Restriktive vs. verallgemeinerte Handlungsfähigkeit

Eine Perspektive der Handlungstheorie vor dem Hintergrund der kritischen Psychologie


Essay, 2006
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Weltbild
Der Gegenstand
Die Tätigkeit
Das Bewusstsein

Handlung und Handlungsfähigkeit

Restriktive vs. verallgemeinerte Handlungsfähigkei
Restriktive Handlungsfähigkeit
Verallgemeinerte Handlungsfähigkei

Macht- & Gesellschaftseinflüsse in der Handlungsfähigkeit

Prämissen-Gründe Zusammenhänge versus Reiz-Bedingungsreaktionen in Bezug auf Handlungsfähigkeit

Literatur

Einleitung

Im Rahmen des Seminars Handlungstheorien beschäftigte ich mich mit der Handlungstheorie in der kritischen Psychologie. Bedingt durch die Komplexität des Themas wählte ich für ein besseres Verständnis zunächst eine Einleitung in das Weltbild und das Menschenbild der kritischen Psychologie um dann auf die Handlungstheorien des restriktiven vs. verallgemeinerten Handelns eingehen zu können. Abschließend werde ich in dieser Arbeit noch zeigen, welche Einflüsse die Handlungstheorie auf die Gesellschaft ausübt und kurz auf die vorherrschenden wissenschaftlichen Grundprinzipien eingehen.

Das Weltbild

Die kritische Psychologie ist im Wesentlichen durch das Weltverständnis von Karl Marx beeinflusst. Somit stellt die kritische Psychologie nicht nur eine psychologische Schule dar, sondern ist zuförderst eine Gesellschaftstheorie, die sich speziell mit dem Individuum und seinen Beziehungen zur Gesellschaft befasst als auch die bestehenden Systemstrukturen kritisch hinterfragt. Im nachfolgenden werden nun drei Aspekte der von Marx´ formulierten Gesellschaftstheorie, die in Bezug zu den später erläuterten Handlungskonzepten stehen, näher beleuchtet: Der Gegenstand, die Tätigkeit und das Bewusstsein.

Der Gegenstand

Marx (1888) bringt seine Weltsicht und Kritik am Kapitalismus in seinen Feuerbach - Thesen wie folgt zum Ausdruck: Der "Hauptmangel des bisherigen Materialismus bestehe darin, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit von ihm nur in Form des Objekts, in Form der Anschauung gefaßt wird, aber nicht als menschliche Tätigkeit, nicht subjektiv.“

Ein wesentlicher Kritikpunkt des Kapitalismus besteht nach Marx darin, dass in der Betrachtung von Gegenständen kein Bezug zur Entwicklung derselbigen hergestellt wird. Somit wird den Gegenständen ein Marktwert beigemessen, wobei vergessen wird, dass diese Dinge Ausdruck einer kulturellen Entwicklung sind. Durch diese Betrachtungsweise werden sie losgelöst von der Umwelt wahrgenommen und nicht mit dem Grundgedanken des Entstandenseins bzw. der kulturbedingten Entwicklung. Gegenstände entstehen aber, dem marxistischen Verständnis entsprechend, immer durch menschliche Tätigkeit und sind ein subjektives Ergebnis des handelnden Menschen. Die Produktion eines Autos beispielsweise ist primär der subjektiven Tätigkeit eines Erfinders zu zuschreiben. Die Tätigkeit des Erfinders durchläuft dabei viele Entwicklungsstufen und unterliegt beständig den kulturellen und aktuellen politischen wie auch geschichtlichen Bedingungen. Somit ist ein Gegenstand nicht nur ein Gebrauchsobjekt sondern gleichzeitig auch immer ein kultureller Zeuge des gesellschaftlichen Entwicklungsstandes.

Die Tätigkeit

In der menschlichen Tätigkeit liegt für Marx primär eine sinnlich praktische Tätigkeit, die der Mensch durch die Wahrnehmung und Sinne erfahren bzw. erfassen kann. Dabei wird der Kontakt über Gegenstände, welcher Art auch immer, zur Umwelt hergestellt. In der Kontaktaufnahme zur Umwelt erfährt das Individuum seine Grenzen als handelndes Subjekt sowie den Widerstand des Systems in welches das Individuum eingegliedert ist. Marx (1969: Marx- Engels –Werke) drückt dies in seiner Erkenntnistheorie wie folgt aus: „ Tätigkeit sei in ihrer Ausgangs- und Grundform sinnliche praktische Tätigkeit, in der die Menschen praktischen Kontakt mit den Gegenständen der Umwelt aufnehmen, ihren Widerstand an sich selbst erfahren, auf sie einwirken und sich zugleich ihren objektiven Eigenschaften unterordnen.“ Die erlebten Grenzerfahrungen des Systems lösen unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten für den Einzelnen aus: Zum einen besteht die Möglichkeit auf das System einzuwirken und es zu verändern, und zum anderen kann man sich den objektiven Gegebenheiten einfach unterordnen. Dies führt zu einer wechselhaften Interaktion von Individuum und System, so dass der Mensch durch seine Umwelt, aber auch umgekehrt, nämlich die Umwelt durch den Menschen, verändert wird. Das geschieht durch vier wesentliche Elemente: Kontaktaufnahme, Widerstandserfahrung, Einwirken, Unterordnung.

Tätigkeit im Sinne von Marx ist also immer eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, wobei kognitive Prozesse hierin nicht miteingeschlossen werden, wohl aber die Wahrnehmungsvorgänge.

Das Bewusstsein

Ein weiterer wesentlicher Aspekt in der nachfolgenden Handlungstheorie ist Marx´ Verständnis vom menschlichen Bewusstsein. Marx versteht Bewusstsein nicht als etwas von hirnorganischen Strukturen Erzeugtes, sondern als ein erworbenes Selbstbild innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur, das durch Beziehungen gekennzeichnet ist und ebenso durch sein Schaffen oder seine Arbeit. Das Bewusstsein ist etwas Erworbenes und nichts Angeborenes, dass der Mensch durch das Erleben seines eigenen Schaffens erwirbt und durch die Qualität seiner gesellschaftlichen Beziehungen erfährt. Das Bewusstsein des Menschen wird somit ausschließlich über und durch die Gesellschaft ausgebildet. Marx (1888) formulierte dazu folgende Aussage: „ Wenn auch das Bewußtsein in der Evolution der Tierwelt eine lange Vorgeschichte hat, entsteht es zum ersten Mal beim Menschen im Prozeß der Herusbildung der Arbeit und der gesellschaftlichen Beziehungen. Das Bewußtsein ist von Anfang an ein gesellschaftliches Produkt.“

Werden die drei Marx´schen Aspekte zusammengefasst, ergibt sich die Erkenntnis, dass Bewusstsein durch den Kontakt zur Umwelt entsteht und sich beim Einzelnen in seinen gesellschaftlichen Beziehungen als auch in seiner Arbeitstätigkeit zeigt. Ohne das Bewusstsein ist eine Gegenstandsbetrachtung als auch eine Tätigkeit nicht möglich. Ebenso resultiert die Handlungsfähigkeit eines Menschen aus der Entwicklung seines Bewusstseins.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Restriktive vs. verallgemeinerte Handlungsfähigkeit
Untertitel
Eine Perspektive der Handlungstheorie vor dem Hintergrund der kritischen Psychologie
Veranstaltung
Allgemeine Psychologie- Handlungstheorien
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V267694
ISBN (eBook)
9783656590576
ISBN (Buch)
9783656590569
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
restriktive Handlungen, Verallgemeinerte Handlung, Handlungstheorie, kritische Psychologie, Macht- und Herrschaftsverhältnisse
Arbeit zitieren
Agnes Huttenlocher (Autor), 2006, Restriktive vs. verallgemeinerte Handlungsfähigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267694

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