Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich der parlamentarischen Systeme von Österreich und Bulgarien, um durch die Schließung dieser Forschungslücke einen Erkenntnisgewinn herbeizuführen. Dabei werden auch die aktuellsten Entwicklungen des Jahres 2013 berücksichtigt. Bei der Auswahl des Forschungsdesigns handelt es sich naturgemäß um ein most similar cases design (MSSD), dessen Stärke die fallorientierte Herausarbeitung der wesentlichen Unterschiede parlamentarischen Systeme der beiden Länder ausgehend von deren Gemeinsamkeiten ist, auch unter Berücksichtigung historischer und kultureller Aspekte.5 Dazu sollen zuerst die Kernelemente der politischen Systeme beider Länder direkt verglichen werden. Der zeitliche Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Zeit nach 1990, da Bulgarien vorher als Volksrepublik kein parlamentarisches System aufwies. Zum Schluss ist der Versuch, aus den gewonnenen Erkenntnissen eine abstraktere Theorie gemäß den Prinzipien der Induktion zu folgern und eine kurze Prognose der wahrscheinlichen zukünftigen Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Elemente der parlamentarischen Systeme von Bulgarien und Österreichs
2. 1. Historischer Überblick für Bulgarien seit 1945
2. 2. Historischer Überblick für Österreich seit 1945
2. 3. Gewaltenteilung
2. 4. Parlamentarismus und Wahlsystem
2. 5. Parteien und Verbände
2. 6. Politische Kultur
3. Schlussfolgerungen aus dem Vergleich
4. Ausblick auf zukünftige Entwicklungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die parlamentarischen Systeme von Österreich und Bulgarien direkt miteinander zu vergleichen, um durch die Schließung dieser Forschungslücke einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zu erzielen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen, der historischen Transformation nach 1990 sowie den Auswirkungen der politischen Kultur und Parteienlandschaft auf die Regierungsstabilität.
- Vergleich der parlamentarischen Systeme und Gewaltenteilung
- Analyse der historischen Systemtransformationen
- Messung der präsidialen Macht mittels des Index präsidialer Macht (IPM)
- Untersuchung des Parteienwettbewerbs und der Rolle von Verbänden
- Bewertung der Regierungs- und Parlamentsstabilität
Auszug aus dem Buch
2. 3. Gewaltenteilung
Allgemein wird Bulgarien als parlamentarische Demokratie eingeordnet, wobei sie bis Mitte der 1990er Jahre, je nach persönlichem Engagement des Staatspräsidenten, zu einer parlamentarisch-präsidentiellen Demokratie tendierte. Insbesondere in der Außenpolitik und zu Zeiten von Regierungskrisen konnte der Präsident erheblich an Einfluss gewinnen. Österreichs System befindet sich in einem ähnlichen Spannungsverhältnis: Seit der Verfassungsnovelle von 1929, wo nach Weimarer Vorbild die Macht des Bundespräsidenten erheblich ausgeweitet worden ist, ist sie formell der damaligen Verfassung Deutschlands oder der heutigen fünften französischen Republik ähnlich, d.h. sie trägt semipräsidentialistische Züge. Charakterisiert wird sie als parlamentarisch mit präsidentiellen Ergänzungselementen. Im Folgenden soll der institutionell-konstitutionelle Rahmen der Macht des Präsidenten abgesteckt werden, um eine quantitative Vergleichsgrundlage für beide Länder zu schaffen.
Spörer entwickelte für die Analyse postkommunistischer Systeme den Index präsidialer Macht (IPM), welche die konstitutionelle Stärke (polity-Dimension) von Präsidenten im Vergleich zur Regierung sowie zum Parlament aufzeigt. Dieser ist für Vergleiche auf inter- und intrasystemischer Ebene geeignet und au alle demokratischen Systeme anwendbar, somit wird auch auf Österreich. Das ermöglicht die Schaffung von geeigneten Vergleichsdaten für beide Länder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsdesiderat eines direkten Vergleichs der parlamentarischen Systeme von Österreich und Bulgarien und führt in das gewählte Untersuchungsdesign (MSSD) ein.
2. Die Elemente der parlamentarischen Systeme von Bulgarien und Österreichs: Dieses Hauptkapitel analysiert die historischen Pfadabhängigkeiten, die Gewaltenteilung, das Wahlsystem sowie die Parteien- und Verbandssysteme beider Staaten.
3. Schlussfolgerungen aus dem Vergleich: Hier werden die Ergebnisse anhand von fünf Hypothesen synthetisiert, um die zentralen Determinanten für Regierungsstabilität und präsidentielle Macht herauszuarbeiten.
4. Ausblick auf zukünftige Entwicklungen: Das Kapitel wagt eine Prognose über die weitere institutionelle Entwicklung beider Länder vor dem Hintergrund der jeweiligen langfristigen Trends wie dem Wandel der Verbändestaaten und wechselnden Mehrheitsverhältnissen.
Schlüsselwörter
Parlamentarische Systeme, Österreich, Bulgarien, Regierungsstabilität, Gewaltenteilung, Systemtransformation, Index präsidialer Macht, Parteiensystem, Verbändestaat, politische Kultur, Koalitionsbildung, Wahlsystem, Demokratie, Transformation, Politikwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die parlamentarischen Systeme von Österreich und Bulgarien, um zu verstehen, wie institutionell teils ähnliche Systeme unterschiedliche Resultate hinsichtlich Stabilität und Regierungsbildung hervorbringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung seit 1945 (bzw. 1990), der Gewaltenteilung, der Macht des Staatspräsidenten, der Rolle von Parteien und Verbänden sowie der politischen Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Schließung einer Forschungslücke durch einen direkten Vergleich, um theoretische Erkenntnisse über die Stabilität parlamentarischer Systeme in Abhängigkeit von externen und internen Transformationsfaktoren zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin verwendet ein "most similar cases design" (MSSD), ergänzt durch quantitative Indikatoren wie den Index präsidialer Macht (IPM), die effektive Parteienzahl und den Pedersen-Index für Volatilität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine institutionelle Untersuchung der Exekutiv-Legislativ-Beziehungen und eine systematische Darstellung des Parteien- und Verbandswesens beider Länder.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Regierungsstabilität, Systemtransformation, parlamentarische Demokratie, Verbändestaat, Macht des Präsidenten und politische Kultur.
Warum spielt der "Index präsidialer Macht" (IPM) eine so wichtige Rolle im Vergleich?
Der IPM ermöglicht eine quantitative Vergleichsgrundlage für die konstitutionelle Stärke des Präsidenten gegenüber Parlament und Regierung, wodurch die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlicher Norm und politischer Praxis sichtbar gemacht wird.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Präsidenten in beiden Ländern?
Während der bulgarische Präsident in Phasen schwacher Regierungen politische Spielräume nutzen konnte, übt der österreichische Bundespräsident aufgrund der stabilen parteipolitischen Struktur und einer anderen politischen Kultur traditionell einen "Rollenverzicht".
Was sagt die Arbeit über die Zukunft der österreichischen Regierungsbildung aus?
Angesichts schwindender Mehrheiten der beiden Volksparteien wird prognostiziert, dass der Bundespräsident in Zukunft wieder eine aktivere Rolle bei der Regierungsbildung einnehmen könnte, um Stabilität zu gewährleisten.
- Quote paper
- Richard Schenk (Author), 2013, Die parlamentarischen Systeme von Österreich und Bulgarien im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267524