstrakten Raum, sondern mit direktem Realitäts­bezug betrachtet werden und wenn von einer erhöhten Komplexität auszugehen ist, die durch metrische Daten und standardisierte Erhebungsformen nicht zu erfassen ist (vgl. Heinze 2001: 27).

Kritisch ist allerdings die Verwendung der durch qualitative Forschung erzielten Er­gebnisse zu bewerten: da mit dieser Forschungsart ein großer Aufwand bei der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung verbunden ist, fällt die Stichprobe in der Regel klein aus, sodass besonders von Anhängerinnen und Anhängern quantitativer Erhebungsmethoden oft der Einwand kommt, die qualitative Sozialforschung sei nicht repräsentativ und ließe keine Rückschlüsse über gesellschaftliche Phänomene zu (vgl. Heinze 2001: 37). Dem kann allerdings entgegengesetzt werden, dass von einer Repräsentativität nicht ausgegangen werden kann, da in der qualitativen For­schung Einzelfälle und individuelle Persönlichkeiten betrachtet werden, somit ist die Logik eine andere (vgl. Meyring 1999: 12). Auch die Tatsache, dass das persönliche Verständnis des Interviewenden für die Auswertung wesentlich ist, kann kritisch angemerkt werden, da jeder Mensch auf unterschiedliche Weise denkt und interpre­tiert.

Um dennoch Qualität zu gewährleisten zu können, sollten Forschende sich an Güte­kriterien zu orientieren, nicht zuletzt um ihre Arbeit auch zu legitimieren.

Für quantitative Forschungsmethoden gelten die drei Gütekriterien der Reliabilität Zuverlässigkeit des Messinstruments, das keine Abweichungen bei wiederholter Durchführung zulässt), Validität (Eignung der Messung, d.h. wenn gültige und ver­wertbare Kennzahlen durch das Instrument für die Untersuchung geliefert werden) und Objektivität (Unabhängigkeit der Messung vom Forschenden), die in dieser Form zwar nicht bei qualitativen Messungen angewandt, aber übertragen werden können, auch um der Kritik entgegenzuwirken.

Für die qualitative Sozialforschung kann man folgende vier Gütekriterien einführen, um die Qualität des wissenschaftlichen Arbeitens zu gewährleisten: Glaubwürdigkeit und Übertragbarkeit (auch Verallgemeinerung genannt), die dem Kriterium der Re­liabilität aus der quantitativen Forschung entspricht, Verlässlichkeit, die der Validität zuzuordnen ist, und Bestätigbarkeit, was das Gegenstück zur Objektivität liefert. Um Glaubwürdigkeit zu erreichen, muss kommunikative Validierung gewährleistet wer­den, was bedeutet, dass das gesamte Material der Erhebung, wie Transkriptionen und Fragebogen, vorgelegt werden muss. Übertragbarkeit wird durch eine differenzierte Beschreibung des Vorgehens, bzw. der Untersuchung erreicht, um Forschungspro­zess und Ergebnisse für andere nachvollziehbar zu gestalten. Verlässlichkeit wird durch den stetigen Prozess der Reflexion von Forschungsstand und Methode erzielt, wobei die/der Forschende beachten sollte, ob Planung und Durchführung angemes­sen sind. Bestätigbarkeit wird ebenfalls durch diesen Prozess erzielt und mündet in der abschließenden Reflexion des Untersuchenden. (Vgl. Rieker/ Seipel 2003: 130f.) Für die vorliegende Arbeit wurden diese Gütekriterien zur Qualitätssicherung ange­wandt, was abschließend reflektiert wird.

5.2. Begründung und Art der Methode

Für die Erhebung wurde eine qualitative Methode gewählt: das problemzentrierte Interview nach Meyring, das wie folgt gekennzeichnet ist:

„Unter diesem Begriff [...] sollen alle Formen der offenen, halbstrukturierten Befragung zusammengefasst werden. Das Interview läßt [sic] den Befragten möglichst frei zu Wort kommen, um einem offenen Gespräch nahezukommen.

Es ist aber zentriert auf eine bestimmte Problemstellung, die der Interviewer einführt, auf die er immer wieder zurückkommt. Die Problemstellung wurde vom Interviewer bereits vorher analysiert“ (Meyring 1999: 50)

Vorteil dieser Methode ist, dass die befragte Person „ihre eigene Geschichte“ erzäh­len kann, was mit subjektiver Interpretation der Fragen und eigener Erfahrung zu­sammenhängt, es werden keine Antwortvorgaben gestellt. Darüber hinaus können spontan Verständnisfragen geklärt werden und der/die Interviewende hat die Mög­lichkeit Nachfragen zu stellen. Vertrauen und Offenheit zwischen dem/der Intervie­wenden und dem/der Befragten sind allerdings wesentlich für den Erfolg dieser Me­thode, um gehaltvolle Ergebnisse bei der Datenauswertung exzerpieren zu können (Vgl. Meyring 1999: 51)

Das problemzentrierte Interview ist besonders gut für Untersuchungen geeignet, die infolge von wissenschaftlicher Analyse bzw. nach intensiver Arbeit mit einer theore­tischen Basis durchgeführt werden. Der/die Interviewende kann anhand des Vorwis­sens die Fragen zielgerichtet formulieren und diese in einer Pilotphase testen. Durch diese wiederkehrenden Fragen werden die Interviews vergleichbar. Komponenten des Fragenkatalogs sind Sondierungsfragen, die verdeutlichen sollen, wie wichtig bzw. bedeutsam das untersuchte Thema für den/die Befragte(n) ist, Leitfadenfragen, die inhaltlich ergiebige Antworten in Relation zum Forschungsinteresse bringen sol­len, sowie Ad-hoc-Fragen, also spontane Fragen, die sich im Gesprächsverlauf ent­wickeln. Die Interviews werden nach Einverständnis der Befragten aufgezeichnet, um Material für die spätere Datenauswertung zu liefern. (Vgl. Meyring 1999: 52)

Da bei dieser Arbeit der Fokus zunächst auf den theoretischen Elementen der behan­delten Thematik lag, schien es sinnvoll, genau das problemzentrierte Interview als Erhebungsinstrument zu wählen.

5.2.1. Die Stichprobe

Da es nicht möglich ist, die Grundgesamtheit zu befragen, ist es nötig für eine Erhe­bung eine Stichprobe zu ziehen, um mit einer angemessen Reihe von Daten zu arbei­ten und diese später auszuwerten. Ziel des empirischen Teils ist es, das Gegenstück zur vorangegangenen Theorie zu bilden, daher wurden von der Forscherin für die Erhebung gezielt bosniakische Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren ausge­sucht. Dies ist damit zu begründen, dass diese Jugendlichen den Krieg nicht miterlebt haben. Traumata durch aktive Teilnahme oder eigene Erinnerung, die eine sehr viel intensivere Prägung hätten, können somit vermieden werden, jedoch besteht die Er­wartung, dass in dieser Altersspanne die Fähigkeit die eigene Umwelt bewusster wahrzunehmen und zu reflektieren in einem ausreichenden Maß bereits vorhanden sein sollte. Außerdem sollten Bosniakinnen und Bosniaken befragt werden, da diese eine andere ethnische Prägung haben und in Folge des Krieges ein anderes Identifi­kationsgefühl zum Land aufweisen sowie bei ihnen andere Einstellungen zu erwarten sind im Vergleich zu bosnischen Serbinnen und Serben.

Ebenfalls wurde darauf geachtet, dass es keine geographische Einseitigkeit bei der Erhebung gibt. Interviews sollten nicht nur in der Hauptstadt Sarajevo durchgeführt werden. Es ist davon auszugehen, dass im kulturellen und politischen Zentrum von Bosnien und Herzegowina Einstellungen auf Grund der heterogenen Lebenswelten, sowie einer besseren Situation im Bereich Bildung und Wirtschaft dazu führen, dass junge Menschen ein liberaleres Verständnis von der Thematik „ethnische Gruppen“ haben, als Jugendliche aus ländlichen Gebieten, was die Ergebnisse verzerren würde. Daher wurden auch Interviews in den Städten Zenica[1] und Visoko[2] durchgeführt.

[...]


[1] Zenica liegt knapp 60 Kilometer nordöstlich von Sarajevo. Da es seit 1991 keine Volkszählung gab, wird die Bevölkerung laut Homepage der Stadt auf ca. 130.000 Personen geschätzt, wovon etwa 80% der bosniakischen ethnischen Gruppe angehören

[2] Visoko ist eine Kleinstadt in Bosnien und Herzegowina, die 25 Kilometer nordöstlich von Sarajevo liegt. Laut Homepage der Gemeinde hat die Stadt knapp über 14.000, die gesamte Gemeinde über 45.000 Einwohner

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
126
Katalognummer
V266968
ISBN (eBook)
9783656571902
ISBN (Buch)
9783656571872
Dateigröße
1142 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Für die qualitative Erhebung wurden Leitfadeninterviews benutzt, die vollständige Transkription ist im Anhang.
Schlagworte
feindbilder, nachkriegsgeneration, bosnien, herzegowina
Arbeit zitieren
Alice Greschkow (Autor), 2013, Feindbilder der Nachkriegsgeneration in Bosnien und Herzegowina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266968

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