Das Buch Hiob und die Theodizee-Frage

Ein Unterrichtsentwurf für die zehnte Klasse


Unterrichtsentwurf, 2013
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Vorbemerkung

2 Lerngruppe und Lernvoraussetzungen

3 Fachwissenschaftliche Analyse

4 Didaktische Analyse

Exkurs: Was ist guter (Religions-)Unterricht?

5 Stundenziele und Kompetenzen

6 Methodische Aspekte

7 Literatur

Anhang

1. Vorbemerkung

Dieser Unterrichtsentwurf entstand für eine zehnte Klasse einer niedersächsischen Gesamtschule, die ich während eines Schulpraktikums kennenlernte. Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Nach Gott fragen...“ wird eine Doppelstunde geplant, in der es zunächst um das Buch Hiob und anschließend um die Theodizee-Frage geht. Dieser zentrale Aspekt der Religionskritik ist meines Erachtens sehr gut geeignet, das kritische Denken von Schülerinnen und Schülern zu fördern, auch bezogen auf die eigene Religion.

2. Lerngruppe und Lernvoraussetzungen

Die Klasse ist mit 29 Schülerinnen und Schülern (SuS), 16 Mädchen und 13 Jungen im Alter von ca. 15 Jahren, eine durchschnittliche Gesamtschulklasse, sowohl im Blick auf ihre Größe als auch auf ihr Leistungsniveau. Dennoch ist ein deutliches Leistungsgefälle vorhanden, es gibt einige sehr starke und einige sehr schwache SuS. Aus den vorherigen Religionsstunden ist bekannt, dass die Mitarbeitsbereitschaft, insbesondere bei ca. der Hälfte der Jungen sehr stark schwankt, abhängig von Tagesform und Attraktivität bestimmter Inhalte. Beispielsweise wird die Arbeit mit Bibeltexten nur sehr missmutig aufgenommen. Diskussionen über kontroverse Themen, sofern sie denn entstehen, werden dagegen manchmal sogar recht lebhaft geführt. Demgegenüber arbeitet der Großteil der Mädchen konstant mit, wenn auch nie übermäßig. Die soziale Situation ist, im Gegensatz zu anderen Klassen, verhältnismäßig ausgeglichen. Meistens gehen die SuS ordentlich miteinander um, sehr selten ergibt sich eine größere Konfliktsituation.

Im Blick auf Gruppenarbeiten lässt die Klasse sich nicht eindeutig einordnen. Je nach Motivation klappt die Gruppenarbeit das eine mal sehr gut und das andere mal fast überhaupt nicht. Es herrscht ein gemäßigt diszipliniertes Klassenklima, keiner der Schüler[1] gilt unter den Lehrkräften als besonders notorischer Unruhestifter o.ä., lediglich ein Schüler weist ein auffälliges Verhalten auf. Michael[2] gelingt es selten, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Sobald ihm eine Aufgabe nicht gefällt oder er auch nur den kleinsten Eindruck hat, etwas nicht zu begreifen, blockiert er innerlich und arbeitet nicht mehr weiter. Dann beschäftigt er sich meist mit seinem Handy oder spricht mit seinen Mitschülern. Bei Gruppen- oder Partnerarbeiten arbeitet er häufig gar nicht mit. Zu erwähnen ist außerdem, dass - ohne Ausnahme - alle SuS in der Klasse ein Smartphone besitzen, das sie häufig auch während des Unterrichts benutzen.

In der Unterrichtseinheit, in der die Stunde stattfindet, wird das Thema „Nach Gott fragen...“ behandelt. Insbesondere geht es dabei um die Erkenntnis, dass die Vorstellungen der Menschen von Gott und seinem Handeln in der Welt sehr unterschiedlich sind. Einige dieser Vorstellungen sowie das Maß des göttlichen Wirkens auf das menschliche Verhalten werden vor der Doppelstunde zu Hiob und der Theodizee-Frage behandelt. Im Laufe der Einheit stellte sich heraus, dass einige SuS sensibel auf die Frage nach ihrer eigenen Auffassung bzw. ihrem eigenen Glauben reagieren. „Das möchte ich jetzt (so) nicht sagen“ erwidern sie dann oft. Dies ist bei der Planung zu beachten. Auf die hier vorbereitete Doppelstunde folgt innerhalb der Unterrichtseinheit vor der Lernzielkontrolle noch eine Stunde, in der Gottes Handeln und die Anklage von leidenden Menschen beispielhaft anhand von persönlichen Berichten zu Depressionen und Behinderungen noch einmal thematisiert und die behandelten Inhalte für die anstehende Klausur wiederholt werden.

3. Fachwissenschaftliche Analyse

„Das Buch Hiob zeigt, wie Menschen über Jahrtausende hinweg versucht haben, eine Antwort auf die Frage nach dem Leid zu finden [...].“[3] Entstanden im 5.-3. Jahrhundert v. Chr. ist es nach der Hauptfigur Hiob benannt und beschreibt die Entwicklung seines Verhältnisses zu Gott, nachdem dieser ihm großes Leid und Unglück aufbürdete. Ausgehend von der Zusammenfassung aus dem Schulbuch folgt nun die fachwissenschaftliche Darstellung des Unterrichtsgegenstandes.[4]

Das Buch, das zur alttestamentlichen Weisheitsliteratur gezählt wird, ist ungewöhnlich klar in drei Teile gegliedert. Ein prosaischer Prolog (Kap. 1-2) und Epilog (42,7-17) bilden den Rahmen für einen poetisch verfassten Dialogteil, der mit Abstand den größten Umfang besitzt (3,1-42,6).[5] Der Prolog erzählt geradlinig und in märchenhafter Weise („Es war ein Mann im Lande Uz ...“, 1,1[6] ) wie der fromme, gottesfürchtige Hiob sich in großem Leid, dem Verlust seines Besitzes, seiner Kinder und seiner Gesundheit, zwei mal bewährt und - entgegen den Ratschlägen seiner Frau - seinem Glauben treu bleibt. Er lässt nicht von Gott ab. Hintergrund der Prüfung ist eine Art Wettstreit zwischen Gott und Satan, mit dem der Versucher beweisen will, dass Hiobs Gottesfurcht und Rechtschaffenheit nur auf seinem Wohlstand gründet. Auch wenn damit die Antwort auf die Frage, warum Hiob leiden muss, eigentlich gleich im Prolog gegeben wird, so bleibt am Ende doch die Frage bestehen, weshalb der fromme Gerechte leidet bzw. leiden muss. Denn letztlich werden alle Antwortversuche von Hiob abgewiesen und das Grundproblem, mitsamt Kritik an den Lösungsvorschlägen, an den Leser zurückgegeben.[7] Der in der Mitte stehende Hauptteil beschreibt die Diskussion zwischen dem Protagonisten und drei seiner Freunde sowie einer vierten Person, die erst später hinzukommt. Nach der großen monologischen Klage (3,1-26), in der er sein eigenes Leben verflucht und Gott nach dem Grund für das Leid fragt, folgen in mehreren Redegängen vier verschiedene Erklärungen für Hiobs Elend (4-27). Mit der Frage nach dem Leiden des Gerechten wird die sich durch das gesamte Buch ziehende Frage nach dem Wesen Gottes gestellt.[8] Die Freunde sind Repräsentanten der Weisheitslehre und ergänzen das Gespräch um eine philosophische Dimension. Grundlage ihrer Argumentation ist eine aus der Lebenserfahrung heraus entstandene Einsicht, die von der Überzeugung einer gerechten Weltordnung getragen wird.[9] Diese lässt sich in 4 Hauptlinien formulieren: „1.) zwischen dem Handeln eines Menschen und seinem Schicksal bestehe ein unmittelbares Verhältnis („ Tun-Ergehen-Zusammenhang “) [,wonach Leid eine Folge der Sündhaftigkeit ist, die zur Umkehr führen soll]; 2.) Gott vergelte jederzeit gerecht; 3.) Leiden sei eine zeitlich befristete Strafe Gottes[, eine erzieherische Maßnahme]; 4.) im Leiden sei Buße nötig und Gottes gnädige Zuwendung möglich.“[10] Auch die natürliche menschliche Schwäche, seine Kreatürlichkeit, spielt eine Rolle. Kein Mensch könne je vollends gerecht vor seinem Schöpfer sein (4,17f.). So bleibt das Leben dauerhaft mit Leid verbunden.[11] Mit diesen Erklärungen versuchen Hiobs Freunde, ihn zu einem Schuldgeständnis und zur Demut zu bewegen. Doch Hiob streitet immer wieder ab. Seine Unschuldsbeteuerung, sich nicht sündhaft verhalten zu haben - und sein Leid damit göttlicher Willkür zuzuschreiben -, ist der gegensätzliche Pol zu ihrer Position. Zwischen den Argumentationslinien beider Seiten liegt eine unüberbrückbare Differenz: Hiob argumentiert existenziell, von seinem eigenem Leid her, die Freunde von der Theorie. Sie beziehen sich nicht auf ihn als Einzelfall sondern auf die allgemeine, weisheitliche Lehrtradition.[12]

Im Verlauf der Diskussion, in der die Freunde ihre Deutungen des Leids immer weiter ausdehnen, ist ein gedanklicher Fortschritt erkennbar. Zwar wiederholen sich in der Abfolge der Reden die Motive und Argumentationsmuster, jedoch werden die Entfremdung Hiobs von seinen Freunden sowie seine stärkere Hinwendung zu Gott im Laufe der Zeit immer deutlicher. Steht Hiob Gott, als einem von oben herab Richtenden (9,33-35), zunächst noch eher ablehnend gegenüber, wird diese Haltung während des Disputs zunehmend schwächer und er erkennt ihn schließlich als Erlöser an (19,25). Dabei kommt er vom Vorwurf (7,20) über die Anklage Gottes (9,14-35) letztlich zur Aufforderung (13), ihm seine Unschuld zu attestieren.[13] Mit Kapitel 27 endet der Disput zunächst unentschieden, die Lösung des Problems liegt bei den himmlischen Mächten. Hiob betont in einem langen Monolog (29-31) noch einmal seine Unschuld. Er fordert eine Antwort von seinem Schöpfer. Nach der eingeschobenen Rede eines vierten Freundes (Elihu), einem Verfechter der Allmacht Jahwes und seiner Unbegreiflichkeit für den Menschen (32 u. 34-36), reagiert Gott schließlich und antwortet Hiob „aus einem Sturm heraus“ (38 u. 40) - ein Theophaniemotiv.[14] „Er führt ihn an einer langen Kette rhetorischer Fragen durch den gesamten Kosmos, durch Raum und Zeit“[15] ; beispielsweise „Wo warst du als ich die Erde gründete?“ (38,4). Die Größe und Herrlichkeit, vor allem aber die Unbegreiflichkeit, seines Werkes stehen hier im Mittelpunkt.[16] Gott ignoriert die Deutungen der Freunde, Hiobs Leid als Folge von dessen Schuld zu sehen, letztendlich verwirft er sie sogar völlig (42,7f.).[17]

Doch auf die eigentlichen Fragen nach Leid und Schuld, nach Sinn und Zweck, geht Gott nicht ein. Zwar beschuldigt er Hiob nicht der Sündhaftigkeit, jedoch erkennt er auch seine Unschuld nicht ausdrücklich an. Seine uneingeschränkte Souveränität steht über allem und jedem. Dies ist auch die abschließende Erkenntnis, die in Hiobs reumütiger Antwort auf die Gottesrede zum Ausdruck kommt: „Siehe, zu gering bin ich! Was kann ich dir erwidern?“ (40,4). Er akzeptiert, dass die Rätselhaftigkeit des allumfassenden, göttlichen Plans sein Denken übersteigt und er sie nicht weiter in Frage stellen darf. Das irdische Auftreten Gottes im Sturm (Theophanie) ist dabei von wesentlicher Bedeutung (42,5). So findet Hiob gerade zu der Haltung stillschweigender Annahme zurück, die bereits der Prolog als vorbildhaft beschrieben hatte, ganz im Gegensatz zu seinen Freunden, deren weisheitliche Diskussion nicht den persönlichen Zugang zu Gott sucht. Ihre unsolidarischen Reden ü ber Gott zeugen lediglich von menschlicher Teilnahmslosigkeit.[18] Witte fasst treffend zusammen: „Besitzen alle […]Leidensdeutungen [von Hiobs Freunden] eine partielle Wahrheit, so liegt der entscheidende Beitrag des Buchs Hiob doch nicht in einer generellen Antwort auf die Frage nach Grund und Ziel des Leidens, sondern in der Anleitung zum rechen Verhalten im Leiden.“[19] Im kurzen Epilog wird die Geschichte abgeschlossen (42,10-17). Hiobs Freunde und ihre Theologie werden von Gott verurteilt, Hiob selbst wird wieder rehabilitiert. Er kommt zu neuem Reichtum und lebt ein langes, glückliches Leben; eine Entschädigung für sein Leid und eine Belohnung für seine „wahren Reden“ (42,7).

„Kaum ein Buch des Alten Testaments ist so wie das Hiobbuch mit einem Problem (und zwar einem kognitiven und existenziellen Problem) verbunden, kaum einem anderen Buch des Alten Testaments galt und gilt daher wie dem Hiobbuch das Interesse theologischer und außertheologischer Rezeption.“[20] Schon der Umfang des Redeteils zeigt, dass dieses Problem nicht leicht zu lösen ist, sofern es denn überhaupt eine Lösung gibt. Wie ist das Leid auf der Welt zu erklären? Welcher Sinn und Zweck steht dahinter, z. B. Umweltkatastrophen, Hungersnöte, Epidemien (existenzieller Aspekt)? Wie kann es angesichts dessen einen - allmächtigen und allgütigen - Gott geben (kognitiver Aspekt)? Derartige Fragen charakterisieren das Grundproblem, das schon seit der Antike bekannt war und von Gottfried Wilhelm Leibniz mit dem Begriff 'Theodizee' bezeichnet wurde (wörtlich: Rechtfertigung Gottes). Eine prägnante Formulierung, die lange Zeit dem griechischen Philosophen Epikur zugeschrieben wurde, fasst die Problematik schlüssig zusammen:

Entweder will Gott die Ü bel beseitigen und kann es nicht: dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, oder er kann es und will es nicht: dann ist Gott missg ü nstig, was ihm fremd ist, oder er will es nicht und kann es nicht: dann ist er schwach und missg ü nstig zugleich, also nicht Gott, oder er will es und kann es, was allein f ü r Gott ziemt: Woher kommen dann die Ü bel und warum nimmt er sie nicht hinweg? [21]

Seit den Zeiten der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert erfährt die Theodizee-Frage größere Aufmerksamkeit. Maßgeblich war dabei das aufkeimende systematische Verständnis der Vernunft (vor allem bei Kant, Hegel u.a.) , die als eine Art Anklägerin fungierte. Vor dem Hintergrund dessen, was vernünftig ist, stellte man das göttliche Handeln in Frage und suchte nach einer Rechtfertigung Gottes, wie es Leibniz' Bezeichnung nahelegt. Hierbei ist zu beachten, dass das Theodizee-Problem insofern nicht eindeutig abgrenz- und formulierbar ist, dass die zahlreichen verschiedenen Lösungsversuche [22] auch an verschiedenen Stellen des Problems ansetzen.[23]

Bei Theismusgegnern - oder allgemeinen Religionskritikern - findet die Theodizee häufiger Verwendung im Bestreben, die Omnipotenz, die Güte oder direkt die Existenz Gottes (z. B. Nietzsche) zu entkräften. Denn ein allgütiges Wesen, wie der Gott des Christentums, würde jedes Leid und Übel nach Kräften verhindern.[24] Und wenn gerade diese Kräfte nur der Allmächtige besitzt, schließt der Atheismus aus diesem Umstand, dass die einzige Entschuldigung Gottes sein könne, dass es ihn nicht gibt.[25] Andernfalls wären mindestens eine seiner Eigenschaften grundlegend anzuzweifeln. Wo also war bzw. ist Gott, wenn großes Leid geschieht, wie beispielsweise 2004 beim Erdbeben im Indischen Ozean? Die Theodizee sucht auf theoretischer Seite nach rational-logischen Gründen dafür, dass er kein Paradies sondern eine Welt voller Leid geschaffen hat. Wichtig zu erwähnen ist die Unterscheidung zwischen jenem Leid, dass der Mensch selbst verursacht, beispielsweise Mord oder Folter, und solchem, für das er keine Verantwortung trägt, z. B. Tsunamis. Auf die Frage nach dem (menschlich verursachten) Übel liegt die Antwort vieler Theologien in der Willensfreiheit des Menschen, die er bei seiner Schöpfung von Gott erhielt. Ausgehend von dem logischen Umstand, dass es ohne Leidens- und Unglückserfahrungen keine Werte oder Moral gäbe, kann und muss er sich also immer wieder zwischen Gut und Böse entscheiden, um auf diese Weise einen Reifungsprozess zu durchleben (Personmaking nach Hick[26] ) und eine 'positive Persönlichkeit' herauszubilden.[27] Für das nicht vom Menschen bewirkte Leid greift diese Antwort m. E. jedoch zu kurz. Denn sieht man eine schwere Naturkatastrophe mit zahlreichen Toten nicht als Strafe für Sündhaftigkeit im Sinne eines Tun-Ergehen-Zusammenhangs oder als erzieherische Maßnahme (o. ä., vgl. Hiob), so lässt sich doch das Ausmaß mancher Katastrophen auch nicht mehr mit solch einer 'Charakterformung' zu Solidarität und Hoffnung bzw. mit rationalen Argumenten erklären. Insbesondere Schrecken wie die des Holocausts - oder jedes anderen Völkermords - übersteigen jeden Sinn und Zweck, der hinter dem Leid stehen könnte.[28]

Folglich bleibt die Frage nach einer Erklärung oder Entschuldigung für übergroßes Leid - bei gleichzeitiger Allmacht und Allgüte Gottes - offen und löste bei vielen Menschen eine Krise des Gottvertrauens aus. So befand beispielsweise Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der sich früher als religiöser Mensch sah, er könne sich nicht auf jemanden verlassen, der Auschwitz geschehen lassen konnte.[29]

Gegenüber der theoretischen hält die praktische Theodizee die Suche nach den Motiven und Gründen des göttlichen Handelns für vermessen, wie es auch im Buch Hiob zur Sprache kam, und für grundsätzlich nicht beantwortbar.[30] Doch lediglich auf das unfassbare Geheimnis Gottes und die Rätselhaftigkeit seines Plans zu verweisen genügt nicht. „Denn es bleibt die Frage, was die Glaubenshoffnung legitimiert? Ist sie Illusion oder entspricht sie der Wahrheit?“[31] Woher soll der fromme Leidende wissen, dass sein Glaube berechtigt ist und etwas bewirkt? Der bedeutende dänische Philosoph SØren Kierkegaard ging sogar soweit, die Übel in der Welt als unabdingbaren Ausdruck des menschlich-endlichen Daseins in seiner Entfernung zu Gott zu sehen, als eine Art paradoxe Bestätigung des Absoluten.[32]

Es scheint schier unmöglich, eine Lösung des Theodizee-Problems zu finden. Eine dogmatisch befriedigende Antwort wird es wohl nicht mehr geben. Rosenau sieht in der Suche nach einer Antwort dennoch den Sinn, das Gottesbild immer wieder einer kritischen Prüfung zu unterziehen.[33]

4. Didaktische Analyse

Nun zum wichtigsten Teil, der didaktischen Aufbereitung des Unterrichtsstoffs. Die Analyse orientiert sich im Wesentlichen am Grundsatz der Elementarisierung nach Wolfgang Klafki[34], die „eine wechselseitige Erschließung von Subjekt u. Objekt ermöglichen soll“[35]. Elementarisieren meint in diesem Fall eine sachgemäße Reduktion und Konzentrierung des zu behandelnden komplexen Gegenstandes, hier also Hiob und die Theodizee, auf seine Kernaussagen und zentralen Inhalte. Sie stehen stellvertretend für das übergeordnete Fundamentale. So soll der dahinter liegende Sachverhalt für die SuS auf ihrem Niveau, d.h.

[...]


[1] Der sprachlichen Einfachheit halber wird gelegentlich nur die männliche Form benutzt, gemeint sind natürlich ebenfalls Schülerinnen.

[2] Name geändert.

[3] Aus dem 'Kursbuch Religion Elementar 9/10' (Eilerts, 2006, 79).

[4] Auf Grund des vorgegebenen Rahmens dieser Arbeit kann das Buch Hiob nur in Grundzügen mit den wichtigsten Charakteristika seiner Theologie dargestellt werden, vor allem denen, die in Zusammenhang mit dem Schulbuchtext stehen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den vielseitigen Leidensdeutungen im Blick auf die spätere Beschäftigung mit der Theodizee-Problematik. Auch Fragen nach der Entstehungsgeschichte, der sprachlichen Form, der Gattung etc. sollen hier nicht weiter thematisiert werden. Es sei lediglich kurz darauf hingewiesen, dass der jüngere Hauptteil, der Disput zwischen Hiob und seinen Freunden, sich im Laufe der Redaktionsgeschichte gewandelt hat (so wurden wahrscheinlich die Elihu-Reden nachträglich in die ursprüngliche Hiobdichtung eingefügt), während der ältere Rahmen aus Prolog und Epilog kaum verändert wurde. Vgl. z. B. Schmitt, 2011, 449.

[5] Vgl. Zenger, 1996, 336.

[6] Alle Bibelübersetzungen wurden der Elberfelder Bibel von www.bibleserver.com entnommen.

[7] Vgl. Schmid, 2001, 23 u. 30.

[8] Vgl. Witte, 2010, 443.

[9] Vgl. Spieckermann, 2000, 1779., sowie Witte, 2010, 435.

[10] Witte, 2010, 435.

[11] Vgl. Zenger 1996, 346f.

[12] Vgl. Gradl, 2001, 28.

[13] Vgl. Zenger, 1996, 337.

[14] Vgl. Gradl 2001, 13f.

[15] Witte, 2010, 436.

[16] Die Zweiteilung der Antwort Gottes - mit einer Rede von Hiob dazwischen (39) - soll hier nicht näher behandelt werden sondern lediglich die wesentlichen theologischen Inhalte.

[17] Vgl. Zenger, 1996, 347.

[18] Vgl. Zenger, 1996, 345, sowie Gradl, 2001, 28f.

[19] Witte, 2010, 444.

[20] Ebach, 1986, 361.

[21] Epikur: Von der Überwindung der Furcht. Katechismus, Lehrbriefe, Spruchsammlung.,Fragmente, eingeleitet und übersetzt von O. Gigon, Zürich 1949, 80.

[22] Lediglich die christlich-theologische Linie sowie einige Argumente von Theismusgegnern, die im Unterricht zur Sprache kommen können, sollen hier umrissen werden. Auf die unterschiedlichen Lösungsansätze z. B. des Judentums oder Islam, wird nicht näher eingegangen, da sie in der betreffenden Doppelstunde voraussichtlich keine Rolle spielen.

[23] Vgl. Stögbauer, 2011, 72.

[24] Vgl. Hermanni, 2002, 239.

[25] Vgl. Loichinger, 2011, 4.

[26] Im Anschluss an Irenäus von Lyon, vgl. dazu Sarot, Marcel: Art. „Theodizee. IV. Religionsphilosophisch“, in: RGG, Bd. 8, Tübingen 2005, 227f.

[27] Vgl. Loichinger, 2011, 6.

[28] Vgl. Loichinger, 2011, 7.

[29] Vgl. http://www.fairschreiben.de/index.php/gott-hat-auschwitz-zugelassen/2008-02-07/, abg. 28.10.13.

[30] Vgl. Loichinger, 2011, 5.

[31] Loichinger, 2011, 8.

[32] Vgl. Rosenau, 2003, 227.

[33] Vgl. Rosenau, 2003, 227.

[34] Vgl. dazu: Klafki, Wolfgang: Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung, in: Roth, Heinrich u.a. (Hrsg.): Grundlegende Aufsätze aus der Zeitschrift Die Deutsche Schule, Hannover[11] 1974, 15-23.

[35] Lämmermann, 2001, 382.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Das Buch Hiob und die Theodizee-Frage
Untertitel
Ein Unterrichtsentwurf für die zehnte Klasse
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
29
Katalognummer
V267345
ISBN (eBook)
9783656583578
ISBN (Buch)
9783656583554
Dateigröße
1213 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: 'Dem Autor ist es gelungen, die Behandlung von Hiob und Theodizee in einem kompakten Unterrichtsentwurf überzeugend darzustellen. Wissenschaftliche und sprachliche Form sind einwandfrei.' Im Anhang befindet sich der Unterrichtsentwurf in tabellarischer Kurzform. Das Einstiegsbild muss aus urheberrechtlichen Gründen selbst ergänzt werden, es ist hier nicht beigefügt. Die Unterrichtsmaterialien stammen überwiegend aus dem "Kursbuch Religion Elementar 9/10". Die Stundenziele und -kompetenzen beziehen sich auf das nds. Kerncurriculum
Schlagworte
Hiob, Theodizee, Religionspädagogik, Religionsdidaktik, Fachdidaktik, Unterricht, Unterrichtsentwurf, Religionsunterricht, Elementarisierung, Theodizeefrage, Kerncurriculum, Kompetenzen, Gott, Leid
Arbeit zitieren
Steffen Schütze (Autor), 2013, Das Buch Hiob und die Theodizee-Frage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267345

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