Rhetorik und Vortragsmethodik

Wesentliche Inhalte unter besonderer Berücksichtigung der visuellen Unterstützung von Vorträgen im beruflichen Alltag


Seminararbeit, 2012
22 Seiten, Note: 15

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Thematik

Hauptteil
1. Begriffsbestimmung
2. Geschichte der Rhetorik
2.1. Rhetorik in der Antike
2.2. Römische Rhetorik
2.3. Rhetorik in der Neuzeit
2.4. Rhetorik im 20. und 21. Jahrhundert
3. Echtsein und Rolle
4. Die Ausstrahlung
5. Vortragstechniken
5.1. Unterschiedliche Formen von Vorträgen und Reden
5.2. Zielgruppenanalyse
5.3. Die fünf Schritte eines Vortrages
5.3.1. Inventio
5.3.2. Disposito
5.3.3. Elocutio
5.3.4. Memoria
5.3.5. Pronuntiatio/ Actio
5.4. Erste Hilfe bei Pannen
6. Möglichkeiten der visuellen Unterstützung
6.1. Arten der visuellen Unterstützung
6.1.1. Overhead-Projektor
6.1.2. Pinnwand
6.1.3. Flip-Chart
6.1.4. Computer, Video und Beamer
6.2. Richtiges Visualisieren

Fazit

Quellenverzeichnis

Einführung in die Thematik

Ausdruck und sprachliches Vermögen, Wortwahl und Grammatik, Auftreten und Präsentation von Sachverhalten entsprechen heute oft nicht den Standards an Klarheit und Präzision, wie es eigentlich von Nöten wäre.[1] Dabei sind gute rhetorische Fähigkeiten für die meisten Menschen unverzichtbare Voraussetzungen für den beruflichen oder privaten Erfolg. Hervorragende Fachkenntnisse allein reichen oft nicht aus, um neue Ideen und Präsentationen vor einem fremden Publikum oder im bekannten Kollegenkreis selbstsicher und überzeugend vorzutragen. Die Aufgabe einer Rede ist vornehmlich, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen. Ein Redner, der unsicher und ausdruckslos wirkt oder sich selbst zu wichtig nimmt, wird sein Redeziel kaum erreichen. Wer in Vorträgen, Präsentationen, Teamsitzungen und Einzelgesprächen engagiert und überzeugend wirken will, muss seine Themen professionell und selbstsicher vermitteln können und eine verständliche Ausdrucksweise besitzen.

Dabei ist eine gute Vortragsweise nur ein Baustein für eine erfolgreiche Rede. Darüber hinaus trägt eine sinnvolle und gute Visualisierung auch maßgeblich zum Erfolg der Stoffvermittlung bei.

Im Rahmen dieser Arbeit soll folgende Frage beantwortet werden:

Warum ist eine gute Rhetorik im heutigen Berufsalltag so wichtig?

Dementsprechend liegt dieser Arbeit die Hypothese zugrunde, dass

vor allem rhetorisch hervorstechende Menschen

besonders Erfolg im Beruf haben.

Zur Beantwortung der Frage und Überprüfung der Hypothese soll nun in den ersten beiden Kapiteln des Hauptteils zunächst einmal definiert werden, was Rhetorik bedeutet und ein kurzer Abriss ihrer geschichtlichen Entwicklung gegeben werden. In den darauffolgenden Kapiteln soll aufgezeigt werden wie wichtig Ausstrahlung und Rolle des Redners bei einem Vortrag sind. In den letzten Kapiteln des Hauptteils soll im speziellen auf die thematische, sprachliche und persönliche Vorbereitung einer Rede eingegangen und darüber hinaus die verschiedenen Möglichkeiten von Visualisierungen erläutert werden. Des Weiteren soll aber auch auf die Gefahren, welche sich im Bereich solcher Visualisierungen ergeben, hingewiesen werden. Im Fazit sollen alle Bausteine der Arbeit zusammengefügt, bewertet und schließlich die Fallfrage beantwortet werden.

Hauptteil

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff der Rhetorik stammt aus dem altgriechischen und bedeutet frei übersetzt etwa „Redekunst“ oder die „Kunst der Beredsamkeit“. Damit ist nicht das reine Reden, im Sinne von Sprechen im Dienste der Alltagskommunikation gemeint, sondern vielmehr die Rede im Sinne eines Vortrages. Aufgabe eines solchen ist es vornehmlich, einen Zuhörer von einer Meinung zu überzeugen oder ihn zu einer, vom Redner beabsichtigten Handlung, zu bewegen.

Der Rhetorik fällt deshalb eine doppelte Rolle zu. Zum einen ist sie Kunst, zum anderen ist sie Wissenschaft. Einerseits geht es bei der Rhetorik somit um das Geschick seinem Gegenüber in seiner Meinung oder seinem Handeln zu beeinflussen, andererseits geht es bei Ihr auch um die Wissenschaft, das wirksame Reden vor dem Hintergrund eines gewünschten Effektes zu analysieren.

2. Geschichte der Rhetorik

2.1. Rhetorik in der Antike

Die Geschichte der Rhetorik als „Kunst der freien und öffentlichen Rede" findet nach heutiger Lehrmeinung ihren Ursprung in der griechischen Antike, etwa 5. Jh. v. Chr. Vor allem der öffentliche Charakter der Redekunst spielt in der frühen Phase der Rhetorik eine große Rolle.[2] Interessengegensätze auf ökonomischem, politischem und rechtlichem Gebiet konnten nach der Beseitigung der Tyrannenherrschaft in Syrakus und Athen öffentlich ausgetragen werden.[3] Ihre erste Hochphase erlebte die Rhetorik in der sophistischen Aufklärung. Sie machte die Sprache endgültig zu einem „rational brauchbaren und universell einsetzbaren Instrument des gesellschaftlichen Lebens.“[4] Damit erhoben die Sophisten[5], unter Ihnen Protagoras von Abdera und Gorgias von Leontini, ihrerzeit die Sprache als Mittel der Überzeugung zu einem Werkzeug für den gesellschaftlichen Fortschritt und das friedliche Zusammenleben in einem Rechtsstaat.[6]

Unter Platon erlitt die Rhetorik einen ersten schweren Einbruch in Ihrer Bedeutsamkeit, indem er sie als "Überredung", "Scheinkunst" und "Schmeichelei" kritisierte und zur Wahrheitserkenntnis für untauglich erklärte.[7] Platons Schüler Aristoteles verhalf der Rhetorik wieder zu mehr Bedeutung, indem das bis heute folgenreichste Lehrbuch „Rhetorik“ im Sinne einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte: „nicht ... zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist."[8]

2.2. Römische Rhetorik

Zur Zeit des römischen Imperiums wurde von den römischen Rednern und Redetheoretikern die Rhetorik endgültig neben der Philosophie im Bildungssystem der europäischen Geschichte fest etabliert. Cicero legte in seinen rhetorischen Lehrschriften (De oratore, Orator, Brutus) die Grundlagen für eine umfassende Lehre. Diese sind auch heute noch feste Bestandteile in der Erziehung, Politik, Recht, Gesellschaftstheorie und Ethik.

2.3. Rhetorik in der Neuzeit

Im Mittelalter war die Rhetorik neben der Logik und Grammatik der dritte Bestandteil der drei sprachlichen Fächer (Trivium) des in der Antike entstandenen Kanons der „Sieben freien Künste“.[9] Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts brachte die Nationalisierung der bisher lateinischsprachigen Rhetorik. Es entstanden neue muttersprachliche Lehrbücher in allen europäischen Ländern. Darüber hinaus änderte sich auch die Terminologie. In Deutschland beispielsweise festigte sich der Sprachgebrauch „Beredsamkeit" für die Praxis und „Redekunst" (oder „Rhetorik") für die Theorie der Rede. In dieser Zeit verschwand die Rhetorik zunehmend aus dem Alltag. Auch aus den Wissenschaften und dem allgemeinen Denken wurde sie verdrängt, da man ihr vorwarf, von rationaler Erkenntnis abzulenken.

2.4. Rhetorik im 20. und 21. Jahrhundert

Etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird unter Rhetorik meist nur noch die Technik der Rede und der Textanalyse bzw. die Theorie und Praxis der Rede und des Gesprächs verstanden. Wissenschaftliche Arbeiten zur Rhetorik beschäftigen sich überwiegend mit dem Gespräch sowie mit Fragen der Rede- und Gesprächspädagogik. Ihre Forschungen kommen unter anderen aus der Sprechwissenschaft, der Linguistik (vor allem dem Sprachgebrauch in der Werbesprache), der Psychologie, der Pädagogik und der Soziologie.

Nicht nur in der Antike war die Rhetorik ein Lehr- und Unterrichtsfach, auch heute noch kann man sie als eigenständigen Studiengang oder als Teilgebiet im Fach Sprechwissenschaft und Sprecherziehung studieren. Als Beispiel sei hier das Rhetorikstudium an der Universität Trier genannt.

An folgenden deutschen Hochschulen wird das Fach Rhetorik angeboten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Echtsein und Rolle

Der Begriff der Rolle ist ein dem Theater entlehnter Begriff der Soziologie. Die soziale Rolle ist somit die Summe der von einer Person erwarteten Verhaltensweisen, die auf das Verhalten anderer Personen abgestimmt sind. Je nach dem Umfeld und der zugewiesenen Aufgaben sowie der Summe der sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten, übernimmt jedes Individuum in einer Gesellschaft verschiedene Rollen. Dies bedeutet, dass jeder Mensch in seinem Leben zwangsläufig zahlreiche Rollen übernimmt. Einige werden durch die Gesellschaft zugewiesen, andere übernimmt er freiwillig.

Dreh- und Angelpunkt der Rolle ist unabhängig vom Grad der Freiwilligkeit die allgemeine Erwartung, die an einen Rollenträger gerichtet ist. Hier ist nun der Ansatz zum gewählten Thema dieser Arbeit zu finden, nämlich die Erwartungshaltung anderer. Denn auch in der Rolle als Redner wecke ich externe Erwartungshaltungen. Als Zuhörer erwartet man ein inneres Engagement des Redners. Er muss sich selbst in seinem Vortrag wiederfinden. Nur wenn der Redner selbst hinter seinen Worten steht wirkt er authentisch, wird er glaubhaft und schafft es, seine Zuhörer für sich und seine Sache zu fesseln.

4. Die Ausstrahlung

Wie im ersten Kapitel bereits dargestellt, ist die Hauptaufgabe einer Rede vornehmlich, Informationen und Sachverhalte so vor einem Auditorium zu präsentieren, dass dieses für die Sache gewonnen wird. Somit ist ein Vortrag im Sinne einer „rhetorische Situation“[10] eine spezielle Konstellation der Kommunikation. Die Kunst, die Zuhörer zu erreichen und zu einer vom Redner gewollten Handlung zu bewegen, beruht jedoch nicht nur auf der reinen Darbietung der Information und der sprachlichen Gewandtheit, sondern auch auf der Persönlichkeit des Redners. Indem er vor einer Gruppe steht und zu ihr spricht, lässt er bewusst und unbewusst sehr tiefe Einblicke in seine Persönlichkeit zu. Selbstwertgefühl, Ängste, Unsicherheit und Stress sind dabei nur einige Aspekte, welche bei einer rhetorischen Situation offenbart werden. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade diese durch die bewusste Arbeit an den rhetorischen Fähigkeiten eines Redners berührt werden. Dabei spielen vor allem das Erlernen von persönlichen Strategien im Umgang mit Stress und die Fähigkeit, bewusst oder intuitiv die richtigen Worte zu finden, eine überaus wichtige Rolle. Zusammenfassend kann daher zunächst einmal gesagt werden: Rhetorik lernen heißt vor allem Arbeiten an der Ausstrahlung, welche der Redner auf seine Zuhörer ausübt. Ziel dieses Lernprozesses ist es, echt zu sein.

Um sich der Thematik der Ausstrahlung, also der Wirkung nach außen, weiter zu nähern, muss zunächst festgehalten werden, dass eine Rede aus zwei Bestandteilen besteht. Auch wenn die Einteilung im Wesentlichen bei vielen RhetorikerInnen gleich ist, so geht doch die Meinungen über Wichtigkeit und Rangfolge der beiden Bestandteile auseinander. Dennoch sind sich die meisten einig, dass eine Rede in die verbale Ebene, auch Tiefenstruktur oder äußere Realität, und die nonverbale Ebene, auch innere Qualität, unterteilt wird.[11] Die verbale Ebene besteht dabei aus dem Inhalt, dem Aufbau und der Sprache. Die nonverbale Ebene besteht aus Signalen und anderen persönlichen Offenbarungen, welche bewusst oder unbewusst dem Zuhörerkreis offenbart werden. Die persönliche Einstellung, das Echtsein und das persönliche Engagement sind dabei Beispiele für solche nonverbalen Offenbarungen. Dies soll im Schaubild einmal verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie das Bild zeigt, ist Ausstrahlung demnach das, was der Redner nonverbal auf seine Zuhörer projiziert und die Art und Weise, wie er seine Worte wirksam macht und so, um den Kreis zum Kapitelanfang wieder zu schließen, die Zuhörer erreicht und zu einer, vom ihm gewollten Handlung bewegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Malik 2006, S. 292.

[2] Vgl. Ueding, 2011, S.15.

[3] Vgl. ebd. S.15ff.

[4] Vgl. Rhetorik in: Teachsam, http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/rhe_2_1.htm, Zugriff 11.06.2012.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Ueding, 2011, S.17.

[7] Vgl. Rhetorik in: Teachsam, http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/rhe_2_1.htm, Zugriff 11.06.2012.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Freie Künste in: Uni-Protokolle, http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Sieben_freie_K%FCnste.html, Zugriff 18.06.2012

[10] Vgl. Lahninger 2008, S.147.

[11] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Rhetorik und Vortragsmethodik
Untertitel
Wesentliche Inhalte unter besonderer Berücksichtigung der visuellen Unterstützung von Vorträgen im beruflichen Alltag
Hochschule
Fachhochschule für Verwaltung Saarland; Saarbrücken
Note
15
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V266991
ISBN (eBook)
9783656573630
ISBN (Buch)
9783656573678
Dateigröße
1118 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rhetorik, vortragsmethodik, wesentliche, inhalte, berücksichtigung, unterstützung, vorträgen, alltag
Arbeit zitieren
Dipl. Staatswissenschaftler (Univ) Kevin Frank (Autor), 2012, Rhetorik und Vortragsmethodik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266991

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