Der im Rahmen der sog. Digitalen Revolution seit Beginn der 1980er Jahre voranschreitende Einzug moderner Informations- und Kommunikationstechnologie in alle betrieblichen Funktionsbereiche hat sukzessive auch das Personalwesen erfasst und erstreckt sich inzwischen selbst auf schwerer zu strukturierende Problemstellungen.
Die für die einzelnen Teilaufgaben des Personalwesens in großer Vielfalt angebotenen Lösungsansätze werden in der Literatur zumeist unter dem Stichwort „Personalinformationssystem“ (PIS) diskutiert, für welches sich im englischsprachigen Raum der nachfolgend synonym verwendete Begriff „Human Resource Information System“ (HRIS) durchgesetzt hat. In jüngeren Publikationen haben u. a. auch die Begriffe „Personalmanagementsystem“ oder „electronic Human Resources (eHR)“ Verwendung gefunden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich aus wissenschaftlicher Sicht die Frage, inwiefern diese Begriffe mit Blick auf die einschlägige Literatur voneinander abgegrenzt werden können, oder ob definitorische Unschärfen verbleiben. Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet somit der Versuch, PIS begrifflich abzugrenzen und innerhalb der Wirtschaftsinformatik einzuordnen. Anschließend soll untersucht werden, ab wann diese Systemklasse seit Beginn der digitalen Revolution in der wissenschaftlichen Literatur behandelt wurde, seit wann also ein wissenschaftliches Interesse daran existiert.
Hierauf aufbauend wird herauszustellen sein, auf welche Aspekte von PIS sich dieses Interesse seitdem bezogen, und wie sich die Betrachtung dieser Aspekte im Spiegel der wissenschaftlichen Literatur gewandelt hat.
Aus den aus der Literatur gewonnenen Erkenntnissen soll schließlich ein Fazit gezogen werden, in welchem die wissenschaftliche Bedeutung von PIS für die Wirtschaftsinformatik zusammenfassend als eher hoch oder eher niedrig eingestuft, und ein kurzer Ausblick auf mögliche, zukünftige Forschungsschwerpunkte gegeben wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen
3 PIS in der wissenschaftlichen Literatur zur Wirtschaftsinformatik
3.1 Lehrbücher
3.2 Lexika
3.3 Fachzeitschriften
3.4 Fachtagungen
3.5 Monografien zu PIS
4 Ausgewählte Aspekte von PIS im Spiegel der Literatur
4.1 Architektur
4.2 Schnittstellensicht
4.3 Funktionssicht
4.4 Nutzersicht
5 Zusammenfassung und kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Bedeutung von Personalinformationssystemen (PIS) innerhalb der Wirtschaftsinformatik, indem sie das existierende Schrifttum seit Beginn der 1980er Jahre analysiert, begrifflich einordnet und thematische Schwerpunkte in der Literatur identifiziert.
- Begriffsabgrenzung von PIS, HRIS und eHRM
- Analyse der Relevanz in Lehrbüchern und Lexika
- Auswertung von Fachzeitschriften und Fachtagungen
- Untersuchung von PIS-Architekturen und Schnittstellen
- Betrachtung von Funktions- und Nutzersichten in IT-Systemen
Auszug aus dem Buch
4.1 Architektur
Schwarze definiert die Architektur eines IS als „die Gesamtheit aller Regeln, Vorschriften und Konzepte, die dem Aufbau eines IV-Systems zugrunde liegen“ (Schwarze 2000, S. 138 unten). Zur Komplexitätsreduktion schlägt er die Einteilung der Architektur in elf Sichten vor. In ähnlicher Weise unterteilt Mülder (2000, S. 101-104) die Architektur eines PIS in Betroffenen-, Benutzer-, Zugriffs-, Funktions-, Daten-, Prozess-, Technik-, und Schnittstellensicht.
Im Gegensatz hierzu beschränken u. a. Kavanagh et al. (2012, S. 65-71) und Strohmeier (2008, S. 3) den Architekturbegriff auf den Aspekt der Softwarearchitektur. Grundlage für den Vergleich unterschiedlicher Architekturen bildet dabei das sog. Schichtenmodell gem. Abbildung 1. Diesem engeren Verständnis des Architekturbegriffs soll hier gefolgt werden.
Bis in die 1980er Jahre hinein waren PIS zumeist von monolithischer Architektur, bei der sowohl alle Datenhaltungs- und Anwendungskomponenten, als auch die Benutzerschnittstelle innerhalb desselben Systems realisiert und nur in ihrer Gesamtheit nutzbar waren (vgl. Strohmeier 2008, S. 7 f.). Die Dateneingabe erfolgte zumeist über Erfassungsbelege in Rechenzentren, die Datenverarbeitung per Stapelverarbeitung auf Großrechnern. Heinrich und Pils (1979, S. 150 f.) verwiesen jedoch bereits auf die Möglichkeiten des Dialogbetriebes und der sog. „Stapelfernverarbeitung“ an dezentralen Bildschirmterminals.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der IT im Personalwesen ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der wissenschaftlichen Einordnung von PIS.
2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen: Dieses Kapitel klärt die verschiedenen Terminologien wie HRIS oder eHRM und ordnet diese in ein übergeordnetes Systemverständnis ein.
3 PIS in der wissenschaftlichen Literatur zur Wirtschaftsinformatik: Es erfolgt eine detaillierte Quellenanalyse über Lehrbücher, Lexika, Fachzeitschriften, Fachtagungen und Monografien zur Ermittlung der Relevanz des Themas.
4 Ausgewählte Aspekte von PIS im Spiegel der Literatur: Hier werden spezifische technische und funktionale Aspekte, wie Architektur, Schnittstellen, Aufgabenbereiche und die Nutzerperspektive, in den Fokus gerückt.
5 Zusammenfassung und kritische Würdigung: Das Fazit bewertet die Bedeutung von PIS als bisher eher gering und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung unter Einfluss von Cloud und Social Software.
Schlüsselwörter
Personalinformationssysteme, PIS, HRIS, Wirtschaftsinformatik, IT-gestützte Personalwirtschaft, Softwarearchitektur, Schnittstellenmanagement, Funktionssicht, Nutzersicht, eHRM, Cloud Computing, Social Software, Systemhierarchie, Datenverarbeitung, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Bedeutung von Personalinformationssystemen innerhalb der wissenschaftlichen Disziplin der Wirtschaftsinformatik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die begriffliche Klärung von PIS, ihre architektonische Einordnung sowie die wissenschaftliche Relevanzanalyse in diversen Publikationsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Stellenwert von PIS in der Literatur zu bewerten und zu zeigen, wie sich der wissenschaftliche Fokus seit den 1980er Jahren gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse, um den Bekanntheitsgrad und die Forschungsintensität zu PIS über verschiedene Quellen hinweg zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative Quellenanalyse und eine inhaltliche Betrachtung von Architektur, Schnittstellen, Funktionalitäten und Nutzersichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind PIS, HRIS, Wirtschaftsinformatik, IT-Personalmanagement und Softwarearchitektur.
Wie hat sich die Architektur von PIS laut der Arbeit historisch gewandelt?
Die Systeme wandelten sich von monolithischen Großrechner-Anwendungen über Client/Server-Strukturen hin zu serviceorientierten Architekturen (SOA) und Cloud-basierten SaaS-Lösungen.
Welche Bedeutung wird PIS für die Zukunft zugeschrieben?
Durch Trends wie den "War for Talents" und technologische Neuerungen wie Social Software wird eine steigende wissenschaftliche Bedeutung für PIS in der Wirtschaftsinformatik erwartet.
- Quote paper
- Andreas Noak (Author), 2012, Die Bedeutung von Personalinformationssystemen in der Literatur zur Wirtschaftsinformatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268082