In dieser Ausarbeitung geht es um das Ricercar à 6 voci aus dem musikalischen Opfer BWV 1079 von Johann Sebastian Bach. Dieses wurde Anfang der 1930er Jahre von Anton Webern, dem Schüler Arnold Schönbergs und einem der wichtigsten Vertreter der so genannten zweiten Wiener Schule für Orchester neu gesetzt. Das in der Originalversion Bachs nur für Streichorchester oder Cembalo solo vorliegende Werk, wurde von Anton Webern auf ganz eigene Weise bearbeitet und gibt ganz neue Einblicke in dieses Spätwerk Bachs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Kurzbiographie Anton Webern
3. Hintergrundgesichte zu Bachs ,,musikalischem Opfer“
4. Vergleichende Aspekte der Besetzung: Bach – Webern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ricercar à 6 voci aus Johann Sebastian Bachs "Musikalischem Opfer" im Hinblick auf die instrumentale Bearbeitung durch Anton Webern. Der Fokus liegt dabei auf der musikgeschichtlichen Einordnung, der Analyse der ursprünglichen Komposition sowie der vergleichenden Betrachtung der unterschiedlichen Besetzungs- und Instrumentierungskonzepte, um Weberns Intention bei der Transformation des barocken Werkes zu erörtern.
- Musikgeschichtliche Einordnung von Anton Webern und der Zweiten Wiener Schule
- Historischer Kontext und Entstehungsgeschichte von Bachs "Musikalischem Opfer"
- Analytischer Vergleich der Besetzung: Bachs Original versus Weberns Orchesterfassung
- Untersuchung der Klangfarbenmelodie und der instrumentalen Motivdarstellung
- Bedeutung der Bearbeitung als bewusster Bruch mit traditionellen Formen
Auszug aus dem Buch
Vergleichende Aspekte der Besetzung: Bach – Webern
Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Anton Webern, der ehemalige Schönberg Schüler und einer der wohl bedeutensten Komponisten der frühen musikalischen Avantgarde, die Idee das sechsstimmige Ricercar aus dem musikalischen Opfer von Johann Sebastian Bach für eine kleinere Orchesterbesetzung zu setzen. 1935 wurde diese neue Version des für Streicherensemble von Bach gesetzten bekannt gewordenen Ricercars dann erstmals gedruckt. Webern schrieb für seine Version folgende Instrumente vor: Flöte, Oboe, Englischhorn Klarinette, Bassklarinette, Fagott, Horn in F, Trompete in C, Posaune, Pauke und Harfe (je nur einfach besetzt), sowie Streicher, bei welchen jede Instrumentenuntergruppe einen Solisten aufweist.
In der Partitur der Bachschen Originalversion tauchen erste, zweite und dritte Violine, Bratsche, erstes Violoncello sowie zweites Violoncello und Kontrabass auf. Auch in der Bachschen Version gibt es, mit Ausnahme des Kontrabasses, Stellen, an welchen einzelne Tuttistimmen auch kurz solistisch geführt werden.
Trotz des Einsatzes eines größeren Orchesterapparates bei Webern wird dem vollen Orchesterklang eher eine geringe Rolle zugeschrieben. Weberns Bearbeitung ist eher auf plastische Linienführung aus. Im gesamten Werk sind nur wenige Stellen vorzufinden, an welchen das Orchester Tutti spielt oder Stimmen gedoppelt werden. Dies geschieht lediglich am Schluss. Eine weitere Besonderheit ist die Setzung der Streicher, welche in solistischer Besetzung weitaus häufiger spielen als im Tutti. Dies steht im Gegensatz zur vorher da gewesenen romantischen Tradition der Homophonie à la Wagner oder Brahms. Selbst der Pauke, deren Wirbel Webern hier zur Darstellung von Orgelpunkten benutzt, wird als eigenständige Stimme verstanden. Das königliche Thema wird zu keinem Zeitpunkt von einem Instrument komplett in voller Länge gespielt. Es wandert von Takt zu Takt durch die Instrumente und deren Gruppen und verstärkt so den Effekt einer Klangfarbenmelodie (nach Schönberg). So beginnt in der Exposition der Webernschen Version zunächst eine Soloposaune, die die ersten zwei ein halb Takte des Themas spielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, das Ricercar à 6 voci von J.S. Bach in der Bearbeitung von Anton Webern unter besonderer Berücksichtigung der Besetzung zu analysieren.
2. Kurzbiographie Anton Webern: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben und den künstlerischen Werdegang Weberns als Schüler Schönbergs und Vertreter der Zweiten Wiener Schule.
3. Hintergrundgesichte zu Bachs ,,musikalischem Opfer“: Hier wird der historische Kontext der Entstehung des Werkes im Jahr 1747 am Hofe Friedrichs II. beschrieben, inklusive des königlichen Themas.
4. Vergleichende Aspekte der Besetzung: Bach – Webern: Der Hauptteil vergleicht die Besetzungsentscheidungen beider Komponisten und beleuchtet Weberns Einsatz von Instrumentierung zur Realisierung einer Klangfarbenmelodie.
5. Fazit: Die abschließende Betrachtung interpretiert Weberns Bearbeitung als bewussten Bruch mit der Tradition und als Versuch, die komplexe Polyphonie Bachs mittels "Farbflecken" neu zu interpretieren.
Schlüsselwörter
Johann Sebastian Bach, Anton Webern, Musikalisches Opfer, Ricercar à 6 voci, Zweite Wiener Schule, Orchesterbearbeitung, Besetzung, Instrumentierung, Klangfarbenmelodie, Polyphonie, Kontrapunkt, Neue Musik, Tradition, Analyse, Avantgarde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das "Ricercar à 6 voci" aus Bachs "Musikalischem Opfer" in der Orchesterbearbeitung durch Anton Webern, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Besetzung gelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Biografie von Webern, die Entstehungsgeschichte des Bachschen Originals sowie eine vergleichende musiktheoretische Analyse der Instrumentierung beider Versionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Webern durch eine spezifische Instrumentierung eine neue Sichtweise auf Bachs komplexe Polyphonie ermöglicht und ob dies als ein bewusster Bruch mit musikalischen Traditionen gewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine vergleichende musikalische Analyse auf Basis der vorliegenden Partituren sowie unter Einbeziehung musikwissenschaftlicher Schriften, insbesondere von Carl Dahlhaus, angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem detaillierten Vergleich der Besetzung, der Aufteilung der Stimmen und dem spezifischen Einsatz von Klangfarben in der Bearbeitung von Anton Webern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind die Begriffe Klangfarbenmelodie, Polyphonie, Orchesterbearbeitung, Zweite Wiener Schule und instrumentale Motivdarstellung.
Warum wählte Webern eine solistische Besetzung für sein Arrangement?
Laut der Analyse diente die solistische Besetzung dazu, die komplexe Mehrstimmigkeit des Ricercars durch Transparenz und Leichtigkeit sowie durch eine feinere instrumentale Differenzierung darzustellen, anstatt auf einen vollen Orchesterklang zu setzen.
Wie unterscheidet sich Weberns Umgang mit dem "königlichen Thema" von Bachs Original?
Während bei Bach das Thema durch die Instrumente wandert und von den Streichern in unterschiedlichen Variationen aufgenommen wird, zerlegt Webern das Thema in einzelne Fragmente, die auf verschiedene Instrumente verteilt werden, um einen Klangfarbenwechsel zu erzielen.
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- Sven Gerrlich (Author), 2009, Bachs "Musikalisches Opfer BWV 1079: Ricercar à 6 voci". In der Bearbeitung für Orchester von Anton Webern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267623