Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

Noch geprägt vom Erbe der DDR?


Hausarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Landwirtschaft der DDR.
2.1 Die marxistisch-leninistische Agrartheorie
2.2 Merkmale ihrer Agrarstruktu
2.3 Herausforderungen an die Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung

3 Zwei neue Bundesländer und ihre Landwirtschaft im Vergleich
3.1 Basisdaten - Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhal
3.2 Die Agrarwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns heute
3.2.1 Betriebstrukturen
3.2.2 Die landwirtschaftliche Flächennutzung
3.2.3 Entwicklung der Arbeitskräfte
3.2.4 Neue Richtung – der ökologische Landbau
3.3 Die heutigen Agrarstrukturen Sachsen-Anhalts
3.3.1 Die Betriebsstrukturen
3.3.2 Die landwirtschaftlichen Nutzungsverhältnisse
3.3.3 Die Situation der Arbeitskräfte
3.4 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Landwirtschaf

4 Ist die Landwirtschaft vom Erbe der DDR geprägt?

5 Zusammenfassung.

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gegenstand der Hausarbeit ist die Betrachtung und Analyse von den neuen Bundesländern, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, mit besonderem Bezug auf ihre Landwirtschaft. Hierbei soll diskutiert werden, inwiefern die ehemaligen landwirtschaftlichen Strukturen der DDR diese zwei Regionen geprägt haben oder noch prägen.

In Kapitel 2 werden die Grundzüge und Problematiken der Landwirtschaft in der DDR aufgezeigt, um somit mögliche Auswirkungen und resultierende Probleme nach dem Zeitpunkt der Wiedervereinigung abschätzen zu können. Im folgenden Kapitel soll nun speziell auf die zwei Bundesländer eingegangen werden. Hierzu sollen Kerndaten zu dem einzelnen Land gegeben werden. Schwerpunkt bildend soll die jeweilige Landwirtschaft auf besondere Merkmale und ihre Strukturen anhand von Statistiken untersucht und analysiert werden. Im vierten Kapitel folgt eine Evaluierung, ob und wie weit die DDR diese landwirtschaftlichen Räume beeinflusst hat und ob dies heute noch zu erkennen ist. Bei dieser Evaluierung soll es sich um eine persönliche Einschätzung handeln, gestützt durch vorher festgehaltene Daten und Argumente. Ihren Abschluss findet die Hausarbeit im fünften Kapitel mit einer Zusammenfassung des gewonnenen Wissens, sowie eine Schlussfolgerung für die Zukunft der Landwirtschaft von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

2 Die Landwirtschaft der DDR

2.1 Die marxistisch-leninistische Agrartheorie

In dem Zeitraum von 1945 bis 1990 war Deutschland in die BRD (Bundesrepublik Deutschland) und DDR (Deutsche Demokratische Republik) geteilt. Während dieser Periode entwickelten sich beide Teile vollkommen unterschiedlich voneinander aufgrund ihrer politischen Leitbilder (Eckart/Wollkopf 1994:1). Dies kam besonders in der Landwirtschaft zum Tragen und führte nach der Wiedervereinigung zu weitreichenden Transformationsprozessen in den neuen Bundesländern (Wollkopf/Wollkopf 1992:7).

Geprägt wurde die DDR durch die Leitbilder des Marxismus-Leninismus. In den Grundzügen bedeutet dies, dass Arbeits- und Lebensumstände für jeden Menschen unabhängig seiner Schicht und Klasse angeglichen werden sollen. Dies geschieht durch stetiges Anwachsen der Abhängigkeit des einzelnen gegenüber der Partei und des Staates (Grimm 1992:1). Ein Beispiel dafür ist die Überführung von privatem Eigentum in staatlichen Besitz (MIK NRW 2011). Werden die marxistisch-leninistischen Theorien auf die Landwirtschaft bezogen, bedeutet dies, dass Produktionsmittel, wie in diesem Bereich der Boden, Maschinen oder Technologien zum „Gemeineigentum“ werden (Bichler/Szamatolski 1973:9). Dies verlief nach Gründung der DDR in unterschiedlichen Phasen ab, unterstützt durch gesellschaftspolitische und betriebliche Eingriffe in die vorhandenen Strukturen der Landwirtschaft (Eckart 2001:202). Im folgenden Abschnitt sollen diese Etappen und ihre Besonderheiten kurz dargestellt werden.

2.2 Merkmale ihrer Agrarstruktur

Gemäß der Umsetzung der Theorien wurde im Jahre 1945 die sogenannte „Verordnung über die Bodenreform“ durchgeführt. Dadurch verloren alle Privateigentümer mit einer Landfläche über 100 Hektar ihren Besitz, inklusive jeglicher Gebäude der landwirtschaftlichen Nutzung, landwirtschaftlicher Maschinen und Tiere. Der Boden wurde einem staatlichen Bodenfonds zugeführt. Des Weiteren wurden Betriebe mit weniger als 100 Hektar enteignet, insofern der Besitzer ein Kriegsverbrecher, Naziführer oder aktives Mitglied der NSDAP war. Dies geschah entschädigungslos. Insgesamt konnten so 3,3Millionen Hektar Land neu verteilt werden. Zum Teil wurden „Volkseigene Güter“(VEG) errichtet. Übrige Flächen wurden an Privatpersonen verteilt. So entstanden 210.276 neue bäuerliche Betriebe mit einer durchschnittlichen Fläche von 8,1 Hektar (Hohmann 1984:598). Diese Phase zeichnet sich also durch überwiegend klein- und mittelbäuerliche Strukturen aus.

Während der Kollektivierung von 1952-60 wurden kleine Betriebe zu „landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“(LPG) zusammengeschlossen, unterschieden nach Typ I, II, III (Eckart/Wollkopf 1994:13). Zu Beginn gab es in einem Dorf mehrere kleine LPG, letztendlich wurden diese aber zusammengefasst zu einem „Groß-LPG“. In diesem waren so mehrere Dörfer vereinigt. Jedes LPG war immer strikt nach „Tier- und Pflanzenproduktion“ unterteilt (Grimm 1992:3). So reduzierte sich die Zahl der Betriebe von 445.000 1945 auf 20.280, meist sozialistische Betriebe, die 90% der landwirtschaftlichen Fläche nutzten. Diese hatten zu diesem Zeitpunkt noch eine überschaubare Größe von 150-600 Hektar (Arnold 1998:39). Zum Ende dieser Phase war so fast der gesamte, private Besitz beseitigt worden.

Als größere Einheit kann der Zeitraum zwischen 1960 und dem Ende der DDR angesehen werden. Hier ist die Schaffung der landwirtschaftlichen Großbetriebe charakteristisch. Es entwickelte sich eine industrialisierte Massenproduktion an tierischen oder pflanzlichen Gütern. Es war keine Seltenheit, dass in dieser Zeit Pflanzenbaubetriebe eine Größe von 10.000 Hektar überschritten oder Schweinemastanlagen Platz für über 6.000 Tiere boten. Zusätzlich wurde diese Massenproduktion in horizontale und vertikale Organisationsstrukturen zum Teil vor Ort miteingebunden (Wollkopf/Wollkopf 1992:12-13). Ein Beispiel dafür zeigt das Foto in Abbildung eins. Dieser Wegweiser zeigt die unterschiedlichen Betriebsanlagen eines LPG, das eigentlich für die landwirtschaftliche Produktion gedacht war. „Konzentration, Spezialisierung und Intensivierung“(Wollkopf/Wollkopf 1992:16) sind Schlagwörter dieses Zeitraums und damit die verbundene landwirtschaftliche Industrialisierung. Damit hängen jedoch gravierende Umwelteinflüsse zusammen, beispielsweise durch unsachgemäße Verwendung von Mineraldünger und Pflanzenschutz, wodurch das Grundwasser gefährdet wurde. Vielerorts kam es zur Bodenverdichtung aufgrund der Verwendung von Großmaschinen oder durch monotonen Anbau zu mangelnder Biodiversität. Dies hat generell zur Folge, dass ein Boden an Qualität verliert und die Ressource Boden geschädigt wird. Dadurch stieg der Einsatz von Phosphor als Düngemittel von 33 Kilogramm auf 56 Kilogramm pro Hektar von 1945-88 (Wollkopf/Wollkopf 1992:16).

Abbildung 1: Wegweiser in einem LPG Quelle: Bichler/Szamatolsk (1973:63)

Allgemein gesprochen hat sich seit der Gründung der DDR ein Wechsel von der „privatwirtschaftlichen und einzelbetrieblichen Landwirtschaft“ zu einer „zentral gelenkten Landwirtschaft mit sozialistischer Agrarordnung“ (Eckart 1998:317) vollzogen, mit besonderen Merkmalen der Agrarstruktur.

Als besondere Merkmale der Landwirtschaft in der DDR gilt festzuhalten:

- die Größenstruktur der Betriebe
- Landwirtschaft als Industrie betrieben
- kaum Privatbesitz an landwirtschaftlichen Betrieben und Nutzflächen
- Ressourcenschädigung durch zu konzentrierten und intensiven Anbau

2.3 Herausforderungen an die Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung

Juchelka (1990:15) beschreibt die Wiedervereinigung wegen dem „Zusammenprall zweier unterschiedlicher, politischer und wirtschaftlicher Systeme“ als eine Katastrophe, die sich ereignen wird. Große Probleme verursachte dabei aufgrund der „krisenhaften Zustände“ die Landwirtschaft. Beispielsweise waren die Betriebe wegen ihrer Größe und Organisation nicht wettbewerbsfähig. Außerdem wurden Großbetriebe geschlossen, weil diese eine zu hohe Umweltbelastung darstellten. Es sollte ein Übergang zum ökologischen Landbau folgen. Des Weiteren musste es als Resultat der Umweltschädigung zu Boden- und Flächensanierung, Altlastbeseitigung und Gewässerschutz kommen (Wollkopf/Wollkopf 1992.17). Die agrarpolitischen Ziele mussten somit neu verhandelt werden (Eckart 2001:220), damit Bauern und Betriebe eine Chance hatten sich zu etablieren und nicht zerstört zu werden (Juchelka 1990:15). Inwiefern sich die Agrarstruktur verändert hat, soll das folgende Kapitel anhand der Analyse der Landwirtschaft von zwei neuen Bundesländern zeigen.

3 Zwei neue Bundesländer und ihre Landwirtschaft im Vergleich

3.1 Basisdaten - Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt

Nach der Wiedervereinigung 1989 wurde Ostdeutschland zu einem Teil der BRD. Dies bedeutete die Adaption eines neuen Wirtschafts- und Regierungssystems. Während dieser Entwicklung entstanden fünf neue Bundesländer: Brandenburg, der Freistaat Thüringen und Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (Gebhardt 1994:13-21).

Mecklenburg-Vorpommern mit der Landeshauptstadt Schwerin umfasst eine Gesamtfläche von 23.185km². Dies macht 6,49% des gesamten Flächenanteils Deutschlands aus. Diese Fläche wird von 1.666.436 Einwohnern bewohnt. Mit 72 Einwohnern pro km² liegt die Bevölkerungsdichte Mecklenburg-Vorpommerns bei den niedrigsten Werten der gesamten Bundesrepublik. Dies trifft ebenso auf Sachsen-Anhalt mit der Landeshauptstadt Magdeburg zu. Auf den 20.447km² Landesfläche, 5,73% der Gesamtfläche Deutschlands, leben 2.381.872 Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt hier zwar bei 116 Einwohnern pro km², doch zählt dies im nationalen Vergleich zu den geringen Bevölkerungsdichten. Der Spitzenwert liegt in Berlin bei 3.851 Einwohnern. Interessant ist, dass die beiden Länder die Position der höchsten Arbeitslosenquote innehaben. Diese wurde in den letzten Jahren reduziert. Dennoch liegt dieser Wert 2008 immer noch bei ungefähr 14%. Des Weiteren liegt der prozentuale Anteil des Bruttoinlandproduktes nur bei 1,4% in Mecklenburg-Vorpommern und bei 2,2% in Sachsen-Anhalt. Bei 21,7% liegt in Nordrhein-Westfalen der höchste Wert. Dies lässt auf Probleme in den Wirtschaftsstrukturen dieser Bundesländer schließen (Eschenhagen 2009:150ff.). Im Kontrast dazu steht die gut ausgeprägte Agrarwirtschaft der neuen Bundesländer. Die Fläche der neuen Bundesländer zusammen bildet eine der größten zusammenhängenden Ackerbauregion der Welt. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind ein Teil davon (Wollkopf/Wollkopf 1992:9). Auf ausgewählte Parameter der heutigen Agrarwirtschaft wird nun exemplarisch eingegangen.

3.2 Die Agrarwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns heute

1,35Millionen Hektar der Landesfläche, also 62,4%, werden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt (LU MV 2011). Unter den neuen Bundesländern verfügt Mecklenburg-Vorpommern über das größte Flächenpotential und im deutschlandweiten Vergleich liegt es auf Platz fünf für das beste Flächenpotential (Albrecht 1996:127). Dies hängt zu großen Teilen mit dem Bodenpotential zusammen. Auf Grundmoränen sind beisielweise fruchtbare Lehmböden entstanden (Fischer et. al. 1971:166). Allgemein variieren die Bodenzahlen zwischen 18-60, da jeglicher Art von Boden von Ton bis Sand vorkommt (MBLU 1995:155). Durch die Entwicklung von planwirtschaftlichen Strukturen mit dem Ziel der größtmöglichen Produktionsmenge in marktwirtschaftlichen Strukturen mit dem Ziel möglichst rentabel zu produzieren veränderte sich die Agrarwirtschaft nach dem Zusammenbruch der DDR stetig. So prägt die Landwirtschaft heute die Regionen Mecklenburg-Vorpommerns (Albrecht 1996:117-120).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
Untertitel
Noch geprägt vom Erbe der DDR?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V267676
ISBN (eBook)
9783656587002
ISBN (Buch)
9783656586999
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
landwirtschaft, sachsen-anhalt, mecklenburg-vorpommern, noch, erbe
Arbeit zitieren
Caprice Mathar (Autor), 2011, Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267676

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