Wie unparteiisch sind Schiedsrichter? Analysen aus dem Profifußball

Die Auswirkungen von psychischem Druck auf die Leistung im Profisport


Seminararbeit, 2013

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Ziel der Arbeit

2 Der Schiedsrichter im Profifußball
2.1 Begriffsbestimmung des Schiedsrichters
2.2 Abgrenzung des Schiedsrichters im Profibereich zum Schiedsrichter im Amateurbereich
2.3 Die Entscheidungsgewalt des Schiedsrichters im Fußball
2.4 Unparteilichkeit des Schiedsrichters

3 Der „Home Bias-Effekt“
3.1 „Home Bias-Effekt“ in Bezug auf die gewährte Nachspielzeit
3.2 „Home Bias-Effekt“ in Bezug auf die Vergabe von Elfmetern

4 Auswirkungen des sozialen Drucks auf die Schiedsrichterleistung
4.1 Untersuchungen zur Auswirkung von sozialem Druck auf die Schiedsrichterleistung in Spielen ohne Publikum
4.2 Untersuchungen zur Auswirkung von sozialem Druck auf die Schiedsrichterleistung in Stadien mit und ohne Laufbahn
4.3 Experiment zum Einfluss von Stadionlärm auf die Schiedsrichterleistung

5 Schlussfolgerungen für Prinzipal-Agenten-Beziehungen
5.1 Der Schiedsrichter im Sinne des Prinzipal-Agenten-Modells
5.2 Finanzielle Anreize als Lösungsvorschlag im Prinzipal-Agenten-Modell

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: . Nachspielzeit in Abhängigkeit zum Torunterschied

Abbildung 2: . Mean number of challenges for each of the four response options awarded by the noise and silent condition groups

Abbildung 3:.. Mean number of challenges for the remaining three response options awarded by noise condition group, silent condition group and match referee, (no foul and uncertain options collapsed into a single no foul option)

Abbildung 4: . Der Schiedsrichter im Sinne des Prinzipal-Agenten-Modells.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verhältnis von berechtigten und unberechtigten Elfmetern.

Tabelle 2: Das Verhalten von Schiedsrichtern in Spielen mit und ohne Publikum..

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Wie unparteiisch sind Fußballschiedsrichter[1] wirklich? Diese Frage stellt sich nicht nur das Stadionpublikum, sondern beschäftigt in zunehmendem Maße auch die Ökonomie. In den letzen Jahren wurde eine Vielzahl an Studien veröffentlicht, die den Schiedsrichter im Profifußball in den Mittelpunkt der Untersuchung stellen und dabei interessante Erkenntnisse zu Tage fördern. Die Forscherinnen und Forscher haben erkannt, dass sich Ergebnisse aus der Untersuchung von Schiedsrichtern auf viele Probleme, mit denen sich die Sportökonomie seit Jahren beschäftigt, übertragen lassen. Besonders im Hinblick auf die Beantwortung der Frage nach den Auswirkungen von psychischem Druck auf die Leistung im Profisport, lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten.

Zahlreiche Analysen zeigen, dass Schiedsrichter keines Falls in jeder Hinsicht unparteiisch handeln. In Bezug auf Schiedsrichterentscheidungen hinsichtlich der Länge der Nachspielzeit, der Vergabe von gelben und roten Karten oder der Vergabe von Elfmetern zeigen sich deutliche Hinweise, dass Schiedsrichter systematisch die Heimmannschaft bevorzugen. Ein Grund, den die Forscherinnen und Forscher hinter diesem Phänomen des sog. „Home Bias-Effekts“ vermuten, ist der soziale Druck durch die Fans.

1.2 Aufbau und Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Auswirkungen des sozialen Drucks auf die Unparteilichkeit von Schiedsrichtern im Profifußball zu untersuchen. Hierzu wird zunächst der Begriff des Schiedsrichters im Profifußball betrachtet. Im Anschluss wird der sog. „Home Bias-Effekt“ näher beleuchtet. Darauf folgt die Untersuchung, ob, wie vermutet, der soziale Druck durch die Fans der Hauptgrund für den zu beobachtenden „Home Bias-Effekt“ ist und inwieweit die Ergebnisse für die Erforschung der, in der Ökonomie hoch bedeutenden, Prinzipal-Agenten-Theorie relevant sind. Die Arbeit schließt ab mit einem kurzen Ausblick und Fazit.

2 Der Schiedsrichter im Profifußball

2.1 Begriffsbestimmung des Schiedsrichters

Dem Begriff des Schiedsrichters lassen sich laut deutschem Duden drei Bedeutungen zuordnen. In der Rechtssprache versteht man unter einem Schiedsrichter i.d.R. den Angehörigen eines Schiedsgerichts. Im Sport lässt sich zwischen einem Schiedsrichter im Sinne eines Kampfrichters und einem Schiedsrichter im Sinne eines Spielleiters bei Ballsportarten unterscheiden (vgl. Duden Online 2013: 1). Letztere Bedeutung soll im Sinne der folgenden Definition für diese Arbeit gelten:

„[Ein Schiedsrichter ist] jemand, der das Spiel unparteiisch leitet, bei einem Verstoß gegen die Regeln unterbricht, Strafen ausspricht o.Ä.“ (Duden Online 2013: Stichwort Schiedsrichter).

Die zentrale Aufgabe des Schiedsrichters liegt somit in der Einhaltung der Spielregeln im Sinne einer unparteiischen Leitung des Spielgeschehens. „Er handelt dabei nicht in seinem eigenen Namen; er drückt nicht dem Spiel seine Marke auf wie ein Spielmacher, sondern ist ein Sachverwalter der Regeln; diese soll er im Zentrum des Spiels wirken lassen.“ (Gebauer 2006: 135).

2.2 Abgrenzung des Schiedsrichters im Profibereich zum Schiedsrichter im Amateurbereich

Eine wichtige Abgrenzung, die für diese Arbeit vorgenommen werden soll, ist die Abgrenzung hinsichtlich des Tätigkeitsbereichs des Schiedsrichters. Für diese Arbeit werden ausschließlich Analysen zu Schiedsrichterleistungen aus dem Profibereich und nicht des Amateurbereichs herangezogen. Der Profibereich kennzeichnet sich u.a. dadurch, dass die dort aktiven Spieler den Fußballsport berufsmäßig betreiben. In Deutschland beispielsweise werden die erste, zweite und dritte Bundesliga zum Profibereich gezählt.[2] Dem Amateurbereich fallen entsprechend alle weiteren Ligen zu, welche sich unterhalb der Profi-Ligen befinden. Der Grund für die Abgrenzung liegt zum einen darin, dass ausschließlich der Profibereich eine für die Untersuchungen notwendige verlässliche und umfassende Datenbasis liefert. Zum anderen kommt die Tatsache hinzu, dass die in Punkt 1.1 genannten Problemstellungen im Profibereich eine stärkere Ausprägung und Relevanz haben. So hat der Fußballverband sicherlich auch ein Interesse daran, dass sich die Schiedsrichter in den Amateurligen unparteiisch verhalten. Allerdings ist das Interesse an der Unparteilichkeit eines Schiedsrichters im Profibereich[3] deutlich höher, weil der Profibereich viel stärker im Fokus des öffentlich-gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Interesses steht.

2.3 Die Entscheidungsgewalt des Schiedsrichters im Fußball

Nach den Regeln der Féderation Internationale de Football Association (FIFA) wird „ ... jedes Spiel von einem Schiedsrichter geleitet, der die uneingeschränkte Befugnis hat, den Fussballregeln in dem Spiel, für das er aufgeboten wurde, Geltung zu verschaffen.“ (FIFA 2012: 24).

Die Rechte und Pflichten eines Schiedsrichters finden sich in den Spielregeln der jeweiligen Fußballverbände wieder. Auf der internationalen Ebene steht die FIFA als Weltverband. Darunter befinden sich sechs Kontinentalverbände, die sog. Konföderationen. Auf Europäischer Ebene ist das die Union des accociations européenes de football (UEFA) (vgl. FIFA 2012a: 17). Zur UEFA wiederum zählen 53 Länder, welche ihren Spielbetrieb, und damit verbunden die Rechte und Pflichten des Schiedsrichters, in nationalen Verbänden organisieren. Zu ihnen zählen u.a. der Königlich Spanische Fußballverband (Real Federación Española de Fútbol), der Englische Fußballverband (English Football Association) oder der Deutscher Fußball-Bund (DFB), um die, nach dem UEFA ranking 2012/13, drei bedeutendsten zu nennen.[4]

Fasst man die von der FIFA aufgestellten Rechte und Pflichten des Schiedsrichters zusammen, so ist der Schiedsrichter im Grunde genommen für die Steuerung und den Ablauf des gesamten Spiels zuständig. Sowohl vor, während und nach dem Spiel hat er dabei verschieden Aufgaben und Funktionen zu erfüllen. Seine Rechte und Pflichten reichen von der Überprüfung der Ausrüstung der Spieler vor Beginn der Partie über die Leitung des Spielgeschehens während des Spiels, bis hin zum Ausfüllen von Spielberichten nach Abpfiff. Für alle Entscheidungen, die er im Sinne der Spielregeln zu fällen hat, besitzt er die alleinige Handlungsbefugnis (vgl. FIFA 2012: 24 f.).

„Die Entscheidungen des Schiedsrichters zu Spielrelevanten Tatsachen sind endgültig. Dazu gehören auch das Ergebnis des Spiels sowie die Entscheidung auf ‚Tor‘ oder ‚kein Tor‘.“ (FIFA 2012: 25).

Aus diesem Zitat lässt sich die Entscheidungsmacht des Schiedsrichters ableiten. Es wird deutlich, dass der Schiedsrichter durch seine Entscheidungen einen großen Einfluss auf den Ausgang des Spiels nimmt. Von daher ist seine Unparteilichkeit von großer Bedeutung.

2.4 Unparteilichkeit des Schiedsrichters

Der Begriff des unparteiischen Handelns wird nicht gesondert in den Spielregeln aufgeführt. Um zu verstehen, was der Begriff umfasst, soll erneut der Duden herangezogen werden. Unparteiisch wird dort mit den Synonymen „frei von Vorurteilen, gerecht, neutral, nüchtern, sachlich, unabhängig, unbeeinflusst, unbefangen, unvoreingenommen, vorurteilsfrei, ... , wertneutral ... „ beschrieben (Duden Online 2013a: Stichwort unparteiisch). Ein unparteiischer Schiedsrichter im Fußball handelt im Sinne dieser genannten Synonyme. Unparteiisches Handeln des Schiedsrichters bedeutet mit anderen Worten auch ein Handeln nach bestem Wissen und Gewissen.

Viele Entscheidungen, die der Schiedsrichter während eines Spiels zu fällen hat, sind Tatsachenentscheidungen und müssen in Bruchteilen von Sekunden getroffen werden. Einige Regeln sind oft „Auslegungssache“ und erfordern ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Insbesondere bei Tor- und Abseitsentscheidungen, Foulspiel oder Disziplinarmaßnahmen ist dieses Fingerspitzengefühl gefragt.

3 Der „Home Bias-Effekt“

Aus ökonomischen Gesichtspunkten gibt es für Schiedsrichter einen hohen Anreiz unparteiisch zu Handeln. Schiedsrichter im Profibereich werden routinemäßig hinsichtlich ihrer Leistungen beurteilt. Bei wiederholtem Fehlverhalten werden sie aus den oberen Klassen abgezogen und es drohen ihnen neben Prestige- und Imageverlusten auch erhebliche monetäre Einbußen. Insofern scheint es auf den ersten Blick unwahrscheinlich, dass Schiedsrichter in ihren Entscheidungen ein Team bevorzugen (vgl. Sutter/ Kocher o.J.: 1). Allerdings steigt die Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen, die eine systematische Bevorzugung des Schiedsrichters zugunsten des Heimteams belegen.[5] Diese Bevorzugung des Heimteams durch den Schiedsrichter wird als „Home Bias-Effekt“ bezeichnet. Im Folgenden wird der Home Bias-Effekt anhand der Studie von Sutter und Kocher (2002) beschrieben.[6] Diese untersucht den Home Bias-Effekt in der Bundesliga Saison 2000/01 zum einen anhand der Entscheidung des Schiedsrichters hinsichtlich der Länge der Nachspielzeit und zum anderen anhand der Vergabe von Elfmetern. Als Datenbasis für die Studie wurde die Webseite des Kicker Sportmagazins (www.kicker.de) herangezogen (vgl. Sutter / Kocher 2002: 1 f.).

3.1 „Home Bias-Effekt“ in Bezug auf die gewährte Nachspielzeit

Laut den Spielregeln der FIFA wird in jeder Spielhälfte eines Fußballspiels die Zeit nachgespielt, die durch Auswechslungen, Verletzungen von Spielern, den Transport verletzter Spieler vom Spielfeld, Zeitschinden, oder andere Gründe verloren geht. Die Höhe der Nachspielzeit liegt dabei im Ermessen des Schiedsrichters (vgl. FIFA 2012: 29). Gerade in engen Spielen kann die Nachspielzeit einen Einfluss auf den Ausgang des Spiels haben. Die Untersuchungen von Sutter und Kocher (2002) analysieren die gewährte Nachspielzeit im Falle solcher „engen Partien“. Ein enges Spiel liegt vor bei einem Torunterschied zwischen Heim- und Auswärtsteam von +1 (Das Heimteam liegt mit einem Tor Vorsprung vorne) bis –1 (Das Heimteam liegt mit einem Tor zurück) (vgl. Sutter/ Kocher 2002: 5). In Bezug auf den Home Bias-Effekt stellen sie folgende Hypothese auf:

[...]


[1] Der Begriff „Fußballschiedsrichter“ oder „Schiedsrichter“ beinhaltet aus Einfachheitsgründen für diese Arbeit sowohl die männliche, als auch die weibliche Form.

[2] Informationen sind der Seite www.dfb.de entnommen.

[3] Die Bezeichnung „Schiedsrichter im Profibereich“ ist nicht gleichzusetzen mit der häufig synonym ver-wendeten Bezeichnung „Profi-Schiedsrichter“. Unter Profi-Schiedsrichter wird in dieser Arbeit ein Schiedsrichter verstanden, welcher die Tätigkeit hauptberuflich ausübt und dafür ein jährliches Entgelt bekommt.

[4] Informationen sind der Seite www.UEFA.com entnommen.

[5] Die Studien von Garicano, Palacios und Prendergast (2005), Nevill, Balmer und Williams (2002) oder Buraimo, Forrest und Simmons (2009) können in diesem Zusammenhang als weitere Beispiele genannt werden, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

[6] Für diese Arbeit soll eine Beschreibung der Ergebnisse von Sutter und Kocher (2002) genügen, um den Nachweis für die Existenz des Home Bias-Effekts zu erbringen.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wie unparteiisch sind Schiedsrichter? Analysen aus dem Profifußball
Untertitel
Die Auswirkungen von psychischem Druck auf die Leistung im Profisport
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V267235
ISBN (eBook)
9783656579595
ISBN (Buch)
9783656579588
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schiedsrichter, analysen, profifußball, auswirkungen, druck, leistung, profisport, referees home bias, home bias effekt, unparteilichkeit von schiedsrichtern
Arbeit zitieren
Master of Science Peter Lanig (Autor), 2013, Wie unparteiisch sind Schiedsrichter? Analysen aus dem Profifußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267235

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