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Die Rolle der Musik in der nationalsozialistischen Erziehung

Musik und Erziehung im "Dritten Reich"

Titel: Die Rolle der Musik in der nationalsozialistischen Erziehung

Bachelorarbeit , 2010 , 87 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Miriam Garmatter (Autor:in)

Musik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Musik hat auf den Menschen je nach Art der Musik und Situation eine unterschiedliche Wirkung. Haisch, welcher den Versuch unternimmt Musik psychoanalytisch zu deuten, fasst den Unterschied zwischen Musik und Sprache ihren Einfluss auf den Menschen treffend zusammen.
"Die Musik begreift weiterreichende und subtilere Bezirke als das gesprochene Wort. Der offenkundige Mangel an Genauigkeit der Tonsprache erklärt sich teils aus ihrer außerordentlichen Generalität, die bis an das Wort heranreicht, teils daraus, dass die affektiven Besetzungen von verdrängten Vorstellungsinhalten leicht auf nichtsprachliche, einfach-klangliche Träger verlagert werden." (Haisch, In: Musik und Macht, von Fred Prieberg. Frankfurt am Main 1991, S. 87)
Besonders in schwierigen Situationen suchen Menschen nach Auswegen und Gelegenheiten, die ihnen ihre Probleme im Alltag erträglicher machen. Freud stellte 1930 fest, dass Menschen hierfür drei Möglichkeiten besitzen: Linderung von Problemen, Enttäuschungen oder Schmerzen kann durch Ablenkungen, Ersatzbefriedigungen oder Rauschmittel geschehen, da die Einschätzung einer schwierigen Lage bei Ablenkung positiver ausfällt, der Schmerz und die Probleme durch Ersatzbefriedigungen gemindert werden und Rauschmittel sogar dazu führen, dass diese gar nicht erst empfunden bzw. wahrgenommen werden. "Die Ersatzbefriedigungen, wie die Kunst sie bietet, sind gegen die Realität Illusionen, darum nicht minder psychisch wirksam dank der Rolle, die die Phantasie im Seelenleben behauptet hat."
(Freud, Siegmund: Das Unbehagen in der Kultur. Wien 1930, S. 22.)
Prieberg greift Freuds These auf und liefert eine treffende Begründung für diese Art der Nutzung von Musik, die allgemein in autoritären Gemeinwesen und speziell im „Dritten Reich“ wiederzufinden ist: Das Ziel eines autoritären Regimes ist die „Kollektivierung“ des Volkes. Diese wird erreicht, indem das Volkes „unter Musik gesetzt“ und so über die Realität des Alltages im NS-Staat hinweggetäuscht wird.(Vgl. Prieberg 1982, S. 242.)

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorhandene Quellen zur Musikerziehung

3. Erziehungsvorstellung im „Dritten Reich“

3.1 Allgemeine pädagogische Leitlinien und Erziehungsvorstellungen

3.2 „Musische Erziehung“ als eine Leitidee der NS-Erziehung

4. Musik und Politik im „Dritten Reich“

4.1 Funktionaler Einsatz von Musik im Nationalsozialismus

4.1.1 Hitlers Propagandatheorie der Massenpsychologie

4.1.2 Subtiler Einsatz von Propaganda als Prinzip des Propagandaministers

4.1.3 Das Zusammenwirken von Musik und NS-Ideologie zur Schaffung einer „Gesinnungsgemeinschaft“

4.2 Unstimmigkeiten und Unklarheiten in der Musikpolitik

4.3 Gründe für die Vereinnahmung der Musikerziehung durch die Nationalsozialisten

4.4 Fritz Jöde als Fallbeispiel eines „unpolitischen“ Musikpädagogen

4.5 Historischer Kontext der Musikerziehung

5. Musikerziehung in der Hitlerjugend

5.1 Historische Entwicklung der Musikarbeit in der Hitlerjugend

5.2 Gliederung der Musikarbeit der Hitlerjugend nach Wolfgang Stumme

5.3 Die Musik als Vermittlerin eines Gemeinschaftsgefühls

5.4 Singen in der Hitlerjugend

5.4.1 Funktion der Lieder: Indoktrination durch Singen

5.4.2 Das Liedgut in der Hitlerjugend

5.4.3 Wirkung der Lieder und des Singens im „Dritten Reich“

5.4.4 Langzeitwirkung der Lieder

5.5 Instrumentalmusik in der HJ

5.6 Die Verantwortung der Musikerzieher in der Hitlerjugend

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Rolle der Musik als funktionales Instrument der nationalsozialistischen Erziehung, insbesondere am Beispiel der Hitlerjugend. Dabei wird untersucht, wie Musik zur Verbreitung und Verinnerlichung der NS-Weltanschauung eingesetzt wurde und inwiefern dabei an vor 1933 bestehende Strukturen der Jugendmusikbewegung angeknüpft wurde.

  • Funktionaler Einsatz von Musik zur politischen Indoktrination
  • Die Rolle der „Musischen Erziehung“ als Leitidee der NS-Pädagogik
  • Analyse der Musikarbeit innerhalb der Hitlerjugend und deren Wirkung
  • Untersuchung von Zeitzeugenerinnerungen hinsichtlich der Langzeitwirkung
  • Kontinuität und Bruch in der Musikpädagogik zwischen Weimarer Republik und NS-Zeit

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Hitlers Propagandatheorie der Massenpsychologie

Man kann davon ausgehen, dass sich Hitler bei seiner Propagandakonzeption auf die Theorie der „Massenspychologie“, die in den 1890er Jahren von Le Bon formuliert wurde, berief.

Le Bon zählt als Hauptmerkmale des Einzelnen in der Masse das Schwinden der bewussten Persönlichkeit, die Vorherrschaft des unbewussten Wesens, die Leitung der Gedanken und Gefühle durch Beeinflussung und Übertragung in der gleichen Richtung und die Neigung zur unverzüglichen Verwirklichung der eingeflößten Ideen auf. Der einzelne ist nicht mehr er selbst, er ist ein Automat geworden, dessen Betrieb sein Wille nicht mehr in der Gewalt hat. Somit sei der Mensch in einer Masse nicht mehr in der Lage rational zu denken und reagiere auf Sachargumente nur verhalten, während visuelle Reize und griffige Parolen umso stärker aufgenommen würden. Hitler leitet seine Propagandatechnik aus dem vorgeblichen Verhalten der Masse ab:

Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus dieser Tatsache heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig solange auszuwerten, bis auch bestimmt der letzte unter einem solchem Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Musikarbeit im Nationalsozialismus und die Relevanz von Zeitzeugenaussagen bei der kritischen Aufarbeitung.

2. Vorhandene Quellen zur Musikerziehung: Diskussion der methodischen Schwierigkeiten bei der Auswertung von Quellen aus einer Diktatur und dem Stellenwert von Erfahrungsberichten.

3. Erziehungsvorstellung im „Dritten Reich“: Analyse der totalitären Erziehungsansprüche und der Instrumentalisierung der Jugend durch die Nationalsozialisten.

4. Musik und Politik im „Dritten Reich“: Untersuchung des funktionalen Einsatzes von Musik als Propagandamittel und der Rolle der Musik in der NS-Ideologie.

5. Musikerziehung in der Hitlerjugend: Detaillierte Analyse der musikalischen Praxis, des Singens, der Instrumentalausbildung und der ideologischen Steuerung in der HJ.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des funktionalen Musikmissbrauchs und der langfristigen psychologischen Wirkung auf die damalige Jugend.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Musikerziehung, Hitlerjugend, Propaganda, Gemeinschaftsgefühl, Indoktrination, Volkslied, Jugendmusikbewegung, Massenpsychologie, Musikpädagogik, Ideologie, Zeitzeugen, NS-Regime, Musische Erziehung, Singen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht, wie Musik und musikalische Erziehung im Nationalsozialismus instrumentalisiert wurden, um Kinder und Jugendliche ideologisch zu beeinflussen.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentrale Themen sind die Propagandatechniken, die Rolle des gemeinsamen Singens in der Hitlerjugend, die Kontinuitäten zur Jugendmusikbewegung der Weimarer Republik sowie die Langzeitwirkungen auf die damalige Generation.

Was ist die Forschungsfrage?

Es wird gefragt, ob und inwieweit Musik von den Nationalsozialisten zielgerichtet für die Erziehung eingesetzt wurde und welche Rolle sie bei der Verinnerlichung der NS-Weltanschauung spielte.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Zeitzeugenerinnerungen und biographischen Berichten, um ein differenziertes Bild des Alltags im „Dritten Reich“ zu zeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erziehungsidealen, die Analyse der Musikpolitik unter Hitler und Goebbels sowie eine tiefgehende Betrachtung der Musikerziehung speziell in der Hitlerjugend.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Musikerziehung, Hitlerjugend, Propaganda, Indoktrination und Gemeinschaftsgefühl beschreiben.

Wie bewertet die Autorin die Rolle von Fritz Jöde?

Jöde wird als Fallbeispiel für einen Musikpädagogen genutzt, dessen vermeintlich „unpolitische“ Haltung kritisch hinterfragt wird, wobei er als Überlebenstaktiker und Opportunist dargestellt wird, der sich dem Regime anpasste.

Welche Bedeutung hatte das gemeinsame Singen in der Hitlerjugend?

Singen galt als das wichtigste Erziehungsmittel, um ein emotionales Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das Denken der Jugendlichen zu beeinflussen und regionale Unterschiede zugunsten der Volksgemeinschaft zu überwinden.

Was ist das Ergebnis der Analyse zur „Musischen Erziehung“?

Die „Musische Erziehung“ wird nicht als rein fachliches Konzept, sondern als Hilfsmittel weltanschaulicher Schulung identifiziert, das keine einheitliche pädagogische Didaktik besaß, sondern sehr unpräzise blieb.

Wie wurde die langfristige Wirkung der Lieder auf Zeitzeugen beurteilt?

Viele Zeitzeugen berichten von einer bis heute anhaltenden, teils belastenden Wirkung, da die Lieder in der Kindheit suggestiv verankert wurden und oft automatisch im Gedächtnis präsent bleiben.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Rolle der Musik in der nationalsozialistischen Erziehung
Untertitel
Musik und Erziehung im "Dritten Reich"
Hochschule
Universität Osnabrück  (Musikwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Miriam Garmatter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
87
Katalognummer
V267155
ISBN (eBook)
9783656572558
ISBN (Buch)
9783656572640
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitlerjugend Musik im "Dritten Reich" Musik im Nationalsozialismus Musik nationalsozialistische Erziehung Natioanlsozialismus Musikerziehung Singen in der Hitlerjugend Singen im BDM HJ BDM Goebbels Hitler Propaganda Drittes Reich Rundfunk im Dritten Reich Volkslieder Gemeinschaftserziehung Kameradschaft Zeitzeugen Oral history Stumme Jöde Langzeitwirkung NS-Ideologie Musikpolitik in der NS-Zeit
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Miriam Garmatter (Autor:in), 2010, Die Rolle der Musik in der nationalsozialistischen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267155
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Leseprobe aus  87  Seiten
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