Die griechische Kolonie Syrakus

Die Intentionen der Kolonisten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.Voraussetzungen für die Koloniegründung
1.1 Bedürfnisse bei der Wahl des Siedlungsgebietes
1.2 Geographische Gegebenheiten in Syrakus

2. Die Gründung Syrakus‘
2.1 Die Gründungsgeschichte im „Spiegel der Quellen“
2.2 Die Verhältnisse zu den Ureinwohnern Siziliens
2.3 Die Motive der Gründung Syrakus‘

3. Die syrakusische Expansion
3.1 Der Verlauf der „dorisch-syrakusischen Expedition“
3.2 Die Bedeutung der syrakusischen Expansion

Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit ihrem Gründungsdatum 733 v. Chr. gehört Syrakus zu einer der frühesten Kolonien Grie- chenlands im westlichen Mittelmeerraum.1 Die Quellenlage gestaltet sich dementsprechend äu- ßerst schwierig, neben bruchstückhaften archäologischen Erkenntnissen stehen der heutigen Wissenschaft einige wenige, nicht zeitgenössische, literarische Quellen zur Gründungszeit der Kolonie Syrakus vor. Eine der antiken Hauptquellen zur griechischen Kolonisation ist die Ge- schichte des Peloponnesischen Krieges von Thukydides. In seinen Beschreibungen gibt er eine relative Chronologie der griechischen Kolonisation, die von der heutigen Forschung weitestge- hend akzeptiert wird. Jedoch fehlen Angaben zu seinen Quellen in den Beschreibungen gänz- lich, sodass man für den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen nicht bürgen kann. Weitere Autoren, die Aussagen über die Gründungszeit von Syrakus treffen, sind beispielsweise Strabon, Plutarch oder Diodorus. Da diese Autoren jedoch temporär noch weiter vom Geschehenszeit- punkt entfernt schrieben, ist der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen noch zweifelhafter als bei Thukydides.

Trotz der problematischen Quellenlage aus dieser Zeit lässt sich über Syrakus ein komplexeres Bild der Gründungsgeschichte zeichnen, als es bei anderen griechischen Kolonien der Fall ist. Dies gründet darauf, dass Syrakus sich in relativ kurzer Zeit zu einer der wichtigsten Kolonien Griechenlands entwickelte und in ihren Ausmaßen alle anderen sizilianischen Kolonien über- trumpfte.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich speziell mit Geschehnissen der Gründungzeit Syrakus und den Motiven der Kolonisten. Dabei sollen zu Beginn die Voraussetzungen für die Koloni- sation näher beleuchtet werden, sowohl die geographischen Gegebenheiten in Südost-Sizilien, als auch die Ansprüche der Kolonisten an das neue Siedlungsgebiet. Infolgedessen wird expli- zit, mit Konzentration auf das Verhältnis der Kolonisten zu den „Ureinwohnern“ Siziliens und den Motiven der Koloniegründung von Syrakus, auf die Gründung der Kolonie eingegangen. Abschließend steht die Ausweitung Syrakus‘ von einer Kolonie zum Flächenstaat im Mittel- punkt der Betrachtungen.

Anhand dieser Parameter soll in der vorliegenden Arbeit geklärt werden, ob die Bildung eines Flächenstaates schon vor der Gründung von Syrakus die Intention der Griechen darstellte.

1.Voraussetzungen für die Koloniegründung

1.1 Bedürfnisse bei der Wahl des Siedlungsgebietes

Bei der Gründung griechischer Kolonien achteten die Kolonisten primär auf die geographische Beschaffenheit der Landschaft, die als Siedlungsgebiet in Frage kam. Bevorzugt wurden Ge- biete in Küstennähe, wie beispielsweise Inseln oder Halbinseln, von denen aus die Besiedlung des Festlands meist erst nach geraumer Zeit gewagt wurde.2 Die wohl erste bekannte Kolonie Kyme wurde als eine solche Inselfestung auf Pithekussai errichtet und besiedelte erst nach Jah- resfrist das circa 15 Kilometer entfernte Festland.3 Bei der Wahl des Siedlungsraumes gaben meist strategische Aspekte den Ausschlag, so musste das Gebiet im Falle eines Angriffs sowohl von Landwegen, als auch von Seewegen gut geschützt und leicht zu verteidigen sein. Da neben dem Schutz der frühen Apoiken die Nahrungsversorgung der Kolonisten im Mittelpunkt stand, musste die Landschaft außerdem über fruchtbare Böden und eine hinreichende Wasserversor- gung verfügen. Ein weiterer Aspekt, den man in diesem Zusammenhang erwähnen muss, der aber sicher nicht zu den Hauptanliegen der ersten Kolonisten gehörte, ist der der guten Han- delslage. Durch gut positionierte und ausgebaute Hafenanlagen konnte im Laufe der Zeit der Handel zu einer der Haupterwerbszweige der griechischen Kolonien werden.

1.2 Geographische Gegebenheiten in Syrakus

Die Landschaft an der Südostspitze Siziliens weist alle genannten Aspekte einer frühen grie- chischen Kolonie auf und ist in ihrer „individuellen Beschaffenheit nahezu einzigartig“.4 Im speziellen der Bereich, in dem sich die Apoike Syrakus befand, bietet zum einen Sicherheit und zum anderen ermöglichen seine geographischen Gegebenheiten die Beherrschung des Hinter- landes.

Die etwa 2 Kilometer vor dem Festland liegende Insel Ortygia ist circa 40 ha groß und besteht aus Kalkstein. In antiker Zeit war sie nicht mit dem Festland verbunden, das sich in Form der Schwemmlandebene des Anapos westlich anschließt. Die Ortygia und die Schwemmlandebene

bildeten somit zur Zeit der Gründung von Syrakus Platz für eine optimal geschützte Hafenan-lage. Nördlich dieses Gebietes schließt sich eine äußerst fruchtbare Festlandsschräge von 273 ha Größe an.5

Hans-Peter Drogemüller bezeichnet diese geographisch einzigartigen Voraussetzungen von Syrakus als „Brückenkopfsiedlung“, dabei geht er davon aus, dass die Insel Ortygia und das Festland zur gleichen Zeit besiedelt wurden. Diese Annahme teilt T.J. Dunbabin, der diese Besonderheit Syrakus‘ als „double city“ bezeichnet.6 Mit dieser These widersprechen beide der antiken Quelle des Thukydides, der beschreibt, dass die Schwemmlandebene erst später besiedelt wurde.7 Somit ist die Quellenlage zu dieser Problematik äußerst strittig. Drogemüller verweist allerdings darauf, das Thukydides bei der Erstellung seiner Schriften von den karthagischen Städten seiner Zeit ausging und so auf die Gründungsphase schloss. Dies würde das Argument der „Brückenkopfsiedlung“, also der gleichzeitigen Besiedlung von Insel und Festland, bestärken, zumal die archäologischen Funde eindeutig seien.8

2. Die Gründung Syrakus‘

2.1 Die Gründungsgeschichte im „Spiegel der Quellen“

Die Quellenlage zur Kolonisation Siziliens durch die Griechen ist heute relativ schwach. Die Überlieferungen, die durch griechische Schriftsteller aus späteren Jahrhunderten noch erhalten sind, sind teilweise nicht geeignet, um die Kolonisation sachlich zu beschreiben, da es sich teilweise um Heldenepen und Mythen handelt. Verhältnismäßig sachliche Beschreibungen lie- fern Strabon und Thukydides in ihren jeweiligen Beschreibungen der Gründungsgeschichte Sy- rakus‘.

In seiner relativen Chronologie zur Besiedlung Siziliens durch die Griechen datiert Thukydides die Gründung von Syrakus auf das Jahr 733 v. Chr.9 In diesem Jahr sollen demnach mit der Gründung von Naxos und Syrakus die ersten griechischen Siedlungen auf Sizilien entstanden sein. Naxos liegt 90 Kilometer nördlich von Syrakus an der Ostküste Siziliens und wurde von den Chalkidikern gegründet, während Syrakus durch korinthische Kolonisten gegründet

[...]


1 Thuk. VI 3.2.; Vgl. Fischer 2010, S.67-72; Dunbabin 1948, S.13.

2 Vgl. Fischer 2010, S.67-72.

3 Vgl. Cook 1962, S.113-14.

4 Drögemüller 1969, S.11.

5 Vgl. Drögemüller 1969, S.13-20.

6 Dunbabin 1948, S.50.

7 Thuk. VI 3.2.

8 Vgl. Drögemüller 1969, S.38f.

9 Thuk. VI 3.2.; Vgl. Fischer 2010, S.67-72; Dunbabin 1948, S.13.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die griechische Kolonie Syrakus
Untertitel
Die Intentionen der Kolonisten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V267984
ISBN (eBook)
9783656581512
ISBN (Buch)
9783656581109
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kolonie, syrakus, intentionen, kolonisten
Arbeit zitieren
Lukas Glaß (Autor), 2012, Die griechische Kolonie Syrakus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267984

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